Lernen lernen
(youtube.com)<p>Zusammenfassung von Barbara Oakleys Talk bei Talks at Google aus dem Jahr 2014<br />
- Autorin des Buchs <Learning How to Learn: How to Succeed in School Without Spending All Your Time Studying; A Guide for Kids and Teens> https://books.google.co.kr/books/… />
- Es gibt auch den kostenlosen Coursera-Kurs Learning How to Learn: Powerful mental tools to help you master tough subjects https://www.coursera.org/learn/learning-how-to-learn<br />
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Es gibt beim Funktionieren des Gehirns einen diffusen (Diffuse) Modus und einen fokussierten (Focused) Modus<br />
- Im fokussierten Modus kann man bereits gelernte, im Gehirn vorhandene Muster gut miteinander verknüpfen. Dafür nutzt man nur einen Teil des Gehirns. Wenn man etwas Neues lernt, muss man neue Muster miteinander verbinden, und das funktioniert im fokussierten Modus nicht besonders gut.<br />
- Im diffusen Modus nutzt man das Gehirn insgesamt eher oberflächlich. Das ist gut, wenn man kreativ sein will. <br />
- Beim Lösen schwieriger Probleme hilft es nicht, zu lange im fokussierten Modus zu bleiben. Man muss in den diffusen Modus wechseln, um neue Muster zu verbinden. (Zum Beispiel Sport machen oder ein Nickerchen halten. Jedenfalls etwas, das einen aus dem fokussierten Modus herausholt.)<br />
- Menschen wie Salvador Dalí oder Edison haben diese Technik tatsächlich genutzt. (Sie wurde bereits bei GeekNews vorgestellt. https://de.news.hada.io/topic?id=5539)<br />
--> Sie entspannten den Körper und schliefen ein, hielten dabei aber einen Schlüssel oder Stift in der Hand, damit sie abrupt wieder aufwachten.<br />
--> Den Impuls oder die Inspiration dieses Moments hielten sie fest oder nutzten ihn weiter.<br />
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Wie man Prokrastination überwindet<br />
- Wenn wir versuchen, etwas zu tun, das wir nicht tun wollen, wird der schmerzempfindliche Teil des Gehirns aktiviert. Das ähnelt tatsächlich echtem Schmerz.<br />
--> Mit der Zeit nimmt dieser Schmerz allmählich ab. Auch durch wiederholtes Üben wird er geringer.<br />
--> Wenn man aber aufschiebt, verschwindet der Schmerz einfach. Das ist wie eine Sucht.<br />
- Um weniger aufzuschieben und sich besser zu konzentrieren, ist die [Pomodoro-Technik](https://en.wikipedia.org/wiki/Pomodoro_Technique) effektiv.<br />
--> Beim Pomodoro sollte man sich nicht auf die Aufgabe selbst, sondern auf die Zeit konzentrieren. Wenn die Zeit um ist, hört man einfach auf, macht Pause und kommt dann wieder zurück.<br />
--> Auch in der Pause lernen wir. Man muss also kein schlechtes Gewissen haben.<br />
--> Langsam anfangen und schrittweise besser werden. Es klappt nicht sofort von Anfang an gut.<br />
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Wie wichtig Schlaf ist<br />
- Wenn wir wach sind, sammeln sich nach und nach Giftstoffe im Gehirn an. Deshalb trifft man nach langem Wachsein mehr schlechte Entscheidungen.<br />
--> Im Schlaf schrumpfen die Zellen, wodurch diese Giftstoffe abtransportiert werden.<br />
- Außerdem hat man beim Vergleich vor und nach dem Schlafen nach dem Lernen festgestellt, dass sich Synapsen erst im Schlaf verbinden.<br />
--> Deshalb hilft es besonders beim Lernen und beim Lösen schwieriger Probleme, die Iteration aus Lernen → Schlaf in kurzen Abständen zu wiederholen.<br />
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Wie neue durch Lernen entstandene Synapsen (Verbindungen) größer werden und erhalten bleiben<br />
- Sich neuen Umgebungen aussetzen<br />
- Sport treiben. Spazierengehen ist auch gut, aber regelmäßiges und etwas intensiveres Training (so dass man außer Atem kommt) ist noch besser.<br />
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Zum Arbeitsgedächtnis (Working memory)<br />
- Es ist gut bekannt, dass das Arbeitsgedächtnis, das Kurzzeiterinnerungen speichert, nur eine begrenzte Zahl an Slots hat (4 bis 7).<br />
- Wenn man im fokussierten Modus multitaskt, werden diese Slots des Arbeitsgedächtnisses verbraucht und man wird unaufmerksamer. Deshalb ist es wichtig, im fokussierten Modus Störungen und Kontextwechsel zu reduzieren.<br />
- Um Arbeitsgedächtnisinhalte ins Langzeitgedächtnis zu überführen, ist Übung unverzichtbar. Ohne Übung verschwindet selbst das, was man verstanden hatte.<br />
--> Eine gute Methode dafür ist [spaced repetition](https://en.wikipedia.org/wiki/Spaced_repetition).<br />
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Mit Chunking kann man das Arbeitsgedächtnis besser nutzen.<br />
