Die komplexe Innenwelt moderner Kameralinsen-Reparaturen (2024)
(salvagedcircuitry.com)- Ein Sigma 45mm f/2.8 L-mount-Objektiv, dessen elektronische Steuerung überhaupt nicht reagierte, konnte nach dem Austausch einer 0603-SMT-Sicherung in der Eingangsstromversorgungsleitung der Steuer-PCB wieder vollständig in Betrieb genommen werden
- Das erste Symptom war ein elektrischer Defekt: An einer Lumix S5 wurde zwar das Live-Bild angezeigt, aber weder die Objektivräder/-schalter noch die Kamera-Steuerräder funktionierten
- Die Diagnosefolge bestand aus der Prüfung der Durchgängigkeit des 10-poligen Flexkabels des Objektivkontaktblocks, dem Nachverfolgen der Eingangsstromversorgung sowie der Kontrolle des DC-DC-Wandlers und der benachbarten Sicherung
- Die defekte Sicherung hatte den Eingang des DC-DC-Wandlers geschützt; ein konkreter Ausfallpunkt wurde nicht gefunden, und die Überstrombedingungen im TI-Datenblatt lieferten weitere Hinweise für die Analyse
- Die gesamte Reparatur bestand aus der vollständigen Demontage des Objektivs in weniger als einer Stunde und dem Austausch der Sicherung – ein Beispiel dafür, wie ein einziges kleines Stromschutzbauteil ein ansonsten funktionierendes Objektiv komplett lahmlegen kann
Hintergrund
- Persönliche Kaufkriterien: Nur auf funktionsfähige Objektive bieten ist eingeschränkt, daher wird meist nur auf Objektive geboten, die weniger als ein Viertel des üblichen Gebrauchtpreises kosten und kaum oder keine mechanischen Schäden haben
- Es bestand Interesse an den überwiegend aus Aluminium gefertigten Sigma-I-Series-Objektiven aus jüngerer Produktion, und im Januar tauchte bei eBay ein defektes 45mm f/2.8-Objektiv günstig auf
- Der Verkäufer hatte häufig Bestände defekter moderner Kameraausrüstung und zerlegte Geräte gelegentlich auch, um Teile einzeln zu verkaufen
Ankunft
- Das Objektiv kam gut verpackt an, und bei der ersten Inspektion waren am Tubus sowie an den vorderen und hinteren Linsenelementen keine Kratzer zu sehen
- Die Prüfung der äußeren Linsenelemente erfolgte, nachdem Staub mit ölfreier Druckluft entfernt worden war; anschließend wurden Vorder- und Hinterelement mit Kimwipe und Linsenreiniger gereinigt
- Für die meisten äußeren Linsenelemente reicht auch Brillenreiniger aus der Drogerie, Isopropylalkohol ist ebenfalls eine Alternative
- Kein Isopropylalkohol auf Kunststofflinsen verwenden
- Beim Aufsetzen auf eine Lumix S5 fühlte sich das Objektiv ungewöhnlich schwergängig an, fast so, als wäre zu viel Kraft nötig; nach dem Ansetzen startete die Kamera jedoch normal und zeigte ein Live-Bild an
- Die Räder und Schalter des Objektivs reagierten nicht auf Eingaben, und auch Bewegungen der Kamera-Steuerräder wurden nicht registriert, weshalb von einem elektrischen Defekt ausgegangen wurde
- Die Steuer-PCB befindet sich normalerweise im hinteren Bereich des Objektivs in der Nähe des hinteren Kontaktblocks, wodurch sich auch der sehr schwergängige Objektivanschluss gemeinsam prüfen lässt
Werkzeuge
- Die Einstiegshürde für diese Reparatur ist niedrig, und die meisten Werkzeuge sind Standard- bzw. Universalwerkzeuge
- Abgesehen vom Objektiv selbst ist gefilterte Luft der größte Kostenpunkt, es kann aber auch Druckluft aus der Dose verwendet werden
- Da sich viel Konstruktionspersonal der Kameraindustrie in Japan befindet, sind JIS-Schrauben Standard; ein Phillips-Schraubendreher funktioniert zwar ebenfalls, nutzt JIS-Schraubenköpfe aber tendenziell schneller ab
