- Die japanische Regierung treibt einen Plan voran, nach dem öffentlich finanzierte Forschung kostenlos zugänglich sein soll
- Ab Januar 2025 müssen Forschende, die staatliche Mittel erhalten haben, ihre Forschungsarbeiten kostenlos in institutionellen Repositorien veröffentlichen
- Dafür will das japanische Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) 10 Milliarden Yen (rund 880 Milliarden Won) investieren, um eine Infrastruktur aufzubauen, über die Forschungsarbeiten kostenlos eingesehen werden können
Vorteile von Open Access
- Es wird erwartet, dass dies die langfristige Nachverfolgbarkeit von Forschungsinformationen verbessert, Sekundärforschung fördert und die Zusammenarbeit stärkt
- Japan ist eines der ersten asiatischen Länder, das bemerkenswerte Fortschritte in Richtung Open Access macht, und eines der ersten Länder weltweit mit einem landesweiten Open-Access-Plan
- Japans Plan folgt auf den einflussreichen Plan S, den die Forschungsförderergruppe cOAlition S aus den USA und Europa vor sechs Jahren eingeführt hat
- Auch die USA haben 2022 eine Open-Access-Pflicht eingeführt, sodass alle durch Steuergelder finanzierten Forschungsarbeiten ab 2026 kostenlos verfügbar sein werden
Aufbau einer Infrastruktur für institutionelle Repositorien
- Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) kündigte im Februar bei der Bekanntgabe der Umstellung auf Open Access an, rund 10 Milliarden Yen (etwa 63 Millionen US-Dollar) in die Standardisierung institutioneller Repositorien zu investieren
- Institutionelle Repositorien sind spezielle Websites, auf denen wissenschaftliche Arbeiten, Basisdaten und andere Materialien gehostet werden
- Von Japans rund 800 Universitäten verfügen bereits mehr als 750 über institutionelle Repositorien
- Jede Universität wird die Forschungsergebnisse ihrer Angehörigen hosten, die zugrunde liegende Software wird jedoch identisch sein
Japans Preprint-Server Jxiv
- 2022 startete Japan mit Jxiv seinen eigenen nationalen Preprint-Server, bislang wurden dort jedoch nur einige Hundert Preprints veröffentlicht
- Für viele Forschende in Japan ist das Publizieren als Preprint noch keine etablierte Gewohnheit
- Bei einer Umfrage zu Jxiv im Jahr 2023 wusste nur etwa ein Fünftel der Befragten überhaupt von der Existenz von Jxiv
Green-Open-Access-Strategie
- Japans Verbesserung des Forschungszugangs konzentriert sich auf „Green Open Access“
- Green Open Access bedeutet, dass Autorinnen und Autoren eine von ihnen freigegebene, aber nicht die endgültige Fassung eines Artikels in einem digitalen Repositorium kostenlos zugänglich machen
- Gold Open Access ist für Universitäten zu teuer und daher nicht breit realisierbar
- Gold Open Access bedeutet, dass die endgültig lektorierte und fertiggestellte Version eines Artikels auf der Website der Zeitschrift kostenlos verfügbar ist
- Verlage erheben Article Processing Charges (APC), um ihre Kosten zu decken, wenn Artikel kostenlos gelesen werden können
- Die Green-Open-Access-Strategie ist insbesondere für alle Inhalte notwendig, die weiterhin hinter Bezahlschranken liegen
Vorteile von Japans Plan
- Japans Plan ist „fair“
- Unabhängig davon, wo veröffentlicht wird und ob APC anfallen oder nicht, kann die Open-Access-Richtlinie weiterhin eingehalten werden
- Da alle institutionellen Repositorien auf demselben nationalen Server gehostet werden, entsteht ein einheitliches Verzeichnis aller von japanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erzeugten Forschung
- Der Fokus auf institutionelle Repositorien hat zudem den Vorteil, Forschung, die auf Japanisch veröffentlicht wird, nicht zu benachteiligen
- Ein großer Teil des wissenschaftlichen Ökosystems Japans wird auf Japanisch ausgedrückt
Sinkender internationaler Status der japanischen Forschung
- Japans Pläne für den Übergang zu Open Access und die Unterstützung von Universitätsrepositorien kommen zu einer Zeit, in der das Land mit einem sinkenden Status in der internationalen Forschung konfrontiert ist
- Laut einem im vergangenen Oktober veröffentlichten Bericht nimmt Japans Position bei Forschung auf Weltniveau ab
- So sank Japans Anteil an den meistzitierten Top-10-%-Arbeiten von 6 % auf 2 %, womit das Land im Länderranking auf Platz 13 fiel, obwohl es beim Forschungsoutput auf Platz 5 liegt
- Im März kündigte Japan an, die Zahl der Promovierten bis 2040 zu verdreifachen
- Hintergrund ist ein weiterer Bericht, dem zufolge auch die Zahl der Promotionsabsolventinnen und -absolventen in Japan sinkt, was unter großen Volkswirtschaften ungewöhnlich ist
Meinung von GN⁺
- Besserer Zugang zu Forschung: Japans Open-Access-Politik kann die langfristige Nachverfolgbarkeit von Forschungsinformationen verbessern und Sekundärforschung sowie Zusammenarbeit fördern.
- Kostenfrage: Die Entscheidung für Green Open Access, um das hohe Kostenniveau von Gold Open Access zu umgehen, ist realistisch.
- Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Die Open-Access-Politik könnte helfen, den Rückgang von Japans Forschungswettbewerbsfähigkeit abzumildern.
- Aspekte bei der Einführung von Technologie: Bei der Einführung einer Open-Access-Politik sind ein Bewusstseinswandel bei Forschenden und der Aufbau technischer Infrastruktur wichtig.
- Andere Beispiele: Als Referenz können andere Open-Access-Politiken wie Plan S in den USA und Europa dienen.
5 Kommentare
Japan hat zwar eine politisch ziemlich desolate Lage, insgesamt entsteht gesellschaftlich aber stark der Eindruck, dass das Land den Tiefpunkt erreicht hat und nun wieder aufsteigt. Außerdem ist das Fundament in den Grundlagenwissenschaften äußerst solide, sodass Japan, wenn die Stimmung kippt, nicht mit voller Wucht nach vorne schießen könnte.
Wie ist die Lage in Korea? Es ist schon ewig her, seit ich an der Uni war … ich weiß nicht so genau, wie es heutzutage aussieht.
Oft werden Artikel in ein frei zugängliches Preprint-Repository namens Arxiv hochgeladen, aber da die Veröffentlichung von Preprints nicht verpflichtend ist, scheint es je nach Fachgebiet und Labor unterschiedlich zu sein.
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