1 Punkte von GN⁺ 2025-05-20 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die Europäische Investitionsbank (EIB) will bis 2027 70 Milliarden Euro in Europas Technologieindustrie investieren
  • Mit dieser Investition will Europa den Abstand zu den USA in neuen Technologiefeldern wie Künstlicher Intelligenz und Drohnen verringern
  • Zudem wird erwartet, dass dadurch private Investitionen mobilisiert und zusätzliche Mittel von bis zu 250 Milliarden Euro erschlossen werden
  • Über eine neue Plattform namens TechEU soll der Antragsprozess für Finanzierungen schneller und einfacher werden
  • Dies gilt als zentrale Strategie zur Stärkung von Europas Wettbewerbsfähigkeit in Bereichen wie Deeptech

Überblick über die Technologieinvestition der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 70 Milliarden Euro

  • Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat einen Plan angekündigt, bis 2027 70 Milliarden Euro in Europas Technologiesektor zu investieren
    • Ziel ist es, die Innovationslücke im Vergleich zu den USA zu verringern
    • Europa will seine Position in verschiedenen aufstrebenden Technologiefeldern wie Künstlicher Intelligenz und militärischen Drohnen stärken
    • Es wird damit gerechnet, dass dadurch private Investitionen angestoßen werden und insgesamt Kapital in Höhe von 250 Milliarden Euro mobilisiert werden könnte

Geplanter Start der Plattform TechEU

  • Die neue Initiative TechEU soll Ende dieses Jahres offiziell starten
    • Sie soll als zentrale Anlaufstelle für Forschende und Unternehmen dienen, die Finanzmittel beantragen wollen
    • Die EU-Förderverfahren sollen schneller und einfacher werden und so die Überlebens- und Wachstumschancen von Startups verbessern
    • Die Zeit bis zur Investitionsentscheidung soll auf unter sechs Monate sinken, was gegenüber den bisherigen 18 Monaten eine deutliche Verkürzung wäre

Innovationsbeschleunigung und höhere Risikobereitschaft

  • EIB-Präsidentin Nadia Calviño betonte die Bereitschaft zu einer deutlich höheren Risikobereitschaft sowie zu schnelleren Venture-Capital-Investitionen
    • Schnelle Entscheidungen seien entscheidend für das Überleben von Startups mit angespanntem Cashflow
    • Calviño sagte, diese Veränderung könne ein „Gamechanger“ sein

Europas Investitionsumfeld und Strategie

  • Zugleich wurde betont, dass die jüngste Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik als Chance für Europa genutzt werden könne
    • Das Interesse globaler Investoren an der Stabilität und dem Potenzial des europäischen Marktes nehme zu
    • Die EIB will ihre große Marktbasis und wissenschaftliche Stärke nutzen, um eine kontinuierliche technologische Entwicklung zu fördern
    • Auch Verteidigung und Sicherheit zählen zu den Prioritäten; Investitionen in diesen Bereichen sollen Synergien schaffen, die die Entwicklung im Technologiesektor vorantreiben

Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie erwartete Wirkung

  • Die EIB erwartet durch Co-Investments mit privaten Investoren auch eine bessere Risikostreuung und mehr Vertrauen
    • Ziel ist es, Innovationen im europäischen Tech-Ökosystem voranzutreiben und 250 Milliarden Euro an Kapital zu mobilisieren
    • Der Plan wartet noch auf die Zustimmung der Finanzminister der 27 EU-Staaten; eine offizielle Entscheidung wird für den kommenden Monat erwartet

Die strategische Bedeutung von Deeptech

  • Mehrere Experten sehen in Deeptech ein Feld, in dem die EU besondere Stärken besitzt
    • Deeptech gilt langfristig als Schlüsselfaktor für Europas Wettbewerbsfähigkeit und den Aufbau eines innovativen Ökosystems

