3 Punkte von GN⁺ 2026-01-13 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Ausgangspunkt war das Problem, dass komplexe Fernbedienungen und die Autoplay-Struktur moderner Fernseher Kindern keine Autonomie geben
  • Um für seinen 3-jährigen Sohn ein physisches und intuitives Gerät zur direkten Bedienung zu bauen, nutzte er Disketten
  • Beim Einlegen der Diskette lesen ATMega- und ESP8266-Mikrocontroller die Daten und steuern daraufhin den Chromecast
  • Mit den Befehlen diskin und diskout werden Wiedergabe und Pause ausgeführt; jede Diskette startet einen bestimmten Videosatz oder Musik
  • Ein experimenteller Versuch, Kindern durch die physische Handhabung digitaler Inhalte eine selbstbestimmte Auswahl zu ermöglichen

Das Problem moderner Fernseher und ein neuer Ansatz

  • Moderne Fernseher sind durch komplexe Fernbedienungen und App-Oberflächen für Kinder schwer eigenständig zu bedienen
    • Apps empfehlen ständig weitere Inhalte und lenken dadurch die Aufmerksamkeit ab
    • Am Ende müssen Kinder Erwachsene um Hilfe bitten und landen in einer Situation, in der Autoplay einfach weiterläuft
  • Deshalb wurde als Ziel ein einfaches, physisches System festgelegt, das Kinder selbst bedienen können
    • Entscheidend ist das Gefühl, dass Inhalte nicht in der „Cloud“, sondern auf einem physischen Medium gespeichert sind
    • Das System ist so gestaltet, dass pro Interaktion nur ein einziges Video abgespielt wird

Die Wahl der Diskette und die erste Idee

  • Genutzt wurde der Erlebniswert der mechanischen Geräusche und Haptik von Disketten
    • Das Klicken beim Einlegen, das Rotationsgeräusch und das Bewegen des Lesekopfs verstärken die physische Interaktion
  • Zunächst wurden Disketten mit eingebauten RFID-Tags in Betracht gezogen, doch da Zerlegen und Zusammenbau umständlich waren, fiel die Wahl auf einen anderen Ansatz
  • Stattdessen wurde auf echten Disketten eine kleine Datei (autoexec.sh) gespeichert, damit Daten erkannt werden können
    • Sie lassen sich mit einem USB-Diskettenlaufwerk leicht anpassen
    • Alle Geräusche werden als echte mechanische Klänge eines realen Diskettenlaufwerks wiedergegeben

Struktur zur Erkennung der Diskette und zum Auslesen der Daten

  • Diskettenlaufwerke verfügen grundsätzlich über keine ausreichende Erkennung für eingelegte Disketten
    • Das „Disk Change“-Signal auf Pin 34 funktioniert in den meisten Fällen nicht
    • Als Lösung wurde ein mechanischer Rollschalter ergänzt, um das Einlegen zu erkennen
  • Zum Lesen der Daten wird die Arduino FDC Floppy Library verwendet
    • Das Einlesen von Dateien aus dem FAT-Dateisystem ließ sich vergleichsweise einfach umsetzen
  • Ein AVR-basiertes Arduino übernimmt die Diskettensteuerung, während ein ESP-basiertes Board die WiFi-Kommunikation erledigt
    • Verwendet wurde zwar ein Board, das beide Chips kombiniert, empfohlen wird es wegen der komplexen Einrichtung aber nicht

Stromversorgung und Stabilitätsprobleme

  • Die Fernbedienung muss batteriebetrieben sein, wobei beim anfänglichen Anlaufen des Diskettenlaufwerks ein starker Stromspitzen-Effekt auftritt
    • Verwendet wird ein 18650-Lithium-Akku (3,7 V), die Versorgung mit 5 V erfolgt über ein XL6009 DC-DC-Boost-Modul
    • Das Problem, dass der Mikrocontroller durch die anfängliche Stromspitze zurückgesetzt wird, wurde mit einem 1000uF-Kondensator entschärft
  • Auch die Art der Erdungsverbindung hat großen Einfluss auf die Stabilität
    • Die Masse des Laufwerks muss vom Mikrocontroller getrennt werden; gelöst wurde das, indem alle Logik-Pins auf Eingangsmodus (hohe Impedanz) gesetzt wurden

Ablauf zwischen den Mikrocontrollern

  • Der ATMega übernimmt die Gesamtsteuerung, der ESP8266 ausschließlich die WiFi-Übertragung
  • Reihenfolge des Ablaufs
    1. Beim Einlegen einer Diskette wird der ATMega per Interrupt aufgeweckt
    2. Der ESP wird per Reset aktiviert
    3. Die Nachricht „diskin“ wird gesendet, der ESP überträgt sie per WiFi
    4. Die Diskette wird gelesen und der Inhalt an den ESP übergeben
    5. Nach dem Stoppen der Rotation wechselt das System in den Energiesparmodus
    6. Beim Entfernen der Diskette wird die Nachricht „diskout“ gesendet
    7. Rückkehr in den Ausgangszustand
  • Das Gehäuse wurde aus laser-geschnittenen MDF-Platten gefertigt; der gesamte Code ist im GitHub-Repository FloppyDiskCast veröffentlicht

Serverseitige Steuerung und Chromecast-Anbindung

  • Serverseitig wird die bestehende netcat | bash-Struktur erweitert, um Befehle zu verarbeiten
    • diskin → Chromecast erhält den Befehl „Wiedergabe“
    • diskout → Befehl „Pause“
  • Bestimmte Disketten übernehmen Zufallswiedergabe oder sequenzielle Wiedergabe
    • Beispiel: dad-music spielt zufällig eines der Musikstücke des Vaters ab
    • fantus-maskinerne spielt nur die nächste Episode ab
  • Alle Befehle bleiben idempotent, um doppelte Ausführungen zu verhindern

Praxiseinsatz und Ergebnis

  • Der 3-jährige Nutzer lernte die Bedienung durch Einlegen und Herausnehmen von Disketten schnell
    • Er konnte Musik und Fernsehsendungen selbstständig abspielen und pausieren
  • Einige Disketten wurden beschädigt, doch durch das Bewegen des Lesekopfs auf Spur 20 ließ sich Datenverlust vermeiden
    • Dabei entstand zusätzlich der Effekt, dass die mechanischen Geräusche wie eine kleine Melodie klingen

Reaktionen und Diskussion

  • Ein Kommentar kritisierte, das Projekt könne als Mittel zur Vermeidung direkter Interaktion zwischen Eltern und Kindern dienen
  • Ein anderer Kommentar schlug die Nutzung von MiniDiscs oder RFID-Tags vor und erwähnte mögliches Verbesserungspotenzial bei der Energieeffizienz

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