Nvidia, OpenAI und Oracle: eine „Frenemy“-Beziehung
(philippeoger.com)- Nvidias Q3-Ergebnis des Geschäftsjahres 2026 war bei einem Umsatz von 62 Mrd. US-Dollar stark, aber in Cashflow, Lagerbestand und Forderungen zeigten sich Warnsignale.
- Im Vergleich zu einem Nettogewinn von 31,9 Mrd. US-Dollar stehen 23,8 Mrd. US-Dollar operativer Cashflow gegenüber, was einer Differenz von 8 Mrd. US-Dollar entspricht, während die Lagerbestände auf 198 Mrd. US-Dollar stiegen und sich damit fast verdoppelt haben.
- Die Struktur des Kapitalkreislaufs zwischen OpenAI, Oracle und Nvidia rückt wegen des Verdachts auf Round-Tripping in den Fokus; Michael Burry hat darauf öffentlich hingewiesen.
- OpenAI treibt derzeit eine Reduzierung der Nvidia-Abhängigkeit voran, unter anderem durch direkte Käufe bei Samsung und SK Hynix, die Zusammenarbeit mit Broadcom und die Anwerbung von Silizium-Experten.
- Oracle sucht über die mögliche Übernahme von Groq nach einem Ausweg aus dem HBM-Mangel und der Nvidia-Abhängigkeit, während sich die Wettbewerbslandschaft im KI-Hardware-Markt schnell verändert.
Nvidias Ergebnislage: Unruhe in einem starken Quartal
- Der Datenzentrumsbereich von Nvidia stellt rund 90 % des Gesamtumsatzes und damit ein zentrales Geschäftsfeld im KI-Zeitalter dar.
- Der Umsatz stieg auf 62 Mrd. US-Dollar (+62 % gegenüber dem Vorjahr).
- Gleichzeitig wurden drei Warnsignale bei Cashflow, Lagerbestand und Forderungen beobachtet.
- Zwischen 31,9 Mrd. US-Dollar Nettogewinn und 23,8 Mrd. US-Dollar operativem Cashflow klafft eine Lücke von 8 Mrd. US-Dollar.
- Der Lagerbestand ist auf 198 Mrd. US-Dollar fast verdoppelt und entspricht etwa 120 Tagen Bestand.
- Die Debitorenlaufzeit (DSO) stieg auf 53 Tage, was auf eine langfristigere Kreditgewährung an Kunden hindeuten kann.
- Das Unternehmen baut laut Berichten vor der Einführung der Blackwell-Architektur große Lagerbestände auf.
Kontroverse um Rundlauf-Finanzierung
- Der von Michael Burry aufgestellte Verdacht auf „Circular Financing“ (Round-Tripping) steht im Fokus der Märkte.
- Phase 1: Nvidia sagt OpenAI Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe zu (Teil einer Gesamtplanung von 100 Mrd. US-Dollar).
- Phase 2: OpenAI schließt mit Oracle einen Cloud-Vertrag im Umfang von 300 Mrd. US-Dollar (Project Stargate).
- Phase 3: Oracle bestellt 40 Mrd. US-Dollar an Nvidia-GB200-GPUs zur Erfüllung dieses Vertrags.
- Diese Struktur kann als zirkuläres Umsatzmuster erscheinen; es gab außerdem Berichte über eine mögliche Untersuchung durch das US-Justizministerium.
- Beobachter verweisen darauf, dass OpenAIs und Oracles Transaktionsteilnahme fraglich wäre, falls Nvidias Investitionen ausbleiben sollten.
OpenAIs Vorgehen zur Verringerung der Nvidia-Abhängigkeit
- OpenAI nutzt Nvidia-GPUs beim Aufbau von 10 GW Infrastruktur für das Training von GPT-6, baut aber gleichzeitig ein eigenes Hardware-Ökosystem auf.
- Durch direkte HBM-Waferkäufe bei Samsung und SK Hynix, die Zusammenarbeit mit Broadcom und die Anwerbung von Richard Ho, einem ehemaligen Google-TPU-Leiter, soll die Unabhängigkeit gestärkt werden.
- Rund 40 Hardware-Ingenieure aus Apple sind ebenfalls dazugekommen.
- OpenAI scheint auf kostengünstigeres Inferenz-Processing mittels eigenen Chips (ähnlich dem Edge TPU) abzuzielen.
- Die Investitionsplanung von Nvidia in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar wird als noch nicht finalisiert gemeldet.
Oracle und die mögliche Übernahme von Groq
- Inferenzkosten werden zu einem zentralen Thema.
- Groq setzt auf eine SRAM-basierte Architektur, die nach Angaben des Unternehmens nicht unter den HBM-Mangel fällt, und behauptet, bei der Inferenz schneller und günstiger zu sein als NVIDIA.
- Bei Oracle liegt die Leasing-Marge für Nvidia-GPUs bei nur etwa 14 %, daher besteht ein Bedarf, die Profitabilität durch eigene Chips zu verbessern.
- Die Unternehmensbewertung von Groq bei 6,9 Mrd. US-Dollar (Stand September 2025) wäre ein für Oracle handelbarer Rahmen.
- Bei einer Übernahme werden eine Minderung des Lieferkettenrisikos und eine Stärkung der Unterstützung für OpenAI erwartet.
- Andererseits wird als Hinweis auf die tatsächliche Struktur der möglichen Finanzzirkulation erwähnt, ob Nvidia eine solche Transaktion überhaupt zulassen würde.