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-05-20
Hacker-News-Kommentare
  • Es wird betont, dass es zwar viel Kritik an den EU-Förderprogrammen für Startups gibt, aber bedauerlicherweise kaum konkrete Beispiele genannt werden. Nach meiner Erfahrung aus der Arbeit in EU- und US-Startups sind staatliche EU-Gelder für fast alle Startups strukturell völlig nutzlos. Wenn man nicht Teil bestehender Netzwerke ist, ist schon der Zugang zur Förderung schwierig; ohne Kontakte zu Universitäten oder EU-Bürokraten gilt man praktisch als nicht förderfähig. Zudem kann man bei neuen, ambitionierten oder riskanten Vorhaben kaum überhaupt mit Unterstützung rechnen. Auch der frühere EZB-Präsident Mario Draghi habe erwähnt, dass die EU keine Risiken eingehe, die echte Innovation auslösen könnten. Von der Antragstellung bis zur tatsächlichen Auszahlung vergingen immer Jahre. Das Ergebnis sei, dass Geld an bürokratische Netzwerke sowie an Projekte mit geringem Risiko und geringer Rendite verteilt werde, und das in einem Tempo, das für die meisten Startups untragbar langsam sei. Ich bin skeptisch, ob sich daran etwas ändern wird

    • Es fühlt sich erfrischend an zu sehen, dass nicht nur ich diese Realität so wahrnehme. In Europa gibt es nicht genug privates Kapital. Öffentliches Geld fließt am Ende über Akademia oder Bürokratie, und diese Art der Mittelvergabe führt letztlich zu ineffizienter Kapitalallokation. Ich denke, Geld sollte in privater Hand sein, damit vernünftige Investitionsentscheidungen getroffen werden. Ich verstehe schwer, warum Europäer so ablehnend darauf reagieren, wenn Vermögende ihr eigenes Geld direkt investieren
    • Ich stimme fast allen Punkten zu, aber bei einem Punkt sehe ich es anders. Die Risikoneigung solcher Förderprogramme hat meiner Ansicht nach die Form einer U-Kurve. Geld fließt eher in Projekte mit sehr geringem Risiko oder in extrem tollkühne akademische Vorhaben. Dazwischenliegende Projekte mit einem vernünftigen Risiko-Rendite-Verhältnis werden dagegen konsequent ignoriert
    • Es wird angemerkt, dass am Ende viele Leute im Grunde dasselbe sagen. Das Volumen dieser Investitionsankündigung ist zwar groß, etwa verglichen mit Investitionen in Altmans Spielzeugprojekte, aber auch dieses Geld werde am Ende vor allem an Verwandte, Akademiker und Bekannte fließen. Es wirkt gigantisch, führt aber gemessen am gesamten europäischen Startup-Ökosystem nicht zu substanziellen Ergebnissen. Schon diese Art der Geldverteilung sage viel über den Zustand europäischer Startups aus. Kapital ist in einer Phase billigen Geldes verfügbar, und trotzdem hat es kaum Wirkung
    • Ich habe als Mitgründer eines Startups selbst versucht, Innovationsförderung einzuwerben, und das deckt sich zu 100 % mit dem oben Beschriebenen. Als wir zum Beispiel Software für den Betrieb von Tanz- und Kulturakademien entwickelt haben, wurde das von Universitäten nicht als Innovation angesehen. Eine der Förderbedingungen war die Bestätigung durch einen Universitätsprofessor, aber Universitäten sind Forschungseinrichtungen und nicht die einzige Quelle für Innovation. In meinem Land sind sie in vielen Bereichen nicht einmal deren Grundlage. Ich halte diese Kritik für völlig zutreffend
    • Die Kritik trifft zu. Die EU hat großartige Pläne, aber keine Umsetzungskraft. Ich warte nun seit elf Jahren auf die Capital Markets Union. Die europäische Blockchain-Infrastruktur ist faktisch tot, weil sie nur von einigen Universitäten genutzt werden kann. Die EU kann keine innovativen oder riskanten Unternehmen finanzieren. Es gibt keine Venture-Capital-Kultur. Einige skandinavische Länder haben zwar eine Kultur kleiner Startups und staatlicher Zuschüsse, aber die hohen Steuern treiben Startups mit globalen Ambitionen weg
  • Aus Sicht von jemandem, der europäische Forschungsprojekte verwaltet hat, wird dieses Geld wohl kaum direkt bei Startups ankommen, weil es erst den typischen bürokratischen Irrgarten der EU durchlaufen muss. Es wird nur noch mehr Programme, Unterprogramme und Projektebenen geben, die den Zugang erschweren. Wegen dieses Systems gehen Startups, die wirklich ernsthaft Kapital brauchen, in die USA. Entsprechend bin ich auch bei dieser Nachricht sehr skeptisch

