1 Punkte von GN⁺ 2026-02-21 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • In Kalifornien wurde ein Gesetzentwurf vorgeschlagen, der verlangt, dass nur vom Justizministerium (DoJ) genehmigte 3D-Drucker verwendet werden dürfen
  • Der Gesetzentwurf schreibt außerdem vor, dass die Drucker über eine integrierte Funktion zur eigenständigen Meldung ihrer Nutzung verfügen müssen
  • Ziel ist es, Missbrauch von 3D-Druckern zu verhindern, etwa für die Herstellung illegaler Waffen
  • Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnten sowohl Hersteller als auch Nutzer reguliert werden
  • In der gesamten Tech-Branche werden Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Einschränkungen von Innovation geäußert

Kaliforniens Regulierungsgesetz für 3D-Drucker

  • Der neue Gesetzentwurf legt fest, dass 3D-Drucker, die in Kalifornien verkauft oder genutzt werden, eine Genehmigung des staatlichen Justizministeriums (DoJ) erhalten müssen
    • Konkrete Details zu den Genehmigungskriterien und dem Verfahren wurden bislang nicht veröffentlicht
  • Die Drucker müssen über eine Funktion verfügen, die Betriebszustand oder Nutzungsverlauf eigenständig meldet
    • Die Art der Meldung und der Umfang der Datenübertragung sollen im Gesetz noch definiert werden

Ziel und Hintergrund der Regulierung

  • Das Hauptziel des Gesetzentwurfs ist die Verhinderung von Straftaten wie der Herstellung illegaler Schusswaffen mit 3D-Druckern
  • Die Regierung begründet dies mit wachsenden Sicherheitsrisiken durch die Verbreitung digitaler Fertigungstechnologien

Reaktionen aus der Branche

  • In der Tech-Industrie werden Bedenken wegen Eingriffen in die Privatsphäre und übermäßiger Regulierung laut
    • Insbesondere die Auswirkungen auf private Maker und die Open-Source-Hardware-Community werden diskutiert
  • Einige weisen auf die mögliche Abschreckung legitimer Forschung und Innovation hin

Ausblick

  • Sollte das Gesetz verabschiedet werden, müssten sowohl 3D-Druckerhersteller als auch Nutzer neue Zertifizierungsverfahren durchlaufen
  • Der Zeitpunkt des Inkrafttretens und die konkreten technischen Anforderungen sollen in weiteren Gesetzgebungsverfahren festgelegt werden

Technische und gesellschaftliche Implikationen

  • Der Gesetzentwurf macht das Spannungsfeld zwischen digitaler Fertigungstechnologie und öffentlicher Sicherheit deutlich
  • Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich ein Regulierungsmodell für Hardware mit eingebauten Überwachungsfunktionen auf andere Technologiebereiche ausweitet

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-02-21
Hacker-News-Kommentare
  • Die Aufgabe einer Landesregierung sollte es sein, Straftäter zu bestrafen, nicht Überwachungssoftware auf jedem Werkzeug in jedem Klassenraum, jeder Bibliothek und jeder Garage zu installieren.
    Dieser Gesetzentwurf kommt einer Vorzensur gleich, als müsste ein Texteditor vor dem Speichern automatisch Verleumdung, Betrug, Aufwiegelung, Kinderpornografie usw. zensieren.
    So wie der Erste Verfassungszusatz solche Vorzensur verbietet, sollte derselbe Grundsatz auch für den Zweiten gelten. Andernfalls ist das der Weg in eine Überwachungsgesellschaft.

    • Es gibt schon Witze nach dem Muster Erster Verfassungszusatz + Zweiter Verfassungszusatz = das Recht, 3D-gedruckt bewaffnet zu sein.
      Zu berechnen, welche reale 3D-Form eine G-code-Datei tatsächlich erzeugt, ist bis heute ein ungelöstes schwieriges Problem.
      Derselbe G-code kann je nach Gerätekonfiguration entweder eine Metallscheibe oder ein Lampenfuß ergeben.
      Wer die Liste verbotener Teile erstellt und wie deren Sicherheit gewahrt werden soll, ist ebenfalls fraglich.
      Realistischer wäre es eher, vorbestrafte Personen mit Waffenbesitzverbot zu verpflichten, vor der Herstellung von etwas mit einem 3D-Drucker oder einer CNC-Maschine die Genehmigung ihres Bewährungshelfers einzuholen.
    • 3D-Druck ist kreativer Ausdruck und Teil der Meinungsfreiheit.
      Aber auf Autoritäre wirken Prinzipien nicht. Am Ende bleiben nur ziviler Ungehorsam und politischer Druck als Verteidigungsmittel.
    • Dieser Gesetzentwurf zeigt mangelndes technisches Verständnis.
      Er ist nicht durchsetzbar, weil man den Netzwerk-Stack der Nutzer nicht kontrollieren kann. Ein „selbstmeldender Drucker“ ist nicht realistisch.
      Die Gesetzgeber brauchen dringend technische Beratung.
  • Es wirkt ironisch, dass die USA zu den Ländern mit den lockersten Waffengesetzen der Welt zählen, bei 3D-gedruckten Waffen aber eher harte Regulierung versuchen. Man fragt sich, ob dahinter Druck von Waffenherstellern steckt.

