6 Punkte von GN⁺ 2025-09-14 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die Feeds sozialer Medien werden zunehmend mit KI- und algorithmisch optimierten Inhalten gefüllt, während echte von Menschen erstellte Inhalte immer weiter verdrängt werden
  • Statt echter Verbindung stehen Konsum und auf Engagement ausgelegte Inhalte im Mittelpunkt, wodurch die Menschlichkeit verwässert wird
  • Eine von Bots, Spam und KI-generierten Avataren dominierte „Bot-Girl-Ökonomie“ wächst, während die Plattformen eher zuschauen als eingreifen
  • Die Nutzerbeteiligung sinkt, und das Interesse der Menschen verlagert sich auf private, geschlossene Kleingruppen-Communitys
  • Digitale Kompetenz und plattformseitiges Design mit Fokus auf das Gemeinwohl sind der Schlüssel für den künftigen Wandel sozialer Medien

Der Wandel der sozialen Medien und die aktuelle Krise

  • Soziale Medien starteten einst mit dem Versprechen echter menschlicher Verbindung
  • Doch heute sind die Feeds voller ständig wiederkehrender Werbung, Clickbait-Inhalte und KI-generierter Beiträge, während echte menschliche Kommunikation immer weiter abnimmt
  • Nutzer richten ihren Fokus zunehmend weniger auf Menschen als auf den Consumer (Konsumenten) und den Konsum.

Das Verschwinden echter menschlicher Inhalte

  • KI-generierter Spam und Clickbait-Informationen überfluten große Plattformen wie Facebook und Instagram
  • Algorithmen priorisieren zur Engagement-Optimierung künstlich erzeugte Texte und Bilder statt echter von Menschen erstellter Inhalte
  • Die Plattformen wirken entweder unfähig, diese Entwicklung zu kontrollieren, oder scheuen bewusst vor Eingriffen zurück
  • Auf TikTok, Reddit, Facebook und den meisten anderen Plattformen nehmen mit KI, Automatisierung und Bots erstellte Inhalte zu, zugleich ist ein Vertrauensverlust deutlich erkennbar

Der Aufstieg der Bot-Girl-Ökonomie

  • Über einfachen Spam hinaus tritt das Phänomen KI-basierter menschlicher Avatare, der „Bot-Girls“, deutlich hervor
    • In Verbindung mit Sexwork-Plattformen wie OnlyFans täuschen Avatare emotionale Bindungen zu Nutzern vor und bewegen sie zu Abonnements
    • Es ist schwer zu unterscheiden, ob es sich um echte Menschen oder von KI erzeugte Figuren handelt
  • Auch Content Creator wiederholen zunehmend algorithmisch optimierte Verhaltensweisen und wählen immer häufiger automatisierte Handlungen
  • Sogar gewöhnliche Nutzer ändern ihre Form der Selbstdarstellung, um den Erwartungen der Algorithmen zu entsprechen

Sinkende Beteiligung in sozialen Medien und alternative Strömungen

  • Die Engagement-Rate in sozialen Medien insgesamt bricht stark ein
    • Facebook und X: durchschnittliche Engagement-Rate 0,15 %, bei Instagram Rückgang der Engagement-Rate um 24 % innerhalb eines Jahres
    • Auch bei TikTok und anderen Diensten verlangsamt sich das Wachstum
  • Menschen scrollen zwar weiter durch bedeutungsleere Feeds, doch echte Kommunikation ist fast verschwunden
  • Zunehmend verlassen sie große Plattformen und wechseln zu Gruppenchats, Discord und föderierten Microblogging-Diensten – also zu „kleinen, langsamen Communitys“
    • Für X wurde nach der Übernahme ein Rückgang der Nutzerzahl um 15 % gemeldet, Threads verzeichnete einen starken Rückgang der DAU, Twitch erreichte die niedrigste Watchtime seit vier Jahren
    • Dienste wie Substack und Patreon mit Fokus auf echte Abonnenten und tiefere Beziehungen wachsen. Die Achse verschiebt sich von Größe → Bindung/Tiefe
  • Auch große Plattformen zeigen mit der stärkeren Betonung von DMs, Circles und privaten Communitys Anzeichen einer Kurskorrektur