- Verwendete Werkzeuge: Kimwipes/fusselfreie Linsentücher, Isopropylalkohol als Spray, Brillenreiniger, Mikrofasertuch, Nitrilhandschuhe, stark gefilterte Werkstattluft/ölfreier Kompressor, Klebeband, Sharpie, Skalpell, Kunststoff-Spudger, Lupe/optische Hilfsmittel, JIS x 2.5mm oder Philips #00 Schraubendreher, JIS x 3.0mm oder Philips #0 Schraubendreher
Demontage
- Bei der Demontage das Objektiv so ausrichten, dass die Blendenmarkierung zum Bearbeiter und zur vorderen Tischkante zeigt
- Zuerst den Kunststoff-Dekorspacer rund um das hintere Linsenelement entfernen und dann drei schwarze Maschinenschrauben lösen
- Zwei vernickelte Schrauben entfernen, die die Seite der Kunststoff-Anschluss-Schnittstelle des Linsenblocks am Metall-Objektivbajonett fixieren
- Die Schrauben werden auf doppelseitigem Klebeband in einer Anordnung aufbewahrt, die der Ausrichtung des Objektivs entspricht, um den späteren Zusammenbau zu erleichtern
- Objektivbajonett und Shims sollten getrennt auf Klebeband aufbewahrt werden, da ihre Ausrichtung und Reihenfolge wichtig sind
- Da es Probleme beim Ansetzen an das Kameragehäuse gab, wurden Shims, Rückseite des Bajonetts und das Objektivgehäuse auf Defekte und Oberflächenverschmutzung geprüft und alle Flächen mit Isopropylalkohol gereinigt
- Das Flexkabel des Objektivkontaktblocks erfordert bei der Handhabung besondere Vorsicht
- Der L-mount-Kontaktblock besitzt 10 Kontakte und ist über ein flexibles Polyimidkabel mit der Steuer-PCB verbunden
- Dieses Flexkabel reißt leicht
- Vor weiterer Demontage sollte die Durchgängigkeit jeder Leiterbahn mit einem Multimeter geprüft werden
- Wenn ein sichtbarer Riss vorhanden ist, sollte zuerst das Flexkabel repariert werden, bevor die weitere Fehlersuche beginnt
- Beim Flexkabel dieses Objektivs zeigte die Durchgangsmessung keinen Defekt
- Die rückseitige CNC-gefräste Aluminiumschale ist das nächste Demontageteil
- Zwei Massebänder sind mit vernickelten Maschinenschrauben an der hinteren Schale befestigt
- Die Bänder liegen ungefähr auf 2-Uhr- und 7-Uhr-Position
- Der Push-in-Schalter-Flexstecker auf 11-Uhr lässt sich mit einer Pinzette vorsichtig herauswackeln
- Vier schwarz oxidierte selbstschneidende Schrauben verbinden die Schale mit dem zentralen Kunststoff-Objektivmodul
- Die Steuer-PCB kann nach dem Abziehen der Flexkabel aus dem Objektivgehäuse genommen und genauer untersucht werden
- Die Befestigungsschrauben der PCB sind drei schwarze selbstschneidende Schrauben auf 2-Uhr-, 7-Uhr- und 10-Uhr-Position
PCB-Analyse
- Die C-förmige PCB besteht ähnlich wie andere Objektiv-Steuerplatinen aus einem Hauptmikrocontroller, einem DC-DC-Controller, einem Motorcontroller, einem Quarzoszillator und mehreren passiven Bauteilen
- Auf der Rückseite befinden sich FPC-(Flexible Printed Circuit)-Steckverbinder, Testpunkte und direkt unter dem Hauptmikrocontroller ein 8-poliges SPI-Flash-Package
- Die Prüfung eines unbekannten PCB-Defekts beginnt mit dem Nachverfolgen der Eingangsstromversorgung
- Prüfen, wo die Platine ihre Versorgung erhalten sollte
- Ermitteln, wo die V+- und Gnd-Leiterbahnen auf der PCB beginnen
- Feststellen, welche Bauteile zuerst mit Strom versorgt werden
- Da PCB-Layer und gesprungene Leiterbahnen komplex sein können, ist eine einfache Notiz zum Stromfluss hilfreich
- Verfolgt man die Eingangsstromversorgung vom Objektivkontaktblock aus, lassen sich die dicken Flex-PCB-Leiterbahnen als V+ und Gnd erkennen
- Auf dieser PCB ist das Nachverfolgen der Eingangsstromversorgung etwas knifflig
