- Das zentrale US-Programm zur Erfassung atmosphärischer Daten soll in Kürze eingestellt werden, wodurch die Fähigkeit zur Hurrikanvorhersage erheblich zurückfallen könnte
- Die Bereitstellung von Daten des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP) endet mit Ablauf dieser Woche; ein ersetzendes US-Programm gibt es derzeit nicht
- Die DMSP-Satelliten spielen eine unverzichtbare Rolle bei der Beobachtung des arktischen Meereises und der Hurrikanentwicklung, und ein abruptes Ende würde die Genauigkeit von Vorhersagen direkt beeinträchtigen
- Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Verlust dieser wichtigen Daten eine „systematische Zerstörung der Wissenschaft“ sei und Leben sowie Eigentum der US-Bevölkerung ernsthaft gefährden könne
- Die Dienste wurden plötzlich und ohne klare Erklärung für den Hintergrund der Maßnahme eingestellt; die künftigen Auswirkungen dürften erheblich sein
Auswirkungen des US-Satellitendaten-Stopps auf die Hurrikanvorhersage
Ankündigung zentraler Dienstausfälle
- Nach einer aktuellen Mitteilung der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sollen Erfassung, Verarbeitung und Verteilung der Daten des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP) vor dem 30. Juni 2025 vollständig eingestellt werden
- Laut NOAA wurde diese Entscheidung aufgrund „jüngster Serviceänderungen“ getroffen; konkrete Gründe oder die federführende Stelle wurden zunächst nicht klar benannt
Bedeutung von DMSP und fehlende Ersetzbarkeit
- Die DMSP-Satelliten können die gesamte Erde zweimal täglich mit sehr hoher Auflösung beobachten und spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Überwachung des arktischen Meereises und der Entstehung von Hurrikanen
- Das Programm stellte in Zusammenarbeit mit NOAA öffentliche Daten bereit; ein anderes öffentliches Programm in den USA, das diese Daten ersetzen könnte, existiert nicht
- Hurrikanforscher erklären, dass die DMSP-Satelliten das einzige Mittel seien, um die „innere Struktur eines Hurrikans“ zu erfassen
- Man erinnert daran, dass ohne diese Satelliten früher ein gravierender Mangel an Echtzeitinformationen herrschte, sodass Veränderungen der Hurrikanstärke oft erst am Morgen erkannt wurden
Auswirkungen auf Polarregionen und Meereis-Monitoring
- DMSP liefert seit mehr als 40 Jahren als einzige Datenquelle eine kontinuierliche Verfolgung der Veränderungen des polaren Meereises
- An der Antarktisforschung beteiligte Wissenschaftler bewerten den Verlust dieser Daten als ein „Erblinden“ bei der Beobachtung des Polarsystems
Gründe für die Einstellung und administrativer Hintergrund
- Da die Satelliten selbst keinen physischen Defekt haben und weiterhin normal betrieben werden, ist es wahrscheinlich, dass die plötzliche Einstellung der Daten auf eine bewusste Entscheidung zurückgeht
- NOAA und Wetterdienst sehen sich in diesem Jahr mit Personalmangel sowie den massiven Kürzungspolitiken der Trump-Regierung bei föderalen Umweltprogrammen konfrontiert
- Forschende innerhalb der NOAA bezeichneten die Entscheidung als „systematische Zerstörung der Wissenschaft“
Konkrete Folgen für Hurrikans und Klimabeobachtung
- Die abrupte Einstellung der DMSP-Daten dürfte die US-Fähigkeiten zur Hurrikanvorhersage und Meereisüberwachung sofort verschlechtern
- Da die aktuelle Hurrikansaison voraussichtlich aktiver als gewöhnlich ausfallen wird, ist der Informationsverlust umso riskanter
- Auch die Fähigkeit, schnelle Intensitätsänderungen (rasche Verstärkung) vorherzusagen oder die Stärke eines Sturms ohne den Einsatz traditioneller storm hunter zu messen, könnte stark beeinträchtigt werden
- Auf die dauerhafte Einstellung des DMSP, das über Jahrzehnte eine Schlüsselrolle gespielt hat, wurde mit dem Hinweis reagiert, sie sei „sinnlos, unverantwortlich und könnte das Leben von zig Millionen Menschen gefährden“
Geschichte des DMSP-Programms und internationale Ersatzmöglichkeiten
- DMSP ist das langlebigste Wettersatellitenprogramm der US-Bundesregierung und wurde 1963 vom US-Verteidigungsministerium zur hochauflösenden Vorhersage von Bewölkung gestartet
- In den vergangenen Jahren litt das Programm unter Budgetkürzungen und sinkender Priorität
- Japan verfügt über ähnliche Fähigkeiten zur Satellitenbeobachtung, doch ein vollständiger Ersatz würde Zeit für die Umstellung der Daten erfordern
Offizielle Positionen von NOAA und Verteidigungsministerium
- NOAA erklärte, die DMSP-Daten seien nur eines von vielen Vorhersage- und Modellierungswerkzeugen; mit den übrigen Datenressourcen könne man weiterhin „ausreichende fortgeschrittene Vorhersagedienste“ bereitstellen
- Einige Forschende innerhalb der NOAA betonen jedoch, dass die hochauflösenden DMSP-Daten mit anderen Werkzeugen nicht ersetzbar seien
- Ein Vertreter der US Space Force erklärte, dass die DMSP-Satelliten und Instrumente weiterhin normal funktionierten und die Daten über das FNMOC der US Navy verteilt würden
- Warum die öffentliche Bereitstellung der Daten infolge von Änderungen in der Datenverarbeitung beim FNMOC eingestellt wird, ist weiterhin nicht ausführlich erklärt worden
Ausblick
- Bestehende Vorhersagebehörden wie NOAA wurden erst wenige Tage vorher über die Einstellung der Daten informiert
- NOAA und Forschende befürchten, dass zentrale Fähigkeiten der Hurrikanvorhersage „quasi augenblicklich halbiert“ würden und präzise Prognosen sowie Warnungen schwieriger werden könnten
- Bei der Beobachtung von Polar- und Meereisveränderungen, der Hurrikanvorhersage und der Überwachung weiterer Wetterphänomene ist voraussichtlich eine langfristige Lücke unvermeidlich
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