- Angesichts der Altersverifikationsgesetze, die in den USA und weltweit an Fahrt gewinnen und zu Überwachung und Zensur führen, hat die EFF ein Online-Hub eröffnet, um diese zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu koordinieren
- Das Hub ist als integrierte Informationsplattform konzipiert, auf der sich die Risiken der Gesetze und mögliche Alternativen auf einen Blick finden lassen, und soll Bürgerinnen und Bürgern helfen, auf politische Vorhaben zu reagieren
- Zur Eröffnung hat die EFF ein Reddit AMA sowie eine Online-Paneldiskussion am 15. Januar organisiert, um Nebenwirkungen und Datenschutzprobleme der Gesetze zu diskutieren
- Die EFF kritisiert, dass diese Gesetze oft mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen begründet werden, in der Praxis jedoch die Zensur- und Überwachungsinfrastruktur ausbauen und den freien Internetzugang einschränken
- Die Organisation betont, dass für echte Online-Sicherheit ein umfassendes Datenschutzgesetz benötigt wird
Start des Age Verification Hub der EFF
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Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat ein neues Ressourcen-Hub gestartet, da sie feststellt, dass Altersverifikationsgesetze, die in den USA und weltweit umgesetzt werden, Freiheit und Privatsphäre gefährden
- Die Hub-Adresse ist EFF.org/age, die Unterlagen zu den Problemen der einschlägigen Gesetze und möglichen Reaktionen bereithält
- Das Hub ist als One-Stop-Informationsplattform ausgelegt, die Bürgern und Organisationen hilft, sich auf rechtliche und politische Gegenmaßnahmen vorzubereiten
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EFF-Aktivistin Molly Buckley sagte, diese Gesetze würden „das Fundament eines freien und offenen Internets erschüttern“
- Obwohl sie mit dem Schutz von Kindern begründet werden, funktionieren sie als Zensurinstrumente, mit denen Informationen blockiert werden, die die Regierung als „schädlich“ oder „anstößig“ einstuft
- Außerdem fänden erhebliche Einschränkungen der Online-Privatsphäre statt und der Zugang zu wichtigen Online-Communities werde eingeschränkt
Verbreitung von Altersverifikationsgesetzen in den USA und im Ausland
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Bereits knapp die Hälfte der US-Bundesstaaten hat online Altersverifikationsgesetze verabschiedet
- Auch auf Bundesebene hat der Unterausschuss für Energie und Handel des Repräsentantenhauses eine Anhörung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet durchgeführt
- Von den 19 Gesetzesentwürfen, die in der Anhörung behandelt wurden, enthalten viele Altersverifikationsauflagen, doch EFF bewertet, dass diese eher zu Beschränkungen des Inhaltszugangs führen als zu besserem Jugendschutz
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Auch international zeigt sich eine ähnliche Entwicklung
- In Australien wurde ein Gesetz eingeführt, das verhindert, dass Nutzer unter 16 Jahren soziale Medienkonten erstellen oder behalten dürfen
- EFF warnt, dass solche Maßnahmen weltweit zu einer Ausweitung von Überwachungssystemen führen
Probleme der Altersverifikationstechnologien
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Altersverifikationsgesetze verlangen von Online-Diensten, das Alter aller Nutzer zu prüfen, zu schätzen und zu verifizieren
- Dabei kommen Ausweise staatlicher Behörden, biometrische Scans und Altersvorhersage-Algorithmen als invasive Technologien zum Einsatz
- Diese Verfahren sind nicht nur ungenau, sondern erfassen zudem sensible, nicht veränderbare personenbezogene Daten der Nutzer und verbinden die Offline-Identität mit dem Online-Verhalten
