Vergesst Microsoft nicht
(luttig.substack.com)- Microsoft muss Geld für die besten Unternehmen der Branche ausgeben, um die verlorene Zeit im Wettbewerb um Business-Daten aufzuholen. <br />
- Persönlich frage ich mich, wie es wäre, die einzelnen Unternehmen in den ELT-Phasen zu übernehmen. <br /> → Die Besten bei E und L sind Fivetran, und der Beste bei T ist dbt. <br />
- Damit würde man mit einem Stein drei Vögel treffen.<br /> → Es würde Microsoft ermöglichen, die Daten-Pipeline mit marktführenden Produkten zu gewinnen,<br /> → zehntausende erstklassige Datenteams an Bord zu holen <br /> → und sie zu Azure zu schieben. <br />
- Auch innerhalb von Microsofts bestehender Produkt-Suite gibt es große Chancen, Kundendaten hineinzuholen. <br />
- Zum Beispiel ist Microsoft auch das Unternehmen, das am besten positioniert ist, um mit Salesforce zu konkurrieren.<br />
- Microsofts CRM-Produkt Dynamics ist ein Teil dieses Potenzials. <br /> <br />
Depth: Tiefe ist der Weg, wie Microsoft in neuen Märkten gewinnt <br />
- In Microsofts Geschichte waren defensive Produktlinien meist weniger erfolgreich.<br />
- Bing lebt im Schatten von Google, Surface im Schatten des iPad und Skype im Schatten von Zoom. <br />
- Aber diese Produkte waren Versuche, Schwächen im Consumer-Internet zu kompensieren, nicht Stärken im Enterprise-Bereich auszuspielen.<br />
- Wenn Microsoft seine Enterprise-Distribution nutzt, gewinnt es selbst dann, wenn es defensiv agiert. <br />
- Wenn ich für Microsofts Produktstrategie verantwortlich wäre, würde ich mit jedem Enterprise-Software-Unternehmen konkurrieren, das ARR $100m erreicht hat.<br />
- Angesichts ihrer erhabenen Mission und KI-basierten Vision könnte der Stolz zu groß sein, um einfach zu versuchen, schlichte SaaS-Produkte zu kopieren.<br />
- Aber Facebook hat gezeigt, dass auch das gnadenlose Kopieren von Produkten neuer Startups eine relativ erfolgreiche Strategie sein kann. <br />
- Unternehmergeist intern zu fördern, um neue Produktlinien zu entwickeln, wäre zwar herausfordernd,<br />
- aber wenn Azure AWS einholen konnte, obwohl AWS bereits Hunderte Millionen Dollar Umsatz machte, dann ist das auch in anderen Kategorien möglich.<br />
- Jedes Produkt würde von Microsofts Distribution profitieren, und in jeder Kategorie wären mindestens zweistellige Marktanteile gesichert. <br />
- Selbst auf die Gefahr hin, zu einem unmodischen Imperialisten zu werden, sollte Microsoft als größtes Softwareunternehmen der Welt in jeder Kategorie von Business-Software ein führendes Produkt haben.<br />
- In den 1990ern hatte es Windows, Office, Excel usw., aber bis 2010 hatte sich Business-Software so schnell ausgeweitet, dass Microsoft nicht mehr jede Kategorie nachahmen konnte.<br />
- In den meisten Märkten versucht das Unternehmen aufzuholen, aber interne Entwicklung allein reicht nicht aus. <br />
- Das muss durch M&A ergänzt werden. Einige Ideen sind: <br /> → DocuSign: Elektronische Signaturen sind einer der wichtigsten Trends in Software, und DocuSign ist der klare Marktführer.<br /> → Figma: Überraschenderweise hat Microsoft keine Antwort auf Adobe. Mit Figma könnte man sowohl Demographics als auch Depth abdecken.<br /> → Zoom: Teams hat Videoanrufe, aber für jüngere Nutzer ist Zoom der Standard. Das ist eine Chance, den Web-Meeting-Markt zu gewinnen und Nutzer zu erreichen, die sich von der aktuellen Kundenbasis unterscheiden. <br />
- Die obigen Beispiele sind keine umfassende Liste.<br />
- Microsoft sollte alle Unternehmen im Bessemer Cloud Index danach klassifizieren, ob es Build (selbst bauen), Buy (kaufen) oder Ignore (ignorieren) sollte. <br />
