40 Punkte von xguru 2021-09-20 | 9 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
<p>Ein taktischer 6-Schritte-Ansatz, um alles zu lernen<br /> Neugier und Inspiration sind nicht vorhersehbar. Sie tauchen zufällig auf, aber man muss etwas unternehmen.<br /> Wachstum ist ein natürlicher Nebeneffekt davon, auf Neugier und Inspiration zu reagieren.<br /> <br /> 1. Identify &amp; Establish: Das Thema identifizieren und die Grundlage schaffen<br /> - Dieses Framework beginnt mit einer leeren Seite: Sie wird Schritt für Schritt entlang des Prozesses gefüllt.<br /> - Das Thema bestimmen, das Neugier geweckt hat, und alles aufschreiben, was man darüber weiß<br /> - Das Thema oben auf die Seite setzen und das gesamte aktuelle Wissen dazu notieren. Es ist auch in Ordnung, wenn man nichts weiß.<br /> - Der Autor nutzt Notion (weil es praktisch ist, Links und Materialien zu sammeln), aber Papier &amp; Stift funktionieren genauso gut.<br /> - Damit anzufangen, aufzuschreiben, was man weiß, hilft dabei, klar zu erkennen, was man nicht weiß.<br /> - Schon diese erste Aktion zeigt die Lücke zwischen dem eigenen Wissen und dem Verständnis des Themas.<br /> - Das Ziel dieses Schritts ist es, die Bühne zu schaffen, also die Lücken vorzubereiten, die später gefüllt werden sollen.<br /> <br /> 2. Research: Recherche<br /> - Ab hier wird es wirklich interessant. Jetzt beginnt das eigentliche Lernen.<br /> - Die effizienteste Recherchestrategie ist, horizontal zu beginnen und dann vertikal zu gehen.<br /> → horizontal = Breite<br /> → vertikal = Tiefe<br /> Genauer gesagt:<br /> - Beim horizontalen Einstieg sammelt man Informationen über den gesamten Umfang des Themas hinweg.<br /> - Dadurch entsteht die Fähigkeit, „das gesamte Feld zu überblicken“, und man zeichnet eine oberflächliche Karte des Themas.<br /> - Bei horizontaler Recherche sollte man es einfach halten: Auch Google/Wikipedia sind hervorragende Werkzeuge.<br /> - Mit einem Notiztool die horizontalen Informationen dokumentieren<br /> - Die Originalquellen der horizontalen Informationen festhalten (z. B. die Fußnoten bei Wikipedia), denn sie sind später beim vertikalen Vertiefen nützliche Wegweiser.<br /> - Vertikale Recherche ist der sprichwörtliche Sprung in den Kaninchenbau.<br /> - Historisch gesehen war vertikale Recherche immer schwieriger. Man musste lange, dichte Bücher zu einem Thema finden und lesen.<br /> - Im Informationszeitalter gibt es jedoch viele Tools, die die Zeit viel effizienter nutzen lassen.<br /> → Reddit: Reddit ist eine Schatzkammer interessanter Informationen. Es eignet sich nicht nur gut, um Inspiration oder Neugier zu finden, sondern auch, um sich effizient in ein bestimmtes Thema einzuarbeiten.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dem Thema suchen, Subreddits und Threads finden, Kommentare lesen und Links anklicken<br /> → Twitter: Twitter ist, wenn man es effizient nutzt, eine erstaunliche Informationsquelle.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Etwas Zeit investieren, um Autoritätspersonen auf dem jeweiligen Gebiet zu finden, ihre Beiträge und Kommentare zu ihren Links zu lesen und auch den längeren Content zu verfolgen, den sie produzieren. Wenn einen etwas interessiert und man mehr lernen möchte, ihnen eine DM schicken.<br /> → Newsletter: Den aktuellen Boom persönlicher Newsletter gut nutzen<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Vordenker zu dem jeweiligen Thema schreiben in der Regel Newsletter, also sollte man sie lesen. Auch das lesen, was sie selbst konsumieren (der Autor nutzt dafür Faves).<br /> → Podcast: Podcasts können hit-or-miss sein.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sich auf Primärquellen konzentrieren (z. B. Gespräche mit Führungspersonen/Gründern). Inhalte mit geringem Wert anhand von Reviews oder Abozahlen meiden. Mit 1.25x oder 1.5x Geschwindigkeit schnell durchhören, um den Kern zu erfassen.<br /> → Expertennetzwerke: Expertennetzwerke/Analysedienste sind aktuell ein bevorzugtes neues Lerntool.