Ein Postamt im Zentrum Londons
- Beschreibt die realen Leiden, die Subpostmaster der britischen Post von 1999 bis 2015 erlebten.
- Durch einen Softwarefehler wurden Hunderte zu Kriminellen abgestempelt und in den Bankrott getrieben.
- Die britische Regierung bezeichnete den Fall als einen der größten Justizirrtümer in der Geschichte des Vereinigten Königreichs.
Fehler im Horizon-IT-System
- Nach der Einführung des von Fujitsu entwickelten Horizon-Systems im Jahr 1999 entdeckten Filialleiter von Postämtern Mängel im System.
- Die Software zeigte häufig fälschlicherweise an, dass Tausende Pfund von Postkonten verschwunden seien.
Der Fall von Jo Hamilton
- Jo Hamilton betrieb 2003 in einem Dorf im Süden Englands ein Postamt und musste feststellen, dass der Horizon-Computer ein Defizit von 2.000 Pfund anzeigte.
- Schließlich beleihte Hamilton ihr Haus erneut, um ein Defizit auszugleichen, das gar nicht existierte.
Das ITV-Netzwerkdrama "Mr Bates vs The Post Office"
- Nach der Ausstrahlung des Dramas über die unermüdliche Kampagne britischer Subpostmaster für Gerechtigkeit nahmen öffentliche Wahrnehmung und Empörung sprunghaft zu.
Reaktion der Regierung
- Premierminister Rishi Sunak kündigte an, ein Gesetz zügig zu verabschieden, um die Verurteilungen von Hunderten Subpostmastern aufzuheben.
Wichtige Fragen
- Politik und Justiz müssen weiterhin entscheidende Fragen beantworten: Wer wusste was, wer sollte strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden und in welchem Umfang Fujitsu die Opfer entschädigen sollte.
Entschädigung durch die Post
- Die Post zahlte mehr als 138 Millionen Pfund an Entschädigungen, nachdem in einem Zivilverfahren 2019 festgestellt worden war, dass Horizon "Bugs, Fehler und Mängel" aufwies.
Nachteilige Bedingungen für Subpostmaster
- Nach den Verträgen mit der Post mussten Subpostmaster für finanzielle Verluste ihrer Filialen haften.
- Nach Vertragsende wurde vielen von Ermittlern der Post der Zutritt zu ihren Geschäftsräumen untersagt.
Der Fall von Wendy Buffrey
- Wendy Buffrey erlebte, wie sich unerklärliche Defizite im Horizon-System immer weiter verdoppelten.
- Buffrey bekannte sich wegen Falschbuchführung schuldig.
Der Weg zur Gerechtigkeit
- Nach dem juristischen Erfolg im Jahr 2019 meldeten sich mehr Subpostmaster, die Fehler im Horizon-System geltend machten.
- Bis heute wurden 93 verurteilte Subpostmaster freigesprochen.
Der Fall von Siema Kamran
- Siema Kamran kaufte 2001 zusammen mit ihrem Ehemann Kamran Ashraf eine Postfiliale.
- Ihr Mann wurde 2004 nach einem Audit der Post, bei dem ein ungeklärtes Defizit von 25.000 Pfund festgestellt wurde, unter Druck gesetzt, sich des Diebstahls schuldig zu bekennen.
Meinung von GN⁺
- Dieser Fall zeigt, wie nicht nur technische Fehler, sondern auch unangemessenes Unternehmensverhalten das Leben von Einzelnen schwer beeinträchtigen können.
- Der unermüdliche Einsatz der Opfer für Gerechtigkeit und das Drama darüber belegen, dass öffentliche Aufmerksamkeit Veränderungen anstoßen kann.
- Der Fall ist eine Gelegenheit, neben der Bedeutung technischer Systeme auch das Bewusstsein für die ethische Verantwortung der Menschen zu schärfen, die sie verwalten.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ein Nutzer teilte eine Zusammenfassung eines realen Falls, der ihn tatsächlich dazu brachte, ein Promotionsstudium im Bereich Informationssysteme zu beginnen. Er wollte verstehen, warum es trotz des über Jahrzehnte angesammelten hervorragenden praktischen Wissens über IT und Software noch immer IT-Inkompetenz gibt. Durch seine Forschung erkannte er, dass die meisten dieser Probleme bereits weitgehend gelöst sind, kam aber zu dem Schluss, dass sich die Probleme von Organisationen nicht ändern werden. Der Nutzer meint, dass die Organisationsforschung zwar weiterhin versucht, bessere Wege aufzuzeigen, sich manche Menschen jedoch niemals dafür interessieren werden.
Ein anderer Nutzer teilte einen Artikellink über das technische Scheitern des britischen Post-"Horizon-Systems". Ein Mitglied des Entwicklungsteams erwähnte, dass die Fähigkeiten im Team sehr unterschiedlich gewesen seien, und betonte die Bedeutung von Führungsverantwortung.
Ein Nutzer wies darauf hin, dass das interne "Gerechtigkeits"-System der Post intransparent und voreingenommen sei und Beweise nicht berücksichtige. IT-Bugs seien zwar ebenfalls ein Problem gewesen, doch vor allem das politische Führungsversagen einer in der Vergangenheit steckengebliebenen Institution habe viele Menschen ins Verderben gestürzt.
Ein Nutzer erwähnte, dass die BBC 2015 im Rahmen der Reihe "Panorama" eine Dokumentation über diesen Fall ausgestrahlt habe und dafür vom Post Office bedroht worden sei. Er kritisierte, dass es sich nicht bloß um einen "Glitch" gehandelt habe, sondern um eine PR-Kampagne zur Unterdrückung der Stimmen der Betroffenen.
Ein Nutzer verwies auf Artikel im Magazin "Private Eye" und auf BBC-Radioprogramme, die eine Zusammenfassung und Einblicke in die Ungerechtigkeit dieses Falls liefern.
Ein Nutzer betonte die Verantwortung der Regierung mit dem Hinweis, dass das Post Office eine staatliche Einrichtung sei. Er erklärte, dass es sich um Staatseigentum handele und es einen für das Postwesen zuständigen Minister gebe, der tägliche Betrieb jedoch von einem separaten Vorstand geführt werde.
Ein Nutzer stellte infrage, welche Rolle das Rechtssystem in diesem Fall gespielt hat, und kritisierte, dass es zu 900 Anklagen kam mit der Begründung: "Der Computer sagt es so".
Ein Nutzer teilte die Erfahrung, dass in einem Team die Verwendung des Wortes "Glitch" verboten worden sei. Er argumentierte, dass es sich um einen Begriff handle, den Entwickler und Product Owner im Gespräch mit Kunden nutzen, um Verantwortung zu vermeiden, und dass er in modernen Technikteams nicht verwendet werden sollte.
Ein Nutzer verwies auf einen ähnlichen Fall mit Australiens "Robodebt" und hob die zerstörerischen Folgen von durch Algorithmen gesteuerter Regierung (Algocracy) hervor.