Erschöpfung durch soziale Medien und Gegenbewegung

  • Durch übermäßige Informationsreize und klickorientierte Mechanismen erleben Nutzer Erschöpfung, Ohnmacht und Phänomene des Digital Detox
  • Die Bewegung, Plattformen zu verlassen, Accounts zu deaktivieren oder die Art des Feed-Konsums zu ändern, breitet sich aus
  • Auch Celebrities und Creator konkurrieren mit KI-generierten Inhalten und sind zunehmend von Erschöpfung und Burnout bedroht

Der kommende Wandel: Intentionalität, Gemeinwohlorientierung und digitale Kompetenz

  • Künftige soziale Medien werden sich voraussichtlich nicht um Massenplattformen, sondern um kleine geschlossene Membership-Communitys und Messaging-Apps neu organisieren
    • Beispiel: der Aufstieg von privaten, dezentralen Plattformen wie Signal
  • Es braucht eine Debatte über den Gemeingut-Charakter von Algorithmen und Plattformen
    • Die Forderung nach Diensten auf Basis von offener Governance, Wahlfreiheit bei Algorithmen, Transparenz und Gemeinwohlorientierung nimmt zu
  • Bildung in digitaler Kompetenz und Algorithmuskompetenz wird nicht mehr als individuelle Verantwortung gesehen, sondern als Aufgabe gesellschaftlicher Infrastruktur
  • Letztlich müssen sich soziale Medien zu kleinen, langsamen Netzwerken wandeln, die Verständnis und Verbindung in den Mittelpunkt stellen

Eine neue Architektur sozialer Medien: Gemeinwohl und Dezentralisierung

Plattformen als Gemeingut

  • Es entsteht eine Bewegung, soziale Medien nicht nur als Dienste privater Unternehmen, sondern als Gemeingut und öffentliche Dienstleistung zu betrachten
  • Gesucht werden Modelle mit bürgerlicher Charta und unabhängiger Governance statt staatlicher Kontrolle
  • Beispiele: offene Algorithmen, Governance-Boards mit Nutzervertretung, Transparenzprinzipien

Dezentrale Protokolle und neue Experimente

  • Auf Dezentralisierung und Interoperabilität ausgerichtete Protokolle wie Mastodon, ActivityPub bei Threads und das AT Protocol von Bluesky werden erprobt
  • Technische Dezentralisierung allein reicht jedoch nicht aus; nötig sind echte öffentliche Governance und institutionelle Unterstützung
  • Es braucht die Grundlage für ein neues Plattform-Ökosystem, das auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert

Wahlfreiheit bei Algorithmen und Customizing

  • Erwartet wird eine Zukunft, in der Nutzer verschiedene Ausspielungsalgorithmen direkt wählen können, etwa chronologische Feeds, Priorisierung gegenseitiger Follows, Orts-/Sprachfilter oder Zufalls-Engines
  • Die Wahl des Algorithmus muss sich als technisches Recht und öffentliches Recht etablieren

Herausforderungen der Dezentralisierung

  • Dezentrale Netzwerke wie Mastodon und Bluesky zeigen Grenzen wie Personalmangel bei Betreibern, das Spannungsverhältnis zwischen Unabhängigkeit und Sicherheit sowie ideologische Isolation oder Fragmentierung
  • Es braucht neue Anreize und Governance-Lösungen, damit alle einen gemeinsamen öffentlichen Diskursraum aufbauen können

Digitale Kompetenz: ein Public-Health-Ansatz

Digitale Kompetenz als kollektive Fähigkeit

  • Betont wird Bildung in Algorithmuskompetenz, damit Menschen verstehen können, wie Algorithmen und Designmuster Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen
  • Im Bildungsbereich soll die Vermittlung von Verständnis für digitale Medienumgebungen in regulären Lehrplänen der Primar- und Sekundarstufe ausgeweitet werden
  • Bibliotheken und öffentliche Einrichtungen sollten zu gesellschaftlichen Anlaufstellen für digitale Kompetenz werden, diese Forderung gewinnt an Unterstützung