    • Startups können durchaus direkt Geld erhalten. Allerdings eher dann, wenn sie als technologischer Partner der Akademia auftreten und vor allem Mittel abschöpfen. Im schlimmsten Fall wird das sogar für Betrug genutzt. Als Beispiel wird ein Fall verlinkt, in dem 800.000 Euro für europäisches Projektmanagement und eine WordPress-Seite ausgegeben wurden. Außerdem gebe es Organisationen, die 4 Millionen Euro unter dem Schlagwort „Förderung von Innovation“ ausgeben, tatsächlich aber verdeckt Geld abziehen
    • Meine Erfahrung ist anders. Ich habe etliche Startups erlebt, die ohne große Schwierigkeiten EU-Gelder bekommen haben. So kompliziert ist das nicht. Wenn einen ein gewisses Maß an Bürokratie schon einschüchtert, sollte man vielleicht grundsätzlich kein Unternehmen führen, und die USA sind ebenfalls kein bürokratiefreier Raum
    • Auch meine Erfahrung ist anders: Mehrere Kollegen haben als Startup EU-Fördergelder erhalten und dadurch sogar ihre bisherigen Jobs gekündigt. Ich habe als Softwareingenieur ein- oder zweimal mitgeholfen, und der Prozess war ziemlich einfach
    • Man hört oft, die EU sei übermäßig bürokratisch und risikoscheu. Gleichzeitig habe ich viele Fälle gesehen, in denen Startups mit staatlicher Unterstützung erfolgreich gestartet sind, etwa durch Steuererleichterungen für kleine Unternehmen, Arbeitslosengeld für Gründer, zinsgünstige Kredite, Venture-Investments oder kostenloses Mentoring durch gut vernetzte Führungskräfte. Besonders die Beispiele aus Frankreich und Dänemark waren eindrucksvoll. Es wird die Frage aufgeworfen, wie groß der Unterschied zwischen der EU-Ebene und den einzelnen Mitgliedstaaten ist
    • Der Großteil des Geldes dient der ineffizienten Erhaltung großer Konzerne. Beispiel: Beim CHIPS Act wird das Geld in kleine Unterprogramme zerstückelt und landet am Ende doch bei Großunternehmen wie ST, Infineon oder NXP. Für Startups gibt es immer nur Online-Umfragen der Art „Was braucht ihr?“. Wenn man dann tatsächlich Geld verlangt, kommt die Antwort zurück: Was braucht ihr außer Geld?
  • Es wird gefragt, warum man nicht stärker über steuerliche Vorteile für mehr Tech-Unternehmen, insbesondere kleinere, nachdenkt. Ich habe selbst erlebt, wie ein ehemaliger Mitschüler aus der Oberstufe, ohne jegliches technisches Wissen und ohne Programmiererfahrung, 100.000 Euro Förderung für eine eSports-Plattform bekam, deren Ergebnis am Ende kaum über ein auf WordPress basierendes Blog hinausging. Gleichzeitig zahlte ich hohe Steuern auf mein Freelancing-Einkommen, und mit 23 war diese Erfahrung für mich ziemlich schockierend. Meiner Meinung nach wären Steuererleichterungen für bereits profitable Kleinunternehmen sinnvoller. Das Steuerniveau in der EU ist astronomisch

    • Steuererleichterungen allein haben in der Praxis keinen besonders großen Effekt. Die EU wird in mancher Hinsicht unterschätzt, denn in Bereichen wie Automobilindustrie, zivile Luftfahrt oder Werkzeugmaschinen ist sie bei „langweiliger Hightech“ weitgehend autark und durchaus wettbewerbsfähig. Der Hauptunterschied ist, dass die USA dank eines einheitlichen Kapitalmarkts und eines gemeinsamen Regulierungsrahmens nahezu unbegrenzt Venture-Kapital bündeln können, während man in der EU wegen fehlender regulatorischer Vereinheitlichung im Zweifel mit mehr als 20 Regulierungsbehörden zu tun hat. Marktintegration ist dort daher dringender
    • Das Problem bei steuerlichen Vorteilen ist letztlich, dass Politiker und Bürokraten dadurch die Kontrolle über die Kapitalverteilung verlieren würden
    • Investitionen lassen sich heutzutage steuerlich ohnehin als Aufwand absetzen, sodass solche Vorteile am Ende oft nur als „billiger Cash-out-Mechanismus“ für Anteilseigner dienen. Unternehmen, die wirklich Hilfe brauchen, benötigen Kapital. Steuererleichterungen allein helfen Firmen mit großem Investitionsbedarf nur begrenzt. Zudem sind die Steuersätze ohnehin schon so niedrig, dass zusätzliche Senkungen wenig Wirkung hätten
    • Die EU kann den Mitgliedstaaten keine Steuersätze vorschreiben, und selbst wenn man den gesamten EU-Haushalt streichen würde, entspräche das real nur einer Steuersenkung von 1–2 Prozentpunkten. Die EIB kann dagegen als Investitionsbank tatsächlich Finanzierung bereitstellen
    • In Norwegen können 25 % der F&E-Kosten steuerlich geltend gemacht werden. Kleine Unternehmen können zusammen mit anderen staatlichen Fördermitteln auf bis zu 70 % Unterstützung kommen, große Unternehmen für Entwicklungsvorhaben auf bis zu 50 %
  • Ich halte es nicht für sinnvoll, dass Calviño das leitet. Wenn man sich für KI interessiert, sollte man Leute aus dem Umfeld von Mistral einsetzen, und für Tech allgemein eher Personen mit Spotify-Hintergrund. Mit Geld allein lässt sich Europas mangelnde Lohnwettbewerbsfähigkeit, besonders nach Steuern, nicht lösen. Auch wenn Europa ärmer ist als die USA, sind die Gehälter für Machine-Learning-Ingenieure oder Softwareingenieure in großen KI-Labs und Big Tech schlicht nicht vergleichbar. Auch Kapital bleibt in der EU trotz Zinssenkungen der EZB deutlich risikoscheuer, und der Prozess für EIB-Finanzierungen ist selbst nach Änderungen noch schmerzhaft

