10 Punkte von GN⁺ 23 일 전 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Viele Dienste drängen zur App-Installation und schränken die Web-Zugänglichkeit ein, wodurch Nutzer Ermüdung und Unannehmlichkeiten erleben
  • Im Browser lässt sich die Umgebung mit Erweiterungen und Skripten kontrollieren, während Apps strukturell leichter die Kontrolle durch die Hersteller stärken
  • Obwohl die meisten Apps kaum mehr als einfache Text- und Medien-Renderer sind, verlangen sie übermäßigen Speicherplatz und weitreichende Berechtigungen
  • Erzwungene App-Erlebnisse untergraben durch instabile Interfaces und verzögerte Reaktionen oft das Vertrauen in Native-Apps
  • Unternehmen verschlechtern absichtlich die Qualität des Webs, um Kennzahlen zur App-Installation zu steigern, was einen Teufelskreis aus sinkender Offenheit des Webs und weniger Nutzerwahlfreiheit auslöst

Abneigung gegen erzwungene App-Downloads

  • Nutzer, die das Web bevorzugen, sind von der Realität erschöpft, dass die meisten Dienste auf App-Installation drängen
    • Von Social Media bis zur Parkgebühr: Apps werden priorisiert, das Web nur als Nebensache behandelt
    • In Web-Versionen tauchen immer wieder Pop-ups, Modals und Banner am oberen Seitenrand auf, die zur App-Installation auffordern
  • Einige Dienste sind sogar ausschließlich per App erreichbar, was vor allem bei öffentlichen Diensten oder unverzichtbaren Utilities besonders problematisch ist

Unterschied bei der Kontrolle zwischen Browser und App

  • Im Browser können Nutzer ihre Umgebung direkt über Userscripts, Werbeblocker und Erweiterungen steuern
    • Selbst Websites ohne Dark Mode lassen sich per Skript anpassen
    • Auch Änderungen an der Reddit-Seitenleiste können mit einer persönlichen Erweiterung korrigiert werden
  • Apps dagegen sind so aufgebaut, dass die Kontrolle der Nutzer eingeschränkt ist und Hersteller sie leichter ausbauen können
    • Apps eignen sich gut für Push-Benachrichtigungen, das Sammeln von Tracking-Telemetrie und die Aufrechterhaltung geschlossener Ökosysteme
    • Nach außen heißt es zwar „bessere Nutzererfahrung“, tatsächlich geht es aber darum, die Nutzerbindung zu sichern

Apps mit einfacher Struktur und überzogenen Anforderungen

  • Die meisten Apps haben einen einfachen Aufbau aus Text- und Medien-Feeds oder mehrstufigen Eingabeformularen
  • Abgesehen von Fällen mit nötiger Hardware-Integration wie 3D-Spielen oder LiDAR-basiertem AR sind die meisten lediglich dünne Clients, die JSON-Daten per API abrufen und rendern
  • Trotzdem verlangen Unternehmen App-Installationen von über 100 MB, Standortfreigaben und die Erlaubnis zur Ausführung im Hintergrund
    • Häufig wird Basiskontent allein deshalb in Native-Apps verpackt, um einen Platz auf dem Homescreen zu sichern

Unausgereiftes natives Erlebnis

  • Wenn statt des Browsers eine App erzwungen wird, sollte sie zumindest ein hochwertiges natives Erlebnis bieten
    • In der Praxis gibt es jedoch viele instabile oder unbeholfene Interfaces
  • Als Beispiel wird das Problem verzögerter Shader-Kompilierung in frühen Flutter-Apps auf iOS genannt
    • In der Zeit der Skia-Engine kam es beim ersten Start von Animationen zu UI-Rucklern; vor dem Wechsel zu Impeller mussten Shader sogar manuell vorab kompiliert werden
  • Solche feinen Unterschiede bei Scroll-Geschwindigkeit, verzögerter Gestenreaktion und unstimmigem Timing wirken auf Nutzer unangenehm
    • Menschen können subtile Unterschiede in der Systemreaktion wahrnehmen; das ähnelt Fällen wie der Entdeckung der XZ-Backdoor oder der Erkennung von Latenz in FPS-Spielen
  • Wenn diese feinen Interaktionen nicht ausgereift sind, bricht das Vertrauen in das native Erlebnis zusammen
    • Das ist kein Problem nur einzelner Apps, sondern ein hinreichend verbreitetes Phänomen mit negativen Folgen für die Gesamtwahrnehmung

