Warum kreisförmige Investment-Deals zwischen OpenAI, Nvidia und AMD in der Branche Sorgen auslösen
(bloomberg.com)- Im Bloomberg-Big-Take-Podcast analysiert Moderatorin Sarah Holder in einem Interview mit der Tech-Reporterin Emily Forgash die Struktur kreisförmiger Deals in der AI-Branche eingehend
- Nachdem OpenAI einen gegenseitigen Investment-Deal abgeschlossen hat, bei dem das Unternehmen über mehrere Jahre AI-Chips im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar von AMD kauft und AMD im Gegenzug zu einem der größten Anteilseigner von OpenAI wird, gilt dies als repräsentativer Fall für kreisförmige Deals in der AI-Industrie
- Zwischen großen AI-Unternehmen wie OpenAI, Nvidia, Oracle und AMD laufen gleichzeitig gegenseitige Investitionen und Kooperationsgeschäfte im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar, wodurch ein komplexes Investitionsnetzwerk entsteht
- Nvidia hat eine Investition von bis zu 100 Milliarden Dollar in OpenAI zugesagt, während OpenAI wiederum in großem Umfang Nvidia-Chips kauft — eine Struktur, in der Kapital zirkuliert und die sich in der gesamten AI-Branche ausbreitet
- Es werden Bedenken geäußert, dass solche kreisförmigen Investments die Bewertungen von AI-Unternehmen künstlich aufblähen könnten, ohne dass reale Gewinne entstehen, weshalb Parallelen zur Dotcom-Blase der 1990er Jahre gezogen werden
- OpenAI hat zwar mehr als 700 Millionen wöchentliche Nutzer, ist aber weiterhin defizitär. Sollte sich diese Art von Investitionen nicht in reale Gewinne umwandeln lassen, könnte ein Platzen der AI-Blase der Weltwirtschaft schweren Schaden zufügen
Der aktuelle Stand kreisförmiger Deals in der AI-Industrie
- OpenAI und AMD haben einen Deal geschlossen, bei dem AMD OpenAI über mehrere Jahre AI-Chips im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar liefert und OpenAI im Gegenzug zu einem der größten Anteilseigner von AMD wird
- Sowohl die AMD-CEO als auch der OpenAI-Präsident bezeichneten dies als einen „gegenseitigen Win-win-Deal“
- AMD-CEO Lisa Su: „Ein Gewinn für AMD, OpenAI und die Aktionäre“
- OpenAI-Präsident Greg Brockman: „Ich sehe es als Anstrengung der gesamten Branche“
- Wenn OpenAI erfolgreich ist, steigt die Nutzung von AMD-Chips; wenn AMD erfolgreich ist, profitiert OpenAI als Anteilseigner
- Sowohl die AMD-CEO als auch der OpenAI-Präsident bezeichneten dies als einen „gegenseitigen Win-win-Deal“
- In den vergangenen Wochen haben Umfang, Häufigkeit und Größenordnung solcher kreisförmigen Investments stark zugenommen und damit die Aufmerksamkeit der Branche auf sich gezogen
- Nvidia kündigte eine Investition von bis zu 100 Milliarden Dollar in OpenAI an
- OpenAI schloss mit Oracle einen Cloud-Computing-Vertrag über 300 Milliarden Dollar
- Nvidia kaufte Cloud-Services im Wert von 6,3 Milliarden Dollar von CoreWeave
- OpenAI will bis zu 22,4 Milliarden Dollar für Computing-Kapazitäten an CoreWeave zahlen
Im Zentrum der kreisförmigen Investments: Nvidia und OpenAI
- Nvidia und OpenAI stehen im Zentrum dieses Investitionsnetzwerks
- Nvidia ist eines der wertvollsten Unternehmen der Welt und der dominierende Anbieter im Markt für AI-Chips
- OpenAI steht hinter ChatGPT mit mehr als 700 Millionen wöchentlichen Nutzern und hat weltweit einen Bekanntheitsgrad erreicht, bei dem „ChatGPT“ ähnlich wie „googeln“ als Verb verwendet wird
- Warum Nvidia so viele verschiedene Investments tätigen kann