    • Ich höre oft von der Gehaltslücke, aber als ich an einer beliebten niederländischen Technischen Universität studierte, kannte ich kaum Softwareingenieure, die ernsthaft an einen Umzug in die USA dachten. Der Brain Drain ist nicht so gravierend, und europäische Ingenieure sind den amerikanischen keineswegs deutlich unterlegen. Erfolgreiche US-Startups sind auch nicht deshalb erfolgreich, weil sie von außergewöhnlichen Genies gegründet wurden. Ich glaube daher nicht, dass Softwaretalent das Kernproblem ist
    • Es wird gefragt, ob Calviño persönlich die geförderten Unternehmen auswählen werde
    • Es ist fraglich, ob es wirklich eine gute Idee wäre, die Entscheidung über Fonds in Milliardenhöhe gewinnorientierten Führungskräften von Unternehmen wie Spotify oder Mistral zu überlassen
  • Solche Projekte enden letztlich immer gleich. Bürokraten verteilen Steuergeld an große Unternehmen und akademische Karrierenetzwerke. In Europa ist kulturell tief verankert, dass wichtiger ist, „wer du bist“, nicht ob du kompetent bist oder tatsächlich etwas leisten kannst. Das ist die traurige Realität Europas

    • Diese Kultur des „wer du bist“ zeigt sich besonders deutlich im schwedischen Management. Im öffentlichen Sektor gibt es unfähige Manager, die ohne Berater nichts zustande bringen, und in der Privatwirtschaft ist es ähnlich. Deshalb haben wirklich fähige Leute oft gar kein Interesse an Managementpositionen. Ich frage mich, wie lange sich diese Kultur noch hält
    • Ich habe mehrfach an Gesprächen zur Gründung von Hardtech-Startups etwa in Halbleitern und Quantencomputing teilgenommen, aber am Ende war ich der Einzige, der tatsächlich die nötigen Fähigkeiten hatte, und echte Kompetenz wurde dennoch nicht anerkannt. Die Akademia hat weder Gründungswillen noch Erfahrung, verlangt dank staatlicher oder EU-Förderung aber automatisch mehr als 50 % der Anteile, und die Universität nimmt noch einmal 30 % wegen ihres „Rufs“. Großunternehmen wollen ohne Eigenkapitalanteil einen Sitz im Board und Kontrolle über Tochtergesellschaften sowie IP-Rechte. All diese komplexen Forderungen hängen dann sogar an Seed-Geld von unter 500.000 Euro, das nicht einmal die Gehälter einiger Entwickler deckt
    • Auf die Behauptung, „solche Projekte laufen immer gleich“, wird gefragt, ob damit ganz Europa gemeint sei oder nur eine bestimmte Struktur
    • Es ist nicht das erste Mal, dass die EU enorme Summen in Bereiche steckt, die praktisch nicht existieren. Besonders im Vergleich zu amerikanischem Venture Capital sind die Ergebnisse bei realen Produkten oder Produkten auf dem Niveau der US-Tech-Branche sehr mager
  • Ich bin es leid, dass in HN-Threads über Europa immer dieselbe Debatte wiederholt wird. Die USA machen manches besser als Europa, aber nicht alles; je nach politischer oder gesellschaftlicher Position gibt es auch vieles, das Europa besser macht

