9 Punkte von kunggom 2020-01-07 | 6 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Dies ist eine Zusammenfassung eines Buchs, das das Konzept der [psychologischen Sicherheit](Psychological Safety) vorstellt. (Koreanisch) Psychologische Sicherheit bezeichnet ein organisatorisches Umfeld, in dem Mitglieder davon ausgehen können, dass sie nicht bestraft werden oder Vergeltung erfahren, wenn sie im Zusammenhang mit der Arbeit Ideen oder Meinungen äußern oder auf Fehler hinweisen. Umgekehrt gilt: Ein Umfeld, in dem man seine Meinung nicht offen äußern kann oder in dem es schwerfällt, Fehler von Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten unmittelbar anzusprechen, mindert nicht nur die Leistungsfähigkeit einer Organisation, sondern kann sogar schwere Unfälle verursachen.

Diese Lehre ist bereits in vielen Bereichen aufgegriffen worden. So beschreibt das Buch etwa die 1977 geschehene [Teneriffa-Katastrophe], den Flugunfall mit den meisten Todesopfern, der dadurch entstand, dass ein erfahrener Kapitän eigenmächtig handelte und der Kopilot ihn nicht aufhalten konnte. Dieses Problem war jedoch nicht auf die Teneriffa-Katastrophe beschränkt. Laut einer 1994 von der US-amerikanischen NTSB (National Transportation Safety Board) durchgeführten Untersuchung ereigneten sich zwischen 1978 und 1990 drei Viertel der schweren Flugunfälle, die durch Fehler der Besatzung verursacht wurden, während der Kapitän das Flugzeug selbst steuerte. Das Buch bezeichnet die Atmosphäre, die solche Probleme hervorruft, als „Schweigezwang“.

Daraufhin führte die Luftfahrtbranche das Programm CRM (Crew Resource Management) ein und begann damit, untergeordnete Crewmitglieder wie Kopiloten darin zu schulen, wie sie gegenüber Vorgesetzten wie dem Kapitän Probleme ansprechen können. Dies trug dazu bei, die Unfallrate durch menschliches Versagen zu senken, und dieser Ansatz wurde später auch auf andere Bereiche wie Medizin und Feuerwehr übertragen. Das scheint auch damit zusammenzuhängen, dass sich in Bereichen wie Luftfahrt oder Medizin, in denen Fehler leicht fatale Folgen haben können, eine Kultur etabliert hat, in der man sich nach unerwarteten Zwischenfällen nicht gegenseitig beschuldigt, sondern stattdessen gründliche nachträgliche Analysen durchführt (Blameless Postmortem). (siehe https://twitter.com/john_grib/status/1185095922255982592) Das Buch nennt die Notwasserung von US Airways Flug 1549 auf dem Hudson River im Jahr 2009, bekannt als das „Wunder auf dem Hudson“, als repräsentatives Erfolgsbeispiel für CRM.

Etwas anders gelagert, aber im Vorwort des Buchs, erzählt der Autor, dass er überrascht war, als eine statistische Analyse der Häufigkeit medizinischer Behandlungsfehler ergab, dass in Teams mit guter Teamarbeit sogar mehr Fehler auftraten. Tatsächlich handelte es sich dabei um eine Art „Survivorship Bias“: In Teams mit guter Zusammenarbeit wurden selbst begangene Fehler bereitwillig gemeldet, während sie in anderen Teams möglichst verborgen wurden, wodurch nach außen eine Art optische Täuschung entstand. Solche Beispiele führen einem erneut die schlichte Wahrheit vor Augen, dass oberflächlich sichtbare Kennzahlen nicht alles aussagen.

6 Kommentare

 
camperjames 2020-01-09

Das sollte ich wohl mal lesen.

 
snsusjwnsj 2020-01-07

Danke für die Zusammenfassung! 👍

 
kunggom 2020-01-07

Eigentlich ist das weniger eine Zusammenfassung des Buches als vielmehr ein lockerer Gedankenaustausch zum Thema. 😅

 
kunggom 2020-01-07

[DongA Business Review] Wenn es jemanden gibt, der nicht spricht, gib ihm zuerst die Möglichkeit, sich zu äußern

https://dbr.donga.com/article/view/1201/article_no/9439

„Wenn es im Besprechungsraum, im Hörsaal, in der Stube, im Wohnzimmer oder bei einer Trinkrunde jemanden gibt, der seit drei Tagen kein Wort gesagt hat, dann schaffe dieser Person zuerst einen Weg, sprechen zu können. Das könnte später der Weg sein, die Organisation oder sich selbst zu retten.“

 
kunggom 2020-01-07

Vor Kurzem habe ich dieses Buch zufällig auf dem Schreibtisch von „Pobi“ Park Jae-seong gesehen, der unter dem Spitznamen „Javajigi“ bekannt ist, und als es mir wieder einfiel, habe ich bei der Suche diesen Text gefunden.

 
kunggom 2020-01-07

Ich habe gerade direkt mit Herrn Park Jaeseong gesprochen, und er meinte, dass ihm das Buch keinen besonders großen Eindruck gemacht habe, weil ihm ein erheblicher Teil des Inhalts bereits bekannt gewesen sei oder er ihn schon selbst erlebt habe.