USA: Apple wegen illegaler Befragung von Beschäftigten und Beschlagnahmung von Gewerkschaftsflugblättern verurteilt
(forbes.com)US-Arbeitsbehörde entscheidet: Apple hat Beschäftigte rechtswidrig befragt und Gewerkschaftsflugblätter beschlagnahmt
- Das National Labor Relations Board (NLRB) entschied, dass Apple 2022 Beschäftigte im Store im World Trade Center in New York City rechtswidrig befragt hat. Damit bestätigte die Behörde die Untersuchungsergebnisse einer Richterin, wonach Beschäftigte gezielt zu ihrer Haltung gegenüber der Unterstützung einer Gewerkschaft befragt wurden.
- Das NLRB bestätigte die Entscheidung der Verwaltungsrichterin Lauren Esposito. Esposito hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass Apple rechtswidrig verhindert habe, dass Beschäftigte Gewerkschaftsflugblätter auf Tischen im Pausenraum des World-Trade-Center-Stores auslegen, diese Flugblätter beschlagnahmt und Beschäftigte zu ihren „geschützten gemeinschaftlichen Aktivitäten“ befragt habe.
- Richterin Esposito ordnete an, dass Apple die rechtswidrige Befragung von Beschäftigten zu Gewerkschaftsfragen sowie die Beschlagnahmung von Gewerkschaftsflugblättern im Pausenraum des Stores einstellen müsse.
- Das Urteil vom Montag ist laut Bloomberg die erste Entscheidung des NLRB gegen Apple; zitiert wurde dabei NLRB-Sprecherin Kayla Blado.
- Das NLRB kann für Verstöße von Apple weder Geldstrafen noch direkte Sanktionen verhängen.
- Apple reagierte nicht umgehend auf eine Bitte von Forbes um Stellungnahme.
Hintergrund zu NLRB vs. Apple
- Laut Bloomberg sind weitere Verfahren gegen Apple noch anhängig; dabei wurde auf einen Fall verwiesen, in dem ein NLRB-Mitglied Apple vorwirft, gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte rechtswidrig von bestimmten Leistungen ausgeschlossen zu haben.
- In den vergangenen Jahren gab es in mehreren Apple Stores, darunter Short Hills in New Jersey, Oklahoma City und Towson in Maryland, Bestrebungen zur Gewerkschaftsgründung; die beiden zuletzt genannten Standorte haben erfolgreich Gewerkschaften gegründet.
- Nicht nur die Beschäftigten im World-Trade-Center-Store stießen bei ihren Organisierungsbemühungen auf Widerstand. Das NLRB stellte Ende 2022 fest, dass Apple im Store in Atlanta verpflichtende Anti-Gewerkschaftsversammlungen abgehalten habe und dass das Management gegenüber Beschäftigten coercive Äußerungen gemacht habe.
Meinung von GN⁺
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Auch wenn keine konkreten Sanktionen verhängt wurden, ist es bedeutsam, dass das NLRB Apples rechtswidrige gewerkschaftsfeindliche Praktiken offiziell anerkannt hat. Das könnte künftig auch Auswirkungen auf Gewerkschaftsbewegungen in anderen IT-Unternehmen haben.
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Nicht nur Apple, sondern auch große IT-Konzerne wie Amazon, Google und Microsoft stehen Gewerkschaftsgründungen ablehnend gegenüber. Aus Sicht des Managements ist das nachvollziehbar, da mit einer Gewerkschaft zwangsläufig mehr Forderungen wie etwa Lohnerhöhungen verbunden sein können. Das Recht der Beschäftigten, sich zusammenzuschließen, ist jedoch gesetzlich geschützt, weshalb Unternehmen hier Zurückhaltung üben sollten.
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Gerade Apple erzielt wegen im Vergleich zur Konkurrenz höherer Produktpreise sowie hoher Kundenzufriedenheit und -loyalität hohe Margen. Umso größer ist die Kritik daran, dass das Unternehmen trotz seiner finanziellen Möglichkeiten die Bildung von Gewerkschaften bekämpft, anstatt seine Beschäftigten besser zu behandeln.
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In den USA ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad unter Beschäftigten im Technologiesektor bislang sehr niedrig. Der Fall Apple könnte jedoch dazu beitragen, dass gewerkschaftliche Aktivitäten in der IT-Branche künftig zunehmen. Auch bei Google und Amazon häufen sich Fälle kollektiver Aktionen von Beschäftigten, was aufmerksam beobachtet wird.
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Zudem darf nicht unterschätzt werden, dass die Auseinandersetzung um Gewerkschaften dem Unternehmensimage von Apple schaden könnte. Da das Unternehmen Themen wie Menschenrechte und Antidiskriminierung betont, könnte es auf negative öffentliche Reaktionen bis hin zu Boykottaufrufen stoßen, wenn es sich nicht auch aktiv für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Zusammengefasst ergibt sich Folgendes:
Es wird die Frage aufgeworfen, warum US-Unternehmen die Bildung von Gewerkschaften verhindern wollen. Obwohl es Daten gibt, dass Gewerkschaften weder die Produktivität noch das Überleben eines Unternehmens stark beeinflussen, zeigen Unternehmen dennoch ein autoritäres und selbstgefälliges Verhalten.
Das NLRB (National Labor Relations Board) kann Apple für seine Rechtsverstöße weder mit Geldstrafen belegen noch direkt sanktionieren, weshalb die Wirksamkeit der zweijährigen Untersuchung infrage gestellt wird.
In Japan gibt es ein symbiotisches Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Unternehmen. Gewerkschaften sind sehr stark, halten aber auch Anteile an Unternehmen und sitzen teils im Vorstand. Japanische Gewerkschaften decken keine nachlässigen Beschäftigten.
Die Trump-Regierung ernannte eine arbeitnehmerfeindliche Person an die Spitze des NLRB, doch die Biden-Regierung ersetzte diese kurz nach Amtsantritt. Die ACLU führt eine Klage, in der sie argumentiert, dass dieser Austausch unter Biden rechtswidrig gewesen sei und daher alle Handlungen des NLRB rechtswidrig seien.
Apple ist sehr verschwiegen, sodass es für Beschäftigte schwierig ist, über ihre eigene Arbeit zu sprechen.
Unternehmen neigen dazu zu glauben, sie stünden über dem Gesetz, und wenn sie herausgefordert werden, legen sie endlose Gegenklagen und Berufungen ein. Unternehmen existieren nach dem Willen der Bürger und ihrer gewählten Vertreter.
Das amerikanische „Gewerkschaftsproblem“ entsteht größtenteils aus Konflikten zwischen Arbeitnehmern und übermäßig gierigen sowie missbräuchlichen Arbeitgebern. Würde der Staat Arbeitnehmern starken rechtlichen Schutz bieten, könnte die Notwendigkeit sinken, einer Gewerkschaft beizutreten.
Auch Menschen, die Apples Ökosystem und Produkte mögen, lehnen die Unterdrückung von Gewerkschaften ab. Angesichts von Apples hoher Profitabilität und Nachhaltigkeit wäre eine offenere Haltung gegenüber Gewerkschaften eher im Sinne des Unternehmensgeists.
Unternehmen, die die Organisierung von Gewerkschaften unterdrücken, sind schwer vertrauenswürdig.