- Die großen Leiterbahnen des Flexkabels sind unter dem FPC-Steckverbinder verborgen
- Sie gehen über ein Via auf die Rückseite der PCB
- Die Stromleiterbahn führt zu einem kleinen quadratischen schwarzen Chip, dem DC-DC-Wandler
- Hinweise auf den DC-DC-Controller geben die benachbarten großen, dicken gelblich-braunen, beigen und schwarzen Blockbauteile
- Das mit „2R2“ markierte Bauteil ist eine 2.2µH-Induktivität
- Die Platzierung einer Induktivität nahe am Power-Controller ist eine gängige Empfehlung von Halbleiterherstellern, um abgestrahlte Emissionen und Rauschen zu reduzieren
- Auf der Sigma-Objektiv-PCB kommt ein TI TPS62140RGTR-Buck-Converter im 16-VQFN-Gehäuse mit der Markierung „PA71 TI 18i“ zum Einsatz
- Das Layout entspricht sehr stark der von TI im Datenblatt empfohlenen Anordnung, und C1 dient als Haupt-Eingangsfilterkondensator des DC-DC-Wandlers zwischen Vin und Gnd
- Das mit „N“ markierte Package neben C1 auf der Eingangsspannungsschiene ist eine Sicherung, die den DC-DC vor Schäden schützt
- Die Messung mit dem Multimeter zeigte, dass diese Sicherung offen war
- Die Sicherung hatte den DC-DC-Wandler vor Zerstörung geschützt
- Eine Suche nach der mit „N“ markierten Sicherung ergab nicht viele belastbare Resultate, aber auf AliExpress wurde eine 2A-SMT-Sicherung vorgeschlagen
- Das Datenblatt des TPS62140RGTR nennt 2A Ausgangsstrom; auf Basis von Erfahrungen mit Panasonic-Semi-SMT-Sicherungen wurde die 2A-32V-Schnellauslösesicherung ERB-RE2R00V ausgewählt
- In Lumix GH3-, GH4- und GH5-Kameras werden gemischt 32V-2.5A- und 1.5A-Sicherungen verwendet
- In Kameraelektronik sind 2-polige widerstandsähnliche Packages mit beliebiger Ein-Buchstaben-Markierung oft SMT-Sicherungen und haben manchmal muschelförmige Anschlüsse
- Die defekte Sicherung hatte Baugröße 0603 und lässt sich daher auch mit relativ günstiger und wenig präziser Ausrüstung reparieren
- Es gibt auch 0402- und 0201-Sicherungen
- Das Layout ließ neben der Sicherung Platz für den Zugang mit Reparaturwerkzeugen
- Ein Beispiel: Die Batteriesicherung auf den Mainboards der Lumix GH3/GH4 sitzt eingeklemmt zwischen SD-Kartenslot und hervorstehendem Batterieanschluss
- Mit SMT-Pinzette ist der Sicherungstausch einfach, provisorisch können auch zwei Lötkolben verwendet werden
- Der Reparaturablauf bestand aus dem Entfernen der defekten Sicherung, dem Reinigen der Pads, dem Ausrichten der neuen Sicherung, dem Fixieren und anschließendem Verlöten der einzelnen Anschlüsse
Untersuchung der Sicherung
- Ein konkreter Ausfallpunkt dafür, warum die Sicherung defekt war, wurde nicht gefunden
- Als mögliche Ursache wurde eine Nutzungssituation betrachtet, in der die Kamera mit angesetztem Objektiv im AFC-Modus über Stunden oder Tage hinweg weiter nach Fokus sucht
- Die Betriebsbedingungen im TI-Datenblatt liefern Hinweise für die Ausfallanalyse
- Der Ausgangsstrom wird durch die Strombegrenzung limitiert
- Wegen interner Ausbreitungsverzögerung kann der tatsächliche Strom diese statische Stromgrenze in dieser Zeit überschreiten
- ILIMF ist die Vorwärtsstrombegrenzung des High-side-MOSFET
- Die Testbedingungen sind VIN=12V, TA=25°C mit minimal 2.45A, typisch 3A und maximal 3.5A
- Bei Überstromsituationen kann der reale Stromverbrauch aufgrund interner Ausbreitungsverzögerung die statische Strombegrenzung für sehr kurze Zeit überschreiten
