- Open-Source-Software bildet die Schlüsselinfrastruktur von Verwaltung, Wirtschaft, Forschung und Alltag, wird in Deutschland jedoch nicht rechtlich als Ehrenamt anerkannt
- Die Petition verlangt, Open-Source-Beiträge als gemeinnützige Freiwilligenarbeit anzuerkennen, um Steuervorteile und rechtlichen Schutz zu ermöglichen
- Open Source stellt transparente und verifizierbare technische Grundlagen bereit und stützt zentrale Systeme in Bereichen wie Sicherheit, Gesundheit, Energie und Bildung
- Die Beitragenden arbeiten überwiegend unbezahlte, freiwillige Aufgaben aus und Staat, Unternehmen und Bildungseinrichtungen nutzen die Ergebnisse unmittelbar
- Diese Anerkennung könnte eine institutionelle Grundlage für digitale Souveränität und ein nachhaltiges Technologieökosystem schaffen
Überblick der Petition
- Der Petitionstitel lautet „Anerkennung von Open-Source-Arbeit als Ehrenamt in Deutschland“ und wurde beim Ausschuss für Petitionen des Deutschen Bundestages eingereicht
- Derzeit haben sich 2.657 Personen angemeldet (9 % von 30.000); die Signaturfrist endet am 23. Mai 2026
- Die Petition startete am 24. November 2025 und befindet sich in der Phase aus Einreichung, Anhörung und Entscheidung
Kernaussagen der Petition
1. Gemeinwohlorientierter Wert von Open Source
- Open-Source-Projekte liefern freie, transparente und verifizierbare Software und schaffen damit gesellschaftlichen Nutzen
- Zentrale Systeme wie Internetprotokolle, Sicherheitsbibliotheken, medizinische IT, KI-Frameworks, Energiemanagement, Bildungstechnologie und Kommunikationswerkzeuge hängen von freiwilligen Beiträgen ab
- Ohne diese Beiträge würde Deutschland mit steigender digitaler Abhängigkeit, abnehmender Sicherheit und verlangsamter Innovation konfrontiert sein
2. Freiwilliges Engagement von Bürgerinnen und Bürgern
- Der Großteil von Entwicklung, Wartung und Dokumentation wird unentgeltlich in der Freizeit Einzelner geleistet
- Beitragende tragen Verantwortung für Stabilität und Sicherheit kritischer Software, erhalten dafür aber weder offizielle Anerkennung noch Vergütung
- Diese Arbeit entspricht einem bürgerlichen Engagement, das dem Ehrenamt in gemeinnützigen Organisationen ähnelt
3. Gesellschaftliche Abhängigkeit und rechtliche Schieflage
- Behörden, Kommunen, Schulen und Unternehmen nutzen Open-Source-Werkzeuge unmittelbar
- Sicherheitsvorfälle wie „Heartbleed“ und „Log4Shell“ zeigen, dass die Rolle von Maintainerinnen und Maintainern für die öffentliche Sicherheit essenziell ist
- Weil die Tätigkeit rechtlich nicht als Ehrenamt eingestuft wird, fehlen steuerliche Vergünstigungen und institutionelle Unterstützung, wodurch sich die Verantwortung bei einer kleinen Gruppe freiwilliger Mitwirkender konzentriert
4. Wirkung einer rechtlichen Anerkennung
- Bei Anerkennung als Ehrenamt wären steuerfreie Pauschalvergütungen (z. B. Ehrenamtspauschale) möglich
- Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit (§52 AO) würde erleichtert und ein Haftungsausschluss nach §31a BGB könnte greifen
- Projekte könnten Kostenerstattungen und Spendenquittungen rechtskonform ausstellen
- Dadurch entstünden mehr Transparenz, Rechtssicherheit und Nachhaltigkeit
5. Digitale Souveränität und Fachkräftesicherung
- Open-Source-Beiträge erfordern hohe technische Kompetenz, deren Erwerb durch externe Beschaffung durch Unternehmen teuer wäre
- Der Staat investiert massiv in die Digitalisierung, die ehrenamtlich arbeitenden Personen, die die technische Basis aufrechterhalten, fehlt jedoch die Förderung
- Die Anerkennung als Ehrenamt wäre ein kosteneffizientes Instrument zur Stärkung digitaler Souveränität
6. Internationaler Vergleich
- Andere Länder haben bereits steuerliche Vorteile, institutionelle Förderung und die Anerkennung gemeinnütziger Softwareentwicklung eingeführt
- Deutschlands Fehlen solcher Regelungen birgt das Risiko, im internationalen Wettbewerb zurückzufallen
Kerngedanken der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
- Unterzeichnerinnen und Unterzeichner betonen: „Open-Source-Entwickler schaffen einen enormen gesellschaftlichen Nutzen“, „Freie Software braucht Unterstützung“
- Manche äußern einfache Unterstützungsbekundungen wie „Als Entwickler aus eigener Erfahrung nachvollziehbar“ oder „Das ist eine gute Initiative“
Beteiligungsstand und Verbreitungswege
- Die wichtigsten Herkunftskanäle der Unterzeichnungen sind heise.de (24%), linuxnews.de (8%), Hacker News (6%), stadt-bremerhaven.de (5%) und computerbase.de (3%)
- Die übrigen 52 % sind nicht nachverfolgbar
- Die Petition ist in mehreren Sprachen, darunter Englisch, verfügbar und ein PDF-Unterschriftenblatt kann heruntergeladen sowie offline eingereicht werden
Bedeutung der Petition
- Ein Versuch, Open-Source-Arbeit als offizielle Form gesellschaftlichen Engagements zu institutionalisieren
- Schaffung einer rechtlichen und finanziellen Schutzbasis für Entwickler, die zur Stabilität der digitalen Infrastruktur beitragen
- Anstoß für eine politische Debatte zur Stärkung der digitalen Sovereänität und technologischen Selbstständigkeit Deutschlands
1 Kommentare
Hacker-News-Meinung
Ich kann der Aussage zustimmen, dass Open-Source-Software als öffentliches Gut gesellschaftlichen Wert schafft, aber in der Praxis gibt es auch viele Projekte, die überhaupt keinen Wert erzeugen.
