15 Prinzipien für eine effektive Zusammenarbeit mit der Führungskraft
Die Zusammenarbeit mit der Führungskraft (Managing Up) ist eine Kernkompetenz für die Karriere. Die folgenden Prinzipien zeigen konkrete Methoden und Gründe, die sich direkt in der Praxis anwenden lassen.
1. Die Zusammenarbeit mit der Führungskraft als Teil der eigenen Arbeit verstehen
- Erkennen Sie, dass ein wichtiger Teil Ihrer Arbeitsleistung in der „Zusammenarbeit mit der Führungskraft“ besteht.
- Statt zu denken: „Warum muss ich mich nach meiner Führungskraft richten?“, sollten Sie akzeptieren, dass Harmonie mit der Führungskraft Ihr eigenes Wachstum und den Erfolg der Organisation entscheidend beeinflusst.
- Wenn Sie versuchen, die Entscheidungsweise, den Arbeitsstil und die Prioritäten Ihrer Führungskraft zu verstehen, läuft auch Ihre eigene Arbeit reibungsloser.
2. Die Schlussfolgerung klar zuerst nennen
- Stellen Sie zuerst die Schlussfolgerung (Kommentar) vor, in der Reihenfolge „Kernaussage → Hintergrund“.
- Beispiel: „Ich empfehle, dieses Thema weiterzuverfolgen (Schlussfolgerung). Die Gründe sind A und B (Hintergrund).“
- Besonders wichtig ist das in asynchroner Kommunikation wie Messenger oder E-Mail (deduktiver Stil).
- So kann die Führungskraft auch in einem vollen Terminplan schnell Entscheidungen treffen oder den Kontext erfassen.
3. Den eigenen Gedankengang transparent machen
- Erläutern Sie auch den Weg zur Schlussfolgerung, die Logik, die Annahmen (assumption) und sogar den Grad Ihrer Sicherheit.
- „Die Logik hinter dieser Einschätzung ist wie folgt: 1) ... 2) ... 3) ...“
- Führungskräften fehlen zwangsläufig Informationen; wenn Sie die Zwischenschritte zeigen, steigt das Vertrauen.
4. Potenzielle Probleme frühzeitig teilen
- Wenn sich ein Problem andeutet, ist es besser, nicht erst zu informieren, wenn es bereits „explodiert“ ist, sondern sofort bei den ersten Anzeichen.
- Wenn Sie Priorität, Schweregrad und Auswirkungen des Problems früh mit der Führungskraft abstimmen, lassen sich zusätzliche Verluste oder Missverständnisse verringern.
5. Statt Beschwerden Lösungen vorschlagen
- Sagen Sie nicht einfach nur: „Das ist schwierig“, sondern bereiten Sie zusammen mit der Ursache des Problems einige Alternativen vor.
- „Wegen Personalmangels ist der Zeitplan schwierig (Problem). → Schlagen Sie eine der folgenden Lösungen vor: Prioritäten anpassen / externe Unterstützung / Frist verlängern.“
6. Informationen priorisieren und entsprechend vermitteln
- Wenn Sie längere Inhalte vermitteln, verwenden Sie die Struktur „Anfrage oder Vorschlag → Hintergrund“.
- Beispiel: „Ich bitte um Freigabe für Option A. Der Grund ist ...“
- Schlussfolgerung und Kontext sollten klar getrennt vermittelt werden, damit sie sich nicht vermischen.
7. Das Teilen von Statusinformationen zur Routine machen
- Gewöhnen Sie sich an ein Muster wie „Ankündigung → Fortschritt → Update → Abschlussmeldung“.
- Je schneller Sie nicht nur gute Nachrichten, sondern auch Fehler, Misserfolge oder Krisen melden, desto eher erhalten Sie Feedback und bauen Vertrauen auf.
8. Prüfen, ob Mikromanagement durch mangelnde Kommunikation entsteht
- Wenn die Führungskraft häufig nachfragt, überlegen Sie, ob das an einem kontrollierenden Stil liegt oder an unzureichender Berichterstattung von Ihrer Seite.
