- Viele Dienste drängen zur App-Installation und schränken die Web-Zugänglichkeit ein, wodurch Nutzer Ermüdung und Unannehmlichkeiten erleben
- Im Browser lässt sich die Umgebung mit Erweiterungen und Skripten kontrollieren, während Apps strukturell leichter die Kontrolle durch die Hersteller stärken
- Obwohl die meisten Apps kaum mehr als einfache Text- und Medien-Renderer sind, verlangen sie übermäßigen Speicherplatz und weitreichende Berechtigungen
- Erzwungene App-Erlebnisse untergraben durch instabile Interfaces und verzögerte Reaktionen oft das Vertrauen in Native-Apps
- Unternehmen verschlechtern absichtlich die Qualität des Webs, um Kennzahlen zur App-Installation zu steigern, was einen Teufelskreis aus sinkender Offenheit des Webs und weniger Nutzerwahlfreiheit auslöst
Abneigung gegen erzwungene App-Downloads
- Nutzer, die das Web bevorzugen, sind von der Realität erschöpft, dass die meisten Dienste auf App-Installation drängen
- Von Social Media bis zur Parkgebühr: Apps werden priorisiert, das Web nur als Nebensache behandelt
- In Web-Versionen tauchen immer wieder Pop-ups, Modals und Banner am oberen Seitenrand auf, die zur App-Installation auffordern
- Einige Dienste sind sogar ausschließlich per App erreichbar, was vor allem bei öffentlichen Diensten oder unverzichtbaren Utilities besonders problematisch ist
Unterschied bei der Kontrolle zwischen Browser und App
- Im Browser können Nutzer ihre Umgebung direkt über Userscripts, Werbeblocker und Erweiterungen steuern
- Selbst Websites ohne Dark Mode lassen sich per Skript anpassen
- Auch Änderungen an der Reddit-Seitenleiste können mit einer persönlichen Erweiterung korrigiert werden
- Apps dagegen sind so aufgebaut, dass die Kontrolle der Nutzer eingeschränkt ist und Hersteller sie leichter ausbauen können
- Apps eignen sich gut für Push-Benachrichtigungen, das Sammeln von Tracking-Telemetrie und die Aufrechterhaltung geschlossener Ökosysteme
- Nach außen heißt es zwar „bessere Nutzererfahrung“, tatsächlich geht es aber darum, die Nutzerbindung zu sichern
Apps mit einfacher Struktur und überzogenen Anforderungen
- Die meisten Apps haben einen einfachen Aufbau aus Text- und Medien-Feeds oder mehrstufigen Eingabeformularen
- Abgesehen von Fällen mit nötiger Hardware-Integration wie 3D-Spielen oder LiDAR-basiertem AR sind die meisten lediglich dünne Clients, die JSON-Daten per API abrufen und rendern
- Trotzdem verlangen Unternehmen App-Installationen von über 100 MB, Standortfreigaben und die Erlaubnis zur Ausführung im Hintergrund
- Häufig wird Basiskontent allein deshalb in Native-Apps verpackt, um einen Platz auf dem Homescreen zu sichern
Unausgereiftes natives Erlebnis
- Wenn statt des Browsers eine App erzwungen wird, sollte sie zumindest ein hochwertiges natives Erlebnis bieten
- In der Praxis gibt es jedoch viele instabile oder unbeholfene Interfaces
- Als Beispiel wird das Problem verzögerter Shader-Kompilierung in frühen Flutter-Apps auf iOS genannt
- In der Zeit der Skia-Engine kam es beim ersten Start von Animationen zu UI-Rucklern; vor dem Wechsel zu Impeller mussten Shader sogar manuell vorab kompiliert werden
- Solche feinen Unterschiede bei Scroll-Geschwindigkeit, verzögerter Gestenreaktion und unstimmigem Timing wirken auf Nutzer unangenehm
- Menschen können subtile Unterschiede in der Systemreaktion wahrnehmen; das ähnelt Fällen wie der Entdeckung der XZ-Backdoor oder der Erkennung von Latenz in FPS-Spielen
- Wenn diese feinen Interaktionen nicht ausgereift sind, bricht das Vertrauen in das native Erlebnis zusammen
- Das ist kein Problem nur einzelner Apps, sondern ein hinreichend verbreitetes Phänomen mit negativen Folgen für die Gesamtwahrnehmung
Teufelskreis der Enshittification
- Wenn mit bildschirmfüllenden Modals zur App-Installation gedrängt wird, entscheiden sich die meisten Nutzer eher für die Installation als für Widerstand
- Dieses Verhalten wirkt sich positiv auf die Erfolgskennzahlen von PMs aus und schafft damit Anreize, das Web-Erlebnis weiter zu verschlechtern
- Dienste gewinnen ihre Nutzerbasis zunächst über das offene Web, schränken später jedoch die Web-Version absichtlich ein, um Nutzer in die App zu lenken
- Innerhalb der App entsteht dann eine geschlossene Umgebung, in der Werbung und Tracking frei ausgespielt werden können
- Am Ende verkommt das Web zu einem bloßen Akquisekanal, und die Rolle des Browsers als universelle Plattform wird geschwächt
- Aus Sicht der Unternehmen verschwindet der finanzielle Anreiz, die Web-Qualität aufrechtzuerhalten
- Daten zeigen, dass diese Strategie tatsächlich wirksam ist, also hohe Konversionsraten bei Nutzern aufrechterhält
1 Kommentare
Hacker-News-Meinungen
Die meisten Menschen verstehen es nicht, aber für die junge Generation ist das Smartphone gleichbedeutend mit dem Internet
