1 Punkte von GN⁺ 2025-08-23 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die US-Regierung hat 10 % der Intel-Aktien übernommen
  • Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit Präsident Trumps Kurs einer Ausweitung des staatlichen Einflusses auf den Privatsektor
  • Dahinter steht das Ziel, die Kontrolle über Halbleitertechnologie und Schlüsselindustrien in den USA zu stärken
  • Damit tritt die US-Regierung als einer der größten Anteilseigner von Intel auf

Politischer Hintergrund und Ziele

  • Die Trump-Regierung hat zuletzt die Notwendigkeit betont, die technologische Führungsposition der USA in fortschrittlichen Technologiefeldern zu sichern
  • Sie verfolgt den Schutz der US-Halbleiterindustrie sowie eine Strategie zur Eindämmung konkurrierender Staaten wie China
  • Durch aktive staatliche Beteiligungen soll die Stabilität strategischer Industrien und die Kontrolle über Lieferketten gestärkt werden
  • Intel nimmt eine wichtige Stellung im globalen Halbleitermarkt ein, wodurch die Beteiligung auch symbolisch große Bedeutung hat

Markt- und Branchenreaktionen

  • Die staatliche Beteiligung hat bei privaten Investoren und an den Finanzmärkten Resonanz ausgelöst
  • Teilweise werden Bedenken wegen sinkender unternehmerischer Autonomie durch stärkere Staatseingriffe geäußert
  • Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, die die Maßnahme aus Sicht von nationaler Sicherheit und Technologieschutz für notwendig halten

Ausblick

  • Da die US-Regierung nun zu einem bedeutenden Intel-Aktionär geworden ist, könnte sie künftig Einfluss auf die Unternehmensführung und F&E-Strategie nehmen
  • Ähnliche Formen staatlicher Eingriffe könnten sich auch auf andere Hightech-Unternehmen ausweiten
  • Langfristig werden positive Effekte auf die US-Lieferketten und die Wettbewerbsfähigkeit der Hightech-Industrie erwartet

Fazit

  • Der Erwerb von 10 % an Intel durch die US-Regierung ist eine wichtige Maßnahme, die einen Wandel in den Beziehungen zwischen Staat und Privatwirtschaft symbolisiert
  • Unter dem politischen Ziel, die Führung in strategischen Industrien und technologische Eigenständigkeit zu sichern, dürfte sich dieser Kurs in den kommenden Maßnahmen weiter verstärken

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-08-23
Hacker-News-Kommentare
  • Ich denke, es ist besser, wenn der Staat bei Unternehmen, denen er Rettungsgelder gewährt, Anteile erwirbt. Schon bei den früheren "Too Big to Fail"-Rettungen hätte ich mir gewünscht, dass die Unternehmen selbst stärker zur Kasse gebeten worden wären. Daher halte ich es grundsätzlich für positiv, dass diesmal so eine Struktur zustande kommt. Allerdings sollte so etwas nicht als politisches Medienspektakel nach dem Motto "Unser Präsident hat Amerika gerettet!" ablaufen, sondern nach standardisierten, strengen Regeln und Prozessen, damit Investoren und Unternehmen Planungssicherheit haben. So etwas sollte langweilig sein und kein Stoff für eine Medienshow.

    • Ich bin eigentlich der Ansicht, dass es solche Rettungsaktionen für diese Unternehmen gar nicht geben sollte. Das erzeugt ganz klar Moral Hazard und macht es stattdessen deutlich schwieriger für viel besser geführte Unternehmen, in diesen Markt einzutreten.

    • Erwähnenswert ist, dass der Staat im Fall von AIG, der größten Rettungsaktion der früheren "Too Big to Fail"-Ära, 79,9 % der Anteile übernommen hat. Die Eigentümer der damals geretteten Unternehmen haben fast alle Verluste erlitten, aber die Leute erinnern sich meiner Meinung nach nur an die Vergütung des Managements, die nicht besonders stark gekürzt wurde.

    • Wenn ein Unternehmen so groß geworden ist, dass der Staat es am Ende retten muss, dann ist es meiner Meinung nach grundsätzlich schon ein Problem, das Wohlergehen eines solchen Unternehmens privaten Akteuren zu überlassen. In so einer Situation werden staatliche Steuergelder faktisch indirekt über Aktienkäufe in private Hände umgeleitet. Weil der Aktienkurs davon profitiert, gewinnen die Aktionäre langfristig sogar dann, wenn der Staat nur die Bereitschaft zu weiteren Käufen signalisiert. Wenn ein Unternehmen so groß ist, dass es das Wohlergehen des ganzen Landes erheblich beeinflusst, braucht es eine direktere und transparentere demokratische Kontrolle. Zumindest sollte die Struktur deutlich transparenter sein als das, was jetzt bei Intel angewendet wird.

