AirPods Live-Übersetzung für Nutzer mit EU-Konto gesperrt
(macrumors.com)- Apples neue AirPods-Live-Übersetzungsfunktion wird Nutzern in der EU nicht angeboten
- Hauptgrund sind wahrscheinlich die strengen KI-Gesetze und Datenschutzvorschriften der EU
- Die Funktion arbeitet auf AirPods und iPhones mit aktueller Firmware und iOS 26 oder neuer
- Die Echtzeitübersetzung unterstützt Englisch (UK/US), Französisch, Deutsch, brasilianisches Portugiesisch und Spanisch
- Künftig sind auch Unterstützung für Italienisch, Japanisch, Koreanisch und Chinesisch (vereinfacht) geplant
Warum die Live-Übersetzung der AirPods für EU-Nutzer gesperrt ist
Apples neue Funktion Live Translation wird Nutzern in der Europäischen Union (EU) selbst nach dem baldigen Start nicht zur Verfügung stehen. Das betrifft Millionen europäischer Nutzer. Auf der offiziellen Seite zur Funktionsverfügbarkeit erklärt Apple, dass „Apple Intelligence: Live Translation with AirPods“ nicht genutzt werden kann, wenn sich der Nutzer tatsächlich in der EU befindet und die Region des Apple-Kontos auf die EU eingestellt ist. Apple nennt keinen genauen Grund für die Einschränkung, doch rechtlicher und regulatorischer Druck gilt als die wahrscheinlichste Ursache.
Ursache: Strenge Regulierung in der EU
- Der Artificial Intelligence Act (KI-Gesetz) der EU und die GDPR (Datenschutz-Grundverordnung) stellen sehr strenge Anforderungen daran, wie Sprach- und Übersetzungsdienste angeboten werden dürfen
- Die Regulierungsbehörden müssen verschiedene Aspekte der Live-Übersetzungsfunktion prüfen, darunter Privatsphäre, Einholung von Einwilligungen, Datenverarbeitung und Nutzerrechte
- Auch Apple muss vor der Freischaltung der Funktion sorgfältig prüfen, ob das System all diese Anforderungen erfüllt
Zusammenfassung der Funktion Live Translation
- Live Translation wurde zusammen mit den AirPods Pro 3 vorgestellt und soll auch auf ältere Modelle wie AirPods 4 (Active Noise Cancellation) und AirPods Pro 2 kommen
- Die Funktion ermöglicht es Nutzern, mit eingesetzten AirPods natürlich zu sprechen und dabei freihändig Echtzeitübersetzung zu erhalten
- Auch wenn das Gegenüber keine AirPods trägt, zeigt das iPhone-Display Live-Transkription und Übersetzung in Echtzeit an
- Wenn beide Seiten AirPods mit Unterstützung für Live Translation tragen, ist der Effekt am größten
- Dabei senkt Active Noise Cancellation automatisch die Lautstärke der Stimme des Gegenübers, damit man sich auf die übersetzte Sprache konzentrieren kann
- Das hilft, einen natürlichen Gesprächsfluss aufrechtzuerhalten
Unterstützte Umgebung und Updates
- Die Funktion Live Translation kann nur auf einem iPhone mit aktiviertem Apple Intelligence und iOS 26 oder neuer (zum Beispiel ab iPhone 15 Pro) sowie auf AirPods mit aktueller Firmware genutzt werden
- Apple testet derzeit AirPods-Firmware zusammen mit der iOS-26-Beta und will die Firmware gleichzeitig mit der offiziellen Veröffentlichung von iOS 26 am 15. September bereitstellen
Unterstützte Sprachen und weitere Pläne
- Zum Start wird Echtzeitübersetzung für Englisch (UK/US), Französisch, Deutsch, brasilianisches Portugiesisch und Spanisch unterstützt
- Noch in diesem Jahr sollen zusätzliche Sprachen wie Italienisch, Japanisch, Koreanisch und Chinesisch (vereinfacht) hinzukommen
- Wann die Beschränkungen für die EU-Region und Apple-Konten aufgehoben werden, ist noch unklar
- MacRumors hat Apple dazu um eine zusätzliche Stellungnahme gebeten
Referenz
- Die politische/gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema läuft im MacRumors-Forum Political News, und Beiträge können dort nur von Forenmitgliedern mit mehr als 100 veröffentlichten Beiträgen verfasst werden
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Google Pixel Buds haben Übersetzungsfunktionen und diverse in der EU unterstützte "Gemini AI"-Funktionen. Apple hat bei stark regulierten Bereichen wie Medizinprodukten und Forschung, personalisiertem Radio und Satellitenkommunikation durchaus Genehmigungen erhalten. Auch maschinelle Übersetzung, Spracherkennung, Sprachaufnahmen und Diktierfunktionen wurden bereits in der EU eingeführt. Aber sobald die EU verlangt, dass Nutzer nach dem Gerätekauf die Software ihrer Wahl installieren dürfen und damit Apples natives Ökosystem einschränkt, wirkt es so, als würde Apple plötzlich Ausreden finden, warum neue UI-Funktionen nicht in der EU eingeführt werden können.
