- Da Online-Dienste die Altersverifikation (Age Gate) verpflichtend einführen, werden Nutzer dazu gedrängt, unter dem Risiko der Preisgabe persönlicher Daten eine Wahl zu treffen
- Die EFF lehnt solche gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen ab und gibt zugleich praktische Hinweise, wie sich Nutzerrechte auch in bereits eingeführten Systemen bestmöglich schützen lassen
- Der Beitrag betont das Prinzip der minimalen Datenweitergabe und vergleicht für die einzelnen Verfahren Risiken und Grenzen wie Gesichtserkennung, Upload von Ausweisen und Verifikation per Kreditkarte
- Die Richtlinien zu Altersschätzung, Verifikation durch Dritte und Datenspeicherung bei großen Plattformen wie Meta, Google und TikTok werden konkret analysiert
- Da keine Methode vollständigen Datenschutz garantiert, ist es für Nutzer unerlässlich, nur die nötigsten Informationen bereitzustellen und Löschverfahren zu prüfen
Die Realität und die Risiken von Altersverifikationssystemen
- Die EFF erklärt ausdrücklich, dass Age Gates und verpflichtende Altersverifikation die Meinungsfreiheit und den Datenschutz verletzen
- In mehreren Bundesstaaten und Ländern sind entsprechende Gesetze bereits in Kraft, und Nutzer werden im gesamten Web zur Altersprüfung aufgefordert
- Im Verifikationsprozess kam es bereits in vielen Fällen zu Lecks sensibler Daten
- Nutzer müssen selbst abwägen, ob sie einen Dienst weiter nutzen wollen und wie sich die Preisgabe persönlicher Daten minimieren lässt
- Die EFF stellt für jede Verifikationsmethode eine Checkliste mit Fragen bereit: Art der Daten, Zugriffsberechtigte, Speicherdauer, Auditierung, Umfang der Offenlegung
- Empfohlen wird das Prinzip der minimalen Datenweitergabe, also so wenig Informationen wie möglich anzugeben
- Schätzungen auf Basis von Gesichtserkennung sind für manche Nutzergruppen (People of Color, Transgender-Personen, Menschen mit Behinderungen usw.) weniger genau
- Digitale IDs sind nur auf einigen Plattformen möglich und bergen weiterhin das Risiko der Offenlegung von Informationen
Altersverifikationsmethoden der wichtigsten Plattformen
Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp, Messenger, Threads)
- Meta schätzt das Alter von Nutzern anhand von Beiträgen, Nachrichten usw.
- Wenn keine Schätzung möglich ist oder das Alter als zu jung eingeschätzt wird, wird eine Verifikation verlangt
- Bei der Verifikation per Gesichtserkennung wird das Foto zur Verarbeitung an die Server von Yoti übertragen
- Yoti gibt an, die Daten sofort zu löschen, doch durch vorhandene Tracker besteht das Risiko einer Offenlegung gegenüber Dritten
- Durch sichtbare Hintergründe können Standortinformationen preisgegeben werden, daher ist Vorsicht geboten
- Beim Upload eines Ausweises versprechen sowohl Meta als auch Yoti, die Daten nach Speicherung wieder zu löschen
- Meta speichert sie 30 Tage, Yoti gibt eine sofortige Löschung an
- Ausweise enthalten sensible Informationen wie Klarnamen und Adresse, was ein Risiko darstellt
Google (Gmail, YouTube)
- Google schätzt das Alter anhand des Zeitpunkts der Kontoerstellung, des Sehverlaufs usw.
- Scheitert die Schätzung, kann zwischen Ausweis, Gesichtserkennung, E-Mail, Kreditkarte und digitaler ID gewählt werden
- Die Gesichtserkennung über Private ID ist durch Verarbeitung auf dem Gerät vergleichsweise sicher
- Bei gezielten Angriffen auf bestimmte Personen besteht jedoch die Möglichkeit, dass Bilder übertragen werden
- Die Verifikation per E-Mail wird von VerifyMy durchgeführt, das die E-Mail-Adresse mit Datenbanken Dritter abgleicht
- Welche Drittanbieterlisten verwendet werden, ist nicht offengelegt
- Die Verifikation per Kreditkarte läuft über Google Payments und gilt daher als vergleichsweise sicher
- Nach einer kleinen Belastung erfolgt eine Rückerstattung, anschließend kann die Karte ersetzt werden
- Digitale IDs sind nur in einigen Regionen verfügbar und können eine Kommunikation mit staatlichen Systemen umfassen
- Beim Upload eines Ausweises erklärt Google, die Daten nach der Verifikation zu löschen, doch ob externe Audits stattfinden, ist unklar
TikTok
- TikTok schätzt das Alter automatisch anhand hochgeladener Videos und Audiodaten
- Wird ein Nutzer als zu jung eingestuft, wird das Konto eingeschränkt oder gelöscht; Einspruch ist nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglich
- Die Gesichtserkennung über Yoti birgt dieselbe Risikostruktur wie bei Meta
- Die Verifikation per Kreditkarte erfolgt über eine kleine Belastung mit anschließender Rückerstattung, doch wie die Sicherheit technisch umgesetzt wird, ist unklar
- Es gibt auch Verfahren mit der Kreditkarte eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten oder mit einem gemeinsamen Foto mit einer erwachsenen Person,
- doch reale Anwendungsfälle sind kaum bekannt und die Prüfverfahren sind intransparent
- Das Verfahren über Incode mit Ausweis- und Gesichtsabgleich unterstützt keine automatische Löschung der Daten
- TikTok erklärt, einen Löschantrag zu starten, doch es ist zusätzlich eine direkte Löschanfrage an Incode nötig
- Auch hier enthält der Ausweis sensible Informationen wie Klarnamen und Adresse
Weitere Dienste und gemeinsame Grundsätze
- Spotify und OnlyFans nutzen Yoti, Quora und Discord nutzen k-ID
- Keine Methode garantiert vollständigen Datenschutz
- Die zentralen Prinzipien sind minimale Datenweitergabe, begrenzter Zugriff und schnelle Löschung
- Die EFF kritisiert, dass diese Systeme die Privatsphäre und die Meinungsfreiheit von Nutzern verletzen, und setzt sich weiterhin weltweit für die Rücknahme verpflichtender Altersverifikation ein
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