- Wenn fehlende Informationen Ihrerseits die Ursache sind, erhöhen Sie die Kommunikationsdichte gezielter und detaillierter.
9. Daran denken, dass vermeintlich viel Kommunikation in Wahrheit die richtige Menge sein kann
- Je weniger Erfahrung oder Verantwortung vorhanden ist, desto normaler ist es, häufiger und detaillierter zu berichten.
- Wenn Sie in der Arbeit routinierter werden, nimmt auch die Häufigkeit der Nachfragen durch die Führungskraft ganz natürlich ab.
10. Proaktiv die nächsten Schritte vorschlagen
- Warten Sie nicht nur auf Anweisungen der Führungskraft, sondern bringen Sie proaktiv ein oder zwei Optionen ein.
- „Für den nächsten Schritt empfehle ich, zwischen A/B/C zu wählen. Meiner Ansicht nach ist A am besten. Der Grund ist ...“
- Wenn Sie die Führungskraft nicht zu einer „Entscheidungsmaschine“ machen, sondern zu einer aktiven Diskussionspartnerin oder einem aktiven Diskussionspartner, entsteht mehr Vertrauen.
11. Nicht nur fragen, sondern Alternativen mitliefern
- Statt „Wie sollen wir vorgehen?“ lieber
- „Es gibt die beiden Optionen A und B, und ich halte A für geeigneter. Haben Sie eventuell eine andere Meinung?“
- Anfragen, die nicht nur ein einfacher Prompt sind, sondern Meinung + Hypothese + Frage enthalten, führen zu produktiveren Diskussionen.
12. Fragen der Führungskraft im Voraus antizipieren
- Bereiten Sie Daten, Belege und Dokumente im Voraus vor, indem Sie die Punkte antizipieren, nach denen Ihre Führungskraft fragen könnte.
- Eine vorbereitete Haltung wie „Die Unterlagen finden Sie hier, sagen Sie gern Bescheid, falls zusätzliche Erläuterungen nötig sind“ maximiert die Effizienz der Kommunikation.
13. In ungesunden Organisationen auch den Rückzug in Betracht ziehen
- Wenn trotz aller Bemühungen strukturell keine Verbesserung möglich ist, vergessen Sie nicht, dass auch der „Mut zu gehen“ Teil guter Selbststeuerung sein kann.
- Die Beziehung zur Führungskraft hängt direkt mit der „Gesundheit des Teams“ zusammen.
14. Das Benötigte konkret anfordern
- Statt „Bitte geben Sie Feedback“ sollten Sie möglichst konkret fragen, etwa: „Zu diesem Teil (Inhalt/Richtung/Ressourcen usw.) benötige ich Feedback in Bezug auf OOO. Ich bitte darum bis dann und dann.“ So ist es leichter, das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
15. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit der Führungskraft wird ein Leben lang gebraucht
- Denken Sie daran: Auch mit höherem Rang oder Titel sind Sie „immer jemand, der an jemand anderen berichtet“.
- Selbst Gründerinnen und Gründer haben verschiedene „Vorgesetzte“ wie Investor:innen, Kund:innen oder Partner:innen, daher wird diese Fähigkeit ein Leben lang gebraucht.
> „Zusammenarbeit mit der Führungskraft bedeutet nicht einfach, Stimmungen zu lesen oder nur zu folgen, sondern ist eine aktive Strategie, mit der ich angenehmer arbeite und wachse. Wenn ich mich verändere, verändern sich auch Führungskraft, Team und Organisation nach und nach.“
Klare und eigenverantwortliche Kommunikation, wiederholtes und gründliches Teilen von Informationen sowie eine problemlösungsorientierte Perspektive sind das Wesen von Managing Up. Wenn Sie diese Liste im Arbeitsalltag Punkt für Punkt umsetzen, werden Sie eine veränderte Zusammenarbeit erleben.
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