Wenn Apple wirklich gewollt hätte, hätten sie die Funktion auch in der EU bereitgestellt. Dass Apple sich wegen Brüssel so verhält, wirkt auf mich wie eine Ausrede.
Dass diese Funktion nicht erscheint, könnte an rechtlichen Bedenken liegen, weil dafür die Stimme des Gesprächspartners ohne dessen "Einwilligung" vorübergehend aufgezeichnet wird, um sie zu übersetzen. In der EU ist man bei solchen Punkten besonders streng. Oder die Übersetzungsfunktion wird nur unter iOS unterstützt und nicht auf Audio-Geräten von Wettbewerbern, was wettbewerbsrechtliche Bedenken auslösen könnte. Ich denke, beides spielt eine Rolle.
Ich glaube eher an den zweiten Grund als an den ersten. Im Kern wird ja bereits die Audioseite einer Partei aufgezeichnet und an die andere gesendet, sodass man es auch als Echtzeit-Sprachnachricht mit Diktat betrachten könnte; technisch ist die Struktur ähnlich. Wie andere schon sagen, halte ich es eher für wahrscheinlich, dass Apple die Funktion absichtlich in der EU blockiert, um Druck auszuüben.
Ich denke, die Erklärung ist einfacher. Bis jetzt unterstützt iOS die meisten europäischen Sprachen nicht ordentlich. Auch Siri ist außerhalb des Englischen oft umständlich nutzbar, und die Translate-Funktion ist nur in wenigen Ländern verfügbar. Alles, was wirklich leistungsfähig ist, muss Sprachdaten letztlich an Server schicken, und das ist aus Datenschutzsicht problematisch.
Ich frage mich, wie sie diese Funktion in US-Bundesstaaten mit Two-Party-Consent-Regeln, etwa Kalifornien, handhaben wollen. So wie ich es verstehe, verstößt es selbst an öffentlichen Orten gegen Zustimmungsgesetze, wenn es nicht ausdrücklich offengelegt wird. Ich habe selbst recherchiert, als ich ein Echtzeit-STT-System für die Unterstützung von Verkaufsgesprächen bauen wollte, und bin zu dem Schluss gekommen, dass Zustimmungsgesetze selbst dann ein enormes Hindernis sind, wenn die Daten nicht gespeichert, sondern nur in Echtzeit gestreamt werden.
Es gibt auch Bedenken im Zusammenhang mit dem AI Act. In der EU werden Technologien vom Typ "wie Magie funktionierender Roboter" tatsächlich oft verzögert, weil die regulatorische Belastung innerhalb der EU erheblich ist.
Das hier liegt eindeutig am EU-Gesetz über digitale Märkte (DMA). In den offiziellen Unterlagen wird Apple dafür kritisiert, eigene Geräte bevorzugt zu unterstützen und Funktionen auf Betriebssystemebene nur auf die eigenen Produkte zu beschränken, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die EU bewertet das als wettbewerbsschädlich und verlangt, solche OS-Funktionen auch für andere Zubehörhersteller zu öffnen. Vermutlich versucht Apple gerade weiterhin zu behaupten, dass eine Bereitstellung für Dritte technisch nicht möglich sei oder dass es sich dabei gar nicht um eine OS-Funktion handle, oder zieht einfach Zeit, um den globalen Wettbewerbsvorteil zu behalten. Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass sie die Funktion künftig als USP neuer Produkte wie Beats-Kopfhörer nutzen wollen.
Apple kann wohl nicht offen sagen, dass das der Grund ist, weil Nutzer das Urteil lesen und am Ende eher der EU zustimmen könnten. In den Beispielen geht es darum, Geräteherstellern und App-Entwicklern den Zugang zu diversen iPhone-Funktionen zu erleichtern und die geräteübergreifende Interoperabilität zwischen Marken zu verbessern, also Innovation zu fördern und die Nutzererfahrung zu verbessern. Und all das soll zugleich Datenschutz, Sicherheit und die Integrität des Betriebssystems gewährleisten.