- Indem neue Softwareunternehmen in Microsofts Distributionsmaschine eingesteckt werden, könnte ihr Wachstum massiv turbocharged werden. <br /> → Für großartige Produkte hat Microsoft auch die Fähigkeit, über dem Marktpreis zu zahlen. <br />
- Wenn Microsoft in neuen Softwaremärkten konkurriert, erweitert es den TAM, senkt die Vertriebskosten und schafft neue Wellen, auf die es aufspringen kann.<br /> <br />
Gaming <br />
- Gaming passt nicht perfekt zu dieser Strategie, weshalb es als Pfad zu $10T unzusammenhängend wirken kann. <br />
- Aber genau das ist die eigentliche Lehre: „Es muss nicht so sein.“<br />
- Microsoft ist im Kern eine Holdinggesellschaft. <br />
- Etwas kann auch einfach eine Tochtergesellschaft sein, ohne dass es durch neue Übernahmen oder Produkte weiter ausgebaut werden muss. <br />
- Im Gaming-Kontext hilft Blizzard dabei, Netzwerkeffekte für die 25 Millionen Game-Pass-Abonnenten aufzubauen und die Risiken der Spieleentwicklung zu senken. <br />
- Microsoft ist jetzt das größte Gaming-Unternehmen in den USA. Es ist besser, wenn die Zukunft des Gamings den USA gehört als China.<br />
- Gaming scheint getrennt von den Enterprise-Vorteilen zu sein, aber Microsoft ist ein Konglomerat. <br /> <br />
$10T: Microsoft’s to lose<br />
- Angesichts dessen, dass die Marktanteile seiner Kernprodukte im Vergleich zu anderen Big-Tech-Konkurrenten sehr niedrig sind, liegt der Weg zu $10T eher bei Microsoft als bei anderen Playern. <br />
- Wie viel Marktanteil kann Google noch gewinnen? Es hat die Suche bereits gewonnen.<br />
- Microsoft hat noch viele Wachstumshebel, an denen es ziehen kann. <br />
- Um das erste $10T-Unternehmen zu werden, braucht es aggressive M&A-Aktivitäten und Produktentwicklung über Kategorien hinweg sowie die Bereitschaft, den Stolz herunterzuschlucken, um in neuen Softwaremärkten direkt zu konkurrieren. <br />
- Microsoft verfügt über das Kapital, die Talente und die Distribution, um das umzusetzen.<br />
- Wachstum in dieser Größenordnung ist beispiellos, aber die Fülle an Chancen über das gesamte Produktportfolio hinweg könnte den Weg zu $10T öffnen.<br /> <br />
Teil 3: Lehren für Startups <br />
- Für das größte Tech-Unternehmen der Welt scheint es keine Lehren zu geben, die auf Startups anwendbar wären, <br />
- aber die erneute Beschleunigung des Unternehmens in den 2010ern und der Weg zu $10T zeigen die Kraft von S-Kurven, Compound Products, M&A und den Vorteilen des Second Movers. <br /> <br />
Markt vor Ausführung Market over execution <br />
- Ausführung ist wichtig, aber auf einer S-Kurve zu reiten, ist der Weg, um in Tech zu gewinnen. <br />
- Steve Ballmer wurde für Microsofts Schwächephase in den 2010ern kritisiert. <br />
- Sicher war er nicht so herausragend wie Gates, und die Unternehmenskultur war stagnierend.<br />
- Aber das eigentliche Problem war die Kategorie.<br /> → Die PC-Verkäufe gingen zurück, aber Microsoft setzte weiterhin auf dieses Wachstum. <br />
- Die Ausrichtung des Unternehmens auf das Wachstum von Cloud-Infrastruktur und Business-Software umzustellen, hauchte Microsoft neues Leben ein (dafür sollte Ballmer zumindest teilweise Anerkennung bekommen).<br />
- Nach klassischer Lehrmeinung ist der Gründer der einzige entscheidende Faktor für den Erfolg eines Startups. <br />
- Großartige Gründer sind notwendig, aber nicht ausreichend. <br />
- Gute Produkte und schnell wachsende Kategorien werden zunehmend zum echten Bottleneck. <br /> <br />
Seid akquisitiv Be acquisitive <br />
- Nehmt eine akquisitive Haltung ein, wenn Cash und Vermögenswerte vorhanden sind. <br />
