23 Punkte von krucible 2025-11-11 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen

Die meisten Gründerinnen und Gründer in der CEO-Rolle denken, dass sie als CEO nicht gut genug sind, und empfinden Selbstbeschämung.

So ist es in den USA und so ist es in Korea.

Wenn es einen Unterschied gibt, dann wohl den, dass man das in Korea für eine Tugend zu halten scheint, während das in den USA nicht so ist. Koreanische Gründer sagen leicht: „Das liegt daran, dass ich nicht gut genug bin“, während es unter US-Gründern kaum jemanden gibt, der offen sagt: „It’s because I’m not good enough.“

Im Kern ist es aber dasselbe.

Wenn du glaubst, als CEO nicht gut genug zu sein, und dich deshalb selbst beschämst, dann hoffe ich, dass du den Unterschied erkennst zwischen dieser Selbstbeschämung und dem Schuldgefühl darüber, als CEO etwas falsch gemacht zu haben.

Denn wenn man sich selbst vorschnell als unzureichenden CEO festlegt, kann das zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.

Ein Beispiel: Du hast dich bereits darauf festgelegt, dass du ein unzureichender CEO bist, und ein Mitarbeitender gibt dir Feedback und weist auf dein Verhalten hin. Dann kann dir im ersten Moment der Gedanke kommen: „Ich wusste es, ich bin wirklich ein unzureichender CEO. Wie unzureichend muss ich sein, wenn sogar ein Mitarbeitender mich auf so etwas hinweisen muss?“ Wenn dieser Gedanke in Selbstbeschämung übergeht, kannst du vieles tun, nur um dieses Gefühl nicht spüren zu müssen. Du könntest zum Beispiel trinken. Und wenn du am nächsten Tag in deiner CEO-Rolle erneut einen Fehler machst, denkst du womöglich: „Ich wusste doch, dass es so endet, wenn ich trinke. Dass ich trotzdem getrunken habe, zeigt wieder, was für ein unzureichender CEO ich bin.“ So entsteht ein Teufelskreis. Oder du reagierst wütend auf die Person, die dir das Feedback gegeben hat. Danach denkst du vielleicht: „Ich kann nicht einmal meine Wut kontrollieren. Ich bin eben wirklich ein unzureichender CEO.“ Auch das wird zum Teufelskreis. Oder du versuchst, dich der Person, die dir das Feedback gegeben hat, bedingungslos anzupassen. Und wenn eine Situation eintritt, in der dir das nicht gelingt, denkst du: „Obwohl ich klares Feedback bekommen habe, konnte ich mich nicht ändern. Ich bin wirklich ein unzureichender CEO.“ Wieder derselbe Teufelskreis.

Wenn du dich jedoch nicht für unzureichend hältst, sondern Schuld darüber empfindest, als CEO etwas falsch gemacht zu haben, wird es deutlich leichter, eine positive Dynamik zu schaffen.

Auch dafür ein Beispiel: Ein Mitarbeitender gibt dir Feedback und weist auf dein Verhalten hin. Dann kannst du im ersten Moment denken: „Oh? Ich habe einen Fehler gemacht?“ Wenn dieser Gedanke in Schuldgefühl übergeht, kannst du ebenfalls vieles tun, um dieses Gefühl nicht weiter spüren zu müssen. Du kannst dich zum Beispiel entschuldigen und anschließend darüber nachdenken, wie du denselben Fehler nicht noch einmal wiederholst. Entscheidend ist hier, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer ist, dass dieses Nachdenken in einen Teufelskreis führt.

Vielleicht erscheint dir der Unterschied zwischen diesen beiden Szenarien klein, aber im Kontext der CEO-Rolle ist er sehr bedeutsam.

Wenn man Selbstbeschämung empfindet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man sich darauf konzentriert, wie man sich selbst verändern muss, damit sich dasselbe nicht wiederholt. Wenn das eigene unzureichende Selbst das Problem ist, erscheint es naheliegend, sich selbst reparieren zu müssen. Wenn man dagegen Schuld empfindet, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass man darüber nachdenkt, wie man die eigene Rolle, die Gepflogenheiten mit Mitarbeitenden, die organisatorische Ordnung, Struktur, Systeme, Prozesse usw. (neu) gestaltet, damit es schwer oder unmöglich wird, denselben Fehler zu wiederholen. Man hat zwar etwas falsch gemacht, hält aber nicht sich selbst als Person für das Problem. Deshalb ist man für Lösungswege viel offener. Anders gesagt: Im zweiten Fall ist die Wahrscheinlichkeit höher als im ersten, dass man erkennt, dass die Selbstoptimierung Grenzen hat, und stattdessen darüber nachdenkt, wie sich die eigene Zeit als CEO wirksamer hebeln lässt.

Es gibt eine Professorin, die schlagartig berühmt wurde, weil sie Forschungsergebnisse über die Selbstbeschämung veröffentlichte, die US-Amerikaner lange verborgen hielten: Brené Brown.

