- Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) hat in nur vier Monaten alle 1.200 Mitarbeitenden auf eine nationale Cloud auf Basis von Nextcloud migriert
- Die Entscheidung ist ein strategischer Wechsel zur Sicherung von Datensouveränität sowie der Einhaltung von GDPR- und NIS2-Vorgaben und steht im Einklang mit dem europäischen Trend, die Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Anbietern zu verringern
- Statt einer vollständigen Ablösung wurde eine Hybrid-Struktur gewählt: interne Zusammenarbeit läuft über Nextcloud, externe Meetings bleiben bei Microsoft Teams
- Durch systematische Vorbereitung mit Mitarbeiterschulungen, internem Wiki und Videoanleitungen wurde ein reibungsloser Umstieg ohne Unterbrechung des Betriebs erreicht
- Während europäische Länder ihre Abhängigkeit von ausländischer Technologie aus Gründen der Datensouveränität und regulatorischen Compliance senken, gilt Österreich nach Deutschland und Dänemark als weiteres Beispiel für eine stärkere europäische Eigenständigkeit in der öffentlichen IT
Europas Bewegung hin zu mehr digitaler Souveränität
- Europäische Regierungen treiben seit einigen Jahren die Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Technologiekonzernen voran; zentrale Gründe sind Datensouveränität und regulatorische Compliance
- Deutschland und Dänemark haben bereits Maßnahmen eingeleitet, um sich von ausländischen Cloud-Diensten wie Microsoft zu lösen
- Der Trend geht zu Open-Source-Alternativen, mit denen sensible Regierungsdaten im eigenen Land verwaltet werden können
- Auch Österreich schließt sich dieser Entwicklung an: Nachdem das österreichische Militär 16.000 Workstations auf LibreOffice umgestellt hat, verzichtet nun eine weitere Regierungsbehörde auf Microsoft
Einführung von Nextcloud im österreichischen Wirtschaftsministerium
- Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) hat die Migration von einer Microsoft-basierten Umgebung zu Nextcloud abgeschlossen
- Rund 1.200 Beamtinnen und Beamte waren beteiligt, die vollständige Einführung wurde in vier Monaten abgeschlossen
- Die Infrastruktur wurde in eine direkt in Österreich betriebene Cloud-Umgebung verlagert
- Die Umstellung wurde auf dem Nextcloud Enterprise Day Copenhagen 2025 offiziell bekannt gegeben
- Projektpartner:
- Atos Austria — Unterstützung bei der Erfüllung technischer, rechtlicher und organisatorischer Anforderungen
- Sendent — Bereitstellung der E-Mail- und Kalenderintegration mit Outlook
Strategie des hybriden Umstiegs
- Da die Einführung von Microsoft 365 und Teams bei BMWET bereits lief, entschied man sich statt eines vollständigen Austauschs für eine Hybrid-Struktur
- Interne Zusammenarbeit und Datenverwaltung erfolgen über Nextcloud
- Für externe Meetings wird Microsoft Teams weiterhin in begrenztem Umfang genutzt
- In Zusammenarbeit mit Sendent wurde eine Outlook-Integration umgesetzt, sodass Mitarbeitende ihre bisherigen E-Mail- und Kalender-Workflows beibehalten konnten
- Dieser Ansatz ist ein Kompromiss, der Kontinuität im Arbeitsalltag sichert und zugleich Datensouveränität schafft
Hintergrund und Gründe für die Umstellung
- Eine Risikoanalyse ergab, dass ausländische Cloud-Dienste die Sicherheitsanforderungen von GDPR und NIS2 nicht erfüllen
- Daraufhin fiel die Entscheidung für eine nationale Cloud, um Datenschutz und digitale Souveränität sicherzustellen
- Aussage von Florian Zinnagl (BMWET CISO):
> „Wir arbeiten mit sensiblen Daten von Mitarbeitenden, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern und müssen als öffentliche Einrichtung damit äußerst sorgfältig umgehen.
