- Im Durchschnitt entdecken Menschen mit 24 Jahren die meiste neue Musik, und ab 31 beginnt ihr Musikgeschmack sich zu verfestigen
- Laut einer Umfrage von Deezer erreicht das Entdecken neuer Musik mit 24 seinen Höhepunkt und nimmt ab den frühen 30ern deutlich ab
- Eine Analyse von Spotify-Daten bestätigt zudem, dass 33 Jahre ein Wendepunkt sind, ab dem Menschen beginnen, sich von populärer Musik zu entfernen
- Als Hauptgründe für die Verfestigung des Musikgeschmacks gelten die übergroße Auswahl, fordernde Jobs, die Betreuung kleiner Kinder und andere Alltagsbeschränkungen
- Vor allem die von unendlichen Inhalten überflutete Streaming-Umgebung scheint ein Paradox der Wahl auszulösen
- Grundsätzlich liegt es aber daran, dass sich die Beziehung zur Musik und die Haltung ihr gegenüber mit dem Alter drastisch verändern
- Im Vergleich zur Jugend hat Musik im Erwachsenenalter eine geringere Bedeutung, und auch die Zeit und die Gelegenheiten zum Musikhören nehmen stark ab
- Musikpräferenzen stehen in engem Zusammenhang mit Trends der psychosozialen Entwicklung
- Die Verfestigung des Musikgeschmacks wirkt zwar wie eine predetermined truth, sicher ist das aber nicht. Mit Zeit und Mühe lässt sich weiterhin neue Musik entdecken
- Im Zusammenhang mit dem Dilemma zwischen der Suche nach Neuem und dem Festhalten an bestehender Musik (
explore-exploit tradeoff) gibt es interessante Statistiken
- Laut der 37%-Regel ist es optimal, 37% der gesamten Zeit für Erkundung zu verwenden und danach bei den bevorzugten Optionen zu bleiben
- 37% der durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren in den USA sind 30 Jahre — ein zufälliger Gleichlauf mit dem Alter, in dem sich der Musikgeschmack zu verfestigen beginnt
- Am Ende ist die Verfestigung des Musikgeschmacks vielleicht kein Bug, sondern ein Feature. Man muss wohl nicht unzufrieden sein, nur weil man nicht ständig neue Musik sucht
Meinung von GN⁺
- Man muss die Verfestigung des Musikgeschmacks nicht nur negativ sehen. Vielleicht sind die Vorlieben gerade deshalb so klar, weil man bereits genug Musik erkundet hat
- Dennoch wirkt es auch so, als ob diese Verfestigung zu früh einsetzt. Wichtig scheint, die Mühe, neue Musik zu finden, nicht zu vernachlässigen
- Je nach persönlicher Veranlagung kann der richtige Gleichgewichtspunkt unterschiedlich sein. Er dürfte weniger vom Alter als vom Stellenwert der Musik im eigenen Leben abhängen
- Ähnliche Verfestigungseffekte könnte es auch beim Konsum anderer kultureller Inhalte wie Bücher oder Filme geben. Weitere Forschung dazu wäre interessant
- Gleichzeitig scheint es sinnvoll, sich vom Zwang zu lösen, immer am Puls der Zeit sein zu müssen, und die Musik, die man mag, selbstbewusst zu genießen
2 Kommentare
Ich habe gestern auch eine Playlist mit Liedern zusammengestellt, die ich früher oft gehört habe.. -.-;
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