Gegenrede zur SaaSpocalypse
(a16z.news)- Während sich die Erzählung einer „SaaSpocalypse“ verbreitet, wonach AI SaaS-Unternehmen ersetzen werde, zeigen die realen Daten ein deutlich komplexeres Bild mit einer Mischung aus Gewinnern und Verlierern
- Der Anteil der Haushalte mit kostenpflichtigen Consumer-AI-Abos liegt noch bei nur 3 %, wächst aber gegenüber dem Vorjahr um 40 % und tritt damit in eine frühe Adoptionsphase ein
- Streaming-Plattformen wechseln strukturell zu werbefinanzierten Tarifen, und bei Netflix wie auch Disney+ steigt der Anteil werbeunterstützter Nutzer stark
- Der starke Anstieg der Ablehnungsquote bei Frachtaufträgen deutet auf eine mögliche Erholung der Industrie und der physischen Wirtschaft hin
- Der erwartete Gewinn je Aktie (Forward EPS) des S&P 500 hat ein Allzeithoch erreicht, während die Aktienkurse fallen – ein ungewöhnliches Phänomen der Multiple Compression
SaaSpocalypse: Die Realität ist komplexer
- Das Narrativ der „SaaSpocalypse“ beschreibt ein Szenario, in dem AI bestehende SaaS-Unternehmen in großem Stil ersetzt, doch die realen Daten zeichnen ein deutlich komplexeres Bild
- Ob AI tatsächlich die Ursache des Gegenwinds für SaaS ist oder andere Faktoren dahinterstehen, bleibt offen
- Es gibt auch die Sichtweise, dass AI ein Wachstumsbeschleuniger für bestehende Software-Unternehmen sein kann
- Laut den Panel-Daten zu „stabilen Software-Ausgaben“ sind die Ergebnisse gemischt: Einige Unternehmen wachsen solide, andere schwächeln
- Hubspot verzeichnete in der größten Käufergruppe zuletzt einen starken Ausgabenanstieg und den größten Zuwachs im Gesamtpanel gemessen am Median des YoY-Wachstums
- Figma, Box, Cloudflare, Datadog, Semrush, Monday wuchsen in der Gruppe mit den höchsten Ausgaben um mehr als 25 %, aber gemessen am Median konnte nur Figma Wachstum erzielen
- Hubspot und Figma wurden oft als Unternehmen genannt, die direkt durch AI-Substitution bedroht seien, doch die aktuellen Daten sind für beide ein positives Signal
- Dieselben Daten deuten darauf hin, dass Software außerhalb von AI insgesamt mit schwierigeren Bedingungen konfrontiert sein wird
AI vs. SaaS: Die Struktur der Ausgabenumschichtung
- Unter Unternehmen, die ihre Tech-Ausgaben um mehr als 10 % erhöhen, steigt der Anteil von AI an den Gesamtausgaben weiter an
- Mehr als 60 % des Panels weisen AI inzwischen mehr als 5 % ihrer Gesamtausgaben zu – ein starker Anstieg gegenüber rund 12 % vor einem Jahr
- Das bedeutet: Wenn Unternehmen ihre Tech-Ausgaben erhöhen, fließt der zusätzliche Betrag zunehmend in AI
- In einer aktuellen CIO-Umfrage wurde gefragt, in welchen Bereichen durch die Umschichtung zugunsten von AI die größten Budgetkürzungen zu erwarten sind:
- Systemintegratoren (SI): von 71 % der Befragten genannt – die höchste Exponierung
- Frontoffice (CRM), Vertical SaaS, Infrastruktur: mittlere Exponierung
- Backoffice, Cloud, Cybersecurity: als relativ sichere Bereiche eingestuft
- Der Wettbewerb um Enterprise-Tech-Budgets ist bereits im Gange, aber die endgültige Marktordnung befindet sich noch in einem frühen Stadium
Consumer AI: Noch viel Wachstumspotenzial
- Die Verbreitung von Consumer AI ist hoch, aber die Umwandlung in bezahlte Abos steht erst am Anfang
- Laut internen Daten der BofA liegt der Anteil der Haushalte mit kostenpflichtigen AI-Diensten bei nur 3 %
- Gegenüber Februar 2024 ist die Zahl der Haushalte mit AI-Zahlungen jedoch um rund 40 % gestiegen
- Unter den zahlenden Haushalten gibt zwar weiterhin die Gruppe mit Ausgaben von höchstens 20 US-Dollar pro Monat den Ton an, doch mehr als 40 % geben darüber hinaus aus, und der Anteil aller Hoch-Ausgaben-Gruppen steigt
