- Ein proteinbasiertes Gel eröffnet durch die Regeneration und Stärkung von beschädigtem Zahnschmelz die Möglichkeit langfristiger und wirksamer Zahnbehandlungen
- Das Gel verwendet kein Fluorid und funktioniert, indem es die Struktur natürlicher Proteine nachahmt, die die Zahnschmelzbildung im frühen Kindesalter steuern
- Bei der Anwendung bildet es auf der Zahnoberfläche eine dünne, robuste Schicht, die Löcher und Risse auffüllt, und nutzt Kalzium- und Phosphationen im Speichel, um eine neue Mineralschicht wachsen zu lassen
- Der regenerierte Zahnschmelz zeigt eine dem natürlichen Zahn ähnliche Struktur und mechanische Eigenschaften und funktioniert auch unter realen Alltagsbedingungen wie gesunder Zahnschmelz
- Die Technologie wird über das Startup Mintech-Bio zur Kommerzialisierung vorangetrieben und hat Potenzial zur Lösung verschiedener Zahnprobleme
Entwicklung eines neuen Gels zur Zahnschmelz-Regeneration
- Ein Forschungsteam der School of Pharmacy sowie des Department of Chemical and Environmental Engineering der University of Nottingham hat gemeinsam mit einem internationalen Konsortium ein biomimetisches Material entwickelt
- Dieses Material kann demineralisierten oder erodierten Zahnschmelz regenerieren, gesunden Zahnschmelz stärken und künftig Karies vorbeugen
- Die Forschungsergebnisse wurden in Nature Communications veröffentlicht
- Das Gel lässt sich ähnlich schnell anwenden wie herkömmliche Fluoridbehandlungen und enthält kein Fluorid
- Es ahmt zentrale Eigenschaften natürlicher Proteine nach, um den Wachstumsprozess von Zahnschmelz nachzubilden
- Es bildet auf der Zahnoberfläche eine dünne, robuste Schicht, die Löcher und Risse auffüllt, und fördert über den Prozess der epitaxialen Mineralisation (epitaxial mineralization) das Wachstum einer neuen Mineralschicht
Funktionsweise und Regenerationsprozess
- Das Gel nimmt Kalzium- und Phosphationen im Speichel auf und fördert so das Wachstum neuer Mineralien
- Die neu gebildeten Mineralien integrieren sich in das bestehende Gewebe und stellen Struktur und Eigenschaften natürlichen Zahnschmelzes wieder her
- Auf elektronenmikroskopischen Aufnahmen wurden nach zweiwöchiger Behandlung epitaxial regenerierte Zahnschmelzkristalle beobachtet
- Das Gel kann auch auf freiliegendem Dentin (dentine) angewendet werden
- Dort bildet es eine zahnschmelzähnliche Schicht und trägt so zur Linderung von Zahnempfindlichkeit sowie zur Verbesserung der Haftung von Prothesen bei
Das Problem des Zahnschmelzverlusts
- Zahnschmelzschäden sind ein zentrales zahnmedizinisches Problem und betreffen weltweit rund 50 % der Bevölkerung
- Sie können mit Infektionen, Zahnverlust, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang stehen
- Zahnschmelz regeneriert sich nicht von selbst, und derzeit gibt es keine wirksame Regenerationslösung
- Bestehende Fluoridlacke oder Remineralisierungslösungen lindern nur die Symptome
Experimentelle Ergebnisse des Forschungsteams
- Die mechanischen Eigenschaften des regenerierten Gewebes wurden unter realistischen Alltagsbedingungen getestet, darunter Zähneputzen, Kauen und Kontakt mit sauren Lebensmitteln
- Das Ergebnis: Der regenerierte Zahnschmelz funktioniert genauso wie gesunder Zahnschmelz
- Die Technologie ist sicher, schnell anwendbar und skalierbar
- Sie eröffnet die Möglichkeit zur Entwicklung eines vielseitigen Produkts, das bei verschiedenen Altersgruppen und zahnmedizinischen Problemen eingesetzt werden kann
Kommerzialisierung und Ausblick
- Das Forschungsteam hat über ein Startup namens Mintech-Bio mit dem Kommerzialisierungsprozess begonnen
- Die erste Produkteinführung im nächsten Jahr ist das Ziel
- Die Entwicklung wird als Innovation bewertet, die Patientinnen und Patienten weltweit helfen könnte
Hinweis: Vorstellung der University of Nottingham (Kurzfassung)
- Die University of Nottingham liegt im QS World University Ranking auf Platz 97, im Vereinigten Königreich auf Platz 17
- Sie ist Gründungsmitglied der Russell Group und belegt in der Forschungsbewertung (REF 2021) im Vereinigten Königreich Platz 7
- Sie gilt als Ursprungsort innovativer Entdeckungen wie MRT und Ibuprofen und als auf Industrie und globale Zusammenarbeit ausgerichtete Universität
- Sie unterstützt aktiv das Startup-Ökosystem und die Forschungs-Kommerzialisierung, etwa durch Unternehmen wie Mintech-Bio
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Es fühlt sich an, als würde ich seit 15 Jahren immer wieder dieselben Artikel über medizinische Innovationen lesen.
