6 Punkte von GN⁺ 2025-07-26 | 3 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Auch in letzter Zeit drängen viele Dienste weiterhin stark zur Installation von Apps – meist nicht aus Nutzerfreundlichkeit, sondern zum Sammeln von Unternehmensdaten
  • Websites sind funktional eingeschränkter, aber Apps greifen auf tiefgehende Geräteberechtigungen zu, und Nutzer erlauben das oft leichtfertig
  • Über Apps lassen sich sensible Informationen wie Kontakte, Standort, Mikrofon und die Liste installierter Apps sammeln
  • Die Installation von Apps schwächt unter dem Vorwand der Bequemlichkeit die Kontrolle der Nutzer und ihre Privatsphäre
  • Der Autor argumentiert, dass ein Webbrowser allein bereits ausreichend Funktionen bietet und dies eine Befreiung von digitaler Überwachung sei

Warum man statt einer App eine Website wählen sollte

Der „Mobile-first“-Boom der 2010er Jahre

  • Früher war „Mobile-first“ ähnlich ein Schlagwort wie heute „AI-first“
  • Von Social Media bis zur Pizzeria zwangen praktisch alle Unternehmen zur App-Installation, und es herrschte die Stimmung, man sei sonst abgehängt
  • Doch die Qualität der Apps blieb immer hinter den Websites zurück, und auch die Nutzererfahrung war unzureichend

Der anhaltende Drang zur App-Installation auch 2025

  • Die meisten Dienste wie Reddit, LinkedIn und Pinterest drängen bei mobilem Webzugriff zur App-Installation
  • Sie setzen verschiedene Dark Patterns ein, um Nutzer zum Klick auf den Installationsbutton zu bewegen
  • Selbst Nutzer, die den Dienst im Browser bereits problemlos verwenden, werden dauerhaft zum Wechsel gedrängt

Der wahre Grund, warum Unternehmen App-Installationen wollen: Daten und Zugriffsrechte

  • Websites können im Browser nur begrenzt Informationen sammeln
  • Apps fordern bei der Nutzung verschiedene Berechtigungen an, und die meisten Nutzer tippen einfach auf „Zulassen“
  • Informationen, die Unternehmen über Apps erhalten können:
    • Kontakte: Hochladen des gesamten Adressbuchs, etwa zum Finden von Freunden
    • Präzise Standortdaten: Verfolgung von Verhaltensmustern per GPS und Beschleunigungssensor
    • Mikrofonzugriff: Manche Apps können sogar Audio aufzeichnen
    • Liste installierter Apps: Ermöglicht eine genauere Einschätzung von Interessen und Profilen für Marketingzwecke
  • Über Websites ist ein solcher tiefgehender Gerätezugriff nahezu unmöglich

Das Potenzial des Browsers ist noch immer ungenutzt

  • Moderne Webbrowser beherrschen Video-/Audiowiedergabe, WebGL-Grafik und sogar USB-Anbindung
  • Die meisten Unternehmen nutzen diese Browser-Funktionen dennoch nicht aus und erzwingen stattdessen nur Apps
  • Der Grund ist nur einer: Sie wollen auf noch mehr Nutzerdaten zugreifen

Das Opfer hinter der Bequemlichkeit: Privatsphäre und Kontrolle

  • Die von Apps gebotene Bequemlichkeit nützt oft eher den Unternehmen als den Nutzern
  • Einmal preisgegebene Daten lassen sich nur schwer zurückholen
    • Selbst bei Regulierungen wie der DSGVO gibt es keine Garantie, dass bereits an Dritte verkaufte Informationen gelöscht werden
  • Eine App zu installieren kann bedeuten, sich einen digitalen Überwacher in die Tasche zu stecken

Fazit

  • Vor der Installation einer App sollte man überlegen, ob die betreffende Funktion im Web wirklich nicht möglich ist
  • Der Autor betont, dass Websites allein ausreichen und dies der Weg ist, Privatsphäre und Nutzerkontrolle zu bewahren
    > „Der Browser ist die von mir gewählte Umgebung ohne Überwachung, und genau deshalb nutze ich das Web statt Apps.“

3 Kommentare

 
howudoin 2025-07-27

Absolut richtig.
Der Zweck von Apps ist eindeutig in erster Linie, Berechtigungen für Unternehmen zu erlangen