Veränderungen im Plattformdesign und verhaltensbezogene Schutzmechanismen

  • Gefordert werden Schutzmechanismen im Design, etwa standardmäßiger Privatsphärenschutz, verlangsamte Verbreitung viraler Inhalte und Folgenabschätzungen algorithmischer Wirkung
  • Plattformen sollen Nutzerrechte schützen können, indem sie ihre eigenen Mechanismen zur Engagement-Steigerung offenlegen

Fazit: Neudesign für neue Verbindungen

  • Soziale Medien haben bereits einen Moment des Endes erreicht, doch das ist zugleich der Beginn neuer, menschlicherer Verbindungen
  • Der soziale Raum aus Übermaß an Inhalten und Mangel an Bedeutung hat seinen Höhepunkt erreicht, und eine strukturelle Verschiebung hin zu kleinen, langsamen, bewussten und verantwortungsvollen Räumen hat begonnen
  • Statt Größe und Viralität braucht es neue Governance- und Designprinzipien, die sich an Verständnis, Vertrauen und Kontext orientieren
    • Kleine Communitys, tiefes Vertrauen und bedeutungsvolle Gespräche müssen künftig im Zentrum stehen
  • Plattformen und Algorithmen sollten so gestaltet werden, dass sie das Interesse der Gemeinschaft, Verständnis und Verbindung priorisieren
  • Wir sind in der Lage, die Probleme bestehender großer Plattformen klar zu erkennen und zugleich bessere digitale Räume zu entwerfen und aufzubauen
  • Entscheidend ist, passiven Konsum hinter sich zu lassen und Aufmerksamkeit, Vertrauen und Kommunikation ins Zentrum des Designs zu stellen

2 Kommentare

 
kandk 2025-09-15

Wenn soziale Medien Zeitverschwendung sind, passt das Gefühl von „Bedauern“ oder „Scham“ eher dazu als bei Glücksspiel oder Drogen.

 
GN⁺ 2025-09-14
Hacker-News-Kommentare
  • Als Social Media aufkam, war ich unglaublich begeistert von der Möglichkeit, mich mit Menschen auf der ganzen Welt zu vernetzen, die ähnlich denken wie ich. Aber jetzt, im Jahr 2025, zu hören, wie der Chef der größten Plattform davon spricht, Menschen statt miteinander lieber mit AI-Chatbots zu verbinden, damit sie ihre Einsamkeit lindern, fühlt sich an, als wäre ein enormes Potenzial verloren gegangen.

