- Netflix hat einen über 82,7 Milliarden US-Dollar schweren Kaufvertrag für Warner Bros. abgeschlossen, wodurch die Integration eines 100 Jahre alten Traditions-Studios unter einen Streaming-Anbieter real wird
- In Hollywood intern gibt es heftigen Widerstand gegen mögliche negative Auswirkungen auf die gesamte Branche wie Personalabbau, sinkende Content-Vielfalt und sinkende Löhne; zentrale Gewerkschaften und Gilden geben gleichzeitig gemeinsame Warnbekundungen heraus
- Netflix hat zwar erklärt, den Kinobetrieb von Warner Bros. beizubehalten, doch die Kinobranche und Insider sehen angesichts der kurzen Auswertungsfenster und eines Streaming-zentrierten Modells unvermeidbare Veränderungen
- Nach der Übernahme steht die Frage im Mittelpunkt, ob Warner Bros. TV weiterhin Inhalte für andere Plattformen produziert
- Auch in der Politik werden wettbewerbsrechtliche Bedenken geäußert, und angesichts einer erwarteten Kartellprüfung bis 2026 sorgt sich Hollywood vor sinkendem Marktwettbewerb und einer Verengung der Kreativszene
Angebotsankündigung und erste Reaktionen
- Netflix veröffentlichte den verbindlichen Deal, wonach Warner Bros. für 82,7 Milliarden US-Dollar übernommen wird, was einen Schockimpuls durch die gesamte Branche auslöste
- Noch vor der offiziellen Ankündigung verbreitete sich die Nachricht auf der Netflix-Endjahresfeier, was die Anspannung deutlich erhöhte
- Warner Bros. gilt als 1923 gegründetes Kernstudio von Hollywood und ist ein Symbol der traditionellen Filmindustrie
- Die Struktur, in der ein Streaming-Unternehmen ein klassisches Studio übernimmt, wird von Brancheninsidern als „Sieg des Streaming-Modells und Zerstörung des bisherigen Ökosystems“ verstanden
- Zur Transaktion gehören der Film- und TV-Studiobereich, HBO und HBO Max; die globale Netzwerksparte mit CNN und TNT Sports wird laut bestehendem Plan an Discovery Global abgegeben
Heftiger Widerstand in der Branche
- Wichtige Gilden (Director's Guild of America, DGA; Producers Guild of America, PGA; Writers Guild of America, WGA) und mehrere Filmschaffende brachten massiv Einwände gegen sinkende Content-Vielfalt, Personalabbau, Lohnsenkungen und mögliche Preiserhöhungen für Konsumenten vor
- Die WGA erklärte, dass bereits einige Unternehmen den TV-, Streaming- und Kinomarkt zu stark beherrschen, und lehnte die Fusion daher ab
- Auch wurde bestätigt, dass eine bekannte Regisseure- und Schauspielergruppe dem Kongress einen Brief vorlegte, in dem die Fusion als „eine den Kinomarkt erdrosselnde Übernahme“ verurteilt wurde
- Kritik an der Annahme, dass ein Streaming-zentriertes Modell die Kinostruktur schwächen wird, breitet sich aus
- Cinema United bezeichnete es als eine beispiellose Bedrohung für die weltweite Kinobranche
Sorge um den Kinostart
- Netflix hat angekündigt, den aktuellen Kinobetrieb von Warner Bros. aufrechtzuerhalten
- Ted Sarandos sagte: „Filme, die Warner Bros. für den Kinostart vorsieht, gehen weiterhin in die Kinos“
- Dennoch befürchten Branchenkenner, dass Netflix die Praxis eines kurzen exklusiven Startfensters von rund drei Wochen beibehalten wird
- Warner-Bros.-Filme liefen bisher 30 bis 45 Tage im Kino; Netflix hat lange Exklusivfenster zuvor bereits als „verbraucherunfreundlich“ kritisiert
- Die Kinobranche weist darauf hin, dass das Geschäftsmodell von Netflix grundsätzlich mit dem Kinostart kollidiert
Mögliche Strukturänderungen im TV-Studio
- Warner Bros. TV (WBTV) arbeitet nach dem Modell, Inhalte auch für externe Plattformen wie ABC, Apple TV und Netflix bereitzustellen
- Dass dieses Modell nach der Übernahme erhalten bleibt, ist ein weiterer zentraler Unsicherheitsfaktor für die Branche
- Netflix hat bislang keine Inhalte für Wettbewerbsplattformen produziert
Verkleinerung des Marktes und Schrumpfung der Kreativlandschaft
- Die Übernahme könnte dazu führen, dass die Zahl unabhängiger Studios sinkt und Kreativen damit weniger Wahlmöglichkeiten bleiben
- Ein Produzent fasste es zusammen: „Wenn die Anzahl der Käufer sinkt, steigt die Verhandlungsmacht der Studios, die dadurch weniger Risiken übernehmen“
- Die Branche, die bereits von der Pandemie, dem Streik 2023 und der Fusion von WarnerMedia und Discovery stark getroffen wurde, sieht ein weiteres Restrukturierungsrisiko
Debatte um die Managementvergütung
- Innerhalb der Branche gibt es starke Empörung über die Entlohnung von WBD-CEO David Zaslav
- Über einen Studiovorstand wurde berichtet, der empört fragte: „Kann es sein, dass jemand, der das Unternehmen ruiniert hat, riesige Summen erhält?“
- Warner-Bros.-Mitarbeitende befürchten eine weitere große Restrukturierung
Kartellrechtliche Debatte in der Politik
- US-Senatorin Elizabeth Warren nannte die Übernahme ein „kartellrechtliches Alptraumszenario“
- Sie warnte davor, dass nahezu die Hälfte des Streaming-Markts in einem Unternehmen landen könnte, was zu Preiserhöhungen, eingeschränkter Auswahl und Bedrohung von Arbeitsplätzen führen könne
- Die Fusion kann erst nach Abschluss der Ausgliederung von Discovery Global im 3. Quartal 2026 abgeschlossen werden und muss eine komplexe Wettbewerbskontrolle durchlaufen
- Einige Branchenvertreter argumentieren, Washington müsse wieder Regelungen einführen, die den Paramount Decrees von 1948 entsprechen würden
- Unter der aktuellen politischen Lage wird die Erfolgsaussicht dafür von vielen jedoch als gering eingeschätzt
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