Ihren Forschungsergebnissen zufolge hilft es sehr dabei, die eigene Selbstbeschämung zu lösen, wenn man sich Zeit nimmt, Erfahrungsberichte von ähnlichen Menschen zu hören, die Selbstbeschämung erlebt haben, oder wenn man in einem sicheren Raum mit vertrauenswürdigen Menschen den Mut fasst, die eigene Erfahrung von Selbstbeschämung zu teilen und dabei Respekt zu erfahren.

Selbst wenn du die Rolle als CEO noch so schlecht erfüllst, wünsche ich dir, dass du dir solche Unterstützungsstrukturen schaffst, damit du dich nicht für unzureichend hältst.

Du hast doch nicht gegründet, um CEO zu sein, oder? Schon der Versuch zu gründen macht einen Gründer oder eine Gründerin als Mensch mehr als genug. Und darüber hinaus ist jeder Mensch schon allein durch seine Existenz genug. Wer würde beim Anblick eines Neugeborenen denken: „Dieses Kind ist ein unzureichender Mensch, bis es an die Seoul National University kommt“?

Passend dazu gibt es ein Video, in dem Professorin Brené Brown über den Unterschied zwischen Selbstbeschämung und Schuld spricht, und ich habe es übersetzt.


Wähle Schuld statt Selbstbeschämung / Brené Brown

Selbstbeschämung (Shame), die aus dem Gedanken entsteht, man sei selbst ein unzureichender Mensch, und Schuld (Guilt), die sich auf ein bedauerliches Verhalten konzentriert, sind unterschiedlich. Professorin Brené Brown betont, dass das Verständnis dieses Unterschieds und die Konzentration auf Schuld zu einem gesünderen Leben und besseren Beziehungen führen.

  1. Selbstbeschämung und Schuld – was ist der Unterschied?
    Diese beiden Gefühle werden oft verwechselt, sind in Wirklichkeit aber sehr verschieden.

Selbstbeschämung bedeutet, zu denken, dass ich ein schlechter Mensch bin.

Das ist ein tiefer Schmerz, der damit verbunden ist, dass ich Anerkennung, Liebe und Verbundenheit nicht verdiene.

Schuld dagegen bedeutet, zu denken, dass ich etwas Schlechtes getan habe.

Sie ist die Reflexion über mein Verhalten, kein Angriff auf mich selbst.

  1. Das Beispiel mit dem Zeugnis
    Stell dir vor, eine Lehrkraft gibt dir ein Zeugnis, und du hast 47 von 100 Punkten erreicht.

Wenn du in Selbstbeschämung verfällst, denkst du vielleicht: „Ich bin wirklich dumm, was für ein Idiot!“

Solche Gedanken greifen dein Selbst an und sollen dich selbst verändern.

Wenn du dich auf Schuld konzentrierst, denkst du eher: „Ich hätte gestern Abend lernen sollen, statt zu spielen. Das Herumalbern war wirklich dumm.“

Wenn man sich so auf das Verhalten konzentriert, kann man Wege finden, es beim nächsten Mal besser zu machen.

  1. Du bist ein böses Kind vs. Du hast etwas Böses getan
    An genau dieser Stelle machen Eltern ihren Kindern gegenüber oft Fehler.

Wenn ein Kind lügt und man sagt: „Warum bist du nur so böse?“, dann fördert das Selbstbeschämung.

Das kommt einem negativen Stigma gleich, das die Existenz des Kindes selbst brandmarkt.

Viel gesünder ist es stattdessen zu sagen: „Was du gerade getan hast, ist nicht akzeptabel.“

Wenn man auf das Verhalten hinweist, kann das Kind Raum für Verbesserung erkennen und Empathie entwickeln.

  1. Selbstabwertung wird zur „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“
    Gefährlich wird es in dem Moment, in dem wir uns selbst oder andere als „Lügner“, „Versager“ oder „Idiot“ bezeichnen.

Solche Etiketten wirken am Ende wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung (Self-fulfilling prophecy).

Wenn du dir ständig sagst, dass du dumm bist, sucht dein Gehirn irgendwann tatsächlich Wege, dumm zu handeln.

Statt beim Lernen zu sagen: „Ich bin so dumm“, ist es viel konstruktiver zu sagen: „Ah, genau dieser Teil verwirrt mich gerade.“

  1. Verhaltensorientiertes Feedback, das zu Empathie führt
    Wenn wir aus der Selbstbeschämung herauskommen und uns auf das Verhalten konzentrieren, gewinnen wir Raum für Empathie.

Das gilt genauso, wenn man ein Kind wegen eines falschen Verhaltens tadelt.

Man kann sagen: „Du bist ein liebenswertes Kind, aber das, was du gerade getan hast, ist eine Lüge. Es war falsch. Und deshalb wirst du diese Konsequenzen tragen.“

Diese Trennung ist ein zentraler Grundsatz, um gesunde Beziehungen zu erhalten und positive Veränderungen herbeizuführen.

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