    • Das ist zwar ein anderes Thema, aber ich finde es immer schade, dass Städte und Kommunen, wenn sie mit Steuergeld Stadien subventionieren, keinen Anteil am Eigentum oder an den Entscheidungsrechten der Sportteams bekommen. Zum Beispiel sollte die Kommune bei Umzug oder Verkauf eines Teams Einfluss nehmen können.

    • Wenn man bedenkt, dass Intel zu den sehr wenigen Unternehmen mit eigenen Halbleiter-Fabs gehört, halte ich eine Rettung eher für eine gute Entscheidung. Fabs sind extrem wertvolle Anlagen, deshalb sollte Intel nicht nur wegen der CPU-Probleme der letzten Jahre insolvent gehen. Das Unternehmen sollte weiter versuchen können, sich zu behaupten.

  • Ich frage mich, warum der Staat direkt Gewinner und Verlierer in der Industrie bestimmen will. Intel ist keine Bank, also stellt sich die Frage, warum man Intel unbedingt retten muss. Die Glanzzeit von Intel ist vorbei, und vielleicht ist das Ganze schon 25 Jahre zu spät. Dann stellt sich auch die Frage, ob der Staat nun in jeder Branche in das jeweilige Aushängeschild investieren will, um ein Gleichgewicht herzustellen.

    • Tatsächlich reduziert sich die Frage nach Gewinnern und Verlierern praktisch auf Intel allein. Es ist der einzige große Halbleiterhersteller, der in den USA übrig geblieben ist. Aus Sicht der nationalen Sicherheit geht die US-Regierung offenbar davon aus, dass TSMC im Fall einer chinesischen Invasion Taiwans ausfallen würde. Ob dieses Szenario tatsächlich eintritt, weiß niemand, aber aus Regierungssicht ist genau das die Sorge.

    • Der einzige einigermaßen nachvollziehbare Grund ist wohl die nationale Sicherheit, weil es in den USA Fertigungslinien für Halbleiter geben soll. Aber ich glaube nicht, dass die Bundesregierung dafür direkt Intel-Aktien besitzen muss. Auch US-Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman hängen stark vom Militär ab, ohne dass der Staat tatsächlich Anteile an ihnen hält.

    • Wenn man sich die Geschichte der aktuellen Regierung ansieht, erwartet man kaum eine klare Begründung. Trotzdem denke ich, dass es einen Grund gibt, Intel zu retten: Weltweit gibt es nur drei Unternehmen mit einer x86-CPU-Lizenz: Intel, AMD und VIA. Fiele Intel weg, bliebe in den USA mit AMD nur noch ein Hersteller von x86-CPUs übrig, also faktisch ein Monopol bei brauchbaren x86-CPUs. Ehrlich gesagt wirkt diese Politik auf mich aber eher wie ein Mittel, Geld in Richtung der Machtzentren der Exekutive zu lenken, statt wie eine logisch begründete Entscheidung.

    • Auf die Frage, warum Intel gerettet werden sollte, kann man antworten, dass Intel der letzte verbliebene große Halbleiterhersteller in den USA ist. AMD hat inzwischen keine eigenen Fabs mehr, und TSMC beherrscht den Weltmarkt. Würde Taiwan angegriffen, hätten die USA massive Probleme bei der Beschaffung leistungsfähiger CPUs und GPUs, was sowohl wirtschaftlich als auch militärisch gravierend wäre. Zwar baut TSMC dank des CHIPS Act inzwischen eine Fab in Arizona, aber wie groß das am Ende wird, ist noch unklar. Einige US-Unternehmen wie TI fertigen zwar Low-End-Halbleiter, doch x86, High-End-ARM und GPUs werden fast vollständig von TSMC in Taiwan produziert.

    • Ich denke, diese Geschichte ist letztlich ein Signal dafür, dass das US-Militär von Intel abhängig ist. Ohne Intel, den einzigen großen Halbleiterkonzern mit Fabs in den USA und den Schöpfer der x86-Architektur, wäre das Militär auf Chips aus "China Taiwan" angewiesen.