 
GN⁺ 2025-07-26
Hacker-News-Kommentare
  • Ich sehe das ganz genauso, und genau dieser Punkt hat mich schon immer gestört. Die meisten nativen Apps sind mindestens mehrere hundert MB groß, während selbst schwere Websites nur bei ein paar MB liegen. Man kann nicht einmal Text markieren, und dazu kommen noch viele andere seltsame Designentscheidungen. Manche verlangen sogar Zugriff auf die Kontaktliste, was im Web nicht einmal zur Debatte steht. Native Apps mögen sich butterweich anfühlen, aber realistisch gesehen sind sie eher wie Margarine. Glatt und fettig, aber definitiv nicht der gesündere Weg

    • 500 MB halte ich als Durchschnittswert für stark übertrieben. Dass Apps groß sind, stimmt schon, aber auf meinem Handy habe ich vielleicht nur zwei native Apps, die so groß sind
  • Wenn man Reddit, LinkedIn, Pinterest usw. im mobilen Webbrowser öffnet, wird man ständig aufgefordert, die App zu installieren. Bei Imgur ist es genauso nervig, dass jedes Mal sofort „Get The App“ erscheint, sobald man einen Link öffnet, nur um ein neues Bild anzusehen

    • Die Hinweise zum Herunterladen der Reddit-App sind wirklich auf fast schon kunstvolle Weise nervig gestaltet. Am schlimmsten ist aber Facebook; die mobile Website wirkt absichtlich kaputt. Wenn man einen Kommentar bearbeitet, verschwinden Namen von Personen, wenn man zum Recherchieren den Tab wechselt, lädt plötzlich die Startseite neu, das Post-Feld verschwindet, oder die Navigation im Kommentarfeld mit dem Cursor ist an sich schon schwierig, und solche gravierenden Probleme bestehen seit Jahren. Sobald Nutzer versuchen, etwas Anspruchsvolleres zu tun, als Emojis aneinanderzureihen oder hochzuladen, ist alles voller Bugs, die fast absichtlich eingebaut wirken. Offenbar rechnet sich so ein Chaos wirtschaftlich. Vielleicht doomscrollen Leute sogar mehr, je flacher die Inhalte sind. Diese User Story würde ich wirklich gern sehen: „Brenda ist 52, berufstätig und kommentiert gern mit ‚Happy Birthday‘ unter KI-generierten Fotos von Menschen mit Kuchen. Ihr Mann Greg repostet Memes, die programmatisch von LLMs und Topic Trackern erzeugt wurden“

    • Dasselbe gilt für die Standardsuchmaschine in mobilem Safari. Jedes Mal, wenn man über Google sucht, besteht die halbe Seite aus der Aufforderung, die App zu installieren. Wenn die App schon vorhanden ist, ist es eine halbseitige Aufforderung, sie zu öffnen. Und selbst in der App landet man am Ende doch wieder auf einer Website

    • Dieses Verhalten basiert auf dem USER-AGENT-Header. Das Ändern des UA auf mobilen Browsern ist mit am schwierigsten, und allein das zeigt schon, wie wichtig Kontrolle über das eigene Computergerät ist. Wenn man den UA passend setzt, kann man von imgur direkt nur die Bilddaten bekommen

  • Ich bevorzuge es, so wenige Apps wie möglich zu installieren. Deshalb nutze ich standardmäßig das Web. Zum Beispiel habe ich Reddit gar nicht auf meinem Handy. Schon das App-Icon selbst fühlt sich jedes Mal wie Werbung an, wenn ich auf den Bildschirm meines Telefons schaue. So etwas will ich nicht. Wenn die Installation einer App zwingend erforderlich ist, nutze ich sie nur dann, wenn es wirklich gar nicht anders geht. (Eine Alternative gibt es fast immer)

    • Dass App-Icons Werbung sind, wird einem richtig bewusst, wenn man sieht, wie viele echte Werbe-Push-Benachrichtigungen auf dem Handy meiner Frau ankommen

    • Ich hasse auch erzwungene mobile Apps, die an Hardware gekoppelt sind. Bei der Batteriefirma pilaenergy, bei der ich arbeite, haben wir erkannt, dass Hardware länger halten kann als Software, und bieten daher nicht nur traditionelle mobile Apps an, sondern auch mobile Apps, auf die man über einen WiFi-Access-Point oder lokales WiFi zugreifen kann. Das heißt, die Software wird zusammen mit der Hardware ausgeliefert, sodass der Dienst nicht einfach eingestellt werden kann. Das ist ein häufiges Problem bei IoT-Produkten

