2 Punkte von GN⁺ 2026-02-21 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Für Datensouveränität und eine vereinfachte GDPR-Compliance wurde ein Startup vollständig auf europäischer Infrastruktur aufgebaut, in der Praxis gab es jedoch mehr Reibung und Einschränkungen als erwartet
  • Die zentrale Infrastruktur besteht aus Hetzner, Scaleway, Bunny.net, Nebius und Hanko, die jeweils Compute-, Storage-, CDN-, AI- und Authentifizierungsfunktionen übernehmen
  • Für Self-Hosting werden Gitea, Plausible, Twenty CRM, Infisical und Bugsink mit Kubernetes und Rancher betrieben, um die Datenkontrolle zu sichern
  • Schwierig waren vor allem Services für transaktionale E-Mails, GitHub-Alternativen und Preise für Domain-TLDs, da Ökosystem und Support im Vergleich zu US-Diensten schwächer sind
  • In einigen Bereichen bleibt die Abhängigkeit von den USA unvermeidlich, etwa bei Google Ads, dem Apple Developer Program, Social Login und AI-Modellen; „Made in EU“ erfordert also weiterhin eine bewusste Entscheidung

Hintergrund zum Aufbau eines Startups auf europäischer Infrastruktur

  • Das Ziel war, sich von US-Hyperscalern wie AWS zu lösen und Datensouveränität zu gewinnen
    • Motivation waren eine einfachere GDPR-Compliance und Vertrauen in das europäische Tech-Ökosystem
    • Dazu kam der Anspruch zu zeigen, dass „es auch in Europa gut möglich ist“
  • Europäische Infrastrukturunternehmen bieten reale Produkte und wettbewerbsfähige Services an

Verwendeter Tech-Stack

  • Hetzner: zentrale Compute-Infrastruktur mit Load Balancern, VMs und S3-kompatiblem Object Storage
    • Preislich sehr wettbewerbsfähig gegenüber AWS, bei stabiler Performance
  • Scaleway: ergänzt Bereiche, die Hetzner nicht abdeckt
    • Bietet integriert transaktionale E-Mails, Container Registry, zusätzliche S3-Buckets, Monitoring und Domain-Registrierung
  • Bunny.net: ein in Slowenien ansässiges Unternehmen, das CDN, DNS, Bildoptimierung, WAF und DDoS-Schutz bereitstellt
    • Ähnliche Nutzungserfahrung wie Cloudflare, mit sehr gutem Dashboard
  • Nebius: bietet in Europa GPU-basierte AI-Inferenzdienste an
  • Hanko: deutscher Dienst für Authentifizierung und Identity Management mit Unterstützung für Passkeys, Social Login und User Management

Self-Hosting-Umgebung

  • Betrieb eines Kubernetes-Clusters mit Rancher als Zentrum
    • Gitea (Source Code Management), Plausible (Analytics), Twenty CRM, Infisical (Secret Management) und Bugsink (Error Tracking) werden selbst gehostet
  • Der Verwaltungsaufwand ist höher als bei SaaS, dafür sind Kontrolle über den Datenstandort und die Vermeidung von Preis- und Übernahmerisiken möglich
  • Für E-Mail wird Tutanota, für Monitoring UptimeRobot genutzt

Bereiche, die schwieriger waren als erwartet

  • Services für transaktionale E-Mails: Gegenüber Sendgrid, Postmark und Mailgun fallen europäische Alternativen bei Preis, Zustellrate und Developer Experience zurück
    • Scaleway TEM ist nutzbar, aber Templates, Integrationen und Community-Support sind begrenzt
  • Weg von GitHub: Die Git-Funktionen von Gitea sind stark, aber das fehlende Ökosystem rund um Actions, Issues und CI/CD-Integration erfordert Umstellungen
    • Man verliert dabei GitHub-Workflows und das soziale Netzwerk rund um die Plattform
  • Preise für Domain-TLDs: Einige TLDs sind bei europäischen Registraren 2- bis 3-mal teurer, ohne klaren Grund

Unvermeidbare Abhängigkeiten von den USA

  • Google Ads, Apple Developer Program: Für User-Akquise und App-Distribution unverzichtbar
    • In Europa fehlen Alternativen bei App Stores und Werbenetzwerken
  • Social Login: „Sign in with Google/Apple“ ist eine Erwartung der Nutzer, und ohne diese Option sinken die Conversion-Raten
    • Mit Hanko kann die Authentifizierungsschicht in Europa bleiben, aber OAuth-Flows laufen dennoch über US-Server
  • AI-Modelle: Aktuelle Spitzenmodelle wie Claude gehören US-Unternehmen wie Anthropic
    • Open-Weight-Modelle lassen sich in Europa betreiben, Frontier-Modelle erfordern aber weiterhin US-APIs

Fazit: Wertvoll, aber eine schwierige Entscheidung

  • Gegenüber AWS gibt es Kostenvorteile und mehr Klarheit über den Datenstandort
  • Aufbau und Betrieb erfordern jedoch mehr Zeit und Aufwand
    • Dokumentation, Community und Support-Ökosystem sind vergleichsweise schwach
  • Das europäische Infrastruktur-Ökosystem wächst schnell, verlangt aber weiterhin bewusste Entscheidungen und zusätzlichen Einsatz
  • „Made in EU“ ist nicht nur ein Slogan, sondern eine Realität, die technische und operative Entschlossenheit erfordert

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