- Vernier, ein Vorort bei Genf, ist die erste Gemeinde in der Schweiz, die kommerzielle Werbung aus dem Straßenraum verbannt hat. Das dient als Blaupause dafür, dass große Städte in der ganzen Schweiz ähnliche Verbote erlassen könnten
- Nachdem Gegner der Maßnahme unter den 38.000 Einwohnern von Vernier nicht genügend Unterschriften für ein Referendum sammeln konnten, scheiterte in diesem Monat auch der letzte Versuch vor dem Schweizer Bundesgericht, den Abbau der Werbetafeln durch die Lokalregierung zu stoppen
- Die Richter urteilten, dass Verniers Politik nicht darauf abziele, den freien Wettbewerb zu beeinflussen, sondern vielmehr „visuelle Verschmutzung zu bekämpfen“ und den Bürgern „die Möglichkeit zu geben, unerwünschte Werbung abzulehnen“
„Kein öffentliches Interesse an Werbetafeln erkannt“
- Der Vernierer Gemeinderat Mathias Buschbeck sagte: „Wir haben kein öffentliches Interesse an Werbetafeln erkannt.“ Befürworter argumentieren, Werbung fördere lediglich unnötige Ausgaben und Verbraucherschulden
- Buschbeck, Mitglied der Grünen, sagte: „Mit dieser Maßnahme wollen wir unnötigen Konsum bekämpfen“, und ergänzte, die Werbetafeln seien in der Regel „von Großunternehmen gebucht worden, nicht von lokalen Unternehmen“
Urteil des Bundesgerichts bestätigt den Abbau von mehr als drei Vierteln der 172 Werbetafeln
- Mit dem Urteil des Bundesgerichts wurde die Entscheidung bestätigt, mehr als drei Viertel der 172 Werbetafeln in Vernier abzubauen; die übrigen sollen für Kultur- und Sportwerbung genutzt werden
- Das Verbot gilt für sämtliche Werbung, die von öffentlichem Grund aus sichtbar ist, einschließlich jener auf Privatgrundstücken
Auch Großstädte wie Zürich und Bern treiben ähnliche Vorschläge voran
- Durch dieses wegweisende Urteil könnten auch Schweizer Großstädte wie Zürich und Bern ähnliche Vorhaben vorantreiben
- Sowohl die Hauptstadt Bern als auch das Finanzzentrum Zürich haben ähnliche Pläne, die bereits ihre jeweiligen Gemeinderäte passiert haben, und warten nun darauf, dass die Exekutive Vorschläge zur Umsetzung der Verbote vorlegt
- Bern will den Großteil kommerzieller Werbung verbieten, während Zürich nur auf besonders energieintensive digitale Bildschirme abzielt
Befürchteter Schlag für die Außenwerbebranche
- Der Trend hin zu werbefreien Städten ist ein Risikofaktor für die Außenwerbebranche, die pro Jahr etwa 400 Millionen Schweizer Franken (450 Millionen Dollar) wert ist und nahezu das Doppelte zum Schweizer BIP von 885 Milliarden Dollar beiträgt
- Verbandspräsident Markus Ehrle sagte, das Geld werde stattdessen „zu großen Internetunternehmen wie Google oder Meta fließen“, und ergänzte, „Online-Werbung ist weitaus energieintensiver als Werbetafeln“
Über das Stadtbild hinaus als Maßnahme gegen den Klimawandel dargestellt
- Lokalpolitiker gehen inzwischen über das früher dominierende Argument eines aufgeräumten Stadtbilds hinaus, das Verbote in Städten wie São Paulo oder Grenoble in Frankreich begründete. Stattdessen gilt die Idee nun als eine weitere Lösung im Kampf gegen den Klimawandel
- Eine linke Politikergruppe im Berner Stadtparlament schrieb in ihrem Vorstoß: „Werbung dient dazu, Bedürfnisse zu schaffen, die die Menschen zuvor nicht kannten“, und „Zweck und Ziel von Werbung stehen in direktem Gegensatz zu Berns Ziel, Klimaneutralität zu erreichen“
- In Zürich bezeichnete ein grüner Politiker digitale Werbetafeln als „unnötige Energieverschwendung“
Keine Erfolgsgarantie
- Der Erfolg von Vernier ist anderswo keineswegs garantiert. Im Frühjahr 2023 musste selbst das große Vorbild Genf erleben, dass ein bereits durch ein 11-stündiges Referendum der Bürger bestätigtes Parlamentsverbot blockiert wurde
- In einer landesweiten Umfrage von 2022 lehnten 63 % der Befragten die Idee eines Werbetafel-Verbots ab
Meinung von GN⁺
- Ein Verbot von Außenwerbung kann helfen, den Energieverbrauch und unnötigen Konsumismus zu verringern. Es könnte jedoch auch negative Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und kleine sowie mittlere Unternehmen haben
- Auch die Belastung für die Außenwerbebranche muss berücksichtigt werden. Ein Wechsel zu Online-Werbung ist nicht zwangsläufig umweltfreundlicher
- Wichtig ist, die Meinungen der Bürger ausreichend einzubeziehen und unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten eine ausgewogene Politik zu formulieren
- Neben Werbebeschränkungen sollten auch andere Maßnahmen verfolgt werden, die nachhaltigen Konsum fördern und die lokale Wirtschaft beleben
- Anstatt Außenwerbung vollständig zu verbieten, könnte es auch eine Alternative sein, sie energieeffizient zu regulieren und Werbung zuzulassen, die der lokalen Gemeinschaft zugutekommt
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Die polnische Stadt Krakau hat vor zwei Jahren Werbetafeln verboten und damit positive Ergebnisse erzielt
Grenoble hat 2014 sämtliche Werbung verboten und viele Bäume gepflanzt
Der US-Bundesstaat Vermont hat Werbetafeln seit 1968 verboten, und Zeit dort zu verbringen ist sehr angenehm
Ich habe mich immer gefragt, wie eine Welt ohne Marketing aussehen würde
Germantown im Bundesstaat Tennessee hat seit Langem Werbetafeln und große Schilder verboten
Ich lebe in einem Teil von Johannesburg in Südafrika, einer wirtschaftlich wichtigen Gegend
Unternehmen warten nur darauf, mithilfe von Augmented Reality Werbung auf jeder Oberfläche zu platzieren
Es ist amüsant zu sehen, wie Menschen so indoktriniert wurden, dass sie ohne Werbung nicht funktionieren können
Eine U-Bahn-Station in Prag wurde vor Kurzem renoviert und war werbefrei