- Wenn der PCB-Entwickler des Objektivs wie vermutet eine 2A-Schnellauslösesicherung eingesetzt hat, könnte der DC-DC-Controller in einem Bereich gearbeitet haben, der außerhalb der Spezifikation dieser 2A-Sicherung lag – so die Vermutung in dieser Analysephase
Reparaturergebnis
- Nach dem Austausch der Sicherung funktionierte das Objektiv normal
- Die AFC-Leistung ist nicht extrem schnell, aber ausreichend, um den Reparaturerfolg zu bestätigen
- Das manuelle Fokusrad funktioniert gut und hat eine angenehme Dämpfung
- Das Gefühl des Blendenrings erinnert an die Lumix LX100 und wird als sehr gut bewertet
Weitere Fehlersuche
- Wenn die Sicherung Durchgang gehabt hätte, wäre als Nächstes die Ausgangsspannung des DC-DC zu prüfen gewesen
- Es muss überprüft werden, ob die Ausgangsspannung innerhalb der Betriebsspezifikation liegt
- Ebenso, ob sie unter oder über den Versorgungsanforderungen des Hauptmikrocontrollers liegt
- Der Hauptmikrocontroller auf dieser PCB ist mit „341Fy 551486“ markiert, das tatsächliche Bauteil ist jedoch ein Toshiba TMPM341FYXBG
- 32bit-Arm-M3-Mikrocontroller
- Unterstützt verschiedene Funktionen, I/O-Peripherie und Motorsteuerungs-Kommunikationsprotokolle
- Dient als zentraler Kommunikations-Hub der Steuer-PCB
- Ein dedizierter Mikrocontroller benötigt für die Kommunikation mit anderen Mikrocontrollern und Peripheriegeräten in der Schaltung ein präzises Taktsignal
- Wenn sich auf einer PCB ein eigener Quarzoszillator finden lässt, ist ein Mikrocontroller wahrscheinlich in der Nähe
- Traditionelle Quarz-Oszillatoren gibt es in verschiedenen Betriebsfrequenzen und sie sind in silbernen Metallgehäusen versiegelt
- Sie kommen häufig als SMD- oder Through-hole-Package vor
- MEMS-Quarzoszillatoren sind ebenfalls möglich, aber etwas teurer und weniger verbreitet
- MEMS-Oszillatoren sind meist sehr kleine quadratische reflektierende Chip-Scale- oder Flip-Chip-Packages
- Einige Mikrocontroller besitzen zwar einen On-Chip-Oszillator, externe Quarze werden aber bevorzugt, weil sie konsistenter sind
- Die Prüfung der Eingangsspannung des TMPM341FYXBG wäre der nächste Schritt
- Ein Defekt zwischen der Ausgangsschiene des DC-DC-Controllers und dem Versorgungseingang des TMPM341FYXBG kann Fehlfunktionen des Hauptmikrocontrollers verursachen
- Der TMPM341FYXBG sitzt in einem 0.5mm-Pitch-, 6×6mm-, 113-Ball-P-TFBGA113-BGA-Gehäuse, wodurch direktes Messen an Vin und Gnd nicht einfach ist
- Da es sich um ein Arm-M3-basiertes Bauteil handelt, wird es als 3.3V-Komponente behandelt
- Laut Toshiba-Datenblatt liegt der Betriebsbereich bei 2.7~3.6V
- Wenn die Mikrocontroller-Eingangsspannung außerhalb dieses Bereichs liegt oder ein Kurzschluss zwischen Vin und Gnd in der Nähe vorliegt, ist das ein Warnsignal
- Eine einfache Methode für Spannungsmessungen im laufenden Betrieb wäre, das Objektivkontakt-Flexkabel wieder in die Steuer-PCB einzustecken und eine falsche Objektivhalterung per 3D-Druck zu bauen, die den Kontakt zum Kameragehäuse herstellt
- Sigma veröffentlicht STEP-Dateien für fast alle Kameragehäuse und Zubehörteile kostenlos als GrabCAD-Modelle
- Mit eingesetzter Objektiv-Steuer-PCB und an die Kamera angesetztem Objektiv lässt sich an einer breiten Leiterbahn in der Nähe des TMPM341FYXBG eine 3.3V-Spannung messen
- Wenn der Mikrocontroller innerhalb der Spezifikation versorgt wird, ist für die Diagnose des Objektiv-PCB-Defekts weitere Fehlersuche nötig
- Die runden Testpads in der Nähe des Hauptmikrocontrollers deuten darauf hin, dass vor der Montage Programmierung und Tests mit einem Bed-of-Nails-Jig durchgeführt wurden
