4 Punkte von GN⁺ 2024-04-26 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Im Durchschnitt entdecken Menschen mit 24 Jahren die meiste neue Musik, und ab 31 beginnt ihr Musikgeschmack sich zu verfestigen
    • Laut einer Umfrage von Deezer erreicht das Entdecken neuer Musik mit 24 seinen Höhepunkt und nimmt ab den frühen 30ern deutlich ab
    • Eine Analyse von Spotify-Daten bestätigt zudem, dass 33 Jahre ein Wendepunkt sind, ab dem Menschen beginnen, sich von populärer Musik zu entfernen
  • Als Hauptgründe für die Verfestigung des Musikgeschmacks gelten die übergroße Auswahl, fordernde Jobs, die Betreuung kleiner Kinder und andere Alltagsbeschränkungen
    • Vor allem die von unendlichen Inhalten überflutete Streaming-Umgebung scheint ein Paradox der Wahl auszulösen
  • Grundsätzlich liegt es aber daran, dass sich die Beziehung zur Musik und die Haltung ihr gegenüber mit dem Alter drastisch verändern
    • Im Vergleich zur Jugend hat Musik im Erwachsenenalter eine geringere Bedeutung, und auch die Zeit und die Gelegenheiten zum Musikhören nehmen stark ab
    • Musikpräferenzen stehen in engem Zusammenhang mit Trends der psychosozialen Entwicklung
  • Die Verfestigung des Musikgeschmacks wirkt zwar wie eine predetermined truth, sicher ist das aber nicht. Mit Zeit und Mühe lässt sich weiterhin neue Musik entdecken
  • Im Zusammenhang mit dem Dilemma zwischen der Suche nach Neuem und dem Festhalten an bestehender Musik (explore-exploit tradeoff) gibt es interessante Statistiken
    • Laut der 37%-Regel ist es optimal, 37% der gesamten Zeit für Erkundung zu verwenden und danach bei den bevorzugten Optionen zu bleiben
    • 37% der durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren in den USA sind 30 Jahre — ein zufälliger Gleichlauf mit dem Alter, in dem sich der Musikgeschmack zu verfestigen beginnt
  • Am Ende ist die Verfestigung des Musikgeschmacks vielleicht kein Bug, sondern ein Feature. Man muss wohl nicht unzufrieden sein, nur weil man nicht ständig neue Musik sucht

Meinung von GN⁺

  • Man muss die Verfestigung des Musikgeschmacks nicht nur negativ sehen. Vielleicht sind die Vorlieben gerade deshalb so klar, weil man bereits genug Musik erkundet hat
  • Dennoch wirkt es auch so, als ob diese Verfestigung zu früh einsetzt. Wichtig scheint, die Mühe, neue Musik zu finden, nicht zu vernachlässigen
  • Je nach persönlicher Veranlagung kann der richtige Gleichgewichtspunkt unterschiedlich sein. Er dürfte weniger vom Alter als vom Stellenwert der Musik im eigenen Leben abhängen
  • Ähnliche Verfestigungseffekte könnte es auch beim Konsum anderer kultureller Inhalte wie Bücher oder Filme geben. Weitere Forschung dazu wäre interessant
  • Gleichzeitig scheint es sinnvoll, sich vom Zwang zu lösen, immer am Puls der Zeit sein zu müssen, und die Musik, die man mag, selbstbewusst zu genießen

2 Kommentare

 
xguru 2024-04-26

Ich habe gestern auch eine Playlist mit Liedern zusammengestellt, die ich früher oft gehört habe.. -.-;

 
GN⁺ 2024-04-26
Hacker-News-Kommentare
  • Auch mit zunehmendem Alter stagniert nicht die Fähigkeit, Neues zu mögen; vielmehr hört man einfach auf, sich Neuem auszusetzen, und konzentriert sich nur noch auf das, was der Algorithmus bevorzugt
  • Wenn man sich bewusst bemüht, Neuem ausgesetzt zu sein, kann man unabhängig vom Alter Dinge entdecken, die einem gefallen. Wenn man zum Beispiel mit Freunden auf ein Konzert eines neuen Genres geht, kauft man danach oft die gesamte Diskografie
  • Bei teuren Erfahrungen neigt man dazu, sichere Entscheidungen zu treffen, weil der Gegenwert im Verhältnis zu den Kosten nicht so groß ist. Bei Musik kann man dank Streaming aber fast alles erkunden. Allerdings braucht es eine Musiksuche, die interessanten Pfaden folgt
  • Bei der Gen Z und den Millennials ist die Vorliebe für die Musik der eigenen Generation deutlich schwächer ausgeprägt. Musik aus den 1980er Jahren ist weiterhin in allen Generationen beliebt
  • Es ist möglich, dass Musik durch ihre Kommerzialisierung, Konsolidierung und Computerisierung tatsächlich schlechter wird. Auch in Hollywood gibt es nur noch Fortsetzungen, Prequels, Remakes, Reboots und Adaptionen im Überfluss
  • Ich mag Musik im Swing-Stil schwarzer Musiker aus den 1930er bis 1950er Jahren, aber die Dienste spielen diesen Stil nicht richtig ab und wechseln stattdessen zu Musik weißer Musiker
  • Wenn die Neuheit von Musik wichtig wäre, würde so etwas nicht passieren. Mein Vater ist in seinen 60ern und sucht trotzdem immer noch aktiv nach neuer Musik
  • Als ich jünger war, hörte ich Classic Rock, aber inzwischen kann ich ihn nicht mehr ertragen. In meinen 20ern mochte ich Klassik und Jazz, in den 1990ern Grunge, in den 2000ern Trance und danach verschiedene Genres wie Ambient, Techno und IDM
  • Als Outlier kann man Musik über verschiedene Strategien finden: räumliche Nähe (Künstler, die zusammen auftreten), publizistische Nähe (dasselbe Label), künstlerische Nähe (andere Projekte, an denen ein Künstler mitgewirkt hat) und Fan-Nähe (andere Künstler, die Fans ebenfalls mögen)
  • Der Grund, warum Menschen ab Mitte 30 glauben, dass aktuelle populäre Musik furchtbar ist, liegt darin, dass sie nur einen sehr kleinen Teil der Musik aus der Vergangenheit hören. Wenn man sich die Billboard-Charts oder Radiosendungen von damals anhört, ist es wahrscheinlich ganz ähnlich wie heute