- Ein US-Gericht hat entschieden, die FTC-Vorgabe zur „Kündigung mit einem Klick“ (Click to Cancel) für unwirksam zu erklären
- Das Gericht befand, dass im Regulierungsverfahren der FTC die erforderliche vorläufige Analyse fehlte
- Mehrere Branchen- und Unternehmensverbände hatten Klage gegen die FTC eingereicht, und das Gericht erkannte an, dass ihnen nicht ausreichend Gelegenheit zur rechtzeitigen Stellungnahme gegeben wurde
- Das Gericht warnte, dass das Vorgehen der FTC zu einer Verzerrung des Regulierungsverfahrens führen könne
- Künftig wird dieses Urteil ein wichtiger Präzedenzfall für Regulierungsverfahren und die Einholung öffentlicher Stellungnahmen sein
Überblick
- Das Berufungsgericht des 8. US-Bundesgerichtsbezirks hat entschieden, die von der Federal Trade Commission (FTC) eingeführte Regel zur „Kündigung mit einem Klick“ (click-to-cancel rule) für unwirksam zu erklären
- Diese Regel sollte vorschreiben, dass Verbraucher Online-Service-Abonnements unkompliziert kündigen können
- Die Entscheidung fand auf Technik-Nachrichtenseiten wie Ars Technica große Beachtung; mehrere Branchenverbände und Unternehmen hatten gemeinsam Klage gegen die FTC erhoben
Position der FTC und Bewertung des Gerichts
- Die FTC argumentierte, dass nach US-Recht bei der Ausarbeitung solcher Vorschriften keine gesonderte vorläufige Regulierungsanalyse (preliminary regulatory analysis) erforderlich sei und eine abschließende Regulierungsanalyse ausreiche
- Die Richter legten die Formulierung „shall issue“ im einschlägigen Gesetz jedoch so aus, dass eine vorläufige Analyse zwingend zusammen mit der Möglichkeit zur öffentlichen Prüfung und Stellungnahme bereitgestellt werden müsse
- Da diese Analyse im Regelsetzungsverfahren fehlte, hatten die jeweiligen Branchenverbände und Unternehmen keine ausreichende Gelegenheit, zur Analyse der FTC Stellung zu nehmen oder ihr zu widersprechen
Hintergrund der Klage und Analyse des Gerichts
- Mehrere Branchenverbände und Unternehmen, darunter Kabelgesellschaften, reichten bei vier bundesweiten Berufungsgerichten Klage ein und machten geltend, dass das Regelsetzungsverfahren der FTC unangemessen gewesen sei
- Die Verfahren wurden vor dem 8. Gerichtsbezirk gebündelt; das Urteil erging durch die Richter James Loken (ernannt von George H.W. Bush), Ralph Erickson und Jonathan Kobes (ernannt von Trump)
- Die Richter wiesen darauf hin, dass die Erläuterungen in der abschließenden Regulierungsanalyse „formalistisch“ gewesen seien und die in einer vorläufigen Analyse erforderliche Kosten-Nutzen-Abwägung von Alternativen ausgelassen worden sei
Kernaussagen des Urteils
- „Als die abschließende Regulierungsanalyse veröffentlicht wurde, hatten die Kläger keine Gelegenheit, die Kosten-Nutzen-Analyse der Alternativen durch die FTC zu bewerten
- Auch die Darstellung der Alternativen in der abschließenden Regulierungsanalyse war nicht sorgfältig
- Zwar wurden Alternativen wie ein Stopp des Regelsetzungsverfahrens oder eine Beschränkung des Regelungsbereichs auf persönliches oder postalisches Marketing erwähnt, eine vertiefte Erörterung fand jedoch nicht statt
Probleme bei unterlassener vorläufiger Analyse
- Das Urteil kommt zu dem Schluss, dass es ein Risiko für die Fairness und Transparenz künftiger Regulierungsverfahren gibt, wenn die FTC Regelsetzungen ohne vorläufige Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen durchsetzt
- Das Gericht äußerte die Sorge, dass sonst prozedurale Abkürzungen möglich würden, bei denen zunächst unrealistisch niedrige Wirkungsschätzungen vorgelegt und anschließend weitere öffentliche Konsultationen sowie eine gründliche Analyse ausgelassen werden
Bedeutung und Implikationen
- Durch dieses Urteil dürfte sich die künftige Ausarbeitung von Vorschriften zur Kündigung von Online-Abonnements durch die FTC verzögern
- Die Entscheidung zeigt, dass die Einholung öffentlicher Stellungnahmen und transparente Verfahren zur Kosten-Nutzen-Prüfung bei Regulierungsbehörden weiter gestärkt werden müssen
- Sie ist auch für US-Startups und IT-Dienstleister ein Beispiel dafür, wie wichtig die Auseinandersetzung mit regulatorischen Veränderungen ist
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enSHITTificationbis zum Äußersten getrieben.