1 Punkte von GN⁺ 2025-07-12 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Der Digital Markets Act (DMA) der EU stuft Betriebssysteme wie iOS als Gatekeeper ein und erzwingt Interoperabilität mit Wettbewerbern
  • Apple und Google betonten in einem DMA-Compliance-Workshop in Brüssel, dass die Anwendung des Gesetzes überzogen sei und Verbrauchern wie Unternehmen schade
  • Apple zeigte im Umgang mit der Regulierung eine zurückhaltende Haltung und wich auf viele Fragen konkreten Antworten aus oder antwortete nur abstrakt
  • Bei zentralen Streitpunkten wie der Öffnung des App Store und von Browser-Engines hält Apple weiterhin an einer geschlossenen Politik fest und versucht zugleich, Wettbewerber in Schach zu halten
  • Um Fairness und Wirksamkeit der Regulierung sicherzustellen, ist es wichtig, in allen Zuständigkeitsbereichen dieselben Standards anzuwenden und eine Ordnung zu etablieren, die sich nicht vom Einfluss großer Konzerne treiben lässt

Teilnahme am Workshop und Perspektive der Open Web Advocacy (OWA)

  • Ein OWA-Mitglied nahm am DMA-Compliance-Workshop von Apple und Google im Gebäude der EU-Kommission in Brüssel teil
  • Der DMA der EU stuft Plattformen mit vielen Nutzern (Betriebssysteme, App Stores usw.) als Gatekeeper ein und verpflichtet sie zu fairer Interoperabilität mit Wettbewerbern
  • Solche Plattformen müssen Dritten (Wettbewerbern) dieselben Berechtigungen und dieselbe Zugänglichkeit bieten wie den eigenen Produkten; Selbstbevorzugung und wettbewerbswidriges Verhalten sind verboten
  • Typische Streitpunkte sind die Nutzung fremder Browser-Engines auf iOS, die Zulassung fremder App Stores und gleichwertiger Zugriff bei der Anbindung externer Geräte
  • Derzeit sind 25 Produkte von 7 Unternehmen als Gatekeeper eingestuft

Apples Auftreten und Argumentation im Workshop

  • Apple betonte schon zu Beginn der Präsentation die eigene Überlegenheit und die angebliche „Unfairness“ der Rechtsanwendung und wiederholte damit die Botschaft, dass die Einhaltung des DMA schwierig sei
  • Formulierungen wie „die EU-Interpretation von Interoperabilität sei extrem“, „man wünsche sich eine schnelle Rechtsprechung europäischer Gerichte“ und „man werde die eigenen Rechte aktiv verteidigen“ fielen in aggressivem Ton
  • Auch nach Eingriffen der Moderation setzte Apple seine Argumentation über die zugelassene Zeit hinaus fort
  • Gegenüber Wettbewerbern und Teilnehmern zeigte das Unternehmen eine respektlose Haltung und teils aggressive Wortwahl
  • Google vertrat eine ähnliche Position, trat aber vergleichsweise zurückhaltender auf

Apples Vorgeschichte bei der Umgehung von Regulierung

  • Das Muster eines widerständigen Umgangs mit Regulierung wiederholt sich
  • Gegen die Gatekeeper-Einstufung, die betreffenden Rechtsvorschriften und praktisch alle Regulierungselemente wurden Rechtsmittel eingelegt
  • Auch eine Untersuchung der britischen CMA wurde unter Verweis auf technische Gründe um ein Jahr verzögert
  • In einem US-Gerichtsurteil wurde Apple ebenfalls auf ein erzwingen wettbewerbswidriger Entscheidungen hingewiesen
  • Der Jahresumsatz von Apple und Google beträgt zusammen etwa das Doppelte des gesamten EU-Haushalts, weshalb kleinere Geldbußen kaum Wirkung entfalten