- Bei Haushalten der Gen Z und jungen Millennials ist der Median der AI-Ausgaben im vergangenen Jahr um rund 54 % gestiegen, während ältere Gruppen vergleichsweise stagnieren
- Selbst innerhalb der am schnellsten wachsenden Gen Z liegt der Anteil zahlender AI-Haushalte bei nur 5 % – das Wachstumspotenzial ist also sehr groß
Werbung frisst alles: Der Wandel im Streaming
- Die Preise für Streaming steigen weiter
- Netflix Standard ohne Werbung: auf 19,99 US-Dollar erhöht
- Disney+ Premium: 18,99 US-Dollar
- Bündel aus drei Diensten ohne Werbung: mehr als 55 US-Dollar pro Monat – auf dem Niveau früherer Basiskabeltarife
- Parallel zu den Preiserhöhungen wächst der Anteil werbefinanzierter Tarife schnell
- Anteil des werbeunterstützten Netflix-Tarifs: 32 % → 40 % (gegenüber dem Vorjahr)
- Disney+: 37 % → 45 %
- Prime Video: 86 % werbeunterstützt – weil Amazon den Werbetarif als Standard setzt und für werbefreie Nutzung einen Aufpreis verlangt
- Strategie der Streaming-Plattformen: Die Preise werbefreier Tarife so lange erhöhen, bis dort nur noch Nutzer mit geringer Werbesensibilität bleiben, während alle anderen in Werbetarife gelenkt werden – doppelte Monetarisierung aus Abo + Werbung
- Hält dieser Trend an, dürfte bei allen großen Plattformen außer Apple TV innerhalb von 1–2 Jahren mehr als die Hälfte auf werbeunterstützte Angebote entfallen
Frachtboom: Ein Signal für die Erholung der Industrie?
- Der Frachtmarkt kann als Frühindikator für Industrie- und Fertigungsaktivität dienen
- Die landesweite Ablehnungsquote für ausgehende Frachtaufträge (Tender Rejection Index) ist von etwa 5–8 % im vergangenen Jahr auf heute über 15 % gestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt
- Steigende Ablehnungsquoten treten typischerweise auf, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt
- Die Ablehnungsquote bei Flatbed-Trucks liegt bei fast 49 % – höher als selbst während des pandemiebedingten Peaks Anfang 2022
- Flatbed-Trucks sind das Segment, das am engsten mit Industrie- und Bauaktivität in Bereichen wie Stahl, Holz und Schwergerät verbunden ist
- Auch die Intermodal-Tarife stiegen nach mehreren Monaten Seitwärtsbewegung im März um rund 10 %
- Allerdings könnte der Anstieg der Ablehnungsquoten nicht nur auf höhere Nachfrage, sondern auch auf ein rückläufiges Angebot zurückgehen – nach drei Jahren Frachtschwäche haben viele Trucking-Unternehmen aufgegeben, sodass die tatsächliche Zahl der Lkw gesunken ist
- Eine Flatbed-Ablehnungsquote von 49 % lässt sich jedoch schwer allein durch Angebotsfaktoren erklären und deutet darauf hin, dass die physische Wirtschaft so ausgelastet ist wie seit Jahren nicht mehr
Aktienkurse und Gewinne laufen auseinander: Multiple Compression
- Normalerweise führen steigende Gewinne zu steigenden Aktienkursen, doch derzeit zeigt sich eine ungewöhnliche gegenläufige Entwicklung
- Der Forward EPS des S&P 500 hat ein Allzeithoch erreicht, während der Indexkurs gefallen ist
- Wenn Gewinne steigen, Aktienkurse aber sinken, bedeutet das Multiple Compression – das Forward-KGV ist auf rund 21,5x zurückgegangen (vom Höchststand von etwa 23x)
- Als Ursachen für diese Multiple Compression werden schlichte Mittelwertrückkehr, geopolitische Risiken, Rohstoffpreisvolatilität und allgemeine Unsicherheit genannt
- Auch die Qualität der Gewinne rückt in den Fokus: Das operative Ergebnis steigt, doch der Free Cashflow (FCF) fällt weiter
- Bei den Hyperscalern steigen Umsatz und operativer Gewinn, aber der FCF bricht wegen der ausgeweiteten AI-Infrastrukturinvestitionen stark ein
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