- In die Slots des Arbeitsgedächtnisses passen „Chunks“, daher ist es effizient, Muster zu bündeln und zu Chunks zusammenzufassen.<br />
--> Das ist ähnlich, als würde man statt einzelner Puzzleteile gleich ein fertiges Puzzle in einen Slot legen.<br />
- Um gut zu chunken:<br />
--> Wissen komprimieren und den Kern behalten<br />
--> Chunks aus etwas anderen Bereichen mit ähnlichen Mustern lernen und miteinander verknüpfen. Das ist ähnlich wie der Aufbau einer Bibliothek.<br />
--> Dank dieses Chunkings können Meister ihres Fachs Gelerntes gut auf andere Bereiche übertragen.<br />
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Einige Illusionen ausräumen<br />
- „Ich habe ein schlechtes Gedächtnis (poor memory)“ → Das bedeutet, dass man weniger Slots im Arbeitsgedächtnis hat.<br />
--> Wer weniger Slots im Arbeitsgedächtnis hat, neigt oft eher zu Kreativität.<br />
- „Ich denke langsam (slow thinker)“<br />
--> Das ist eher wie ein Mensch, der wandert statt Rennen zu fahren.<br />
--> Dafür nimmt man Details wahr, die der Rennfahrer übersehen hat. Und man ist flexibler. Es fällt leichter, den Weg zu wechseln.<br />
- „Ich gehöre hier nicht hin“ ([Imposter syndrome](https://en.wikipedia.org/wiki/Impostor_syndrome))<br />
--> Gedanken wie: Ich bin zwar Googler, aber eigentlich dumm und verdiene dieses Gehalt nicht.<br />
--> Solche Gedanken sind aber sehr verbreitet. Beruhige dich. Alle haben Angst.<br />
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Nützliche Lerntechniken (vor allem in der Schule)<br />
- Prüfungen nutzen<br />
--> Hab keine Angst vor Prüfungen. Wenn man auf eine Prüfung trifft, erstarrt man wie jemand, der einem Bären begegnet ist, kann nicht kreativ denken und wichtige Dinge nicht aus dem Gedächtnis abrufen.<br />
--> Tatsächlich sind Prüfungen aber sehr gut fürs Lernen. Je nachdem, ob man getestet wird oder nicht, bleibt unterschiedlich viel im Gedächtnis. Nutze Karteikarten.<br />
- Hausaufgaben nutzen<br />
--> Betrachte Hausaufgaben wie Klavierüben. Niemand glaubt, ein Klavierstück nach einmaligem Spielen schon zu beherrschen.<br />
--> Wiederhole es aus mehreren Perspektiven und lerne, indem du zentrale Punkte veränderst.<br />
- Abrufen (Recall)<br />
--> Nur weil man beim Lesen eines Buchs oder Textes etwas unterstreicht, bleibt es nicht automatisch im Gedächtnis.<br />
--> Das Gelesene zusammenzufassen oder einfach kurz woanders hinzusehen und sich bewusst ins Gedächtnis zu rufen, was man gerade gelesen hat, ist sehr effektiv für Erinnerung und Verständnis.<br />
- Mit anderen diskutieren<br />
--> Im fokussierten Modus gerät man leicht in die Illusion, selbst recht zu haben. Diese Illusion muss man aufbrechen.<br />
--> Kolleginnen und Kollegen können zu einem riesigen diffusen Modus für einen selbst werden.<br />
- So erklären, als würde man mit einem Zehnjährigen sprechen.<br />
--> Wenn man Erklärungen mit Metaphern und Vergleichen entwickelt, vertieft sich das Verständnis enorm.<br />
--> Menschen, die Schwieriges wie Genetik oder Zellbiologie gut erklären, stellen sich beim Erklären oft vor, sie selbst seien so klein wie eine Zelle.<br />
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Über Leidenschaft<br />
- Der Rat, seiner Leidenschaft zu folgen, ist gut. Aber manchmal kann Leidenschaft auch für etwas entstehen, das man im Moment noch nicht beherrscht.<br />
- Folge Leidenschaft also nicht nur blind, sondern erweitere sie.<br />
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Fragen und Antworten<br />
- Wenn man etwas versteht, entstehen eher Chunks und es ist wahrscheinlicher, dass man das Wissen leichter nutzen kann. Aber selbst bloßes Auswendiglernen ohne Verständnis hilft trotzdem.<br />
- Hilfreich sind Menschen, die Bereiche mischen und frische Vielfalt hineinbringen.<br />
--> Menschen, die jung sind und deshalb noch nicht von den Mustern des jeweiligen Fachgebiets geprägt wurden<br />
--> Außenseiter<br />
- Kindern etwas nur leicht und unterhaltsam beizubringen, hilft später nicht dabei, es im echten Leben anzuwenden oder Fachkompetenz aufzubauen.<br />
--> Von Anfang an mit realer Anwendung verknüpfen, als würde man es tatsächlich tun<br />
--> Wenn man eine Sache gelernt hat, sie auch in etwas anderem ausprobieren und beobachten, warum sie dort anders eingesetzt wird<br />
- Man kann aber auch Fähigkeiten oder Wissen lernen, die scheinbar im Alltag nicht gebraucht werden. Dann sollte man es so sehen, als würde man einen Muskel trainieren.</p>
11 Kommentare
Das ist interessant.