- Im US-Bundesstaat Washington wurde ein Gesetz zum Recht auf Reparatur verabschiedet und damit rechtskräftig
- Das Gesetz garantiert Nutzern von Elektronik, Haushaltsgeräten und Rollstühlen das Recht, mit den nötigen Werkzeugen, Teilen und Informationen Reparaturen selbst durchzuführen
- Hersteller sowie Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen wie Google und Microsoft unterstützten das Gesetz aktiv und spielten eine wichtige Rolle bei seiner Verabschiedung
- Auch das US-Verteidigungsministerium betont ähnliche Rechte, um die Eigenständigkeit bei Wartung und Instandhaltung militärischer Ausrüstung zu stärken
- Das Recht auf Reparatur wird in vielen US-Bundesstaaten diskutiert; der Fall Washington dürfte zu einer landesweiten Verbreitung beitragen
Die Bedeutung der gesetzlichen Verankerung des Rechts auf Reparatur in Washington
Im Bundesstaat Washington wurden zwei Gesetze verabschiedet, die den Einwohnern das Recht auf Reparatur persönlicher Besitztümer wie Elektronik, Haushaltsgeräte und Rollstühle gesetzlich garantieren. Ausgangspunkt ist die Auffassung, dass es vernünftig und selbstverständlich ist, dass Bürger letztlich selbst entscheiden, wie und durch wen die Dinge repariert, umgebaut oder verändert werden, die ihnen gehören.
Hintergrund der Gesetzesinitiative und unterstützende Gruppen
- In Washington wurde über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich für ein starkes Recht-auf-Reparatur-Gesetz gearbeitet
- Die Washington Public Interest Research Group, Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbände sowie verschiedene Organisationen und Unternehmen wie Google und Microsoft unterstützten die Initiative
- Auch Behindertenrechtsorganisationen wie Disability Rights Washington und das Here and Now Project setzten sich aktiv dafür ein, dass Hilfsmittel wie Rollstühle einbezogen werden, und unterstrichen auf Basis eigener Erfahrungen die Notwendigkeit des Gesetzes
Weitere Entwicklungen in den USA und Tendenzen im Verteidigungsbereich
- Kürzlich veröffentlichte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein Memo, das die Aufnahme von Bestimmungen zur Gewährleistung des Rechts auf Reparatur bei militärischer Ausrüstung anordnet
- Darin wird festgehalten, dass der Zugang zu Werkzeugen, Software und technischen Daten für Wartung und Reparatur militärischer Ausrüstung geprüft werden soll, während zugleich geistige Eigentumsrechte geschützt und die Eigenreparaturfähigkeit des Militärs gestärkt werden muss
- Erwähnt wird auch der frühere Fall, dass Präsident Abraham Lincoln Waffen unter der Bedingung standardisierter Teile beschaffte; damit wird die traditionelle Bedeutung reparierbarer Rechte in ziviler wie militärischer Beschaffung hervorgehoben
Die gesellschaftliche Bedeutung des Rechts auf Reparatur
- Es wird bestätigt, dass Einschränkungen des Rechts von Einzelpersonen und Organisationen, ihre eigenen Dinge selbst zu reparieren, ein Hindernis für notwendige Reparaturen und Instandhaltung darstellen
- An Beispielen von Landwirten, Hausfrauen, Medizintechnikern in Krankenhäusern und Soldaten wird deutlich, dass der Zugang zu Reparaturen für Eigentum ein wichtiges gesellschaftliches Thema ist
Potenzial für eine Ausweitung in den gesamten USA
- Derzeit werden in allen 50 US-Bundesstaaten ähnliche Gesetze zum Recht auf Reparatur diskutiert
- Washington ist der achte US-Bundesstaat, der ein solches Gesetz verabschiedet hat, und dürfte damit auch künftig anderen Bundesstaaten als Vorbild dienen
Hinweise
- Ein Teil des Inhalts des ursprünglichen Beitrags (der Name des Army Secretary) war falsch angegeben und wurde zu Verteidigungsminister Pete Hegseth korrigiert
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ab dem 1. Januar 2026 soll es Herstellern verboten werden, Reparaturen durch Teile-Pairing zu blockieren. Es wird darauf hingewiesen, dass damit das bisherige Problem gelöst würde, dass nach einem Displaytausch ein Popup mit „Unbekanntes Teil“ erschien; außerdem besteht die Hoffnung, dass auch absichtliche Verschlechterungen bei Kamera- oder Fingerabdrucksensor-Leistung enden. Der Gesetzentwurf SB 5680 soll darüber hinaus Menschen mit Rollstuhl mehr Vorteile bringen: Er gilt für elektrische Rollstühle, manuelle Rollstühle und Mobility-Scooter, und Hersteller wären verpflichtet, nicht nur Teile und Werkzeuge, sondern auch Firmware und eingebettete Software bereitzustellen. Außerdem wird erwartet, dass digitale Sperren für unabhängige Reparaturen aufgehoben werden. Quelle
Es wird die Frage aufgeworfen, ob das tatsächlich bedeutet, dass es nun illegal wäre, Kunden mitzuteilen, dass ein „gefälschtes Teil“ verwendet wurde. Außerdem wird nach den sicherheitsrelevanten Folgen gefragt, etwa ob bei Teilen, die eine gesonderte Authentifizierung benötigen, wie TPMs oder Fingerabdrucksensoren, auch die Deaktivierung einzelner Funktionen bei fehlender Authentifizierung verboten wäre.