- Nadella scheint das anzuerkennen, wenn man seine aggressive M&A-Bilanz betrachtet. <br />
- Um $10T zu erreichen, muss das Tempo der Übernahmen steigen: Selbst die Blizzard-Übernahme für $68.7B entspricht nur 3 % von Microsofts Marktkapitalisierung. <br />
- Da sich neue Softwaremärkte oberflächlich stabilisieren, wird Tech in eine Ära der Konsolidierung eintreten. <br />
- Startup-M&A wird ein zentraler Teil des Wachstums werden. <br />
- Spätphasige Startups mit ausreichender Bewertung sollten M&A deutlich aggressiver in Betracht ziehen.<br /> <br />
Compound Products gewinnen Compound products win <br />
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In den 2010ern war Unbundling sinnvoll, weil die Software-Adoption die Fähigkeit überholte, integrierte Produkte zu bauen.<br />
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Wenn sich dieses Tempo umkehrt, werden wir dann Rebundling erleben?<br />
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Eine klassische Überlegung von VCs war, ob etablierte Unternehmen die Technologie von Startups kopieren können, bevor Startups etablierte Unternehmen kopieren.<br />
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In den letzten 20 Jahren lautete die Antwort fast immer: nein. <br />
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Startups haben in allen Kategorien ein Tempo gezeigt, mit dem sie entkommen konnten, fast so, als wären sie von der Distributionsmacht etablierter Unternehmen kaum betroffen. <br />
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Aber lasst euch davon nicht täuschen: In Software gibt es tatsächlich einen Bundling-Effekt. <br />
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Siehe Parker Conrads Theorie des Compound Startup.<br />
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Office 365 hat Schwächen, ist aber ein echtes Verbundprodukt – Microsoft Teams hat in nur drei Jahren das im Silicon Valley so geliebte Slack überholt. <br />
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Die Macht des Bundlings war in den vergangenen 20 Jahren möglicherweise nicht klar erkennbar, weil es zu viel Surface Area gab. <br />
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Doch die Stärken des Bundlings werden künftig immer deutlicher werden.<br />
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Tool-Fatigue und die Vorliebe für Einfachheit werden immer stärker. <br /> <br />
Die Macht des Cross-Sell The Power of Cross-Sell <br />
- Microsoft ist bereits in den IT-Abteilungen der Fortune 1000 ausgerollt. <br />
- Dadurch lassen sich neue Produkte viel einfacher verkaufen als bei einem Cold Start.<br />
- Die zahllosen Produktlinien wirken vielleicht unfokussiert, aber Microsoft erzielt deutlich mehr Umsatz als jede FAANG-Firma. <br /> → Das ist genau die Macht des Cross-Sell. <br />
- Marc Benioff hat das schon lange gut verstanden.<br /> → Salesforce erzielt im Bereich Customer Service inzwischen mehr Umsatz als mit seinem Kernprodukt CRM, <br /> → und expandiert nun auch in Marketing und Analytics. <br />
- Die Weisheit des Silicon Valley lautet, man solle sich auf ein einzelnes Produkt und einen einzelnen Markt konzentrieren. <br />
- Ballmer tat genau das Gegenteil und baute Produkte über viele Kategorien hinweg. <br />
- Das war die richtige Strategie, nur in der falschen Zeit.<br /> → In den 2020ern, in denen Kartellrecht bedrohlicher ist als je zuvor, bringt Cross-Sell Microsoft in eine einzigartige Position. <br />
- Statt bis zum Tod durch Regulierung als Monopol behandelt zu werden, hätte ich lieber in vielen Kategorien 30 % Marktanteil.