- Die Testpads sind unbeschriftet, daher ist das Finden der richtigen Pads mit Trial-and-Error verbunden
- Zum Messen an den Testpunkten in der Nähe des Mikrocontrollers ist ein Logikanalysator nötig
- Wenn sich an den Testpins ein UART finden lässt, kann durch Dekodieren der Boot-Bitfolge geprüft werden, ob der Mikrocontroller korrekt startet
- Auch das 8-polige SPI-Flash-Package mit der Markierung „GD V4CE 2030“ ist ein Kandidat für weitere Analyse
- Es gibt kein exaktes Datenblatt, aber „GD“ ist ein typisches Herstellerpräfix des Speicherherstellers GigaDevice
- Das 8-polige Package ist eine häufige Form für kleine externe Flash-Bausteine
- Dieses Package hat einen 3×2mm-XY-Footprint und ähnelt stark dem USON8-LGA8-Package in GigaDevice-Datenblättern
- Wenn ein Defekt des Flash-Packages vermutet wird, kann der Chip ausgelötet und sein Inhalt ausgelesen oder auf ein anderes Flash-Package kopiert werden
- Die Analyse des Flash-Packages geht über den Rahmen dieser Reparatur hinaus
- Wenn der Hauptmikrocontroller korrekt arbeitet, könnten bei montierter Objektiv-Steuer-PCB auf dem Kamera-LCD Eingabewerte wie Blende oder Fokusdistanz angezeigt werden
- Die Werte können falsch sein, aber einige vom Mikrocontroller des Objektivcontrollers kommende Werte sollten auf dem Kameradisplay erscheinen
- Der nächste Prüfpunkt wäre der Motorcontroller Rohm BU24020GU im Package „U24020 202184“
- Dieses Bauteil ist als SPI-Peripherie ausgeführt
- SPI ist synchrone Kommunikation und benötigt ein Taktsignal zwischen Master-Controller und Slave-Gerät
- Rund um den BU24020GU befinden sich viele passive Bauteile sowie ein unbestücktes 4-poliges Package
- Laut Rohm-Datenblatt ist auch der BU24020GU ein 3.3V-Bauteil, daher muss seine Versorgungsspannung geprüft werden
- Wenn er nicht im Bereich 2.7~3.6V versorgt wird, funktioniert der Chip nicht korrekt
- Auch dieses Bauteil ist ein BGA und daher schwer zu messen
- Zur Nachverfolgung der umliegenden Versorgungspfade kann man die Konvention nutzen, dass Stromleiterbahnen dicker als Signalleiterbahnen sind
- Um den U24020-Chip herum gibt es drei Gruppenmuster mit jeweils zwei an Masse gebundenen Kondensatoren
- Die zwei Kondensatoren sind Entkopplungskondensatoren
- Der größere Kondensator liegt meist im Bereich 0.1µF~1µF
- Der kleinere im Nanofarad-Bereich
- Diese Anordnung ist üblich, um Rauschen in unterschiedlichen Frequenzbereichen zu reduzieren
- Das Datenblatt beschreibt den BU24020GU als 4-Kanal-Motorcontroller; die Kondensatoranordnung deutet darauf hin, dass die Versorgung aller Kanäle auf der PCB vorhanden ist
- Durch Messen zwischen den Versorgungspaaren lässt sich der benötigte Versorgungszustand prüfen
- Laut Datenblatt sind die Vin-Pins DVDD, MVCC12 und MVCC34
- Gnd sind DVSS, MGND12 und MGND34
- Wenn der Motorcontroller 3.3V erhält, sich der Fokusmotor aber trotzdem bei Fokusfahrten nicht bewegt, ist eine optische Prüfung des Fokus-Flexkabels nötig
- Flexkabel neigen bei zu engem Biegeradius zu Ermüdungsbrüchen
- Je nach Kabelbewegung kann der Fokusmechanismus zeitweise wieder funktionieren, was aber ein falsches positives Ergebnis wäre
- Bei der nächsten Bewegung des Flexkabels kann die Kommunikation zum Objektiv wieder ausfallen
Weitere Beobachtungen zur Objektiv-PCB
- Auf Makrofotos der Objektiv-PCB sind über die ganze Platine verteilt viele kleine Löcher zu sehen