Es ist fraglich, ob die Übersetzungsfunktion selbst als OS-Funktion einzustufen ist. Es könnte für DMA-Compliance schon ausreichen, wenn Apple nur eine app-spezifische Background-Execution-API für verbundene Bluetooth-Geräte bereitstellt. Auch bei der Öffnung der Browser-Engines wurde nicht Safari offengelegt, sondern lediglich der Zugang zu Engines von Drittanbietern innerhalb der politischen Vorgaben ermöglicht. Ebenso müsste Apple hier, wenn konkurrierende Gerätehersteller es verlangen, nur die nötigen OS-Funktionen wie Background-Ausführung bereitstellen; es ginge nicht so weit, dass Apple die Übersetzungsfunktion selbst verpflichtend anbieten müsste. Sie müssten das auch nicht vorab entwickeln, sondern nur auf Anfrage von Wettbewerbern die nötigen Funktionen bereitstellen. So dramatisch ist die Lage meiner Meinung nach nicht.
Nach Apples Ansatz können nur Apple-Ohrhörer-Nutzer besonders einfach miteinander Übersetzungsgespräche führen. Das könnte zu einem noch stärkeren Abschottungsproblem führen als die Debatte um blaue und grüne Message-Bubbles.
Was ich nicht verstehe: Apple behauptet wegen der Regulierung, der EU viele Funktionen nur eingeschränkt anbieten zu können, und solche Fälle gibt es inzwischen dutzendfach, während andere Anbieter ähnliche Funktionen problemlos liefern.
Soweit ich weiß, läuft diese Funktion on-device auf dem iPhone. Ich frage mich also, worin genau das regulatorische Problem bestehen soll. Vermutlich sehen die Behörden darin ein "Aufzeichnen" ohne Zustimmung der anderen Person.
Für mich sieht es so aus, als würde Apple neue Funktionen in der EU absichtlich langsamer einführen, um das Bild zu erzeugen: "EU-Regulierung verhindert Innovation". Ich bin seit mac OS8 tief im Apple-Ökosystem, aber mein nächstes Telefon wird vermutlich ein Android.
In den USA kann man stundenlang fliegen und bleibt trotzdem im selben Sprachraum, nämlich Englisch. In Europa dagegen fährt man ein oder zwei Stunden und durchquert drei Länder, in denen jeweils andere Sprachen gesprochen werden, was die Verständigung erschwert.
Wo ich lebe, treffe ich schon auf dem Weg aus dem Parkhaus mühelos Menschen, die Koreanisch, Japanisch, Chinesisch, Hindi, Telugu, Englisch, Spanisch, Thai und Portugiesisch sprechen. Eher schwer zu finden sind dagegen Deutsch oder Französisch.
Diese Funktion funktioniert in allen Regionen außerhalb der EU ganz normal.
13–14 % der US-Bevölkerung sprechen zu Hause Spanisch.
Im Südwesten der USA, etwa in Texas, ist Spanisch eine wichtige Sprache. Einwanderer kommunizieren oft lieber in ihrer Muttersprache.
Für diese Situation trägt meiner Meinung nach eher die EU die Verantwortung als Apple.
Generell halte ich es für wünschenswert, dass Regulierung erst eingeführt wird, nachdem im Markt ernsthafte Probleme aufgetreten sind. Die EU schafft jedoch Vorschriften schon, bevor neue Technologien überhaupt richtig aufkommen. AI-Technologien verändern sich alle sechs Monate grundlegend; in einem Umfeld, in dem niemand den Verlauf vorhersagen kann, frage ich mich, wie man dafür überhaupt Regulierung entwerfen will.
Da das Vereinigte Königreich nicht mehr zur EU gehört, frage ich mich, wie es dort gehandhabt wird.
Ich frage mich, ob die Funktion für jemanden mit einem US-Account funktioniert, wenn er die EU besucht.
Aus Apples Sicht vielleicht ja, aber wenn der eigentliche Grund die DSGVO wäre, dann nicht. Die DSGVO gilt auch für Besucher in der EU. Wenn ein US-Bürger in Europa ein Gerät nutzt und dabei ohne Zustimmung die Stimme des Gegenübers aufgezeichnet wird, wäre das ein Eingriff in dessen Rechte. Man selbst kann zwar einwilligen, aber Rechte wie das Recht auf Löschung werden durch das lokale Recht bestimmt. Trotzdem glaube ich nicht, dass die DSGVO der wahre Grund ist. Apple legt selbst viel Wert auf Privatsphäre. Ich schätze, dass die DSGVO nicht nur für EU-Bürger, sondern auch für Menschen aus anderen Ländern gilt, kann aber verstehen, warum Leute daran Anstoß nehmen.
Ja, das funktioniert.