Mitgründungen sind schädlich
(florentcrivello.com)Die Hölle, das sind die anderen – Sartre
- Meiner Meinung nach ist es besser, allein zu gründen, wenn das möglich ist, und nur dann gemeinsam zu gründen, wenn man die perfekte Person gefunden hat
- Es gibt auch Studienergebnisse, laut denen Solo-Gründungen mehr als doppelt so erfolgreich sind
- Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung. Fast alle Mitgründerteams, die ich kenne, haben sich getrennt und das Unternehmen dabei oft in Gefahr gebracht
- Das gilt auch für belastbare Beziehungen, etwa wenn man sich seit über fünf Jahren kennt oder bereits zusammen gearbeitet hat
"Aber solo ist man doch einsam!"
- Der Hauptgrund, warum Menschen sagen, man solle nicht allein gründen, ist, dass es psychologisch zu belastend sei
- In der Realität sorgt ein Mitgründer jedoch oft für deutlich mehr Stress
- Man kann sich stattdessen Freunden oder dem Partner öffnen oder einen Therapeuten bzw. Executive Coach suchen
- Ein anderer Ansatz ist, frühen Mitarbeitern besonders starke Anreize zu geben und statt 1–2 % eher 2–4 % der Anteile zu vergeben. Dadurch kommen sie fast auf Mitgründer-Niveau
"Aber ich brauche doch einen Sparringspartner zum Denken"
Das erste Prinzip ist, sich niemals selbst zu täuschen, und die Person, die man am leichtesten täuschen kann, ist man selbst – Richard Feynman
- Allein zu gründen macht klares Denken schwieriger. Das verschärft den Mangel an "Product Market Fit", einer der großen Ursachen für das Scheitern von Startups
- Erfolgreiche Startups pivotieren normalerweise mindestens einmal. Solo-Gründer pivotieren jedoch deutlich seltener als Mitgründerteams
"Aber ich brauche doch einen technischen Mitgründer?"
- Ein häufiger Grund, warum Menschen nicht allein gründen, ist die Annahme, sie bräuchten einen "technischen Mitgründer"
- Erstens ist das ein Warnsignal. Für viele bedeutet das in Wirklichkeit: "Ich suche jemanden, der das für mich baut, und gebe dafür die Hälfte der Firma ab"
- Mit zunehmendem Investitionsvolumen fließt Kapital immer früher, und Pre-Seed-Finanzierungen sind leichter zu bekommen
- Dann ist es auch leichter, mit diesem Geld einen Engineer zu finden
- Natürlich ist die Bewertung bei einem nichttechnischen Solo-Gründer niedriger, aber früh nur die Hälfte der Unternehmensbewertung zu bekommen, führt zu weniger Verwässerung, als einem Mitgründer 50 % zu geben
Wenn man trotzdem gemeinsam gründen muss
- Mit Vorsicht auswählen
- Suche nach jemandem mit vertrauenswürdigem Charakter und Integrität, den du idealerweise schon seit einigen Jahren kennst
- Man kennt jemanden nicht wirklich, bevor man nicht einmal einen Konflikt mit dieser Person erlebt hat
- Stell dir vor, mit dieser Person in einer extremen Mangelsituation zu sein
- Klare Swim-Lanes definieren
- "Ich mache das Design, du das Coding"
- Das heißt nicht, dass man keine Bedenken oder Meinungen zum Verantwortungsbereich des anderen äußern sollte. Im Gegenteil: Solche Gespräche sind gut und in der Praxis unverzichtbar
- Man sollte aber im Blick behalten, wer letztlich die Entscheidung trifft. Gute Zäune machen gute Nachbarn
- Führt die schwierigen Gespräche frühzeitig
- Definiert im Voraus, was einstimmig entschieden werden muss, welche Entscheidungen einseitig getroffen werden können und von wem
- Haltet es schriftlich fest
- Dokumentiert möglichst früh alles formell – bevor auch nur eine einzige Zeile Code geschrieben wird
- Unzählige Unternehmen beginnen anfangs vage und landen später vor Gericht
- Schickt zumindest eine E-Mail, in der Anteilsverteilung, geistiges Eigentum, Vesting und Exit-Klauseln festgelegt werden
- Investiert viel in die Beziehung zum Mitgründer
- Die Aufgabe eines Gründers ist es, das Geschäft des Unternehmens zu schützen und wachsen zu lassen
- Eine Trennung vom Mitgründer ist ebenfalls ein großes Risiko für das Unternehmen
- Betrachte deshalb auch die Mitgründerbeziehung als potenzielles Risiko
- Verbringt viel Zeit damit, euch auf gemeinsame Motivation und Ausrichtung einzuschwingen. Mindestens zwei Stunden 1:1 pro Woche
- Ignoriert Meinungsverschiedenheiten nicht, sondern löst sie direkt
- Achtet darauf, nicht emotional zu werden
- Wenn bei einem 1:1-Gespräch einer von euch merkt, dass Emotionen hochkommen, zieht euch im Sinne der Beziehung kurz zurück
- Emotional zu werden trübt das Denken. Daraus kann nichts Gutes entstehen
- Sagt: "Ich glaube, wir werden gerade emotional, lass uns eine Pause machen und morgen weiterreden"
Und wenn es trotzdem schiefgeht …
- Handle so gut wie möglich. Beide Seiten sollten ruhig, logisch und respektvoll bleiben
- Wenn eine Person geht, sollte die andere erwägen, mehr als 1 % der Anteile zu geben
- Stell dich "radikal auf die Seite der Fairness", selbst wenn es deinen eigenen Interessen widerspricht
- Denk daran, dass die Welt klein ist. Schütze deinen Ruf um jeden Preis. Worte verbreiten sich schnell
- Der wahre Grund ist dieser: Das Unternehmen dauert ein paar Jahre, Beziehungen halten ein Leben lang. Setze deine Prioritäten entsprechend
7 Kommentare
Gut gelesen, danke.
Ich ergänze einige Sätze im Haupttext zu ein paar mehrdeutigen Stellen.
Alternative bei Solo-Gründung zu „Aber man braucht doch einen Denkpartner“:
„Natürlich wird bei einem Solo-Gründer ohne technischen Hintergrund die Valuation niedriger ausfallen, aber anfangs nur die Hälfte des Werts zu bekommen, ist immer noch weniger verwässernd, als einem Mitgründer 50 % zu geben.“
Warum ich als Solo-Entwickler allein arbeite
https://brunch.co.kr/@buildingking/68
(Ich hänge mich mal dran...)
😀
Wow, das ist genau das Leben, von dem ich träume. Vielen Dank für den tollen Beitrag!
Guter Inhalt. Noch besser wäre es gewesen, das im Voraus zu wissen ...
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Erkenntnisse aus der Untersuchung der effektivsten Gründer