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Die gesammelten Daten sind Angriffen wie Datenlecks, Hacking und Missbrauch ausgesetzt
- Die EFF weist darauf hin, dass genau diese Datenerhebung die Nutzer*innensicherheit statt zu verbessern vielmehr gefährdet
Datenschutzgesetz als Alternative
- Die EFF argumentiert, dass für echte Online-Sicherheit ein umfassendes Datenschutzgesetz geschaffen werden müsse
- Statt Altersverifikation müsse der Fokus auf Datensparsamkeit und mehr Transparenz liegen
- Relevante Vorschläge finden sich unter EFF.org/privacyfirst
Community-Veranstaltungen
- Zur Hub-Eröffnung organisierte EFF ein Reddit AMA und eine Live-Paneldiskussion
- Das Reddit AMA findet vom 15. bis 17. Dezember in r/privacy statt; EFF-Anwältinnen, Techniker und Aktivistinnen nehmen an der Fragerunde teil
- Am 15. Januar um 12:00 Uhr (PDT) findet eine kostenlose Online-Paneldiskussion statt; die Anmeldung ist über EFF.org/livestream-age möglich
- Als Sprecher werden erwartet: Cynthia Conti-Cook, der Gen Z for Change-Repräsentant, EFF Engineering Director Alexis Hancock sowie der stellvertretende Direktor für staatliche Angelegenheiten Rindala Alajaji
Verfügbare Ressourcen
- Age Verification Hub: https://www.eff.org/age
- Reddit AMA: https://www.reddit.com/r/privacy/
- Live-Diskussion am 15. Januar: https://www.eff.org/livestream-age
Kernaussage: Die EFF warnt, dass Altersverifikationsgesetze Online-Freiheit und Privatsphäre verletzen, und stellt über das Age Verification Hub Informationen und Handlungsmöglichkeiten bereit, damit Bürgerinnen und Bürger auf diese Gesetze reagieren können.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ich finde es bedauerlich, dass bei der Age-Verification-Debatte der Kernpunkt jedes Mal verfehlt wird.
Es geht nicht um Kinder oder Zensur, sondern um den Aufbau einer Überwachungsinfrastruktur.
Die Forderung „Beweise, dass du nicht minderjährig bist“ bedeutet letztlich „Sag uns, wer du bist“.
Dadurch entsteht das Risiko, dass Anonymitätswerkzeuge wie VPN und PGP illegal werden.
Das schützt Kinder nicht, sondern ebnet vielmehr den Weg dahin, dass Privatsphäre selbst illegal wird.
Verwandte Artikel: EFF – Lawmakers Want to Ban VPNs, TechRadar – VPN Usage at Risk, UK Parliament Debate
Wenn man ihre Sorgen aus der Diskussion ausklammert, isoliert man sich am Ende nur selbst.
Viele Menschen priorisieren den Schutz von Kindern, selbst wenn sie dafür Überwachungsrisiken in Kauf nehmen. Wenn beide Seiten die Sorgen der jeweils anderen ignorieren, tritt die Debatte auf der Stelle.
Wenn man sieht, dass ähnliche Gesetze in vielen Ländern weltweit vorangetrieben werden, wirkt das eher wie schlichte Unwissenheit als wie eine große Verschwörung.
Es gibt viele Hinweise darauf, dass uneingeschränkter Onlinezugang für Kinder schädlich ist, und es gibt ernsthafte Bemühungen, das zu lösen.
Man sollte aber darauf hinweisen, dass diese Lösungen oft von Überwachungsinteressen verzerrt werden.
Ich bin für die Idee, per Gesetz einen Header „Ich bin ein Kind“ verpflichtend zu machen.
Eltern würden diesen Header auf dem Gerät setzen, und Diensteanbieter müssten ihn respektieren.
So müsste niemand zur Altersprüfung seine Identität nachweisen, und es wäre nur ein Mindestmaß an Aufsichtspflicht der Eltern erforderlich.
Verwandter Vorschlag: RTA-header-Diskussion
Um Kindergeräte wirklich zu schützen, müsste man am Ende wohl wieder zu einem Whitelist-basierten Zugriff zurückkehren.
So gelangen keine Altersinformationen des Nutzers nach außen.
Ich denke, das eigentliche Problem ist die gesellschaftliche Tendenz, Kinder vollständig kontrollieren zu wollen.
Ein Freund von mir entwickelt ein OAuth-basiertes Altersverifikationssystem.
