Offener Brief an Nutzer von Office-Suiten kurz vor der Vorstellung von Euro-Office
(blog.documentfoundation.org)- Euro-Office wird als die erste in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suite vermarktet, doch OpenOffice.org erschien bereits 2001, gefolgt von LibreOffice im Jahr 2010
- OpenOffice.org und LibreOffice werden als echte Open-Source-Office-Suiten auf Basis von in Europa entstandenem Quellcode dargestellt
- Die Debatte um Europas digitale Souveränität wird mit der Veröffentlichung des offenen ISO/IEC-ODF-Standards im Jahr 2006 und der anschließenden kontinuierlichen Entwicklung durch die LibreOffice-Community verknüpft
- Euro-Office wird kritisiert, weil es mit OOXML, das von Microsoft entwickelt und kontrolliert wird, als Standard-Dokumentformat die Strategie der Inhaltsbindung verstärke
- Die digitale Souveränität einer Office-Suite hänge davon ab, ob offene Standardformate verwendet werden, die den Nutzern die Kontrolle über ihre Inhalte ermöglichen
Erwiderung auf die Behauptungen von Euro-Office
- Euro-Office wird derzeit als die erste in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suite vermarktet
- Die erste in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suite war 2001 OpenOffice.org auf Basis des StarOffice-Quellcodes; 2010 folgte LibreOffice
- OpenOffice.org und LibreOffice werden als echte Open-Source-Office-Suiten dargestellt, die aus in Europa begonnenem Quellcode hervorgegangen sind
- Diese beiden Suiten seien weder Freeware-Klone von MS Office, deren Codeherkunft nicht offengelegt ist, noch Produkte, die im Zuge des Trends zur digitalen Souveränität lediglich umbenannt wurden
Digitale Souveränität und Dokumentformate
- 2006 wurde der offene ISO/IEC-ODF-Standard veröffentlicht, der als tragende Säule der digitalen Souveränität dargestellt wird
- Dass man in Europa von digitaler Souveränität sprechen kann, wird auch damit begründet, dass The Document Foundation und die LibreOffice-Community die Entwicklung einer Open-Source-Office-Suite fortgeführt haben
- Die LibreOffice-Community erklärt, sie habe als Einzige weiterhin ein wirklich offenes Standardformat entwickelt, das den Nutzern vollständige Kontrolle über ihre Inhalte ermöglicht
- Zu Dokumentformaten gebe es weiterhin viele Fehlinformationen, und Microsofts proprietäres OOXML-Format werde dafür kritisiert, dass es zur Aufrechterhaltung von Inhaltsbindung konzipiert sei und damit digitale Souveränität verhindere
- Euro-Office verwendet standardmäßig das vollständig proprietäre Dokumentformat OOXML, das allein von Microsoft entwickelt und kontrolliert wird
- Dass Euro-Office standardmäßig OOXML nutzt, verstärke Microsofts Strategie der Inhaltsbindung und lasse die Kontrolle nicht in Europa, sondern in Redmond
- Die Vorstellung von Euro-Office richte sich demnach nicht gegen Microsoft, sondern stärke eine Microsoft-Strategie, die Europas digitale Souveränität und die Freiheit europäischer Nutzer zur Kontrolle ihrer Inhalte untergrabe
1 Kommentare
Lobste.rs-Kommentare
Ich verstehe, warum es im Brief nicht erwähnt wurde, aber Euro-Office basiert zu großen Teilen auf dem russischen OnlyOffice, und die meisten Mitwirkenden sitzen weiterhin in Russland
Da es Open Source ist, müsste man für eine Backdoor wohl ziemlich raffiniert vorgehen, aber angesichts der aktuellen Bedrohung durch Russland wirkt es wie eine unerwartete Wahl, wenn Europa es für seine digitale Souveränität als neuen Standard auswählen will
Diese Bedenken sind absolut nachvollziehbar
Etwas off topic, aber ich frage mich, warum man solche Infografiken wie in diesem Artikel derzeit so oft sieht
Ich begegne im ganzen Internet immer wieder ähnlichen Grafiken; sie sehen gefällig aus, sind aber schlecht gestaltet. Hier ist die Zeitachse nicht maßstabsgetreu, es ist nicht einmal klar, ob überhaupt eine Visualisierung nötig ist, und unten dranhängen immer irgendwelche unsinnigen Slogans und nutzlosen Informationen
Meist gibt es auch kleine visuelle Fehler; diesmal passt der Text
"Schleswig-H."nicht in den KastenLassen sich Leute solche SVG-Diagramme von großen Sprachmodellen erstellen? Oder gibt es da einen anderen Trend, den ich nicht mitbekomme?
Ich frage nicht aus Ablehnung, sondern aus echter Neugier. Trotzdem könnte man die Datei ja in einem SVG-Editor öffnen, die überflüssigen Formulierungen löschen und die Größe der Textfelder korrigieren; ironischerweise hat LibreOffice dafür einen ziemlich guten Vektoreditor :)
Sie unterbrechen lange Texte und lassen sie für ein breiteres Publikum etwas ansprechender wirken. Der eigentliche Inhalt ist dabei nicht so wichtig. Für mich wirkt das nicht einmal neu, sondern eher wie die Art, wie Bilder und Grafiken früher in Zeitschriften oder Zeitungen für einen ähnlichen Zweck eingesetzt wurden
Große Sprachmodelle könnten beteiligt gewesen sein, aber aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung ist mein Gehirn darauf konditioniert zu erwarten, dass Bilder nicht besonders wichtig sind, daher habe ich einfach darüber hinweggesehen