> Deshalb kamen wir zu dem Schluss, dass eine Abhängigkeit von der Cloud eines nichteuropäischen Unternehmens nicht wünschenswert ist.“
Vorbereitung der Umstellung und Mitarbeiterschulung
- Es wurde eine groß angelegte interne Informationskampagne und ein Schulungsprogramm durchgeführt
- Schulungssitzungen, Einführungsvideos und ein internes Wiki unterstützten das Lernen in der gesamten Organisation
- Die Einführung erfolgte als schrittweiser Rollout, damit sich die Mitarbeitenden nach und nach an das neue System gewöhnen konnten
- CIO Martin Ollrom bewertete das Ergebnis mit den Worten, sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die Betriebskontinuität seien positiv gewesen
Wachsende Verbreitung von Open Source in Europa
- Österreich entwickelt sich nach Deutschland und Dänemark zu einem weiteren Land, das seine Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Diensten verringern will
- Zuvor hatte das österreichische Verteidigungsministerium bereits 16.000 Workstations von Microsoft Office auf LibreOffice umgestellt
- Die Einführung von Nextcloud wird als symbolischer Schritt für Europas digitale Souveränität und eine stärkere Eigenständigkeit öffentlicher Dateninfrastrukturen gewertet
2 Kommentare
Da Nextcloud eingeführt wird, wäre es schön, wenn auch die Finanzierung dieses Projekts etwas reibungsloser würde.
Hacker-News-Kommentare
Ich denke, der Titel „Österreichisches Regierungsministerium ersetzt Microsoft durch Atos“ wäre genauer.
Ich wünschte, Österreich würde wie Dänemark oder das Vereinigte Königreich direkt ein staatliches IT-Entwicklungsteam betreiben.
So wie jetzt die gesamte Regierungs-IT an politisch vernetzte Beratungsfirmen wie Atos, Kapsch und T-Systems auszulagern, riecht stark nach Korruption und Vetternwirtschaft.
Würde der Staat selbst entwickeln, würden Steuergelder effizienter eingesetzt und das inländische Tech-Ökosystem könnte wachsen.
Außerdem könnten lokale Entwickler mit hohen moralischen Ansprüchen an staatlichen IT-Diensten arbeiten und dabei ein Gefühl von Verantwortung und Eigentümerschaft für das Land entwickeln.
Atos scheint lediglich die Rolle des Implementierungspartners übernommen zu haben.
Normale Leser kennen Nextcloud besser als Atos, daher ist nachvollziehbar, dass im Titel Nextcloud hervorgehoben wurde.
Auf der offiziellen BRZ-Website sieht man, dass sie viele Regierungsportale und Websites betreibt.
Nextcloud kann leicht zu einem anderen Anbieter umgezogen bzw. neu gehostet werden, während MS Office ohne Microsoft nicht möglich ist.
Es gab einen Fall, in dem das österreichische Militär MS Office (365, Copilot usw.) aufgegeben und auf LibreOffice umgestellt hat.
Auch in Dänemark und Deutschland gibt es ähnliche Bewegungen.
Verwandte Artikel: Austrian Forces ditch Microsoft Office / Germany and Denmark open-source adoption
Ich habe mich gefragt, ob Nextcloud wirklich auf dem Niveau von Google Docs konkurrieren kann.
Die kollaborative Bearbeitung ist der Kern, und früher fehlte es dort an Funktionen.
Für Self-Hosting muss man nur Nextcloud und Collabora installieren und auf den Integrations-Button klicken.
Oder man startet Nextcloud All-in-One mit Docker, dann lässt es sich einfach einrichten.
Geschwindigkeit und UX liegen unter Google Docs, und es kostet mich etwa 18 US-Dollar im Monat, aber die Datensouveränität liegt vollständig bei mir.
Produkte wie MS Office sind unnötiger Feature-Bloat.
Das sind nur Luxusfunktionen, die Konkurrenz verhindern sollen, und letztlich ein typischer Fall von YAGNI (You Aren’t Gonna Need It).
Ein Staat, der wirklich keinen Informationsabfluss will, sollte eher in eigene Talente investieren als in externe Unternehmen.
Beeindruckend ist, dass Open-Source-Alternativen inzwischen ausreichend ausgereift sind, sodass nun auch Regierungen sie übernehmen können.
Interessant ist, dass der Migrationsprozess schnell verlief und es nur wenige Probleme gab, weil die Nutzer vorab geschult wurden.
Nextcloud ist selbst für den privaten Einsatz recht schwergewichtig und komplex, daher frage ich mich, wie gut es sich im Regierungsmaßstab skalieren lässt.
Allerdings ist auch die Webversion von Office 365 manchmal langsam.
Zum Beispiel kam es selbst bei kleinen Excel-Dateien beim Hinzufügen von Zeilen zu Wartezeiten von 5 bis 10 Sekunden, wodurch die gesamte Web-App einfror.
Dass Atos bei der Umstellung geholfen hat, ist interessant.
Es wirkt wie eine Bewegung etablierter Beratungsfirmen, Marktanteile von US-Cloud-Unternehmen zurückzuholen.
Nextcloud ist eine hervorragende Alternative, die leicht selbst zu hosten und funktionsreich ist.