Fragerunde, Vorgehensweise und Kontroversen

  • Auffällig waren ausweichende schwer verständliche Antworten, wiederholte Verallgemeinerungen und ein Mangel an konkreten Aussagen
  • In den Teilen zu Interoperabilität, Prozessen und Geräteanbindung konzentrierte sich die OWA mit ihren Fragen auf Browser und Prozesstransparenz
  • Beispiel: Apples fehleranfälliges Bug-Tracking-System (statische PDF, nur wöchentliche Aktualisierung, schlechte Zugänglichkeit); Apple räumte ein, dass die Umsetzung mit dem Hinweis „es war schwierig, die Anforderungen rechtzeitig zu erfüllen“ unzureichend gewesen sei
  • Auch bei der Prüfung fremder App Stores hält Apple an wenig wirksamer menschlicher Kontrolle fest und zeigt eine abwehrende Haltung gegenüber dem offenen Web
  • Selbst auf den Hinweis, dass im App Store eine gute Funktion zur Meldung betrügerischer Apps fehle, wiederholte Apple nur unbeholfen, eine solche Funktion sei „klar vorhanden“
  • Bei der Forderung nach Öffnung für Browser-Engines argumentierte Apple, neue Angebote müssten als neue App veröffentlicht werden und die Gewinnung bestehender Nutzer müsse von vorn beginnen
  • Für Probleme wie die unzureichende Förderung des Wechsels des Standardbrowsers und überzogene Vertragsbedingungen bei alternativen Engines entzog sich Apple der Verantwortung
  • Gegenüber Teilnehmergruppen wie OWA, CODE und DuckDuckGo wurde versucht, sie als von Wettbewerbern gesteuertes Lobbying darzustellen und so unter Druck zu setzen

Browser und Altersbeschränkungen

  • Wenn auf iOS Altersbeschränkungen (Parental Controls) aktiviert sind, ist nur Safari nutzbar und alle Browser werden als ab 17 Jahren eingestuft (eine kaum nachvollziehbare Politik)
  • Für Safari gilt eine gesonderte Ausnahme, während in soziale Medien integrierte Browser nicht denselben Beschränkungen unterliegen
  • Einschränkungen für Webentwickler außerhalb der EU: Schwachstellen, Bugs und Kompatibilitätsprobleme, die nur auf EU-iPhones mit iOS auftreten, lassen sich für viele Webentwickler nur schwer nachvollziehen

Kontroverse um sensible Finanzierung und Interessenvertreter bei Apple

  • Apple betonte die Finanzierungsquellen der Teilnehmer sowie die Zusammensetzung der beteiligten Organisationen
  • Kritisiert wurde jedoch, dass Organisationen, die direkt oder indirekt von Apple finanziert werden (z. B. die App Association), anwesend waren und stellvertretend agierten
  • Durch das Verbergen des „Sponsor“-Status und die uneinheitliche Nutzung von Organisationsnamen blieb die Herkunft mancher Teilnehmer unklar

Notwendigkeit globaler DMA-Umsetzung und Ausweitung der Regulierung

  • Das Problem regional begrenzter Funktionen, die nur in der EU gelten (ohne ausreichende Ausweitung auf Drittländer), mindert die Wirksamkeit der Regelung
  • Es braucht weltweit gemeinsame Standards; wenn jedes Land eigene APIs und Vertragsanforderungen hat, wird die Veröffentlichung und Pflege von Browsern faktisch unmöglich
  • Nur die größten Märkte (USA, EU) profitieren, während andere Länder stärker benachteiligt werden
  • Für die Wirksamkeit der Regulierung ist eine breite geografische Ausweitung unverzichtbar

Kontroverse um PWA (Web-App) und Nutzerzugänglichkeit

  • PWA-Unterstützung in Browsern mit Drittanbieter-Engine bleibt unmöglich, und die Komplexität des Installationsprozesses wurde nicht beseitigt
  • Apple wiederholte lediglich grundsätzliche Antworten im Stil von „dazu gibt es derzeit nichts anzukündigen“
  • Während App-Store-Apps leicht oder sogar versehentlich installiert werden können, verlangt Apple für Web-Apps weiterhin einen übermäßig komplizierten Installationsprozess