- Diese kleinen Löcher sind Through-hole-Vias, und ein großer Teil davon ist in das Massepolygon der grünen Oberseite gebohrt
- Vias dienen als Rückstrompfade für störende Bauteile auf der PCB und verbinden die Massepolygone der Außenschichten mit inneren Masselagen
- Dass sich an bestimmten Stellen größere Via-Gruppen bilden, liegt an Via Stitching
- Via Stitching bietet einen niederohmigen Pfad für Rückströme, die durch störende Bauteile induziert werden
- Wenn störende Bauteile oder PCB-Bereiche umgeben werden, lässt sich die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen bis zu einer bestimmten Maximalfrequenz blockieren
- Die Stitching-Vias auf dieser PCB umschließen jedoch weder bestimmte Leiterbahnen noch Bauteile vollständig
- Sie arbeiten also nicht als Faraday-Käfig oder Guard Ring
- Stattdessen liefern sie im finalen Design Rückstrompfade, die helfen, abgestrahlte EMI zu reduzieren
Fazit
- Die Reparatur wurde bereits vor etwa zwei Monaten abgeschlossen, passend zur ersten Frühlingsblüte im Nordosten der USA
- Das 45mm-Objektiv wird weiterhin für Aufnahmen im Garten und zur Dokumentation anderer Elektronikprojekte verwendet
- Ein einziges kleines 0603-Bauteil konnte ein ansonsten funktionierendes Objektiv stilllegen
- Die komplette Demontage des Objektivs und der Sicherungstausch dauerten weniger als eine Stunde
- Das Schreiben der Reparaturdokumentation dauerte mehr als eine Größenordnung länger als die eigentliche Reparatur
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
30 ns Ausbreitungsverzögerung des TPS62140 reichen nicht aus, um eine Sicherung auszulösen. Das erste Prinzip einer Sicherung ist nicht, Bauteile zu retten, sondern Brände zu verhindern – und erstaunlich viele moderne Ingenieure wissen das nicht
Selbst flinke Sicherungen sind im Vergleich zu Halbleitern sehr langsam. Ich habe schon erlebt, dass Transistoren vorher durchbrennen, um die Sicherung zu „schützen“. Sicherungen sind nur dazu da, Brände zu verhindern und die Batterie nicht zu ruinieren
Die Standardschaltung nutzt eine Sicherung, eine schnelle Zener-Klemme und manchmal einen kleinen Widerstand (z. B. 1Ω) oder einen Kondensator. Der Widerstand begrenzt den Strom, damit die Zenerdiode nicht vor der Sicherung zerstört wird
Bei einem 0,5-W-USB-Gerät liegt der Maximalstrom bei etwa 100 mA, und der Spannungsabfall an 1Ω beträgt 100 mV, was meist vernachlässigbar ist. Bei Geräten mit höherer Leistung wird es komplexer
Consumer-Produkte werden nicht repariert, solches Schutzdesign ist kein Verkaufsargument, und jeder Cent muss eingespart werden – es gibt also keinen Marktdruck, es richtig zu machen. Früher hat man es trotzdem so gemacht, und in wichtigen Bereichen macht man es noch heute so. Bei Einzelstücken oder Kleinserien würde ich auf jeden Fall einen ordentlichen Schutz vorsehen
Auf Halbleiterebene gilt das allerdings nicht mehr
Wer sich eine Weile nicht mehr mit Kameras beschäftigt hat: Moderne spiegellose Objektive können heute einen USB-C-Port für Firmware-Updates haben
Tamron-Objektive können zum Beispiel per Kabelsteuerung oder drahtlosem Dongle mit einer App oder einem Computer kommunizieren, um das Verhalten des Objektivs zu ändern; auch die Funktionen physischer Tasten und Ringe lassen sich umbelegen. Man kann Einstellungen auch schrittweise anpassen – für Stop-Motion-artige Effekte, Timelapse oder Stacking