- Auf Basis seiner enormen Finanzkraft und seiner Dominanz im Chipmarkt investiert das Unternehmen breit — nicht nur in große AI-Firmen, sondern auch in Startups
- Der Großteil fortgeschrittener AI-Kapazität basiert auf modernen Chips von Nvidia
- Dahinter steht die Strategie, AI-Innovation zu fördern und letztlich die Nachfrage nach den eigenen Chips zu steigern
- Die Stellung von OpenAI
- Das Unternehmen gilt als seiner Zeit voraus
- ChatGPT hat derzeit mehr als 700 Millionen wöchentliche Nutzer
- Die globale Bekanntheit ist so groß, dass der Name zum Verb geworden ist
- Etwa in alltagssprachlichen Formulierungen wie „I'm just gonna ChatGPT that“
- OpenAI hat eine Bewertung von 500 Milliarden Dollar erreicht, ist aber weiterhin kein profitables Unternehmen
- Trotz hoher Umsätze ist der Cash Burn hoch, was Fragen zur Nachhaltigkeit aufwirft
Die finanzielle Lage von OpenAI
- Das Unternehmen erzielt hohe Umsätze, verbrennt aber zugleich rasch viel Cash
- Es ist derzeit kein profitables Unternehmen
- Das ist ein zentraler Risikofaktor, warum kreisförmige Finanzierungen in eine AI-Blase münden könnten
- Unternehmen pumpen enorme Summen in OpenAI und Firmen im Umfeld von OpenAI
- Dadurch wird der gesamte AI-Sektor künstlich gestützt
- Die wechselseitig bewegten Beträge sind gewaltig
- Nvidia–OpenAI: 100 Milliarden Dollar
- OpenAI–Oracle: 300 Milliarden Dollar
- OpenAI–CoreWeave: bis zu 22 Milliarden Dollar
- Die Sorge: Es fließt enorm viel Geld, aber ohne entstehende Gewinne könnte es nicht wieder hereingeholt werden
Welche Sorgen kreisförmige Investments auslösen
- Die Problematik kreisförmiger Investments wird zusammen mit der Gefahr einer AI-Blase diskutiert
- Es fließt viel Kapital, ohne dass sich daraus bereits tatsächliche Investment-Renditen ergeben
- Wenn keine Umsätze oder kein Weg in die schwarzen Zahlen entstehen, droht das gesamte Konstrukt zusammenzubrechen
- Eigenschaften dieser kreisförmigen Struktur
- Sie ist nicht gezielt so entworfen worden, dass Geld im Kreis läuft, könnte den Markt aber überhitzen und eine Blase auslösen
- Analysten weisen darauf hin, dass solche kreisförmigen Investments zur „Erbsünde“ einer Blase werden könnten
- Möglichkeit regulatorischer Eingriffe
- Ob Regulierungsbehörden eingreifen, ist noch offen. Derzeit gilt daran nichts als illegal oder verdächtig
- Unternehmen verfügen über enorme Geldmittel und schließen deshalb Deals auf diese Weise ab
- Nvidia hat ein eigenes Interesse daran, mit dem durch seine Chip-Dominanz aufgebauten Kapital weltweite AI-Innovation voranzutreiben
- Dies lässt sich als Versuch lesen, AI-Innovation zu beschleunigen, indem AI-Unternehmen alle verfügbaren Mittel wie Eigenkapital, Fremdkapital und gegenseitige Investments nutzen
- Diese Finanzierungsformen — Eigenkapital, Schulden, gegenseitige Investments und mehr — sind ein sehr neuer Ansatz
Vergleich mit der Dotcom-Blase
- Es zeigen sich ähnliche Muster wie im Dotcom-Boom der späten 1990er Jahre
- Damals floss Geld in praktisch jedes Unternehmen mit Internet-Bezug, doch weil die Investment-Renditen ausblieben, brach am Ende alles zusammen
- Auch der heutige AI-Markt weckt ähnliche Sorgen
- Unterschiede
- Heute gibt es reale Produkte
- Sie werden von vielen Unternehmen und Konsumenten im Alltag genutzt
- Dadurch könnten Investments in AI eine stärkere Grundlage haben
- Dennoch bleibt die Frage: Wo sind die Gewinne, die diese gigantischen Investments rechtfertigen?