Es gibt Bedenken, ob das sogar einschließt, dass das System den Nutzer nicht mehr darauf hinweisen darf, dass ein Nicht-OEM-Teil verbaut ist. Aus Sicht von Käufern auf dem Gebrauchtmarkt, die sonst wahllos ausgeschlachtete Geräte erwerben könnten, wird ein Nachteil erwartet.
Es werden Informationen zum Gesetzentwurf für Unterhaltungselektronik geteilt, mit Links zur Zusammenfassung des Gesetzentwurfs und zum vollständigen Gesetzestext. Auch kleine Hersteller sind nicht ausgenommen. Laut der von einer Person namens o3 vertretenen Meinung beschränken sich die Pflichten der Hersteller praktisch darauf, bereits vorhandene Service-Handbücher, Firmware-Utilities und Ersatzteile zum Selbstkostenpreis oder digital kostenlos offenzulegen. Es wird jedoch korrigiert, dass der eigentliche Gesetzentwurf die Formulierung „angemessene Kosten“ verwendet und daher weiter ausgelegt werden könnte als eine reine Bereitstellung zum Selbstkostenpreis.
Da Wartung und Reparatur von Konsumelektronikprodukten immer schwieriger geworden seien, habe man den Kauf neuer Produkte weiter vermieden; nun besteht die Hoffnung, dass dieses Gesetz das Problem entschärft.
Der Gesetzentwurf zu Telefonen wird sehr begrüßt. Beim Rollstuhlbereich hingegen sei die Reparierbarkeit bereits hoch, weshalb befürchtet wird, dass die Maßnahme dort eher zu höheren Rollstuhlpreisen und weniger Auswahl für Verbraucher führen könnte.
Es wird auf den vollständigen Gesetzestext mit PDF-Link verwiesen; er umfasst 12 Seiten und gilt als leicht verständlich.
Es wird darauf hingewiesen, dass das im Louis-Rossmann-Video ( Referenzvideo ) vorgestellte texanische Gesetz fast identisch sei und eine Lücke enthalte, nach der nur ganze „Assemblies“ statt einzelner „Teile“ zu hohen Preisen verkauft werden, etwa Display+Scharnier+Kamera. Zur Washingtoner Fassung wird angemerkt, dass es dort leichte Änderungen gebe.
Beim Axis-IP-Kamerasystem wird das Problem angesprochen, dass bei Verwendung von SD-Karten, die nicht von Axis stammen, einige Funktionen eingeschränkt seien. Obwohl Axis die SD-Karten nicht selbst herstellt, seien sie doppelt so teuer und schlechter verfügbar. Es wird gefragt, ob das neue Washingtoner Gesetz auch Auswirkungen auf solche wenig vorbildlichen Geschäftsmodelle haben könnte.
Es wird gefragt, wie weit der Bereich „Diagnose, Wartung oder Reparatur digitaler Elektronikprodukte“ reicht. Bei IoT-Geräten besteht Interesse daran, ob wegen Problemen mit geschlossenen Hub-/Cloud-Diensten auch Protokolldokumentation oder Ähnliches verlangt werden könnte, um Drittanbieter-Integrationen zu ermöglichen. Es wird gefragt, ob dieses Gesetz sogar solche Designfehler beheben helfen könnte.