Teufelskreis der Enshittification

  • Wenn mit bildschirmfüllenden Modals zur App-Installation gedrängt wird, entscheiden sich die meisten Nutzer eher für die Installation als für Widerstand
    • Dieses Verhalten wirkt sich positiv auf die Erfolgskennzahlen von PMs aus und schafft damit Anreize, das Web-Erlebnis weiter zu verschlechtern
  • Dienste gewinnen ihre Nutzerbasis zunächst über das offene Web, schränken später jedoch die Web-Version absichtlich ein, um Nutzer in die App zu lenken
    • Innerhalb der App entsteht dann eine geschlossene Umgebung, in der Werbung und Tracking frei ausgespielt werden können
  • Am Ende verkommt das Web zu einem bloßen Akquisekanal, und die Rolle des Browsers als universelle Plattform wird geschwächt
    • Aus Sicht der Unternehmen verschwindet der finanzielle Anreiz, die Web-Qualität aufrechtzuerhalten
    • Daten zeigen, dass diese Strategie tatsächlich wirksam ist, also hohe Konversionsraten bei Nutzern aufrechterhält

1 Kommentare

 
GN⁺ 23 일 전
Hacker-News-Meinungen
  • Die meisten Menschen verstehen es nicht, aber für die junge Generation ist das Smartphone gleichbedeutend mit dem Internet
    Unsere Generation hat das Internet zuerst am Desktop kennengelernt und es dann auf das Smartphone ausgeweitet
    Jugendliche heute erleben das Internet dagegen von Anfang an über den Smartphone-Bildschirm. Selbst Hausaufgaben machen sie auf diesem kleinen Display
    Ich persönlich ziehe es immer noch vor, auf einem großen Bildschirm mehr Informationen zu sehen. Deshalb nutze ich zu Hause einen Laptop und unterwegs nur das Handy

    • Auch ich finde großer Bildschirm und Tastatur beim Schreiben deutlich angenehmer
      Sich vorzustellen, Hausaufgaben auf dem Handy zu machen, fällt mir schwer, aber für Kinder heute ist das ganz natürlich
      Ich denke, Apples Werbung „What’s a computer?“ hat das Lebensgefühl dieser Generation sehr genau getroffen
    • Die HN-Community hat zwar Einsichten, wirkt aber als Konsumenten-Feedback ziemlich weit von der Realität entfernt
      Die meisten dort sind Power-User und leben in einer völlig anderen Welt als normale Nutzer
    • Zwischen heutigen Entwicklern und der jungen Generation gibt es inzwischen eine Trennung, ähnlich dem Meme von der Generation, die kein Dateisystem kennt
      Dazu gibt es auch einen passenden HN-Thread
    • Unternehmen sind aber nicht wegen der Reaktion der Verbraucher app-zentriert geworden, sondern um Datenkontrolle und Gewinnmaximierung zu erreichen
      Vielmehr ist die heutige Generation gerade deshalb so geworden, weil Unternehmen jahrelang Apps aggressiv durchgedrückt haben
    • Die app-zentrierte Kultur ist ein Erfolgsindikator der Unternehmen, keine natürliche Entscheidung der Nutzer
      Schon die Annahme „Smartphone-Bildschirm = native App“ ist falsch
  • Ich würde gern eine Ruhmeshalle der Schande für Unternehmen mit App-Zwang erstellen
    Reddit, PayPal, Robinhood, Instagram, SeatGeek und andere blockieren Web-Funktionen und zwingen zur App-Installation