Um auf deutsche Art „gute Open Source“ nachzuweisen, müsste man vermutlich endlose bürokratische Verfahren durchlaufen.
Am Ende kämen die Vorteile denjenigen zugute, die den Papierkram auf sich nehmen, während die eigentlichen gesellschaftlichen Beitragenden solche Verfahren ablehnen und womöglich keinerlei Ausgleich erhalten.
Es besteht das Risiko, dass Unternehmen Menschen unter dem Vorwand der Entwicklung bestimmter Plugins 12 Euro pro Stunde zahlen und damit Steuervermeidung oder die Umgehung des Mindestlohns versuchen.
Als Deutscher lehne ich diese Petition ab, weil das vage Konzept „Open Source“ nicht klar von kommerzieller Arbeit abgegrenzt ist.
Dennoch halte ich praktische Vorteile wie Reisekostenerstattung für notwendig, damit wirtschaftlich schlechter gestellte Menschen zu F/LOSS-Projekten beitragen können.
Eine Debatte allein wegen unklarer Begriffsdefinitionen zu blockieren, halte ich für einen unproduktiven Ansatz.
Ich leiste Arbeit im Wert von Hunderttausenden Dollar kostenlos, bekomme dafür aber keine Steuervorteile.
Wenn man versucht, die Open-Source-Definition gesetzlich streng festzuschreiben, könnte das schnell zu politischen Kontroversen führen.
Ich verwende meist die MIT-Lizenz und möchte, dass sie frei genutzt wird.
Möglich sind nur Erstattungen tatsächlicher Kosten wie Reise- oder Serverkosten, Lohnzahlungen sind ausgeschlossen.
Ich mag Deutschland sehr. Auf einer Reise bin ich zufällig auf eine Demonstration gestoßen, und die Menschen waren sehr höflich und friedlich.
Ich finde, über solche politischen Fragen sollten die Bürger des jeweiligen Landes entscheiden.
Deutschland hat eine traditionell offene Haltung gegenüber Open Source, daher würde ich gern zuerst die Meinung der Menschen vor Ort hören.
Wegen der auf das Gemeinwohl ausgerichteten Kultur bin ich optimistisch, dass sich ein solches Gesetz gut etablieren könnte.
In Deutschland muss man für einen Bürgerdienst bei einer anerkannten gemeinnützigen Organisation angestellt sein.
Einfach von zu Hause aus GitHub-Commits zu machen, fällt nicht darunter.
Wenn man an deutsche Verwaltungsverfahren denkt, dürfte dieser Prozess ziemlich kompliziert sein.
KDE e.V. könnte ein ähnlicher Fall sein.
Ich halte das für eine gute Idee, aber es braucht einige Bedingungen.
a) Der Eigentümer des Projekts selbst sollte ausgeschlossen sein.
b) Es sollte auf stark gemeinwohlorientierte Projekte mit kaum Unternehmensförderung beschränkt sein.
c) Nicht gemergte Beiträge sollten nicht anerkannt werden.
Der Fall XZ Utils hat gezeigt, wie überarbeitete Maintainer anfällig für Angriffe werden können.
Es wäre besser, klare Kriterien für den Einfluss eines Projekts zu definieren.
Außerdem sind auch nicht gemergte Beiträge wie Reviews oder Security-Reaktionen wichtige gesellschaftliche Arbeit.
Wie beim Hacktoberfest-Vorfall hat schon eine einfache Belohnung zu einer Flut nutzloser PRs geführt.
Zum Beispiel zeigt dieser PR, dass schon der Prozess von Versuch und Irrtum bei der Suche nach einer besseren Lösung wertvoll sein kann.
Ich halte diesen Vorschlag für vollkommen richtig als nächsten Schritt des FOSS-Ökosystems.
Früher habe ich bei der Vorbereitung eines großen Projekts auf AGPL-3-Basis erwogen, in Deutschland einen e.V. zu gründen, das aber wegen Finanzierungs- und Rechtsschutzfragen aufgegeben.
Mit einem solchen System wäre das Projekt möglicherweise nachhaltig gewesen.
Wir brauchten einen Weg, auch ohne Firmengründung legal kleine Vergütungen zahlen zu können.
Von rund 100 Gemeinnützigkeitskategorien sind die meisten unrealistisch; praktisch kommen meist nur Bildung oder Religion infrage.
Wie beim Chaos Computer Club muss man als „Volksbildung“ anerkannt werden, um steuerliche Vorteile zu erhalten.
Ohne Open Source gäbe es wohl auch keine LLMs zum Schreiben von Code.
Ich halte das für die höchste Form des Spendens.
Ich denke, es wäre besser, eine Petition zur Änderung von §52 AO im Steuerrecht selbst einzureichen.
Früher gab es bereits eine solche Petition, aber sie wurde nicht ausreichend beworben.
Ich finde, Open Source sollte wie wissenschaftliche Forschung durch öffentliche Mittel gefördert werden.
Diese Petition wirkt auf mich wie ein Versuch, unsere globale Dystopie kurz zu vergessen und vom Ideal gemeinsamer Güter zu träumen, die noch nicht von transnationalen Konzernen vereinnahmt wurden.