    • Die USA haben keinen einheitlichen Standpunkt, weil sich die politische Haltung von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheidet.
      Dieser Gesetzentwurf stammt vom Bundesstaat Kalifornien, der innerhalb der vom Bundesverfassungsrecht erlaubten Grenzen die strengstmögliche Waffenregulierung anstrebt.
      Waffenhersteller würden solche Regeln eher ablehnen, weil sie auch sie selbst betreffen.
    • Das ist nicht der Druck von Waffenherstellern, sondern das Ergebnis von Anti-Waffen-Lobbyarbeit.
      Solche Gesetze tauchen immer wieder in den bereits am stärksten regulierten Bundesstaaten auf, doch der Effekt auf sinkende Kriminalität ist gering.
      Politiker wollen eher weiter neue Gesetze vorlegen, um sich politische Spenden und Stimmen zu sichern, statt ein Scheitern einzugestehen.
    • Zu sagen, „die USA sind ironisch“, ist ungefähr so, als würde man sagen: „Wegen Ungarn ist Europa seltsam.“
      Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesstaat: In manchen darf man Waffen ohne Genehmigung tragen, und in anderen werden 3D-gedruckte Waffen nicht einmal erwähnt.
      Auf Bundesebene sind nur nicht nachweisbare Waffen verboten.
    • Tatsächlich haben die USA nicht die lockersten Waffengesetze der Welt.
      In Norwegen kann man beispielsweise Schalldämpfer fast ohne Papierkram kaufen.
      In Kalifornien hingegen ist schon der bloße Besitz eines Schalldämpfers ein Verbrechen schweren Grades.
    • Die kalifornische Regierung kann wegen der Verfassung und der weiten Auslegung des Zweiten Verfassungszusatzes durch den Supreme Court keine noch stärkeren Regeln durchsetzen.
      Wenn es möglich wäre, würde sie wohl deutlich schärfere Waffengesetze wollen.
  • Das Ziel dieses Gesetzentwurfs ist, den Verkauf von 3D-Druckern ohne Zertifizierung als nicht mit Waffen kompatibel zu verhindern.
    Am Ende werden die Leute das mit Bausätzen oder DIY-Ansätzen umgehen, und solche Regulierung wird zu einem endlosen Whac-a-Mole-Spiel.
    Dazu passend: How to build your own 3D printer

    • Die Regulierung von tatsächlich für Verbrechen eingesetzten Waffen ist schwierig, aber die Regulierung theoretischer Waffen wird endlos verschärft.
    • In Kalifornien sind 80%-Kits (teilweise fertiggestellte Waffenbausätze) bereits illegal.
      Sogar ein einfacher Aluminiumblock ist verboten, wenn er als Material für den Waffenbau vermarktet wird.
    • Auch Drucker-Bausätze, Open-Source-Firmware und zugehörige Hardware wie CNC-Maschinen oder Lasercutter könnten ins Visier der Regulierung geraten.
  • Es gibt schon den Witz: „Wenn ein 3D-Drucker nachweisen muss, dass er keine Waffe drucken kann, muss er dann auch nachweisen, dass er keinen anderen Drucker drucken kann?“

    • Das erinnert an Ken Thompsons Vortrag ‚Trusting Trust‘.
      Solche rekursiven Regulierungen sind nur Zeitverschwendung, und die echte Lösung ist Bildung.
    • Auch Spott nach dem Muster „Wenn Nachkommen verboten sind, haben nur Kriminelle Handwerker“ taucht auf.
    • Es gibt auch Witze wie: „Lasst uns nur dann verifizieren, wenn ICs gedruckt werden.“
    • Vielleicht endet es wie bei Druckern, die verhindern sollen, dass Banknoten in Geldscheingröße gedruckt werden.
  • Wenn der Staat private Drucker verpflichtet, zum Erkennen illegaler Waffen zu scannen, ist das genauso ein Verstoß gegen den Vierten Verfassungszusatz, wie Handys zum Scannen auf CSAM (Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs) zu verpflichten.
    Relevanter Aufsatz: Ignoring EARN IT's Fourth Amendment Problem
    Wenn der Staat private Unternehmen zu Durchsuchungen zwingt, werden diese Unternehmen zu staatlichen Beauftragten, und daraus wird eine Durchsuchung ohne richterlichen Beschluss; die Beweise wären vor Gericht nach der Exclusionary Rule unverwertbar.