  • Es kommt auf die Art der App an. Facebook oder Instagram würde ich wegen der extrem aggressiven Datensammlung nie installieren. Reddit wirkt in letzter Zeit auch verdächtig. Discord installiere ich aber

  • Ich sehe das anders, aber akzeptiere, dass es Geschmackssache ist. Ich finde, dass die nativen Versionen aller im Artikel genannten Apps klar flüssiger laufen und ein besseres Erlebnis bieten als das mobile Web. Wenn man sieht, wie viele Leute Electron-Apps nicht mögen, scheint die Vorliebe für native Apps nicht nur mein persönlicher Spleen zu sein. Web-Apps können genauso wie native Apps nach Standort- oder Mikrofonzugriff fragen. Man muss einfach ablehnen. In beiden Fällen ist man nicht verpflichtet zuzustimmen, deshalb ist es seltsam, native Apps allein deswegen als Nachteil zu bewerten. Der größte Nachteil nativer Apps ist, dass sie sich nicht wie das Web mit Erweiterungen oder benutzerdefinierten Styles anpassen lassen

    • Der Autor bestreitet ja auch nicht, dass das App-Erlebnis besser ist. Der Grund, warum das Web-Erlebnis schlecht ist, ist die App-zentrierte Strategie. Das gesamte Web wird als Marketingfläche zur Bewerbung der App behandelt. Bei Reddit, Yelp und anderen ist die Web-Version praktisch nur Werbung für die App. Das muss nicht so sein. Es gäbe durchaus die Möglichkeit, allein im Web eine gute UX zu bieten, und trotzdem unterhalten Unternehmen große Entwicklungsteams für Android und iOS und implementieren Funktionen doppelt. Geht es dabei wirklich um ein 2 % flüssigeres natives Gefühl? Der eigentliche Zweck ist nicht der Nutzen für die Benutzer

    • Mobile Apps sind im Vergleich zur Oberfläche eines echten Webbrowsers viel zu eingeschränkt. In der Reddit-Mobile-App hat man nur Zugriff auf ein einzelnes Thema oder eine einzelne Unterhaltung. Bei der IMDB-App ist es ähnlich; Recherchen wie der Vergleich von Schauspielern oder Filmen sind praktisch unmöglich. Im Browser kann man viele Tabs gleichzeitig offen haben, mobile Apps bieten dagegen nur starre Ansichten und keine besonderen Oberflächen jenseits der Art, wie sie es wollen und erzwingen. Die Multitab-Funktion und Lesezeichen des Browsers gleichen diesen Mangel aus

    • Ich glaube, dass die Web-Erfahrung deshalb schlechter ist, weil Unternehmen weniger Ressourcen ins Web stecken. Apps gehen oft kaputt und brauchen ständige Wartung. Wenn Samsung oder Apple Richtlinien oder Einstellungen ändern, kann auf einen Schlag alles zerbrechen. Das Web ist bei sauberer Umsetzung deutlich wartungsärmer. Und wenn doch etwas schiefläuft, kann der Nutzer einfach mit einem anderen Browser oder Gerät zugreifen. Ich aktualisiere Apps auf meinem Handy immer nur, wenn es wirklich nötig ist. Ich habe dieses Gerede satt, dass Apps alles besser machen würden. Das Web mag viele Probleme haben, ist am Ende aber stabiler

    • Auf dem PC bevorzuge ich native Programme, aber auf dem Handy versuche ich, möglichst wenige Apps zu haben. Die Apps, die ich brauche, hole ich nur über F-Droid. Für Steam-Chat oder um bei Taco Bell die Speisekarte anzusehen, nutze ich nur die mobile Website. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass es von Apps wie Taco Bell gar keine Desktop-Programmversion gibt. Viele mobile Apps sind im Grunde einfach Websites. Spiele dagegen müssen in beiden Umgebungen, Desktop wie mobil, nativ sein. Browserbasierte Spiele sind grauenhaft

  • Mir geht es weniger um Datenschutz, ich finde Apps einfach lästig. Selbst bei kostenlosen Apps muss man beim Download Authentifizierung durchlaufen (vor allem auf dem iPhone). Und dann zwingen sie einen ständig zu Updates, und wenn das OS zu alt ist, funktioniert die App nicht mehr