Fazit und Marktprognose
- Gegen Ende 2026 bleibt das Verhältnis zwischen Nvidia, OpenAI und Oracle in einer angespannten Lage zwischen Kooperation und Konkurrenz.
- HBM-Mangel, eigene Chipentwicklung und die Frage nach ausschließlichen Verträgen vergrößern die Unsicherheit.
- Michael Burry soll auf die gesamte Struktur mit einer Short-Position gesetzt haben.
- Der Wettbewerb und die Reorganisation im KI-Hardware-Markt werden in den kommenden Quartalen zu den zentralen Beobachtungspunkten.
- Google reagiert zusätzlich mit einem 2026er Liefervertrag für Speicherwafer mit Samsung.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Wegen der Kapazitätsgrenzen von SRAM muss sie am Ende aber dennoch durch externen Speicher wie DRAM, LPDDR oder GDDR ergänzt werden
Dass Groq einen reinen SRAM-Ansatz gewählt hat, ist interessant, aber wenn die Kapitalkosten im Vergleich zu DRAM deutlich höher sind, ist das keine einfache Alternative
Langfristig werden sich DRAM und Logik zwar weiterentwickeln, SRAM könnte aber auf dem heutigen Niveau stehenbleiben
Wenn man 20 Milliarden investiert und 20 Milliarden zurückbekommt, bleibt der Gewinn derselbe
Michael Burry ist eher skeptisch gegenüber der tatsächlichen Profitabilität des AI-Wachstums, nicht gegenüber der Kreisstruktur an sich
Kreisfinanzierung kann ohne realen Wert nur den Umsatz aufblähen und so eine Blase erzeugen
Zum Beispiel werden Unternehmen wie PagerDuty mit hoher Profitabilität, aber niedrigerem Umsatzwachstum unterbewertet, während im umgekehrten Fall überbewertet wird
Da das Investment nicht als Aufwand verbucht wird, sieht es oberflächlich so aus, als wäre der Umsatz ohne entsprechende Kosten gestiegen
Nvidia erhält Anteile an Kundenunternehmen und sagt sinngemäß: „Wenn ihr kein Geld habt, dann bezahlt unsere Chips eben mit Anteilen“
Das ähnelt früheren Bitcoin-Mining-Betrugsmodellen, bei denen man die Geräte nicht verkauft, sondern selbst betreibt
Zum Beispiel geben Sportvereine Partnerunternehmen Aufträge und verlangen gleichzeitig den Kauf von Werbung oder Logen, sodass faktisch kaum Gewinn übrig bleibt
Problematisch ist vielmehr, dass so eine Struktur Nvidias Bewertung übermäßig aufblähen kann
Cisco hat in der Dotcom-Blase etwas Ähnliches gemacht, und wenn OpenAI scheitert, besteht dasselbe Risiko
Letztlich ist es eine Wette mit hohem Risiko
In jedem Absatz ein fettgedrucktes erstes Wort, Memes wie „It’s not just X; it’s Y“ und Formulierungen wie „My personal read?“
Es gibt Spuren, die nach AI-Text aussehen, gleichzeitig aber auch viele Tippfehler und holprige Sätze
Das Fazit mag stimmen, aber die Argumentation ist nicht konsistent
Trotzdem war es positiv, dass der Einsatz von AI-Tools wie Gemini offen eingeräumt wurde
Gesamturteil: D+
Wahrscheinlich wurde nur ein Teil mit einem LLM geglättet
Net Income und Operating Cash Flow sind verschieden, daher ist ein Unterschied zwischen beiden völlig normal
Auch Nvidias DSO lag in den letzten fünf Jahren zwischen 41 und 57, also gibt es daran nichts Auffälliges
Besonders oft missverstehen Leute mit Entwicklerhintergrund Rechnungslegungswissen
Buchhaltung und Finanzen sind sehr spezialisierte und komplexe Bereiche, daher ist Bescheidenheit angebracht
Früher gab es auch einmal einen Data Scientist, der Samsungs Umsatz in Won sah und daraus fälschlich schloss, es sei das „größte Unternehmen der Welt“
SRAM benötigt mehr als die sechsfache Siliziumfläche von DRAM
Groq mag unterbewertet sein, aber sicher nicht wegen der Lieferkette
Natürlich kann sich das im Technologiesektor ändern, wenn es einen bahnbrechenden Durchbruch gibt
Sachlich begründeter Widerspruch ist jederzeit willkommen
Wenn ein Bäcker und ein Metzger miteinander handeln und dabei realen Wert austauschen, profitieren am Ende beide
Solange es kein künstlicher Kreditkreislauf ist, gibt es kein Problem
Auch Oracle wird bei Nvidia eine reale Produktlieferung erwarten, also handelt es sich um ein echtes Geschäft
Tatsächlich ist es eher so, dass der Bäcker dem Metzger Geld gibt und dieser damit dann sein eigenes Brot kauft
Ohne dieses Geld könnte der Metzger das Brot nicht kaufen
verdient der Bäcker nur dann, wenn der Metzger auch zurückzahlen kann
Nvidia hat von OpenAI bislang ebenfalls noch keinen realen Gegenwert erhalten
Extrem gesagt: Wenn Nvidia mir 100 Milliarden Dollar gibt, damit ich GPUs kaufe,
entstehen zwar gleichzeitig Umsatz und Finanzanlage, aber kein realer Werteaustausch
Im Ergebnis ist der Schaufelverkäufer (Nvidia) an einem Punkt angekommen, an dem er direkt ins Goldgräbergeschäft einsteigen will
Vielleicht kommt irgendwann der Moment, in dem Nvidia Chips nicht mehr verkauft, sondern selbst einsetzt