Google droht mit dem Stopp von News-Angeboten aus Protest gegen den Vorschlag zu Zahlungen an kalifornische Nachrichtenmedien
- Google testet derzeit bei einer kleinen Zahl kalifornischer Nutzer die Entfernung von Links zu kalifornischen Nachrichten-Websites
- Hintergrund ist der California Journalism Preservation Act (CJPA), der Google verpflichten würde, Gebühren dafür zu zahlen, kalifornischen Nutzern Links zu Nachrichtenartikeln bereitzustellen
- Jaffer Zaidi, Vice President of Global News Partnerships bei Google, erklärte in einem Blogpost, dass die Verabschiedung des CJPA erhebliche Änderungen bei den Diensten bedeuten könnte, die Google Kaliforniern anbieten kann, sowie beim Traffic, den das Unternehmen kalifornischen Verlagen liefern kann
- Google will zudem zusätzliche Investitionen in das kalifornische News-Ökosystem vorübergehend aussetzen, darunter Google News Showcase, ein Produkt- und Lizenzprogramm für Nachrichtenorganisationen, sowie die Google News Initiative
Googles Einfluss auf den Journalismus
- Google (und Meta) vereinnahmen deutlich mehr Online-Werbeeinnahmen als Verlage
- Laut einem Bericht der EFF verschwindet die Hälfte jedes Werbedollars in Gebühren, und Abonnements unterliegen der App-Store-Steuer
- Befürworter argumentieren, dass das kalifornische Gesetz Verlagen mehr Hebel geben würde, um die Erlösverteilung fairer zu gestalten
- Google hält dagegen, dass es Verlagen bereits Traffic zuführt und dass Gesetze dieser Art große Medienunternehmen begünstigen und lokale Zeitungen noch stärker schwächen könnten
- Es ist schwer zu beziffern, wie viel Umsatz Google mit News erzielt. Technisch gesehen schaltet Google News keine Werbung, doch Medienunternehmen argumentieren, dass Links zu Nachrichteninhalten der Plattform insgesamt zugutekommen
- Einer Studie aus dem Jahr 2023 zufolge müsste Google bei Inkrafttreten des Journalism Competition and Preservation Act (JCPA) US-Verlagen jährlich etwa 10 bis 12 Milliarden US-Dollar zahlen
Ähnliche Fälle
- Es ist nicht das erste Mal, dass Google sich gegen Versuche von Gesetzgebern stellt, Plattformen zur Bezahlung von Medienhäusern für Nachrichten zu verpflichten
- Nach der Verabschiedung einer ähnlichen Maßnahme in Spanien im Jahr 2014 zog sich Google zurück, kehrte aber schließlich 2022 nach acht Jahren wieder zurück
- Auch in Australien drohte Google 2020 mit einem vollständigen Rückzug, als der News Media Bargaining Code eingeführt wurde, schloss am Ende jedoch Vereinbarungen mit mehreren australischen Verlagen
- Der Erfolg in Australien führte dazu, dass auch andere Länder wie die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada und Neuseeland ähnliche Gesetze vorantreiben
Meinung von GN⁺
- Googles unfairer Umgang mit Nachrichtenmedien ist ein altes Problem, das nicht nur die Verteilung von Erlösen betrifft, sondern auch die Vielfalt und Qualität des Journalismus beeinflussen kann
- Gleichzeitig gibt es Bedenken, ob solche Gesetze lokalen Zeitungen oder kleinen Medien tatsächlich helfen oder am Ende nur große Medienhäuser weiter aufblähen
- Langfristig scheint es notwendig, tragfähige Modelle für ein Miteinander von Big Tech wie Google und Verlagen zu finden, um die Nachhaltigkeit des News-Ökosystems zu sichern
- Aus Sicht der Nutzer könnte es zudem zu Beeinträchtigungen wie einer schlechteren Suchqualität kommen, weshalb auch Maßnahmen zur Minimierung von Nachteilen für Verbraucher mitgedacht werden sollten
- Vergleichbare Beispiele sind das deutsche Leistungsschutzrecht und die Einführung verwandter Schutzrechte in Frankreich; auch in Südkorea gibt es politische Bemühungen zur Belebung des News-Ökosystems, etwa über einen Fonds zur Förderung der Medien
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentar
Google ist aus folgenden Gründen dagegen, Verlagen eine Linksteuer aufzuerlegen:
Gleichzeitig gibt es dazu auch besorgte Gegenstimmen:
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es große Bedenken gegen Versuche gibt, ein ohnehin bereits stark zugunsten von Rechteinhabern ausgestaltetes Urheberrecht noch weiter zu verschärfen. Beachtenswert ist auch die Ansicht, dass eine direkte Besteuerung durch den Staat mit anschließender Umverteilung die bessere Lösung sein könnte.