    • Ich erinnere mich noch daran, wie schockierend es war, als Social Media zum ersten Mal entstand und man ohne Einschränkungen mit der ganzen Welt sprechen (tippen) konnte. Für mich war das schon im Internet der 80er und 90er Jahre so. Damals basierte die gesamte Kommunikation auf Standards, war vollständig interoperabel und komplett kostenlos. Das, was wir heute „Social Media“ nennen, ist letztlich nur die proprietäre Kommerzialisierung von etwas, das vorher viel offener war.
    • Früher war der Ruf innerhalb einer Community wichtig, deshalb war die Qualität besser. Die Leute versammelten sich in thematischen Foren mit gemeinsamen Interessen und merkten sich die Nicknames der anderen. So entstand ein Ruf innerhalb der Community. Ein Account wie 'Endwokeness' hätte im alten Internet niemals funktioniert. Billige politische Beiträge wären gelöscht worden, und die Leute hätten ihn verspottet. Wer immer wieder solchen Schrott postete, an den hätten sich alle für immer erinnert.
    • Dass sich Gleichgesinnte so leicht vernetzen können, könnte gerade das Problem sein. Vor dem 21. Jahrhundert musste man zwangsläufig mit geografisch nahen Menschen wie Familie, Nachbarn und Freunden umgehen, und dadurch gab es Reibung in den Meinungen. Der Grund, warum nicht alle verrückte Kleidung trugen oder extreme Behauptungen aufstellten, war auch, dass ihr Umfeld sie gebremst hat. Im Internet entkommt man dieser Korrektur und hängt nur noch in seinem eigenen Raum, auf Discord, in Foren usw., mit Menschen herum, die exakt genauso denken. Dadurch entsteht leicht die Illusion, die eigenen Ansichten seien normal. Vielleicht schützt uns genau die Reibung oder Korrektur, die entsteht, wenn wir im echten Leben mit Menschen mit anderen Interessen zu tun haben, vor Radikalisierung oder psychischen Problemen.
    • 2004 habe ich mit Freunden in Yale ein soziales Netzwerk namens „socially connected academic peer exchange“ (scape) gebaut. Wir dachten, dass es offline bedeutungsvollere Beziehungen schaffen könnte, wenn man online tiefere Interessen leichter teilen kann. Der Fokus lag auf dem Teilen von Fotos und Medien, und wir wollten mit Facebook konkurrieren. Es wurde zu schnell populär, sodass wir damit nicht umgehen konnten. Rückblickend hatten wir in vieler Hinsicht falsche Vorstellungen.
    • AI-Chatbots sind der nächste Schritt in dieser Entwicklung hin zu „gleich denkenden Menschen“: eine mechanische Form der Interaktion, die dem Nutzer in allem entgegenkommt, um genau das zu liefern, was er will. Das ist vielleicht ungesund, aber zugleich eine Weiterentwicklung dessen, dass anonyme Nutzer bereits Nischeninteressen miteinander teilen.
  • Im Artikel wird bei Mastodon wohl nur über das Protokoll gesprochen, aber für mich ist der wichtigste Vorteil, dass es überhaupt keinen Algorithmus gibt. Die Plattform drängt mir nichts auf, dadurch wird die gesamte Erfahrung nicht aggressiv. Stattdessen müssen Nutzer andere Nutzer selbst finden, was etwas Zeit kostet, aber genau dadurch werden Leute herausgefiltert, die sonst nur immer weiter mit vorgekautem Content gefüttert werden wollen. In den letzten drei Jahren hatte ich auf Mastodon die gesündeste und positivste Social-Media-Erfahrung.

    • Auch Mastodon hat Trending-Feeds, ist das also kein Algorithmus? Es gibt populäre Hashtags, News-Feeds, Nutzerempfehlungen und verschiedene andere grundlegende algorithmische Elemente. Ich verstehe nicht, warum immer wieder behauptet wird, es gebe „überhaupt keinen Algorithmus“.
    • Ich habe drei Regeln für eine gute Social-Media-Erfahrung: 1) keine Algorithmen außer rein chronologischer Sortierung, 2) nie mehr als 250 Accounts folgen, 3) kostenpflichtige Dienste statt werbefinanzierter Angebote nutzen. Auf Mastodon lässt sich all das leicht umsetzen.
    • Auch Mastodon und das Fediverse sind trotz fehlender Algorithmen nicht frei von Spam und Bots. Das scheint heute auf fast allen Plattformen so zu sein. Im Februar letzten Jahres gab es eine Flut von Nachrichten, die weniger bevölkerte Instanzen angriffen, oft mit Bild-Spam. Nach solchen Angriffen ist es frustrierend, dass die meisten Mastodon-Clients keine einfache Möglichkeit bieten, ganze Instanzen zu blockieren. Manche Clients haben diese Funktion gar nicht.
    • Letztlich bevorzugen Menschen Empfehlungen gegenüber der Mühe, selbst interessante Dinge zu finden. Viele empfinden das eigenständige Suchen als zu viel „Arbeit“.
  • Social Media ist in letzter Zeit nicht mehr sozial. Es ist inzwischen vollständig zu einer Content-Fabrik geworden. Produzenten senden einseitig an Konsumenten. Das ursprüngliche Peer-to-Peer-Social-Media ist meiner Meinung nach tot.