Zur Geschichte vom „Soldaten, der unter einem kaputten Generator leidet“, wird die pragmatische Sicht geäußert, dass sich die meisten Generatoren auch heute schon mithilfe von YouTube-Anleitungen zerlegen und reparieren lassen. Kommerzielle Einheiten könnten allerdings komplizierter sein.
Bei kommerziellen John-Deere-Dieselgeneratoren mit Tier-4F-Einstufung würden Fehlercodes des Nachbehandlungssystems verriegelt und könnten nur mit herstellerspezifischer Diagnosetechnik zurückgesetzt werden; selbst bei einer bloßen schlechten Steckverbindung könne der Nutzer das Problem nicht selbst beheben.
Über kommerzielle Geräte wisse man nichts, aber beim eigenen tragbaren Inverter-Generator sei die gesamte Elektronikplatine so aufwendig vergossen, dass eine Reparatur einzelner Komponenten ohne kompletten Platinenersatz unmöglich sei. Der restliche ICE-Teil sei vergleichsweise simpel.
Kürzlich sei zuhause ein neuer 48KW-Generator installiert worden, doch da es sich um ein neues Generac-Modell handle, habe ein Installateur wegen Problemen mit der Steuerung bereits viermal kommen müssen. Aus Verbrauchersicht sei das sehr mühsam.
Bei großen Generatoren hänge die Kraftstoffeinspritzung von Mikrocontrollern und Software ab. Bis in die 1990er Jahre sei Software meist unveränderlich gewesen und habe kaum Bugs gehabt; heute führe Software zu Exploits und übermäßigem Feature Creep.
Es wird erklärt, dass das Washingtoner Gesetz Elektrowerkzeuge ausnimmt, während das texanische Gesetz sie einschließt. In Texas könnte dadurch der Weiterverkauf teurer Elektrowerkzeug-Akkus nach einem Zellentausch möglich werden.
Beim Zellentausch wird empfohlen, immer alle Zellen gleichzeitig zu ersetzen und neue Zellen desselben Herstellers und derselben Produktionslinie zu verwenden. Vor dem Mischen von Zellen wird wegen des Risikos eines thermischen Durchgehens mit Brandfolge gewarnt.
Es wird die Sicht vorgestellt, dass Akkureparaturen doch auch ohne solches Gesetz möglich seien. Auf AliExpress und anderswo könne man Akku-Build-Kits ohne Zellen kaufen. Von DRM-Fällen, die bei Power-Tools die Nutzung von Drittanbieter-Zellen verhindern, wisse man nichts; das könne aber je nach Marke unterschiedlich sein, daher seien weitere Informationen willkommen.
Im praktischen Einsatz verwende man Produkte von ceenr.com und sei sehr zufrieden. Link zu ceenr.com
Dieses Washingtoner Gesetz sei zwar ein Fortschritt, doch unter dem Einfluss von Unternehmenslobbying in der Politik seien die Standards abgeschwächt worden. Es gebe Detailänderungen wie branchenspezifische Ausnahmen, etwa für Videospielkonsolen. Für Näheres wird auf einen zugehörigen Artikel verwiesen.
Angesichts der aktuellen Lage in Bundesregierung und Kongress wird prognostiziert, dass künftig das Lobbying auf Bundesebene zunehmen könnte, unter Schlagworten wie „Einschränkung der Verbraucherwahl“, „Abbau von Arbeitsplätzen“ und „Preissteigerungen“.
Es wird gefragt, ob Unternehmen dann für alle Bundesstaaten reparierbare Produkte entwerfen müssten oder ob sie in manchen Staaten Reparaturbeschränkungen weiterhin aufrechterhalten könnten.
Vermutlich würden Teile, Software und Dokumentation nur Kunden und Werkstätten in Bundesstaaten mit entsprechendem Reparaturgesetz bereitgestellt.
Es wird das Szenario erwähnt, dass Unternehmen nach Kosten-Nutzen-Rechnung handeln: Kleine Anbieter könnten auf Verkäufe in Staaten mit Reparaturbeschränkungen verzichten, während große Konzerne je nach Bundesstaat unterschiedliche Produkte anbieten könnten. In manchen Staaten könnten Produkte ohne garantierte Reparaturrechte sogar die „besseren“ Spezifikationen haben.
Es wird gefragt, was passiert, wenn ein Produkt in WA gekauft wurde, der Hersteller und das Geschäft ebenfalls in WA sitzen, der tatsächliche Wohnsitz aber in ID (Idaho) liegt.