- Per Definition bringt Cross-Selling etablierten Unternehmen mehr Vorteile als Startups. <br />
- Aber es liefert auch Input für die Strategie von Startups. → Wenn die zusätzlichen Kosten für den Verkauf neuer Produkte an bestehende Kunden nur ein kleiner CAC (Customer Acquisition Cost) sind, <br /> ist es vorteilhafter, eine tiefere Product Suite aufzubauen, als Produkte horizontal breit zu verkaufen. <br /> <br />
First-Mover-Vorteile werden überschätzt First mover advantage is overrated<br />
- Azure kam ganze vier Jahre später auf den Markt, ist aber eine echte Wettbewerbsbedrohung für AWS. <br />
- Wir haben so etwas auch im Startup-Kontext gesehen. <br /> → Facebook hat Myspace und Friendster überholt, <br /> → Ramp ist inzwischen eine echte Bedrohung für Brex, und <br /> → Modern Health ist eine echte Bedrohung für Lyra. <br />
- Der Second Mover verkürzt die Lernkurve eines neuen Marktes. <br />
- Die Lehre für First Mover ist klar: Ruht euch nicht auf euren Lorbeeren aus. <br />
- Aber es ist auch ermutigend für Nachzügler: Es könnte viel mehr Spielraum geben, als ihr denkt. <br />
- Denkt an die Wettbewerbsintensität in Branchen wie Einzelhandel oder Finanzwesen. <br /> → Im Technologiesektor gibt es vor dem Erreichen des Sättigungspunkts noch viel Raum für neue Unternehmen. <br /> <br />
Nutzungsbasierte Preisgestaltung ist eine Wette auf sich selbst Consumption-based pricing is a bet on yourself<br />
- Nutzungsbasierte Preisgestaltung ist das Geschäftsmodell, das am stärksten mit dem Kunden aligned ist. <br />
- Das Gegenteil führt zu einer schlechten Kundenerfahrung: Warum für etwas bezahlen, bevor man es überhaupt erhält oder wenn man es gar nicht nutzt? <br />
- Es ist kein Zufall, dass schnell wachsende Unternehmen nutzungsbasierte Pricing-Pläne haben: AWS, Azure, GCP, Snowflake, Twilio, Scale. <br />
- Es mag sich weniger „sicher“ anfühlen als reines SaaS, weil Kunden keine Verlängerung garantieren, aber es senkt die Hürden für die Adoption. <br />
- Nutzungsbasierte Preisgestaltung ist die beste Art, auf die Qualität des eigenen Produkts zu wetten: Sie bringt Produkt, Kundenerfolg und Vertrieb perfekt in Alignment. <br />
- Wenn Kunden sich mit eurem Produkt engagieren, ist es eine Win-win-Situation. <br /> <br />
Kapital: ein echter Burggraben - Capital : a true moat <br />
- Die Tech-Industrie spricht nicht davon, Kapital als Burggraben zu sehen. Vielleicht, weil es nur denen nützt, die bereits Kapital gesichert haben. <br />
- Aber Azure hat bewiesen, dass es funktioniert. Microsoft hat Milliarden ausgegeben, um Skaleneffekte zu erreichen, und die Belohnung ist ein vergleichsweise großes Profit Center. <br />
- In der jüngeren Startup-Geschichte hat großes Kapitalvolumen die Flugbahn eines Unternehmens oft nicht verändert: etwa bei Softbank oder Uber.<br />
- Es gibt nur wenige Unternehmen, die in der Lage sind, echtes Kapital im großen Maßstab zu absorbieren. Wenn es funktioniert, dann kann es wirklich funktionieren. <br />
- Bei Megaprojekten innerhalb großer Unternehmen kann es schwer sein zu erkennen, wann Erfolg eintritt. <br />
- Azure und AWS sind zwei der erfolgreichsten Megaprojekte dieses Jahrhunderts, waren aber über Jahre hinweg vor der Öffentlichkeit verborgen, weil sie innerhalb noch viel größerer Unternehmen entstanden. <br />
- Das globale Satelliten-Internetnetzwerk Starlink ist dank des Kerngeschäfts von SpaceX mit Raketenstarts möglich, könnte aber eines der erfolgreichsten Megaprojekte unserer Zeit werden. <br /> <br />
Fazit <br />
- Jeder im Technologiesektor sollte sich Zeit nehmen, von den Großen zu lernen, und Microsoft ist dabei besonders bemerkenswert. <br />
- Was also ist Microsoft? <br /> → In den 2000ern war es ein Windows-Unternehmen, <br /> → in den 2010ern ein Office-Unternehmen <br /> → und in den 2020ern ist es ein Cloud-Unternehmen. <br />
- Das ist die Summe seiner Kernvorteile: Enterprise-Distribution, Vertrauen der Nutzer und ein Wirbel aus Engineering-Talenten (Vertex). <br />
- Wenn ich diese Vorteile sehe, wette ich darauf, dass Microsoft das erste $10T-Unternehmen wird. <br />
- Allein Azure hat einen Weg zu Umsätzen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar und könnte heute schon ein eigenständiges Unternehmen von größter Größe sein. <br />
- Um $1T Umsatz zu erreichen, braucht es Produktexpansion über alle Softwaremärkte hinweg und M&A. <br />
- Und für Startups ist Microsoft eine Fundgrube an Lektionen: über die Macht von Distribution, Produkt-Bundling, M&A und Compound Growth. </p>
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