    • Datenschutz mag einem egal sein, aber wenn er einem irgendwann wichtig wird, ist es schon zu spät
  • In den Niederlanden (https://appdwang.nl) und in Deutschland (https://appzwang.de) gibt es Websites zum Thema „App-Zwang“ („app compulsion“). Ich weiß nicht, ob die beiden verbunden sind, aber nachdem ich die eine entdeckt hatte, bin ich auch auf die andere gestoßen. Beide passen genau zum Kontext des eingereichten Artikels. Ich frage mich, ob es im englischsprachigen Raum ähnliche Ressourcen oder Bewegungen gibt

  • Ein weiterer Punkt sind Push-Benachrichtigungen. Sie verändern die Beziehung zum Produkt grundsätzlich. Der Nutzer kann nicht mehr selbst bestimmen, wann er sich damit beschäftigt, und stattdessen kann die andere Seite Werbung und alles Mögliche direkt auf das eigene Handy schieben

    • Ich mochte iOS-Benachrichtigungen nie besonders und kenne mich damit nicht im Detail aus, aber unter Android konnte man zumindest schon seit fünf Jahren Benachrichtigungstypen einzeln deaktivieren oder ihre Priorität senken. Es kann aber gut sein, dass viele Leute das nicht wissen

    • Websites können über den Browser ebenfalls Push-Benachrichtigungen senden. Dafür muss die betreffende Seite nicht einmal geöffnet sein. Dass App-Benachrichtigungen gegenüber Browser-Benachrichtigungen stärker hervorgehoben sind oder mehr Freiheiten bieten, liegt vermutlich daran, dass Entwickler dort mehr Kontrolle haben

  • Ich verstehe, dass App-Zwang nicht in jedem Fall aus böser Absicht entsteht. In den Niederlanden gibt es ein System namens DigiD, mit dem man auf staatliche Websites wie für Steuerangelegenheiten zugreift. Bei einem Projekt der Stadt Amsterdam habe ich erfahren, dass dort intensiv darauf hingearbeitet wird, die Zwei-Faktor-Authentifizierung über die DigiD-App zu nutzen. Der Grund ist, dass SMS-Authentifizierung aufgrund vertraglicher Regelungen pro Nachricht kostet, während App-Authentifizierung kostenlos ist

    • Das stimmt zwar, aber damit gehen Bürger am Ende faktisch direkte Verträge mit Apple oder Google ein. Im Hinblick auf persönliche Freiheit oder staatliche Souveränität ist das keine besonders gute Struktur

    • Die DigiID-App kann auch mit Websites interagieren. Andere digitale IDs in Europa funktionieren ebenfalls so. Wenn man zum Beispiel das schwedische bankID nutzt, scannt man entweder einen QR-Code mit der App oder wählt eine Geräteverknüpfung, und die Website authentifiziert dann über die bankID-API. Für solche staatlichen Logins ist also keine separate App zwingend nötig. (Bei bankID rechnet der Anbieter zwar pro Authentifizierung ab, aber das liegt nicht an technischen Gründen, sondern an einer renditegetriebenen, quasi-monopolistischen Struktur)

    • Dann könnte man stattdessen auch einfach TOTP (Einmalpasswort-App) verwenden

    • Hier gibt es für Nutzer aber auch einen echten Vorteil. SMS-2FA ist anfällig für SIM-Swapping, während TOTP in einer App dieses Risiko nicht hat. Außerdem ist diese App FOSS (Open Source), sodass man selbst prüfen kann, wie die Daten fließen. Und wenn bestimmte spezielle Industrie-Hardware erforderlich ist, etwa das Auslesen von NFC im Reisepass, lässt sich das nicht nur im Browser erledigen. DigiDs Authentifizierungsstufen Substantieel und Hoog sind nach den eIDAS-Vorgaben verpflichtend. App-Quellcode

  • Mit dem Konzept der „versteckten Kosten der Bequemlichkeit“ kann ich auch nichts anfangen. Apps sind in der Praxis oft unbequemer. Auf Tablets und ähnlichen Geräten ist eine Desktop-Website völlig ausreichend, und eine Desktop-Website mit AAA-Barrierefreiheit wäre perfekt

 
mstorm 2025-07-28

Der größte Grund für Apps sind Push-Benachrichtigungen fürs Marketing.