12 Punkte von davespark 2026-01-09 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Is Craigslist the Last Real Place on the Internet?

  • Craigslist gilt als letzter echter Ort, der in einem modernen, von AI und Algorithmen geprägten Internet die Unverfälschtheit und Authentizität des frühen Internets bewahrt
  • Millennials und jüngere Generationen nutzen Craigslist weiterhin im Alltag und meiden dabei tendenziell andere Plattformen (TikTok, Instagram, X usw.), die auf clout-chasing und Virality ausgerichtet sind

Besondere Merkmale von Craigslist

  • Keine Algorithmen → maximale Autonomie für Nutzer, Förderung unvorhersehbarer Verbindungen
  • Anonymität → keine öffentlichen Profile, Likes, Follower oder Rating-Systeme → weniger Wettbewerb um Aufmerksamkeit
  • Fokus auf Privatsphäre → Ablehnung des Verkaufs von Nutzerdaten, Erlösmodell mit nur minimaler Werbung
  • „ungentrified internet“ (Professorin Jessa Lingel) → ein Kontrast zu anderen Plattformen, die durch Kommerzialisierung und die Einführung von AI verändert wurden

Beispiele aus der Praxis

  • Megan Koester (Komikerin und Autorin)
    • bekam vor 15 Jahren über Craigslist einen Job, bei dem sie Internet-Pornos rezensierte
    • fand eine mietpreisgebundene Wohnung und kaufte Land in der Mojave-Wüste; Möbel und Bodenbeläge besorgte sie über die Gratis-Sektion
    • „There’s a purity to it.“ / „I’m ride or die.“
  • Kat Toledo (Komikerin)
    • fand dort Romanzen, Wohnraum und einen Assistenzjob bei einem forensischen Psychologen
    • erhielt bei der Suche nach einem Co-Host für eine Stand-up-Show Antworten von sehr eigentümlichen Bewerbern (Darsteller für religiöse Reenactments, ein Schauspieler, der das Weinen unterdrücken konnte usw.)
    • „The real freaks come out on Craigslist.“ / Der Reiz liegt im „random factor“

Kreative und kulturelle Nutzung

  • genutzt für das Casting experimenteller TV-Shows wie HBO The Rehearsal und Amazon Freevee Jury Duty
  • ein idealer Ort für die Suche nach Kunst-, Theater- und skurrilen Projekten

Historischer Hintergrund und Überlebensstrategie

  • 1995 von Craig Newmark als regionale E-Mail-Liste in San Francisco gestartet
  • Übernahmeversuch durch eBay → nach einem zehnjährigen Rechtsstreit 2015 die Unabhängigkeit zurückgewonnen
  • 2018 wurden durch das Gesetz FOSTA-SESTA die Bereiche „casual encounters“ und personals geschlossen (missed connections blieb erhalten)
  • aktuell: 105 Millionen Nutzer pro Monat, Rang 40 unter den US-Websites
  • Einnahmen: nur kleine Gebühren für Anzeigen in den Kategorien gigs, goods und apartments

Abschließende Bewertung des Autors

  • Craigslist hält bis zuletzt an den frühen Internetwerten Einfachheit, Privatsphäre und Community-Fokus fest
  • ein utopischer Raum, der sich der Kommerzialisierung und dem Überwachungskapitalismus im AI-Zeitalter widersetzt
  • „When something is structured so simply and really does serve the community, and it doesn't ask for much? That’s what survives.“ (Kat Toledo)
  • Megan Koester: „I’m gonna keep looking at Craigslist until I die.“ (oder bis Craig stirbt)

Craigslist ist unvollkommen und birgt auch Risiken, bleibt aber ein seltener Ort, der in der modernen Internetwelt noch immer echte Verbindungen zwischen Menschen ermöglicht.

2 Kommentare

 
nomak 2026-01-09

Craigslist gibt es also immer noch?!

 
reagea0 2026-01-09

Ich wusste gar nicht, dass es so etwas überhaupt noch gibt, aber es wirkt wie ein Ort, der irgendwie Nostalgie auslöst. Es fühlt sich ein bisschen wie das frühe Internet an und erinnert mich auch an die Zeit der PC-Kommunikationsdienste.

Ich denke in letzter Zeit auch darüber nach, einfach so etwas wie einen anonymen Blog aufzusetzen und ihn ohne Rechtschreibprüfung völlig frei zu betreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob das am Alter liegt, ob es nur ein persönliches Symptom ist oder ob es ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist, aber dieser Slop macht mich in letzter Zeit definitiv müde.