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Über kostenlose Testversionen oder Transkripte von Expertengesprächen kann man ihre Gedanken kosteneffizient kennenlernen.<br /> → Bücher: Nicht altmodisch von vorn bis hinten lesen, sondern Abschnitte oder Kapitel finden und sich von dort aus eingraben.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;"The old way is for vanity; the new way is for utility."<br /> - Diese 6 Werkzeuge helfen enorm dabei, vertikal in die Tiefe zu gehen.<br /> <br /> 3. Skin in the Game: Skin in the Game<br /> - Um die Lernkurve zu beschleunigen, „Skin“ hinzufügen<br /> → Anmerkung des Übersetzers im Original: ein von Warren Buffett verwendeter Ausdruck für die Situation, in der hochrangige Insider eigenes Geld einsetzen, um Aktien des von ihnen geführten Unternehmens zu kaufen<br /> - Skin im Spiel bedeutet beim Lernen, die Einsätze zu erhöhen. Ein Verhaltenstrick, um mehr Anreize zu schaffen.<br /> - „Skin“ kann materiell (Geld) oder metaphorisch (ein persönliches oder öffentliches Commitment) sein.<br /> → Wenn man mehr über ein bestimmtes Unternehmen erfahren will, ein paar Aktien dieses Unternehmens kaufen<br /> → Wenn man Web3.0 lernen will, ein NFT kaufen, es als Bild posten und einer Discord-Community beitreten<br /> → Wenn man einen Artikel über X schreiben will, sich öffentlich dazu committen (der Autor nutzt diese Methode immer, um sich selbst zum Schreiben zu zwingen)<br /> - „Skin in the Game“ erhöht nicht nur die Einsätze, sondern sorgt auch dafür, dass man aus Sicht der Community wirklich „teilnimmt“.<br /> - Wenn man nur von außen zuschaut, lernt man nicht viel. Man muss hineingehen.<br /> - „Skin in the Game“ ist das Ticket zur Teilnahme an der Community.<br /> <br /> 4. Engage Community: Sich in der Community einbringen<br /> - Lernen ist nicht individuell, sondern gemeinschaftlich.<br /> - Um das Lernen zu beschleunigen, sollte man sich in die Community einbringen.<br /> - Wer schon einmal eine neue Sprache gelernt hat, weiß, dass Immersion eine unglaublich starke Kraft ist.<br /> - Zwei taktische Ratschläge<br /> → Mit Autoritäten sprechen<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Autoritäten zu dem Thema finden und ihnen per DM, E-Mail oder Telefon Fragen stellen<br /> → Den Lernzirkel anrufen<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;3–5 Freunde (einen Lernzirkel) anrufen und darüber sprechen, was man gerade lernt.<br /> &nbsp;&nbsp;&nbsp;Ihre Fragen zeigen die Lücken im eigenen Wissen und weisen auf Perspektiven hin, die helfen, tiefer zu denken.<br /> - Community ist der Schlüssel.<br /> <br /> 5. Teach: Lehren<br /> - Wenn du lernen willst, lehre.<br /> - Die Technik von Richard Feynman nutzen<br /> → Mit einfachen Worten (ohne Fachjargon oder Abkürzungen) einigen wenigen Menschen erklären, was man bisher gelernt hat<br /> → Wenn man es einem 5-Jährigen nicht erklären kann, hat man es vermutlich nicht gut genug verstanden (ELI5, Explain It To Me Like I'm 5).<br /> <br /> 6. Reflect &amp; Review: Reflektieren &amp; Überprüfen<br /> - Der Lernprozess ist iterativ und fließend.<br /> - Die erkannten Wissenslücken reflektieren und erneut tiefer einsteigen, um sie zu füllen.<br /> - Die gemachten Notizen überprüfen und herauszoomen, um einen Gesamtüberblick über das neu Gelernte zu gewinnen.<br /> <br /> Zusammenfassung des neuen Lern-Frameworks<br /> 1. Identify &amp; Establish: Das Thema und alles, was man darüber weiß, aufschreiben<br /> 2. Research: Horizontal (Breite) beginnen und vertikal (Tiefe) weitergehen. Mit modernen Tools (Reddit, Twitter, Newsletter, Podcasts, Expertennetzwerke, Bücher) in die Tiefe gehen<br /> 3. Skin in the Game: Durch Skin die Lernkurve beschleunigen (materiell oder metaphorisch)<br /> 4. Engage Community: Mit Autoritäten sprechen und im Lernzirkel diskutieren<br /> 5. Teach: Wenn du lernen willst, lehre. Die Feynman-Methode nutzen<br /> 6. Reflect &amp; Review: Herauszoomen, Lücken erkennen und das Füllen wiederholen</p>