    • Robinhood sorgt zusätzlich für Verwirrung, weil die App nun „Banking“ heißt. Die Karte selbst ist gut, aber ich mag die App nicht
    • Ein 81-jähriger Dodgers-Fan hat 50 Jahre lang Dauerkarten gekauft, bekommt jetzt aber ohne Smartphone keine Tickets mehr
      Der NBC-Artikel ist wirklich traurig
    • LinkedIn aktualisiert den Feed im mobilen Web tagelang nicht, und wenn man das Popup zur App-Installation schließt, wird man absichtlich ganz nach oben gescrollt
      Von Firmen, die so eine feindselige UX einsetzen, installiere ich nie eine App
    • Es hat mich schockiert, dass man bei SeatGeek ohne App gar keinen Zugang zu Veranstaltungen bekommt
      Wegen solcher Systeme machen mir kleine Clubkonzerte inzwischen mehr Spaß als große Events
    • Spotify blockiert in seiner PWA sogar den Zugriff auf die Liste der mit „Gefällt mir“ markierten Songs
  • Ich habe selbst einen einfachen App-Wrapper gebaut, der nur eine Website umhüllt, und überraschenderweise sind die Downloads explodiert
    Die Quote bezahlter Conversions stieg um das Zehnfache, und die Kennzahlen der App-Nutzer waren deutlich besser
    Am Ende hat es geschäftlichen Wert, allein schon eine App zu haben

    • Bei PWAs ist der Installationsprozess kompliziert und die Auffindbarkeit (discoverability) gering
      Nutzer vertrauen App Stores, deshalb sollten Android und iOS PWAs mit den App Stores verknüpfen
    • PWAs sind wegen weiterhin eingeschränkter Funktionen gegenüber Apps im Nachteil
      Es wäre viel angenehmer, wenn PWA der Standard wäre
    • Natürlich gibt es auch Apps, die wirklich hervorragend gemacht sind, und dann spürt man wieder das Potenzial nativer Apps
    • Mich würde interessieren, wie oft App-Updates in der Praxis tatsächlich gemacht werden
    • Ich betreibe ebenfalls ein B2B-SaaS-Produkt, und wegen Push-Benachrichtigungen brauche ich eine App
      Ich frage mich, ob selbst ein einfacher React-Native-Wrapper problemlos in den Store kam
  • Ich bin grundsätzlich auch ein Web-first-Mensch
    Solange eine Website nicht komplett kaputt ist oder Funktionen blockiert, installiere ich keine App
    Dank Responsive Design reicht für die meisten Dinge der Browser völlig aus
    Ich wünschte nur, mobile Browser hätten eine Konsolenfunktion

    • Seiten, die Funktionen blockieren, sind meiner Meinung nach von vornherein keinen Besuch wert
    • Als Entwickler gefällt es mir nicht, auf den Prüfprozess der App Stores angewiesen zu sein
      Web-Apps haben weniger Onboarding-Reibung und sind effizienter, weil sie keine Installation erzwingen
      Der Reiz nativer Apps besteht faktisch kaum über den Zugriff auf Geräte-APIs hinaus
    • Schon jetzt zwingen viele Websites durch Funktionsbeschränkungen zur App-Installation
    • Auch Facebook verschlechtert das Web-Erlebnis absichtlich, um zur App-Installation zu drängen
    • Oft werden Funktionen nur im mobilen Web blockiert, und mit dem Wechsel in den Desktop-Modus lässt sich das manchmal umgehen
  • Meiner Erfahrung nach sind native Apps oft qualitativ besser als das Web
    Web-Apps sind langsam, fehleranfällig und verwirrend
    Welche Variante man bevorzugt, hängt aber von der Nutzungssituation ab

    • PWAs kommen bei der Reaktionsfähigkeit noch nicht an native Apps heran
      Selbst Cross-Platform-Apps fühlen sich oft irgendwie unnatürlich an
    • Aus Sicherheitsgründen bevorzuge ich das Web wegen der Browser-Sandbox
      Wenn eine App aufgezwungen wird, verzichte ich lieber ganz auf den Dienst
    • Mobile-Teams konzentrieren sich oft exklusiv auf ihre Plattform, während Web-Teams bei der QA eher desktopzentriert arbeiten, daher entstehen Qualitätsunterschiede
    • Umgekehrt gibt es auch Fälle, in denen Apps weniger Funktionen als das Web haben. Die GitHub-App ist dafür ein gutes Beispiel
  • Die New York Times nervt im mobilen Web mit Pop-ups, die zur App-Installation drängen
    Gerade Nachrichtenseiten sind doch eigentlich ideal für das Web, trotzdem wird die App aufgedrängt