  • Der Staat hat Stammaktien im Wert von 8,9 Milliarden Dollar übernommen und dafür 430 Millionen Aktien zu 20,47 Dollar pro Aktie gekauft, womit er auf einen Anteil von 10 % kommt. Davon stammen 5,7 Milliarden Dollar aus bereits zugewiesenen, aber noch nicht ausgezahlten Zuschüssen aus dem CHIPS Act, weitere 3,2 Milliarden Dollar aus einem separaten Programm zur Entwicklung von Sicherheitschips. Buchhalterisch ist dieser Vorgang sehr interessant. Ich vermute, der Staat hat Intel gezwungen, als Bedingung für den Erhalt bereits genehmigter Fördergelder Aktien auszugeben. Wenn Intel ohnehin stark daran zweifelte, wie viel diese Zuschüsse real wert sind, dann ist eine Aktienemission ohne unmittelbaren Abwärtsdruck auf den Kurs am Ende vielleicht gar kein so schlechter Deal.

    • Ich glaube, der Grund dafür ist, den Weg für den Verkauf der abgespaltenen Intel-Fabs (Foundry) vorzubereiten. Beim CHIPS-Act-Geld gab es eine Claw-back-Klausel für den Fall, dass die Fab-Abspaltung verkauft wird. Mit diesem Deal wurde diese Klausel aufgehoben, stattdessen erhält der Staat Warrants auf 5 % der Anteile zu 20 Dollar mit einer Laufzeit von fünf Jahren, falls der Anteil an der Fab nach der Abspaltung unter 51 % fällt. Das Ziel dieses Deals ist also letztlich, dass der Vorstand die Fabs verkaufen will, aber dem Staat kein Geld zurückzahlen möchte, und deshalb diese Struktur entworfen hat.

    • Ich halte das einfach nur für eine weitere Trump-typische Nötigung.

  • Dieses Thema scheint zu symbolisieren, dass die USA an einem Wendepunkt ihrer Rolle als wirtschaftliche Supermacht stehen. Es erinnert an die Rettungen bei Autoherstellern und Banken, aber man fragt sich schon, ob Intel wirklich rettenswert ist oder ob man hier nur mit Gewalt Eigentum an einem Unternehmen übernimmt, das eigentlich zum Verschwinden bestimmt ist.

  • Die Straßenkulisse der USA wirkt wie Nordkorea, die tatsächlichen Verhältnisse eher wie Venezuela.

  • Ich möchte auf die Ex-post-facto-Klausel der US-Verfassung hinweisen. Ich dachte, diese Klausel ließe sich leicht zur Aufhebung heranziehen, aber tatsächlich hat der Oberste Gerichtshof schon 1912 entschieden, dass sie nur für strafrechtliche Sanktionen gilt. Juristische Details stehen einem wirklich immer im Weg.

    • Ich finde auch die "standing doctrine" des Supreme Court, also die Klagebefugnis, seltsam. Wenn der Vorstand dem Geschäft zustimmt, frage ich mich, ob die Aktionäre dann überhaupt noch berechtigt wären, Klage zu erheben.
  • Offizielle Intel-Pressemitteilung: https://newsroom.intel.com/corporate/intel-and-trump-administration-reach-historic-agreement

    • Ich frage mich, ob diese Struktur wirklich ganz ohne Abstimmung der Aktionäre auskommt. Im Ergebnis entspricht das ja praktisch einer Verwässerung um 10 %, ohne dass neues Kapital eingebracht wird.
  • In der Liste der US-Halbleiterunternehmen gilt: Nvidia hat 15 % seines Umsatzes AMD hat 15 % seines Umsatzes Intel hat 10 % seines Eigenkapitals auf nationaler Ebene abgegeben, ich frage mich, wer als Nächstes dran ist

    • Tatsächlich beziehen sich die 15 % bei AMD und Nvidia nur auf Deals im Zusammenhang mit China-Umsätzen bestimmter Komponenten und haben mit dem Gesamtumsatz überhaupt nichts zu tun.

    • Der Seltenerd-Bergbauer MP Materials stand am 10. Juli auf der Liste, und das nächste Ziel ist wohl TikTok oder Fox News.

  • Hätten die USA 10 % an TSMC ohne Stimmrechte gekauft, wäre das ein noch stärkeres Signal der Abhängigkeit gewesen. Ein interessanter Gedanke, aber kein ernst gemeinter Vorschlag.

  • Es fühlt sich so an, als würde es noch sehr lange dauern, bis man die alte Tea Party wieder auf die Straße gehen sieht, um gegen so eine Politik zu protestieren.