    • Wenn man immer Risikovermeidung und soziale Absicherung priorisiert, wird man gegenüber jemandem, der größere Risiken eingeht, irgendwann zwangsläufig zurückfallen. Gleichzeitig wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern größer. Die USA sind winner-takes-all, Europa ist eine inklusivere Gesellschaft. Man kann am Ende nicht einfach das Beste aus beiden Welten gleichzeitig haben
    • Es wird die Ansicht vertreten, dass die Vorstellung, die USA seien grundsätzlich besser, bald kippen werde
  • Sechs Monate bis zu einer Entscheidung sind besser als achtzehn, aber ein solcher Prozess passt nicht zu Startups, bei denen schnelle Umsetzung essenziell ist. Wer schnell handeln und innovieren will, braucht Entscheidungen nicht in einem halben Jahr, sondern innerhalb weniger Tage. Am Ende entstehen sonst nur träge Startups, die darauf ausgerichtet sind, Fördergelder abzugreifen. Ich habe früher in einer solchen Organisation gearbeitet, und in Wirklichkeit ging es nur darum, Zeitbudgets für Forscher und Reisekosten zu sichern. Man bildete beliebige Konsortien, um für EU-Fonds ausreichend glaubwürdig für die Gutachter zu wirken. Dieser ziellose Umgang mit Geld hat mich irgendwann angewidert

  • In einem Artikel über das Ziel, Förderanträge von Startups innerhalb von sechs Monaten zu prüfen, sei die echte Lösung gewesen, dass der Staat gar nicht zuerst selbst prüft, sondern Investitionen aus dem Privatsektor mitfinanziert oder den ersten N Unternehmen, die bestimmte Meilensteine erreichen, große zinsgünstige Mittel zur Verfügung stellt

    • Ein Modell mit privater Kofinanzierung verlagert die Entscheidungsmacht auf privates Kapital und reduziert zumindest staatliche Eingriffe, birgt aber das Risiko von Missbrauch, bei dem kapitalkräftige Akteure nur Steuergeld abschöpfen. Das eine als „kleinliche Prüfung“ zu sehen, kann aus anderer Perspektive auch „verantwortungsvolle Aufsicht“ bedeuten; die Sache hat zwei Seiten
    • Israel (Yozma), China (Guidance Funds) und die USA (IRA, CHIPS Act) haben solche Modelle privater Kofinanzierung tatsächlich genutzt und damit Erfolg gehabt. Die aktuelle EIB-Mitteilung ist jedoch sehr vage und wohl bislang eher ein Vorschlag. Ein klareres Bild werde man frühestens Mitte oder Ende 2025 haben, daher sei es wenig sinnvoll, jetzt schon zu viel hineinzuinterpretieren
  • Europa wird bald die Folgen seiner Selbstzufriedenheit der letzten 20 bis 30 Jahre spüren. Wenn es eigenständig werden will, braucht es drastische Veränderungen, und wenn Europa eine Tech-Industrie wie die USA haben möchte, muss es sich auch mehr wie die USA verhalten

    • Wird damit gemeint, den Euro zur globalen Leitwährung zu machen?
    • Ich glaube nicht, dass mehr Neoliberalismus das Problem lösen würde. Die Vorstellung, immer nur dieselbe Einheitslösung zu wiederholen, ist lächerlich
    • Es wird betont, dass sogar andere Regionen innerhalb der USA daran gescheitert sind, das Silicon-Valley-Modell zu kopieren
  • Ich frage mich, ob Europa überhaupt schnell eine Venture-Capital-Kultur aufbauen kann. Der Kreis an VC-Partnern kann nur durch Erfahrung wachsen, also verläuft das langsam. Wahrscheinlich ist der Markt nicht einmal ein Viertel so groß wie in den USA, und wenn man wirklich nur echtes Venture Capital zählt, noch kleiner. Europäische Institutionen sollten meiner Meinung nach als Limited Partner deutlich aktiver werden. Auch dem Artikel selbst fehlen Details, und die einzige genannte Prüfungsfrist von sechs Monaten passt überhaupt nicht zu den Bedürfnissen von Startups. Ich denke, es wäre sinnvoller, wenn die EIB als Limited Partner bestehende europäische VCs unterstützt