    • Die NYT hat neue Abonnenten mit automatisch abspielenden Videos und Spam-artigen E-Mails verärgert
      Inzwischen lese ich nur noch Artikel, auf die ich per Link stoße
    • Selbst zahlenden Abonnenten die UX absichtlich zu verschlechtern, ist für mich nicht nachvollziehbar
    • Einen Dark Mode gibt es nur in der App. Dabei ist selbst diese App nicht nativ
    • Auch in diesem HN-Thread wird die NYT als Negativbeispiel schlechthin genannt
    • Trotzdem sind einige Inhalte in der NYT-App, etwa Spiele und interaktive Artikel, gut umgesetzt
  • Webbrowser sind grundsätzlich eine Sandbox-Umgebung und daher sicherer
    Apps verlangen mehr Berechtigungen wie Hintergrundzugriff, Standort oder Kontakte

    • Web-Apps laden allerdings jedes Mal neuen Code herunter, wodurch sich auch maßgeschneiderte Backdoors einschleusen ließen
      Apps dagegen können per Hash geprüft werden, und mit dem App Store gibt es einen zwischengeschalteten Prüfer
      Bei der Signal-App ist zum Beispiel Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet, selbst wenn man dem Server nicht vertraut
    • Ich war früher Android-Entwickler und habe eher das Gefühl, dass der Browser gefährlicher ist
      Dank Cookies und Cross-Tracking können Web-Apps sogar mehr Daten als Apps sammeln
      Wirklich gute User Experience bekommt man am Ende doch meist in nativen Apps
    • Wenn Apps Standort oder Kontakte abfragen, gibt es dafür ein Verfahren zur Nutzereinwilligung
      In manchen Fällen ist das sogar sehr nützlich
    • Per JS kann man zwar ebenfalls Standortdaten abrufen, aber nur eingeschränkt
    • iOS ist beim Berechtigungsmanagement so ausgelegt, dass unerlaubter Zugriff schwer möglich ist
  • Browser sind aus Unternehmenssicht nachteilig, weil Werbeblocker, eingeschränkte Benachrichtigungen und Distribution ohne Freigabe möglich sind
    Für Nutzer sind das allerdings alles Vorteile
    Am Ende ist App vs. Browser ein Konflikt zwischen Unternehmen und Nutzern

    • Einige Browser unterstützen allerdings Push-Benachrichtigungen, auch wenn die Seite nicht geöffnet ist
      Chrome blockiert Spam-Benachrichtigungen sogar und ist dadurch eher sicherer
  • Ich habe meiner Mutter auf ihrem iPhone SE Apps installiert und musste dabei zwei Stunden lang Speicherplatz freiräumen
    App-Caches und doppelte Daten waren überall, und meine Mutter wusste bei der Hälfte der Apps nicht einmal, was das überhaupt ist
    Diese Kultur der App-Aufblähung (bloat) muss aufhören. Meist sind das nur dünne Hüllen um Web-Apps

  • Auch ich bevorzuge das Web, aber die junge Generation ist in einer app-zentrierten Umgebung aufgewachsen und daher nicht an Browser gewöhnt
    Für sie bestehen WhatsApp, YouTube und TikTok bereits aus der ganzen Welt
    Wie in dem entsprechenden Meme fehlt manchen sogar jedes Verständnis für das Konzept eines Dateisystems

    • Deshalb entdecken manche junge Leute heute das „Small Web“ neu
      Seit Google die Plattformen nach 2010 in den Mittelpunkt gestellt hat, ist das eigentliche Web verschwunden
    • Ich habe meinem Stiefsohn tatsächlich einmal einen USB-Stick gegeben, und statt den Datei-Explorer zu öffnen, startete er Chrome und wusste nicht, was er tun sollte