    • Tatsächlich schreibe ich diesen Kommentar gerade auf einem Peer-to-Peer-artigen Social-Media-Dienst. Auch abseits von Meta oder X sind Discord, HN und verschiedene Foren weiterhin sehr aktiv.
  • Wenn ich an Social Media denke, ist „Erschöpfung“ nicht das erste Wort, das mir einfällt. Im Artikel war unklar, ob mit Erschöpfung wirklich die Müdigkeit der Nutzer gemeint ist. Dort heißt es, die Leute würden weiter scrollen, obwohl sie aufhören wollten. Aber wenn es um Social Media als Zeitverschwendung geht, passt eher das Gefühl von „Reue“ oder „Scham“, ähnlich wie bei Glücksspiel oder Drogen. Wenn es sich wirklich so erschöpfend anfühlen würde, dass man es nicht mehr nutzen könnte, wäre es nicht so erfolgreich geworden.

    • Es gibt neurotisch veranlagte Menschen, die zwanghaft ins Doomscrolling verfallen. Dieser Typ scannt ständig Nachrichten oder Feeds, um Bedrohungen zu erkennen. Aus Angst heraus greift er dann zu extremen Reaktionen. In solchen Feeds landet wiederum Angst-Content anderer neurotischer Menschen, und der Algorithmus zeigt genau das immer weiter an, wodurch sich ein sich selbst verstärkender Teufelskreis bildet.
  • Menschen sind süchtig nach Anspannung. Die Steigerung von Anspannung erfüllt ein Bedürfnis, und ihre Auflösung wirkt ebenfalls süchtig machend. Social Media ist eine endlose Folge aus Reizen und Trost. In einem Moment kommt die Meldung über ein Attentat, im nächsten ein Video von einem niedlichen Hund. Am Ende wirken solche Reize nur dann noch stark, wenn sie extrem sind. Ich denke letztlich, Social Media ist in dem Moment gescheitert, als Regierungen den Forderungen der Unternehmen nachgegeben und entschieden haben, dass Plattformen keine Verantwortung für die von ihnen verbreiteten Beiträge tragen müssen. Das Ergebnis war eine Flut sensationeller Behauptungen, für die niemand verantwortlich ist.

    • Der Zeitpunkt, an dem „Social Media scheiterte“, war meiner Meinung nach der, als alle stillschweigend akzeptierten, dass Dienste nur so tun, als seien sie kostenlos, während Werbefirmen in Wahrheit die Chance bekamen, unsere Aufmerksamkeit zu kapern und uns abhängig zu machen. Die Einbindung von Werbekunden wurde zur obersten Priorität der Plattformen.
    • Aus meiner Sicht war Social Media in dem Moment gescheitert, als man es als Geldmaschine, also als etwas zur Monetarisierung, betrachtete. Irgendwann wurden Beiträge, Ideen und alles andere direkt mit monetärem Wert verknüpft, und die Anreize verschoben sich von „Spaß“ zu „Kommerz“. Das war ungefähr ab 2017 der Fall, als alle Social-Media-Plattformen auf algorithmische Feeds umstellten und die Verfolgung von Engagement und Aufmerksamkeit pro Post zunahm.
    • Tatsächlich interessieren sich Menschen schon immer stärker für Anspannung, Probleme und Konflikte. Deshalb waren schon die Abendnachrichten und Zeitungen ständig deprimierend.
  • Ich finde es interessant, dass Tumblr als „tote/Zombie-Plattform“ erwähnt wird. Tatsächlich hat es sich eine eigenständige Nische aufgebaut und lebt darin durchaus gut. Der Maßstab für „Vitalität“ im Artikel scheint einfach Größe oder Popularität widerzuspiegeln. Genau solche Maßstäbe haben andere große Plattformen letztlich erst in den heutigen Zustand gebracht.