    • Dann wurde die Frage aufgeworfen, ob Systeme in Kopierern, die das Drucken von Geld verhindern, nicht nach derselben Logik zu bewerten wären.
  • In den USA ist es legal, seine eigene Waffe herzustellen.
    3D-Drucker einzuschränken bremst Innovation und macht nur das Leben legaler Hersteller schwieriger.

    • In Kalifornien braucht man jedoch eine staatliche Lizenz, um mit einem 3D-Drucker Waffen oder Teile davon herzustellen.
      Zusätzlich zur Bundeslizenz sind weitere Kosten, Hintergrundprüfungen, Sicherheitsanforderungen für die Einrichtung und regelmäßige Polizeikontrollen erforderlich.
      Zugehöriger Gesetzentwurf: AB2156
    • Rechtlich mag es möglich sein, praktisch muss man aber mit Klagen und Verhaftung rechnen.
      Die Landesregierung wird Gesetze weiter neu formulieren, um die Verfassung zu umgehen.
    • Privat hergestellte Waffen dürfen nicht verkauft oder verliehen werden; selbst sie einem Freund kurz zu leihen, kann rechtlich problematisch sein.
      Vor einer Legalisierung sind zwingend eine Seriennummer über einen FFL und das Verfahren mit Formular 4473 nötig.
      Siehe auch: Supreme Court ghost gun decision
  • Die Definition von „3D-Drucker“ ist unklar. Würde dann auch eine HAAS-CNC-Maschine darunterfallen?

    • Laut Gesetzentwurf ist ein „3D-Drucker“ ein Gerät, das mit einem additiven Verfahren 3D-Objekte herstellt.
      Link zur Gesetzesvorschrift
      Jemand könnte diese Definition möglicherweise durch Veränderung des Slicing-Algorithmus umgehen.
    • Ein neues Gesetz im Bundesstaat Washington schließt auch subtraktive Verfahren ein.
      Es wirkt, als habe Kalifornien diesen Teil bewusst weggelassen, weil man HAAS im Blick hatte.
  • „Muss man jetzt bis nach Nevada fahren, um einen echten 3D-Drucker zu kaufen?“
    Waffenregulierung wäre nur wirksam, wenn sie landesweit einheitlich durchgesetzt würde.
    Wenn die Regeln wie in den USA von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich sind, läuft der Waffenhandel über private Verkäufe oder zwischenstaatliche Verbringung weiter.
    Das Problem der Ghost Guns wird also bleiben.

    • Waffengewalt ist eindeutig ein Problem, aber die meisten Straftaten werden bereits mit legal käuflichen Waffen begangen.
      Statt nur den Zugang zu Waffen zu blockieren, braucht es gesellschaftliche Ansätze, die verhindern, dass Menschen überhaupt Waffen wollen.
      Aber selbst das ist im Schatten der Verfassung schwer umzusetzen.
  • In den USA gilt rechtlich nur der Teil mit der eingravierten Seriennummer als eigentliche Waffe.
    Beim AR-15 wird zum Beispiel faktisch nur ein einfacher Gehäuseteil als Waffe behandelt.
    In anderen Ländern werden eher drucktragende Teile (Lauf, Verschluss, Schlagbolzen usw.) reguliert.
    Die USA sollten zuerst dieses fehlerhafte Klassifikationssystem korrigieren. Sonst laden sie die Last auf die weltweite 3D-Druck-Community ab.

  • Es wurde auch gefragt, wer so ein Gesetz eigentlich vorantreibt.

    • Kunststoff- oder Teilehersteller könnten versuchen, den Markt für selbst hergestellte Teile aus 3D-Druckern einzudämmen.
      Das hängt auch mit der Debatte um Right to Repair zusammen.
    • Andere sehen dahinter schlicht autoritäre politische Kräfte.
    • Gesetzgeber neigen dazu, eher symbolische Gesetze vorzulegen als wirksame, weil sie Wählern und Unterstützern zeigen müssen, dass sie „etwas tun“.
    • Eingebracht wurde der Gesetzentwurf von Assembly Member Bauer-Kahan.
    • Es gibt auch Kritik, dass dies nur eine politische Geste sei, um Stimmen und Spenden zu gewinnen.
      Es sei politisch sicherer, kleine Gruppen ins Visier zu nehmen, als sich direkt mit großen Lobbys wie der NRA anzulegen.
      Auch die jüngste Medienberichterstattung über Ghost Guns habe solchen Gesetzen zusätzliche Legitimation verschafft.