Wenn Nutzer ihr Alter einmal verifiziert haben, wird an Websites nur das Alter übermittelt, nicht die Identität.
Das Token wird lokal erzeugt und schützt die Privatsphäre in gewissem Maß.
Wie bei Alkohol oder Tabak könnte der Kauf offline auf Erwachsene beschränkt werden, und das ließe sich auch für Zahlungen an Erwachsenendienste nutzen.
Ich stimme der Aussage zu, dass die Altersverifikationsdebatte Überwachungszwecken dient.
Gute technische Lösungen werden ignoriert, und stattdessen werden immer nur komplexe Systeme mit hohem Datenleck-Risiko vorangetrieben.
Ich habe früher einmal über hash-chain-basierte Verifikation geschrieben: mein Blogbeitrag
Ich finde, die EFF ist diesmal zu weit gegangen.
Statt des Framings über Überwachung oder Zensur sollte sie praktische alternative Technologien vorschlagen.
Zum Beispiel ist eine Verifikation über Einmalcodes, die von Behörden oder Banken ausgegeben werden, einfach und sicher.
Wogegen man wirklich kämpfen sollte, ist die Normalisierung des Hochladens von Ausweisdokumenten.
Realistisch betrachtet haben Big Techs bereits mehr persönliche Daten als Regierungen.
Jetzt sollte der Fokus darauf liegen, Privatsphäre zurückzugewinnen.
Dass sich die EFF ohne faulen Kompromiss auf das Stoppen schlechter Gesetze konzentriert, hat durchaus Bedeutung.
Websites sollten einfach einen Header „nur für Erwachsene“ senden, und Nutzer entscheiden auf ihrem Gerät, ob sie das blockieren.
Eine ID-Prüfung ist nicht nötig.
Gesetze, die mit „Kinderschutz“ begründet werden, sind meist ein Vorstoß zur Pflicht digitaler Ausweise.
Sobald sich die Menschen daran gewöhnt haben, wird es bald verpflichtend.
Am Ende profitieren nur Regierungen und Datensammler.
Warum nutzt man nicht Zero-Knowledge Proofs (ZKP)?
Ist das verfassungsrechtlich nicht ein Eingriff in die Meinungsfreiheit?
Plattformen wie Twitter sind rechtlich kein „öffentlicher Platz“, sondern eher mit dem Meinungsteil einer Zeitung vergleichbar.
Außerdem erhöhen solche Systeme letztlich das Risiko der Nutzerverfolgung und die Anfälligkeit für Phishing.
Kinder können das weiterhin über VPN, Account-Sharing usw. umgehen.
Warum also dieses hohe Risiko bei so geringer Wirksamkeit? Hat das am Ende nicht doch einen anderen Zweck?
Konten werden oft wegen Meldungen als Minderjährige gesperrt, und die Betroffenen wollen dann ungern ihren Ausweis einreichen.
Fälle wie der Hack des Discord-Supportsystems zeigen bereits, wie riskant das Einreichen von Ausweisdokumenten ist.
Ich glaube, dass Regierungen irgendwann eine Identitätsprüfung direkt auf dem Gerät verlangen werden.
Das würde internationale Kompatibilität und Sicherheit verbessern, aber Anonymität vollständig beseitigen.
Ich frage mich, warum man nicht Zero-Knowledge Age Verification einführt.
Eine Stelle müsste das Alter nur einmal verifizieren, und Websites würden nur das Ergebnis prüfen.
Die Website kennt den Nutzer nicht, und die Verifizierungsstelle erfährt nicht, welche Website besucht wurde.
So ließe sich auch das Risiko von Datenbanklecks verringern, und rechtliche Streitfragen könnten entschärft werden.
Wenn eine Organisation wie die EFF das als Open Source betreiben würde, wäre das vermutlich vertrauenswürdig.
Ein zentralisierter Nachweisanbieter kann am Ende mit einer einzigen Vorladung zum Überwachungswerkzeug werden.
Plattformen sollten sich viel stärker auf eigene Moderationsmaßnahmen zum Schutz von Kindern konzentrieren.