Es wird immer schwieriger, tatsächliche Fortschritte von Luftschlössern (vaporware) zu unterscheiden.
Das hier ist noch viel früher und bewegt sich nur auf dem Niveau eines zahnähnlichen Modells in der Petrischale.
Die Sicherheit im menschlichen Körper wurde überhaupt nicht geprüft.
Da die Wissenschaft insgesamt unter dem Druck von publish or perish steht, gibt es die Tendenz, in jeder Publikation Ergebnisse zu übertreiben und möglichst positiv darzustellen.
Im eBay-Produktlink wurde behauptet, die „Stärkung des Zahnschmelzes“ sei nachgewiesen.
Damals hatte ich kurz über eine Aktieninvestition nachgedacht und es dann gelassen; die Patentliste existiert noch immer,
und die offizielle Website gibt es ebenfalls noch.
Bis zur tatsächlichen Anwendung dauert es meist fast 10 Jahre, und diese lange cycle time prägt wohl die Wahrnehmung.
Forschung zu Zahnschmelz-Regeneration oder stemmzellbasiertem Zahnersatz taucht jedes Jahr in den Nachrichten auf, kommt aber nicht auf den Markt.
Damals war die Beschichtung allerdings dünn, und auch die Wiederherstellung der inneren Schmelzstruktur war nur teilweise gelungen.
Link zur Studie
Aber in den USA und anderen westlichen Ländern ist die Industrie rund um Bohren und Kompositfüllungen so groß, dass solche Methoden kaum genutzt werden.
Zugehörige Studie
Bis solche neuen Technologien kommen, schmuggle ich weiter NovaMin-Zahnpasta ohne FDA-Zulassung und benutze sie.
Ich sehe das als Buße für meine Faulheit.
Ich frage mich, ob das wirklich schon ein kommerzielles Produkt mit Zulassung der Regulierungsbehörden ist.
Falls ja, hätte das echten Nachrichtenwert.
Wenn es aber nur eine Pressemitteilung eines Uni-Forschungsteams ist, bedeutet es fast nichts.
Es ist viel billiger als teure Zahnbehandlungen, und auch das Problem der Zahnverfärbung wird durch Nanopartikel gelöst.
Link zu Herstellung und Anwendung
Das ist bislang noch Spekulation, scheint aber einen Schritt weiter zu sein als reine Theorie.
Ich frage mich, wie sich diese Technik von bestehenden Produkten wie GC Tooth Mousse (auf CPP-ACP-Basis) unterscheidet.
Die Referenzarbeit findet sich hier.
Die Möglichkeit einer Zahnregeneration beim Menschen könnte Realität werden.
Zugehöriger Artikel
Wenn solche Technologien marktreif werden, wird das die Struktur der Dentalbranche stark erschüttern.
Die Originalseite war nicht erreichbar, daher habe ich den Yandex-Cache-Link geprüft.
Ich würde @dang gern bitten, den Link zur Pressemitteilung durch einen Link zur eigentlichen Studie zu ersetzen.
Der Nature-Artikel ist Open Access.
Ich frage mich, wie viel technologischer Fortschritt in der Zahnmedizin es in den letzten 30 Jahren überhaupt gegeben hat.
Meiner Erfahrung nach haben sich Werkzeuge und Verfahren kaum verändert.
Zahnbelag wird damit per Ultraschall statt durch manuelles Kratzen entfernt.
Ich halte künstliche Materialien für besser.
Wenn ich das Geld hätte, würde ich eher als ein Auto oder Haus mein gesamtes Gebiss durch künstliche Zähne ersetzen.
Selbst eine teilweise Erhaltung mit Kronen ist viel besser als Implantate.
Implantate übertragen Stöße direkt auf den Kieferknochen.
Falls Karies fast verschwinden sollte, frage ich mich, was dann mit der Finanzierungsstruktur der Dentalbranche passiert.
Keine Verschwörungstheorie, aber die Anreizstrukturen sind schon eigentümlich verflochten.
Würde sich alles stärker auf Prävention verlagern, oder gäbe es einfach nur weniger Zahnärzte?
Es gäbe immer noch Zahnfleischerkrankungen, Zahnverschleiß, Bissprobleme, ästhetische Behandlungen und mehr zu tun.
Kurzfristig gäbe es einen Dämpfer, aber langfristig würde sich das System wohl in Richtung Prävention, Erhaltung und Wahlbehandlungen verschieben.
Professionelle Reinigung ist vielleicht kein großer Umsatzbringer, aber er scheint sich aufrichtig um die Gesundheit seiner Patienten zu kümmern.
Mir ist tatsächlich einmal beim Essen von Doritos ein völlig gesunder Zahn abgebrochen.
Wenn man Zähne länger erhalten kann, könnte dadurch sogar die Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen steigen.