Weitere Punkte und Abschluss

  • In der letzten Frage wurden zusätzlich Probleme wie Datenportabilität, die mangelhafte Exportfunktion von Apple Photos und die fehlende Wahlfreiheit der Nutzer beim Cloud-Anbieter angesprochen
  • Nach dem Ende des Treffens gab es viele Gelegenheiten zum Networking und Informationsaustausch zwischen den teilnehmenden Gruppen
  • Der Titel dieses Beitrags, „Apple vs the Law“, spiegelt eine kritische Sicht auf die Notwendigkeit wider, Fairness und Wirksamkeit des Rechts sicherzustellen
  • Apples politische Medienstrategie und der Betrieb von Lobby-Organisationen schaden der Glaubwürdigkeit und Transparenz der Regulierungsdurchsetzung und untergraben damit das Vertrauen in die Demokratie
  • Alle Unternehmen sollten dem Gesetz gleichermaßen unterliegen und in fairem Wettbewerb am Markt stehen; der Missbrauch des Einflusses großer Konzerne ist zu kritisieren

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-07-12
Hacker-News-Meinungen
  • Als Europäer bin ich in solchen Fällen meist beeindruckt davon, wie die EU auftritt. Auch das Land, in dem ich lebe, ist wohlhabend und leistungsfähig, hat aber nur ein BIP, das einen Bruchteil von Apples Marktkapitalisierung ausmacht. Gegen einen so gewaltigen Konzern hat ein einzelner Staat schlicht nicht genug Macht, um Verbraucherrechte zu schützen. Die EU ist im Kern ein mitte-rechtes, libertäres, unternehmensfreundliches Bündnis. Das heißt auch, dass sie Wettbewerb unterstützt. Besonders beeindruckend ist, dass die EU trotz des starken Populismus in einigen Mitgliedstaaten nicht in nationalen Unternehmensprotektionismus abgleitet und europäischen Firmen keine Sonderbehandlung gewährt

    • Ich sehe das anders. Die EU macht das Regulierungsumfeld so komplex, dass sich am Ende nur große Unternehmen, also Big Tech oder etablierte europäische Großkonzerne, die Compliance leisten können. Dazu kommen noch Öko-Kampagnen wie Verpackungsregeln: Selbst wenn dadurch der Verpackungsmüll europäischer Unternehmen etwas sinkt, werden am Ende nur europäische Produkte teurer und Verbraucher kaufen dann mehr bei ausländischen Marktplätzen wie Temu

    • Ich denke nicht, dass BIP (gesamtwirtschaftliche Produktion) und Marktkapitalisierung (Börsenwert) vergleichbar sind. Das sind völlig unterschiedliche Konzepte

    • Ich finde, die EU sollte bei Regulierung noch weiter gehen. Dass die USA Infrastruktur wie AWS oder Microsoft ähnlich einsetzen könnten, wie China in einem Handelskrieg den Export seltener Erden einsetzt, ist inzwischen eine realistisch vorstellbare Möglichkeit. AWS/Microsoft und Android/iOS sind zu kritischer Infrastruktur geworden. Dinge wie Sovereign Cloud einzuführen reicht nicht aus; solche Systeme brauchen kontinuierliche Überwachung und Verbesserung. Allein mit Kartellregulierung lässt sich das nicht lösen, man muss Monopole tatsächlich zerschlagen

    • Als Europäer stimme ich dem ersten Kommentar zu. Mir gefällt, dass die EU das Thema ernst nimmt und mit dem Digital Markets Act (DMA) das Konzept des "gatekeeper" eingeführt hat, das nur auf große Unternehmen angewendet wird und nicht auf kleine (auch wenn ich einzelnen Bestimmungen nicht zustimme). Ganz frei von Protektionismus ist es aber nicht. De facto gibt es in Europa keine Gatekeeper, daher trifft die Wirkung des DMA am Ende fast immer nur ausländische Unternehmen (mit Ausnahme von Spotify vielleicht)

    • Du hast Europa als mitte-rechts bezeichnet, und dieser Maßstab ist interessant. Letztlich kann das, was für den einen "rechts" ist, für jemand anderen "links" sein