9 Kommentare

 
psspsshi 2021-09-27
<p>Wow, das ist wirklich ein großartiger Inhalt. Ich sollte ihn mir merken und mehrmals gründlich lesen.</p>
 
roxie 2021-09-21
<p>Ein O’Reilly-Buch darüber, wie man Twitter "richtig" nutzt, wird dringend gebraucht..</p>
 
kunggom 2021-09-20
<p>Das Buch, das ich gestern einmal komplett durchgegangen bin, ist 『Techniken intellektueller Produktivität für Menschen, die in der IT tätig sind』, und ich denke, man kann es auch mit den dort enthaltenen Inhalten zusammen betrachten.<br /> <br /> - In dem Buch wird vorgeschlagen, zur Einschätzung der im Kopf vorhandenen Informationsmenge etwa 5 Minuten lang alles, was einem einfällt, auf Post-its zu notieren. Der Umfang pro Post-it liegt zwischen ein paar Wörtern und einem Satz, wobei Duplikate oder Qualität zunächst ignoriert werden. Wenn ausreichend Informationen vorhanden sind, werden sich diese 5 Minuten subjektiv kurz anfühlen, andernfalls eher ziemlich lang.<br /> <br /> - Es wird auch eine Methode vorgestellt, Informationen zu organisieren, indem man für das Schreiben eines einzelnen Berichts zunächst 100 bis 120 Notizzettel nach demselben Prinzip vorbereitet (allerdings ohne Zeitbegrenzung), diese auslegt, gruppiert und dann die Gruppen bündelt, zusammenfasst, schematisch darstellt und in Sätze überführt. Dabei werden die Zettel nicht nur nach Ähnlichkeit gruppiert, sondern auch unter Berücksichtigung von Beziehungen angeordnet, die einander widersprechen oder sich natürlich fortsetzen können.<br /> <br /> - Es gab auch ein Kapitel zum Lesen von Büchern. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, dass man den Zweck des Lesens klar festlegen sollte und dass viele Techniken des Schnelllesens gemeinsam betonen, den Inhalt eines Buches rasch zu überfliegen und dies mehrfach zu wiederholen: Zuerst erfasst man nur die Gesamtstruktur, indem man Inhaltsverzeichnis oder Unterüberschriften, den Anfang und das Ende eines Kapitels, Bilder oder Tabellen sowie fett hervorgehobene Stellen betrachtet, und erst danach erschließt man nach und nach die detaillierten Informationen.<br /> <br /> - Es gab auch den Hinweis, dass schon das Erstellen von Materialien, um es anderen beizubringen, den Lerneffekt verstärkt. Daher sei es sinnvoll, das Erstellen solcher Materialien als Ziel des Lesens zu setzen. Wenn man die erstellten Materialien veröffentlicht, kann man durch Feedback vielleicht noch weiter wachsen.<br /> <br /> - Darüber hinaus gab es auch Inhalte zu Wiederholungslernwerkzeugen wie SuperMemo oder Anki. Als ich das gelesen habe, dachte ich, dass ich vielleicht einmal so etwas wie NoteGarden (https://de.news.hada.io/topic?id=4948 siehe) ausprobieren sollte, das hier vor Kurzem vorgestellt wurde.</p>
 
gguimoon 2021-09-29
<p>Ich lese gerade mit wachsendem Interesse das von Ihnen erwähnte Buch „Techniken der intellektuellen Produktivität für Menschen in der IT“, weil der Inhalt sehr gut zu meinen Interessen passt, und finde es ausgesprochen spannend. Besonders hervorzuheben ist die Mühe, mit der der Autor jede im Buch behandelte Technik auf Grundlage recherchierter Literatur und eigener praktischer Erfahrungen erklärt. Ich war schon mehrfach enttäuscht von japanischen Büchern, die zwar interessante und praktische Themen aufgreifen, inhaltlich aber nicht besonders tief gehen, doch dieses Buch ist eine Ausnahme. Vielen Dank, dass Sie mir dieses gute Buch empfohlen haben.</p>
 
skate2 2021-09-20
<p>Der Teil mit „Skin in the Game“ scheint schwierig zu sein. Ich habe in der Firma auch schon dies und das mit einer ähnlichen Absicht ausprobiert, aber manchmal stößt man etwas an und hat es hinterher schwer, die Sache wieder in den Griff zu bekommen, haha.</p>
 
budlebee 2021-09-20
<p>Interessanterweise liefen Feynmans Vorlesungen im Grundstudium wohl so, dass alle Undergraduate-Studierenden wegliefen und am Ende nur noch Doktoranden und Professoren übrig blieben, und Feynman selbst war wohl auch eher skeptisch, was die Vorstellung angeht, Physik für Laien verständlich zu machen ... Dass man es sogar einem Fünfjährigen erklären können müsse, wirkt da vielleicht wie ein Extremfall. </p>
 
glacks0224 2021-09-20
<p>Ist damit nicht Feynman im Alter von 5 Jahren gemeint? </p>
 
xguru 2021-09-20
<p>Aber sollte man bei der Physik nicht eine Ausnahme machen? Haha</p>
 
xguru 2021-09-20
<p>Ich finde, man versteht „Skin in the Game“ am besten im Sinne von „ich setze sogar mein eigenes Handgelenk aufs Spiel“ …<br /> <br /> Diese gesamten 6 Schritte wirken wie eine modernisierte und ausführlichere Version von Feynmans 4-Schritte-Technik. Das steht auch mitten im Tweet, aber es ist gut, beides zusammenhängend zu betrachten.</p>