12 Punkte von GN⁺ 2024-05-03 | 4 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Alle Karten von China sind falsch. Das ist beabsichtigt.
  • Die Diskrepanz zwischen Street View und Satellitenansicht in China
    • In Google Maps wirkt die Street View in China zunächst wie andere Karten, doch wenn man die Satellitenansicht darüberlegt, sieht man, dass sie nicht übereinstimmen.
    • Wenn man in der Region Shanghai in den Huangpu-Fluss hineinzoomt, fällt diese Diskrepanz besonders stark auf.
    • In der Street View liegt die Brücke südlich, in der Satellitenansicht dagegen nördlich.
    • In Peking weicht die Position des Longtan-Parks zwischen Street View und Satellitenansicht stark ab, während der Himmelstempel nahezu an der korrekten Stelle liegt.
  • Warum Chinas Karten anders aussehen als die des Rests der Welt
    • Weltkarten verwenden das geodätische Referenzsystem WGS-84, das von den USA verwaltet wird.
    • China verwendet mit GCJ-02 ein eigenes geodätisches Referenzsystem, bei dem auf WGS-84 absichtlich ein Verschleierungsalgorithmus angewendet wird.
    • Dieser Algorithmus fügt Breiten- und Längengraden einen zufälligen Offset zwischen 50 m und 500 m hinzu.
    • Dadurch werden Street View und Satellitenansicht zufällig gegeneinander verschoben.
  • Warum die chinesische Regierung ein anderes System will
    • 2002 erließ die chinesische Regierung das Vermessungs- und Kartierungsgesetz, das dem Aufbau der Volkswirtschaft, der Landesverteidigung und der gesellschaftlichen Entwicklung dienen soll.
    • Laut diesem Gesetz dürfen nur von der chinesischen Regierung zugelassene Stellen Vermessungs- und Kartierungsaktivitäten durchführen; derzeit haben nur 14 chinesische Unternehmen eine entsprechende Genehmigung.
  • Wie man China korrekt kartiert
    • Unternehmen außerhalb Chinas können Positionsdaten aus China nur erhalten, wenn sie mit einem chinesischen Mapping-Partner zusammenarbeiten.
    • Google arbeitet mit dem chinesischen Mapping-Anbieter AutoNavi zusammen, um Karteninformationen für China bereitzustellen.
    • AutoNavi liefert Google GCJ-02-Informationen, jedoch ohne sensible Daten.
    • In China ist es illegal, GCJ-02 in WGS-84 umzuwandeln.
  • Auswirkungen auf die Welt
    • Chinesische Positionsdaten sind nicht verlässlich, weil auf den internationalen Standard absichtlich ein Verschleierungsalgorithmus angewendet wird.
    • Bei Initiativen, die internationale Zusammenarbeit erfordern und Geodaten umfassen, sind aus China gemeldete Daten nicht vollständig vertrauenswürdig.

Meinung von GN⁺

  • Interessant ist, dass China seine geografischen Informationen aus Gründen der nationalen Sicherheit sensibel verwaltet. Dahinter scheint die Absicht zu stehen, sensible Informationen wie Landesverteidigung oder strategische Lebensmittelreserven nicht offenzulegen.
  • Dass nur wenige von der chinesischen Regierung zugelassene Unternehmen Mapping-Aktivitäten durchführen dürfen und auch ausländische Firmen nur in Zusammenarbeit mit ihnen Karteninformationen für China nutzen können, zeigt deutlich die Kontrollmacht der chinesischen Regierung.
  • Durch diese Politik können bei internationalen Projekten zur Zusammenarbeit im Bereich geografischer Informationen Fragen zur Zuverlässigkeit chinesischer Daten entstehen. Insbesondere bei engen geografischen Parametern kann schon eine Koordinatenabweichung von 500 m große Auswirkungen haben.
  • Wenn China und andere Länder im Bereich Geodaten zusammenarbeiten wollen, scheint es wichtig, diese Einschränkungen gut zu verstehen und darauf abgestimmt vorzugehen. Auch die Schaffung entsprechender internationaler Standards könnte hilfreich sein.

4 Kommentare

 
ld4004 2024-05-13

Neulich habe ich beim Betrachten des China-Bereichs in Google Maps einen Teil entdeckt, der um ein paar hundert Meter nicht übereinstimmte, und eine Korrekturanfrage an Google geschickt.
Erschreckend ist, dass das absichtlich so war.
Das Problem ist, dass sich eine Position geändert hat, die bei einer früheren Dienstreise noch korrekt angezeigt wurde.
Offenbar wurde das erst vor Kurzem geändert.
Konkret waren Satellitenbilder und Karte diagonal um etwa 620 Meter gegeneinander verschoben.

 
[Dieser Kommentar wurde ausgeblendet.]
 
depth221 2024-05-04

Beim Bearbeiten von OpenStreetMap gibt es dieses Problem allerdings nicht, da man nicht die von der chinesischen Regierung bereitgestellten Geodaten verwendet, sondern Bing- oder Esri-Satellitenbilder im WGS-84-Koordinatensystem.

 
GN⁺ 2024-05-03
Hacker-News-Kommentare

Die Hacker-News-Kommentare zum chinesischen GCJ-02-Koordinatensystem lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Es gibt eine Open-Source-Implementierung zur Umwandlung von WGS84 nach GCJ-02. Auch die Umwandlung in die Gegenrichtung ist möglich.
  • Diese Art der Verschleierung wirkt nach heutigen Maßstäben sehr töricht und scheint auch zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung im Jahr 2002 keinen großen Sinn ergeben zu haben.
  • Obwohl OpenStreetMap in China illegal ist, hindert das die Menschen nicht daran, jede einzelne Bank in China zu kartieren.
  • Dass der Großteil der Welt dem amerikanischen Kartenstandard folgt, ist übertrieben. ITRS ist der wichtigste Standard und wird von der IERS gepflegt.
  • Auch Südkorea hat ähnliche Einschränkungen. Der Google-Zugriff auf staatliche Karten ist dort verboten.
  • Laut chinesischen Medienberichten haben Forscher eine nichtlineare Geheimhaltungstechnologie für topografische Karten entwickelt, die für nationale Maßstäbe geeignet ist.
  • Wenn man in China Google Maps verwendet, stimmt die GPS-Position mit der Karte überein, nicht mit dem Satellitenbild. Vermutlich liegt das daran, dass der GPS-Chip oder der Google-Software-Stack modifizierte Koordinaten meldet.
  • GCJ-02 basiert auf WGS-84, verwendet jedoch einen absichtlichen Verschleierungsalgorithmus. Breitengrad und Längengrad wird ein zufälliger Offset zwischen 50 m und 500 m hinzugefügt.
  • Dies scheint Chinas Weltsicht widerzuspiegeln. Es herrscht ein Gefühl der Belagerung vor, dass alle gegen sie seien und man sich bei jeder Gelegenheit selbst schützen müsse.
  • Das deutet darauf hin, dass China sogar mit Kartenmathematik Krieg vorbereitet. Einige Kommentare meinen jedoch, dass sich das nicht besonders schwer rückgängig machen lässt.