    • Ich frage mich, ob Tumblr wirklich gut betrieben wird. Bis vor zehn Jahren habe ich dort viel Content konsumiert und hielt es wegen der Pseudonymität, fehlender Zensur und fehlender Werbung für eine wirklich gute Plattform. Heute sieht man es kaum noch, deshalb gehe ich davon aus, dass die Popularität und damit auch die Profitabilität gesunken sind. Aber wenn dort heute noch eine kleine, aktive Community existiert, würde mich das freuen. Noch besser wäre es, wenn es sogar ActivityPub unterstützen würde.
  • Algorithmische Feeds sollten in jedem öffentlichen Diskurs verboten werden. Sie zerstören uns im wahrsten Sinne des Wortes. Themen sollten durchsuchbar sein, und die Nutzer sollten selbst finden, was sie brauchen. Höchstens ein ganz einfacher Feed mit „aktuellen Gesprächen“ sollte als Ausnahme erlaubt sein.

    • „Upvotes“ oder ähnliche Mechanismen waren zwar gut für Wachstum und Beteiligung, aber für gute Gespräche sind sie überhaupt nicht gut, wenn Menschen dadurch nicht mehr versuchen, die wirkliche Perspektive anderer zu verstehen, sondern nur billige Punkte für scheinbare Zustimmung oder leichte Konformität jagen. Auf Twitter, Facebook, HN oder Reddit sieht man sehr deutlich, dass solche Punktzahlen nach oben steigen, ganz unabhängig davon, wie wahr oder substanziell etwas tatsächlich ist.
    • Ich halte solche Algorithmen im Grunde für eine Form der Segregation. Ihr Ziel ist es, bestimmte Gruppen zu isolieren und ihnen nur den provokanten, wutmachenden Content anderer Gruppen zu zeigen, um Posts, Kommentare und Likes auszulösen. Wenn Plattformen groß genug werden, übernehmen sie faktisch die Rolle eines unvermeidlichen öffentlichen Forums, und dann ist es nur selbstverständlich, sie gesetzlich zu regulieren, damit der öffentliche Informationsfluss gesund bleibt. Vorausgesetzt natürlich, die Regeln werden fair angewandt. In der Realität gibt es jedoch selbst bei viel gravierenderen Themen wie nationaler Sicherheit oder Einfluss auf Wahlen zahlreiche regulatorische Ausnahmen, etwa wie bei TikTok, und Gesetze werden aus politischen Gründen oft nicht konsequent durchgesetzt. Deshalb bleibt ihre Wirksamkeit begrenzt. Das Problembewusstsein für einen gesunden öffentlichen Raum ist vorerst nach hinten gerückt.
    • Auch Foren können letztlich leicht durch Trolle ruiniert werden. Ich bin in ein paar politischen Diskussionsforen unterwegs, und viele davon wurden durch eine kleine Zahl von Trollen völlig kaputtgemacht, während die Moderation nichts unternimmt.
  • Mastodon zeigt, dass sich ein Netzwerk nutzerzentriert entwickeln kann, wenn es dem Druck zur Monetarisierung entkommt. Wenn es sich dagegen investorenorientiert entwickelt, kommt genau das hier heraus. Eine wirklich einfache Wahrheit.

  • Das Problem mit aktuellem Social Media ist, dass es nicht mehr „sozial“ ist und nur noch „Medien“ liefert. Der soziale Aspekt mit echten Menschen, einer überschaubaren Zahl von Verbindungen und gegenseitiger Interaktion ist fast unmöglich geworden. Stattdessen stoßen große „Seiten“ nur noch massenhaft Nachrichten aus. Ich persönlich denke, dass man mit der richtigen Regulierung durchaus vernünftiges Social Media schaffen könnte. Und auch die heutigen großen Plattformen brauchen Regulierung: etwa eine Pflicht, nur Gefolgtes anzuzeigen, und die Einstufung als Medienanbieter ab 10.000 Followern, inklusive Klarnamenoffenlegung, sofortiger Reaktion auf Löschanfragen und Transparenzanforderungen auf dem Niveau klassischer Medien.

  • Vielleicht bin ich ein Pessimist, aber ich glaube nicht, dass dieses Phänomen verschwinden wird.

    • Solange die heutigen Anreize fortbestehen, wird sich auch das Ergebnis nicht ändern. Selbst wenn man nur den Namen ändert, kommt am Ende dasselbe heraus.
    • Es ist wie eine Droge, und die meisten Menschen haben gelernt, Abstand dazu zu halten.