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  • „404“ war der Codename für Chinas Nuklearindustrie-Basis, eine geheime Stadt, die 1958 mitten in der Wüste Gobi für die Entwicklung der Atombombe gebaut wurde
  • Die ersten Siedler überlebten unter Sandstürmen und extremer Wasserknappheit; da Brunnenbohrungen unmöglich waren, musste Wasser per Lkw herangeschafft werden
  • Hier kamen Elite-Ingenieure und Handwerksmeister aus ganz China zusammen und fertigten zentrale Bauteile in präziser Handarbeit; später entwickelte sich der Ort zu einer autarken Stadt
  • Mit der Zeit wandelte sich 404 zu einem Zentrum für die Wiederaufbereitung von Atommüll; wegen des Risikos von Strahlenbelastung lebten die Bewohner mit einer Trennung von Fabriken und Wohngebieten
  • Trotz der abgeschlossenen Umgebung verfügte die Stadt über eine vollständige urbane Struktur mit Schulen, Zoo, Versammlungshalle und mehr, doch das Ende des Textes kündigt den „Zusammenbruch der Utopie“ an

Ursprung und Lage von 404

  • 404 war der geheime Codename für Chinas Nuklearindustrie-Basis, eine Stadt, die 1958 von Wissenschaftlern und Arbeitern aus ganz China nahe Yumen am westlichen Rand der Wüste Gobi errichtet wurde
    • Das Ziel war die Entwicklung der Atombombe
    • Die ersten Siedler lebten inmitten von Sandstürmen in provisorischen Unterkünften, die sie in den Boden gruben und mit Strohdächern bedeckten
  • Bei einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von nur 50 mm war Wasser eine Ressource so kostbar wie Benzin und musste per Lkw transportiert werden
    • Die Umgebung war nahezu ohne Vegetation, so sehr, dass Kinder beim Anblick eines Baums im Ort Yumen „riesiges Kamelgras“ gerufen haben sollen

Die erste Generation und ihre Technik

  • Die erste Generation bestand aus Chinas besten Fachkräften und Handwerksmeistern
    • Beteiligt waren Experten aus vielen Bereichen, darunter Schlossermeister, Dreher und Konditoren
  • Die Präzisionsbearbeitung erfolgte in Handarbeit; die Fehlertoleranz lag bei einem Achtzigstel der Dicke eines Haares
    • Einer der bekanntesten Handwerker war Yuan Gongpu, der aus einem Karosseriewerk in Shanghai kam
  • Während der „Dreijährigen Hungersnot“ von 1959 bis 1961 kam es infolge des Nahrungsmangels sogar zu Ödemen, doch man organisierte Farmen und Jagdtrupps, um ein System der Selbstversorgung aufzubauen

Wachstum der Stadt und Alltagsleben

  • Später entwickelte sich 404 zu einer vollständigen Stadt mit Läden, Kino, Essig- und Eisfabrik sowie einem Zoo
    • Die Einwohnerzahl lag bei unter 30.000
  • Das Motto der Stadt lautete: „Widmen wir unsere Jugend, widmen wir unser Leben, widmen wir unsere Nachkommen“, und der Autor wurde 1991 als Teil eben jener „Nachkommen-Generation“ geboren
  • Zu dieser Zeit hatte sich 404 zu einem Zentrum für die Wiederaufbereitung von Atommüll gewandelt; abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken im ganzen Land wurden hierher gebracht und in Abklingbecken gelagert

Status und Risiken der abgeschlossenen Stadt

  • 404 besaß so viel politisches Gewicht, dass es in Wetterberichten unter dem Codenamen „Bergbaugebiet Gansu“ auftauchte
    • Selbst die Kfz-Kennzeichen begannen wie in der Provinzhauptstadt Lanzhou mit „Gan-A“
  • Wegen des Strahlenrisikos lagen Wohngebiete und Fabriken eine Zugstunde voneinander entfernt
    • Beschäftigte im „pit“ arbeiteten in 30-Minuten-Schichten und mussten nach der Arbeit sofort duschen und ihre Kleidung wechseln
  • Strahlenunfälle und Kontaminationsfälle traten gelegentlich auf
    • Nachdem die Hand eines Soldaten nekrotisch geworden und schwarz verfärbt war, wurden alle Gegenstände verbrannt, die er berührt hatte
    • Aufgrund solcher Erfahrungen schreibt der Autor, er könne den Gedanken nicht nachvollziehen, dass „Atomkraft die sauberste Energie“ sei

Kindheit, Alltag und Bildung

  • Das Wohngebiet war als kleine Siedlung rund um das Kommunikationsgebäude (ein siebenstöckiger Uhrturm) angelegt; im Norden lag ein Teich, im Süden der Zoo
  • Der Kindergarten befand sich in einem Gebäude im Stil einer westlichen Villa; auf dem Hof liefen Schweine herum, und es bestand ein Kreislauf, in dem die Kinder die Schweine aßen und die Schweine die Essensreste der Kinder fraßen
  • Wegen der Ein-Kind-Politik konnte man keine Geschwister haben; das Kind tröstete seine Einsamkeit, indem es sich zuflüsterte: „Der große Bruder will nach Hause“
  • Unter den Erziehern im Kindergarten gab es auch eine Person, die einen psychischen Zusammenbruch erlebt hatte, doch die Gemeinschaft beschäftigte sie weiter
  • Die Grundschule lag neben dem Kindergarten, und überall gab es unterirdische Luftschutzräume für den Fall eines Angriffs
    • 1969, während des chinesisch-sowjetischen Grenzkonflikts, wurde dort tatsächlich Alarm ausgelöst
    • Später wurden sie zum Spielplatz der Kinder und dienten etwa für Spiele wie das Werfen von Chinakohl

Das Ende des „goldenen Zeitalters“

  • Am Ende beschreibt der Text 404 als „eine utopische Blase, errichtet auf leerem Land“
    • Mit dem Satz „Auch eine schöne Blase platzt am Ende“ deutet er den zweiten Teil an
    • Im nächsten Teil sollen „die Hinrichtung am Hinterberg“, der Wahnsinn im Zoo und die Umsiedlung der gesamten Stadt behandelt werden

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