Das ist weit entfernt von der Zeit, als Objektive einfach nur aus Metall und Glas bestanden. Es gibt definitiv Nachteile, aber insgesamt halte ich das für einen großen Fortschritt. Fotografen arbeiten sehr unterschiedlich, und die Ausrüstung vollständig anpassen zu können, ist ein großer Segen – besonders wenn Geschwindigkeit und Unmittelbarkeit gefragt sind
Natürlich gibt es weiterhin viele Objektive, die vor allem aus Metall und Glas bestehen, und es werden auch neue entworfen und produziert werden, aber ich glaube nicht, dass das der große Trend ist
Spiegellose Kameras haben den Nutzen manueller Fokusobjektive dramatisch wiederbelebt, und wichtige Fortschritte bei der optischen Qualität in allen Preisklassen passieren stark im manuellen Bereich. Auch der Wert des Charakters eines Objektivs wird wieder verstanden
Ob das nur ein Sprungbrett für chinesische Hersteller ist, um zu Autofokus-Objektiven überzugehen, wird die Zeit zeigen. Das spielt sicher eine Rolle, aber von Cosina-Voigtländer und mehreren stillfotografie-nahen Cine-Marken kommen viele hervorragende neue Objektivdesigns
Bei Film und Fernsehen fokussiert der Kameraoperator meist noch manuell, oft über außen am Objektiv angebrachte Zahnräder
Wenn man an moderne Fotoausrüstung gewöhnt ist, wirkt manueller Fokus unpraktisch und schwer zu lernen, aber Cine-Objektive haben ein wunderbar altmodisches Gefühl. Sie liegen auch haptisch großartig in der Hand
Außerdem scheint so etwas vom Kameragehäuse viel einfacher erledigt werden zu können. Wenn man seltsame Stop-Motion-Rack-Focus-Sachen macht, frage ich mich, warum Kamera und Objektiv getrennt arbeiten sollten. Das wirkt ziemlich umständlich
Das sage ich mit Blick auf die Samyang Lens Station. Die Nutzer waren zu Recht unzufrieden, und bei neueren Objektiven scheint man deshalb USB-C einzubauen
Die ausgebauten Schrauben auf doppelseitiges Klebeband zu legen, ist wirklich eine tolle Idee. Das probiere ich beim nächsten Zerlegen eines Elektronikgeräts aus
Bisher habe ich immer alles in einen Behälter geworfen und beim Zusammenbau Zeit damit verbracht, die Schrauben in der richtigen Größe wiederzufinden
In der Uhrenreparatur ist es nicht gut, Schrauben zu magnetisieren, und bei Kameras dürfte es ähnlich sein. Wenn sich Bauteile magnetisch anziehen, kann das den Widerstand gegen Bewegungen erhöhen
Ich habe auch einen cleveren Trick gesehen, bei dem man den Gegenstand auf ein Stück Pappe zeichnet und die Schrauben an den entsprechenden Stellen einsteckt, um nachzuverfolgen, wohin sie gehören
Ich lege die Teile ungefähr an die Position, aus der sie kamen, von oben nach unten und nach Ebenen entsprechend der Zerlegereihenfolge
Das ist eine Gewohnheit aus meiner Zeit im Garantie-Reparaturzentrum für Laptops. Das mit dem Klebeband sollte ich auch mal ausprobieren
Der Autor sagt, man könne einen PH-Schraubendreher auch für JIS-Schrauben verwenden, aber meiner Erfahrung nach habe ich mir damit jedes Mal den Schraubenkopf ruiniert
Die Arbeit selbst ist trotzdem erstaunlich gut
Das war eine Website, auf der man sich gern umsieht. Ich mag es sehr, nicht als Wegwerfware gedachte Geräte wie Laborequipment, Messinstrumente und optische Geräte zu reparieren oder zu hacken, und dort gibt es mehrere gut aufbereitete Artikel
Zum Glück repariere ich nur alte manuelle Objektive. Objektive aus der Nikon-AI/AI-S-Ära sind weniger furchteinflößend
Ich habe kürzlich in einer Lücke zwischen zwei Jobs ein wenig an Kameraobjektiv-Design und -Montage gearbeitet. Das war wirklich interessant und befriedigend
Ich bedaure sehr, dass dort nicht genug Geld da war, damit ich hätte bleiben können