- In jüngster Zeit haben mehrere Verkehrsbetriebe Wasserstoffbusse eingeführt, doch es gab zahlreiche gescheiterte Fälle aufgrund hoher Kosten und Zuverlässigkeitsproblemen
- Die deutschen Städte Essen und Mülheim betreiben 19 Wasserstoffbusse und haben das Problem, zum Tanken lange Strecken zurücklegen zu müssen
- Batterieelektrische Busse sind günstiger und zuverlässiger, dennoch hält sich der falsche Glaube an Wasserstoffbusse weiter
Warum Verkehrsbetriebe Wasserstoffbusse wählen
- Das Paradox operativer Expertise: Verkehrsbetriebe sind im täglichen Betrieb hervorragend, aber schwach bei der Bewertung neuer Technologien
- Die Falle intuitiver Urteile: Verkehrsbetriebe neigen dazu, nach Daniel Kahnemans „System 1“-Denken intuitiv zu urteilen
- Sie sind geübt darin, Alltagsprobleme zu lösen, haben aber Defizite bei langfristigen und strategischen Perspektiven
- Mangel an technischem Know-how und Abhängigkeit von Informationen: Es fehlt an interner Fachkompetenz für technologische Innovationen, sodass man sich leicht von überzeugend vorgetragenen externen Erklärungen beeinflussen lässt
Die falsche Erzählung vom „einfachen Ersatz“
- Der Glaube, Wasserstoffbusse könnten bestehende Dieselbusse einfach ersetzen, ist falsch
- Die Einführung von Wasserstoffbussen bringt in Wirklichkeit einen komplexen Infrastrukturausbau und hohe Kosten mit sich
- Verkehrsbetriebe fühlen sich leicht von einfachen Lösungen angezogen und prüfen die Details nicht gründlich
Leistungsfähigkeit batterieelektrischer Busse und Missverständnisse über Wasserstoffbusse
- Wasserstoffbusse werden mit einer Reichweite von 1.000 km beworben, doch für die meisten innerstädtischen Linien ist das unnötig
- Moderne batterieelektrische Busse bieten bereits 300 bis 400 km Reichweite, einige Modelle sogar mehr als 500 km
- Die Batterieleistung verbessert sich kontinuierlich, und auch bei notwendigem Langstreckenbetrieb wird bald Ersatz möglich sein
Leistungsprobleme im Winter
- Dieselbusse lassen sich dank der Abwärme des Motors leicht heizen
- Auch Wasserstoffbusse können mit Abwärme beheizt werden, doch die hohen Kosten für Produktion und Speicherung von Wasserstoff sind problematisch
- Bei batterieelektrischen Bussen verringert Heizen die Reichweite, doch das lässt sich mit effizienten Wärmepumpen und Isolierungstechnologien wie im chinesischen Harbin lösen
Erfolgsbeispiele batterieelektrischer Busse
- In den USA und in Europa werden zwar Misserfolge batterieelektrischer Busse erwähnt, doch das sind nur Einzelfälle; erfolgreiche Beispiele gibt es deutlich mehr
- Nach der Insolvenz von Proterra in Nordamerika und den Problemen von Keolis Nederland in Europa hat BYD die Vertragserfüllung und Entschädigung übernommen
- In den Niederlanden gibt es viele erfolgreiche Beispiele für BYD-Elektrobusse (2013 auf Schiermonnikoog, 2015 am Flughafen Amsterdam Schiphol)
Falsche Kostenprognosen und verzerrte Informationen
- Große Institutionen wie IEA, IRENA, BloombergNEF, Hydrogen Council und CSIRO haben die Kosten der Wasserstoffelektrolyse viel zu niedrig prognostiziert
- Die tatsächlichen Elektrolysekosten liegen 60 bis 300 % höher als erwartet, und Entscheidungen auf Basis früher optimistischer Prognosen sind problematisch
- Durch Anchoring an frühe Prognosen aus vertrauenswürdigen Institutionen werden falsche Erwartungen nicht aufgegeben
Das Beispiel Kanada: Problematische Interessenkonflikte
- CUTRIC (Canadian Urban Transit Research and Innovation Consortium) in Kanada zeigt eine voreingenommene Haltung gegenüber Wasserstoffbussen
- Bei politischen Entscheidungen fehlt es an objektiver Analyse, und sie werden vom Lobbying der Wasserstoffindustrie beeinflusst
Fazit: Warum der Mythos Wasserstoffbus immer wieder scheitert
- Festhalten an anfangs übermäßig optimistischen Kostenprognosen
- Fokus auf den täglichen Betrieb bei gleichzeitig mangelnder strategischer Perspektive
- Abhängigkeit von Informationen vertrauenswürdiger Institutionen ohne ausreichende kritische Prüfung
- Wiederholte Fehlentscheidungen durch Missverständnisse über die einfache Austauschbarkeit von Wasserstoffbussen
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Der Grund ist, dass Ölkonzerne für ineffizienten Wasserstoff lobbyieren und damit die grüne Revolution verzögern
AC Transit verglich in einer zweijährigen Studie Wasserstoff-Brennstoffzellen- und Batteriebusse mit bestehenden Diesel-, Brennstoffzellen- und Hybridbussen
Präsident George W. Bush kündigte 2003 eine Wasserstoff-Brennstoff-Initiative an
Linienbusse mit festen Routen sind ein Anwendungsfall, in dem Wasserstoff theoretisch Sinn ergeben könnte
Aus US-Sicht ist der Grund für die Wahl von Wasserstoffbussen einfach
Ich dachte, Batterien hätten diesen Markt bereits vollständig gewonnen
Das ist Propaganda
Verkehrsbehörden fehlt die technische Fachkompetenz, um im Cleantech-Marketing Wahrheit von Lüge zu unterscheiden
Ich warte darauf, dass Busse mit Schwungradantrieb wieder zurückkommen
Die Antwort auf die Frage lautet: politische Gründe und Lobbyismus