- AI-Unternehmen geben weit mehr Geld aus als Dotcom-Startups
- Ein einzelner AI-Chip kostet Zehntausende Dollar
- Für die weltweit genutzten Chips und Computing-Ressourcen werden unzählige Chips benötigt
- Rechenzentren sind riesig, und Bau sowie Installation der Chips sind extrem teuer
- Heute gibt es reale Produkte
Wie sich eine AI-Blase auf die Gesamtwirtschaft auswirken könnte
- Eine potenzielle AI-Blase könnte deutlich größer als die Dotcom-Blase werden
- Weil Kapital aus mehr Bereichen der Wirtschaft hineinfließt, steigt auch das Risiko eines heftigen Platzens
- AI-Unternehmen stützen wichtige Märkte wie die New Yorker Börse
- Schon kleine Rückgänge bei diesen Unternehmen können sofortige Effekte an den Aktienmärkten auslösen
- Allein Kursbewegungen bei Nvidia können den Gesamtmarkt stark beeinflussen
- BlackRock spricht über eine Übernahme des Data-Center-Unternehmens Aligned Data Centers zu einer Bewertung von 40 Milliarden Dollar
- Das Unternehmen verfügt derzeit nur über rund 600 Megawatt an tatsächlicher Kapazität
- Es gibt zwar viel geplante und im Bau befindliche Kapazität, doch deren Aufbau braucht Zeit
- Auch die US-Regierung ist in gewissem Maß involviert
- Über Mittel aus dem Chips Act sicherte sie sich einen Anteil von 10 % an Intel
- Nvidia investiert zudem 5 Milliarden Dollar in Intel und plant eine gemeinsame Chip-Entwicklung
- Die USA ziehen 15 % der Erlöse aus den Chipverkäufen von Nvidia und AMD nach China ein
- Auch wer sich nicht für AI interessiert, sollte dieses Thema ernst nehmen: Warum selbst Menschen ohne direkten AI-Bezug betroffen sind
- Die AI-Ökonomie dringt in Finanzmärkte, Aktienmärkte, Anleihemärkte und sogar den Immobilienmarkt durch den Bau von Rechenzentren ein
- Da Rechenzentren real gebaut werden müssen, könnten Anwohner in ihrer Nähe mit steigenden Strompreisen belastet werden
- Das Thema reicht inzwischen weit über den AI-Sektor hinaus
Warum Ausblicke so schwer zu beurteilen sind
- OpenAI ist nicht börsennotiert und veröffentlicht daher nur einen Teil seiner Finanzinformationen
- Dadurch ist auch die Unternehmensbewertung schwer zu bestimmen
- Bei Finanzierungsrunden und Aktienverkäufen fallen die Bewertungen unterschiedlich aus
- Nvidia ist börsennotiert, daher gibt es deutlich mehr Einblick in die Finanzzahlen
- Sollte Nvidia in kommenden Quartalen sinkende Umsätze melden, könnten viele die Idee der kreisförmigen Finanzierung neu bewerten
- „Funktioniert das wirklich?“
- „Ist das kurzfristiger Schmerz, der sich später auszahlt?“
- All diese bislang unbeantworteten Fragen sind ein Unsicherheitsfaktor für Investoren
Ausblick: Wohlstand oder Zusammenbruch
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Zwei extreme Szenarien
- Analyse von Stacy Rasgon von Bernstein Research
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„OpenAI-CEO Sam Altman könnte die Macht haben, die Weltwirtschaft für ein Jahrzehnt zu zerstören — oder sie ins gelobte Land zu führen.“
- „Derzeit weiß niemand, welches Ergebnis eintreten wird“
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- Analysten sagen: Wenn große AI-Unternehmen sowohl Innovationskraft als auch die Fähigkeit besitzen, auf ihre Investments Erträge zu erzielen, dann könnten sie
- die Gesamtwirtschaft in einen gewaltigen AI-Boom, einen Kapitalboom und noch mehr Investments führen
- oder eben in die entgegengesetzte Richtung
- Analyse von Stacy Rasgon von Bernstein Research
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OpenAI als zentraler Bellwether
- Im Moment blicken alle auf OpenAI
- Das Unternehmen dient als Indikator für den AI-Boom
- Wenn OpenAI weiter innoviert, Gewinne erzielt und zu einem profitablen Unternehmen wird, dann
- wären all diese Investments ihren Preis wert
- Wenn das Unternehmen aber nicht schnell genug Erträge erzielt und die Innovation nicht anhält, dann
- drohen allen Investments rund um OpenAI und in angrenzenden Bereichen negative Folgen
- Eine Blase zu erkennen, bevor sie platzt, ist extrem schwierig
- Weil der große Dotcom-Crash erst 25 Jahre zurückliegt, verstehen viele heute besser, wie ein Markt zusammenbrechen kann, wenn die Renditen ausbleiben
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