Unsere Generation hat das Internet zuerst am Desktop kennengelernt und es dann auf das Smartphone ausgeweitet
Jugendliche heute erleben das Internet dagegen von Anfang an über den Smartphone-Bildschirm. Selbst Hausaufgaben machen sie auf diesem kleinen Display
Ich persönlich ziehe es immer noch vor, auf einem großen Bildschirm mehr Informationen zu sehen. Deshalb nutze ich zu Hause einen Laptop und unterwegs nur das Handy
Sich vorzustellen, Hausaufgaben auf dem Handy zu machen, fällt mir schwer, aber für Kinder heute ist das ganz natürlich
Ich denke, Apples Werbung „What’s a computer?“ hat das Lebensgefühl dieser Generation sehr genau getroffen
Die meisten dort sind Power-User und leben in einer völlig anderen Welt als normale Nutzer
Dazu gibt es auch einen passenden HN-Thread
Vielmehr ist die heutige Generation gerade deshalb so geworden, weil Unternehmen jahrelang Apps aggressiv durchgedrückt haben
Schon die Annahme „Smartphone-Bildschirm = native App“ ist falsch
Ich würde gern eine Ruhmeshalle der Schande für Unternehmen mit App-Zwang erstellen
Reddit, PayPal, Robinhood, Instagram, SeatGeek und andere blockieren Web-Funktionen und zwingen zur App-Installation
Der NBC-Artikel ist wirklich traurig
Von Firmen, die so eine feindselige UX einsetzen, installiere ich nie eine App
Wegen solcher Systeme machen mir kleine Clubkonzerte inzwischen mehr Spaß als große Events
Ich habe selbst einen einfachen App-Wrapper gebaut, der nur eine Website umhüllt, und überraschenderweise sind die Downloads explodiert
Die Quote bezahlter Conversions stieg um das Zehnfache, und die Kennzahlen der App-Nutzer waren deutlich besser
Am Ende hat es geschäftlichen Wert, allein schon eine App zu haben
Nutzer vertrauen App Stores, deshalb sollten Android und iOS PWAs mit den App Stores verknüpfen
Es wäre viel angenehmer, wenn PWA der Standard wäre
Ich frage mich, ob selbst ein einfacher React-Native-Wrapper problemlos in den Store kam
Ich bin grundsätzlich auch ein Web-first-Mensch
Solange eine Website nicht komplett kaputt ist oder Funktionen blockiert, installiere ich keine App
Dank Responsive Design reicht für die meisten Dinge der Browser völlig aus
Ich wünschte nur, mobile Browser hätten eine Konsolenfunktion
Web-Apps haben weniger Onboarding-Reibung und sind effizienter, weil sie keine Installation erzwingen
Der Reiz nativer Apps besteht faktisch kaum über den Zugriff auf Geräte-APIs hinaus
Meiner Erfahrung nach sind native Apps oft qualitativ besser als das Web
Web-Apps sind langsam, fehleranfällig und verwirrend
Welche Variante man bevorzugt, hängt aber von der Nutzungssituation ab
Selbst Cross-Platform-Apps fühlen sich oft irgendwie unnatürlich an
Wenn eine App aufgezwungen wird, verzichte ich lieber ganz auf den Dienst
Die New York Times nervt im mobilen Web mit Pop-ups, die zur App-Installation drängen
Gerade Nachrichtenseiten sind doch eigentlich ideal für das Web, trotzdem wird die App aufgedrängt
Inzwischen lese ich nur noch Artikel, auf die ich per Link stoße
Webbrowser sind grundsätzlich eine Sandbox-Umgebung und daher sicherer
Apps verlangen mehr Berechtigungen wie Hintergrundzugriff, Standort oder Kontakte
Apps dagegen können per Hash geprüft werden, und mit dem App Store gibt es einen zwischengeschalteten Prüfer
Bei der Signal-App ist zum Beispiel Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet, selbst wenn man dem Server nicht vertraut
Dank Cookies und Cross-Tracking können Web-Apps sogar mehr Daten als Apps sammeln
Wirklich gute User Experience bekommt man am Ende doch meist in nativen Apps
In manchen Fällen ist das sogar sehr nützlich
Browser sind aus Unternehmenssicht nachteilig, weil Werbeblocker, eingeschränkte Benachrichtigungen und Distribution ohne Freigabe möglich sind
Für Nutzer sind das allerdings alles Vorteile
Am Ende ist App vs. Browser ein Konflikt zwischen Unternehmen und Nutzern
Chrome blockiert Spam-Benachrichtigungen sogar und ist dadurch eher sicherer
Ich habe meiner Mutter auf ihrem iPhone SE Apps installiert und musste dabei zwei Stunden lang Speicherplatz freiräumen
App-Caches und doppelte Daten waren überall, und meine Mutter wusste bei der Hälfte der Apps nicht einmal, was das überhaupt ist
Diese Kultur der App-Aufblähung (bloat) muss aufhören. Meist sind das nur dünne Hüllen um Web-Apps
Auch ich bevorzuge das Web, aber die junge Generation ist in einer app-zentrierten Umgebung aufgewachsen und daher nicht an Browser gewöhnt
Für sie bestehen WhatsApp, YouTube und TikTok bereits aus der ganzen Welt
Wie in dem entsprechenden Meme fehlt manchen sogar jedes Verständnis für das Konzept eines Dateisystems
Seit Google die Plattformen nach 2010 in den Mittelpunkt gestellt hat, ist das eigentliche Web verschwunden