  • Der interessanteste Teil des Artikels steckt in den Fußnoten. Dort geht es darum, wie Apple das Gericht davon überzeugt hat, dass iPadOS ein anderes Betriebssystem als iOS sei, und damit die Einstufung von iPadOS als Gatekeeper fast ein Jahr verzögert hat. Jetzt werden auch die Einstufungen von iOS, Safari und App Store jeweils rechtlich angefochten, und bei iMessage war Apple sogar erfolgreich darin, es ganz von der Gatekeeper-Einstufung auszunehmen. Apple hängt sich an das mehrdeutige Komma im Wortlaut des DMA und bringt bei Artikel 6(7) zur Interoperabilität sogar Menschenrechtsargumente ins Spiel. Die Argumentation in Apples Rechtsschrift kann vollständig unter diesem Link nachgelesen werden. Der vollständige Wortlaut von Artikel 6(7) lautet: "Der Gatekeeper muss Geschäftsnutzern und alternativen Diensteanbietern bei der Erbringung von Diensten kostenlos wirksame Interoperabilität sowie Zugang zu denselben Betriebssystem-, Hardware- oder Softwarefunktionen gewährleisten, die er selbst bei der Erbringung seiner Dienste nutzt"

    • Für einen Großkonzern wie Apple ist es selbstverständlich, enorme Summen in die Rechtsabteilung zu stecken, um über solche scheinbar kleinen Details zu streiten, sogar über ein Komma. Daraus können Urteile in Milliardenhöhe entstehen. Schon allein über ein Komma zu streiten lohnt sich kostenmäßig mehr als genug

    • Dass Apple verschiedene juristische Tricks nutzt, um gerichtliche Entscheidungen zu vermeiden, ist nicht überraschend. Überraschend ist eher, wie verbreitet in vielen Foren die Vorstellung ist, nur Apple mache so etwas oder Apple mache es besonders extrem

    • Jemand bat darum, die Logik hinter Apples Argumentation zu erklären. Wie genau soll diese Bestimmung, also die Interoperabilitätsanforderung, im Widerspruch zur Charta der Grundrechte der Europäischen Union stehen?

    • Ich finde es amüsant, dass Apple in Europa gerade die Rolle des Verteidigers der Menschenrechte spielt. Man fragt sich fast, ob Apple wirklich ein ungewöhnlicher, künstlerisch-humanistischer Underdog ist

  • Vor fast zehn Jahren habe ich aufgehört, "Apps" zu kaufen, nachdem Apple eine von mir bezahlte App ohne Erklärung und ohne Erstattung gelöscht hatte. Ich mag auch die Marke "App" nicht. Für mich trägt das Wort ohnehin diesen abgrenzenden Unterton einer Kinderversion echter Softwareanwendungen. Als Ausnahme habe ich das Spiel Vampire Survivors gekauft, das in Wahrheit kostenlos war (vermutlich wegen der vielen Klone im App Store). Trotzdem habe ich über 100 Apps installiert, nutze aber mit Ausnahme des Browsers (Brave) keine davon wirklich. Die Benutzbarkeit ist so unbeholfen, dass ich ihre Existenz direkt nach der Installation wieder vergesse. Apple weiß selbst, dass es Usability-Probleme gibt, kann sie aber wegen des riesigen App-Ökosystems nur sehr langsam und zögerlich beheben. In der Zwischenzeit entstehen neue UI-Unbequemlichkeiten doppelt so schnell. Vor zehn Jahren war die Usability bei Dingen wie dem Kopieren von Text noch hervorragend, heute ist die Bedienung trotz größerer Bildschirme wegen des kaputten Web-Standards viel schwieriger als früher. Textbearbeitung ist oft praktisch unmöglich, und selbst das Extrahieren von Text über das Tippen-und-Halten-Menü funktioniert erst nach zwei oder drei Versuchen. Auf alten iPads klappt das noch gut. Es ist kaum zu glauben, wie stark sich das zurückentwickelt hat

    • Mir geht es auf dem iPhone genauso: Textbearbeitung wirkt fast unmöglich. Ich bekomme den Cursor nicht mitten in ein Wort, also lösche ich immer an Wortgrenzen und tippe neu. Die Touch-Zonen der Tastatur unterscheiden sich auch von Android, weshalb ich oft versehentlich eine ganze Zeile auswähle
  • Als Entwickler von Software für Apples Plattformen fällt es mir in letzter Zeit immer schwerer, noch positiv zu bleiben. Apple führt jedes Jahr neue Formen der Schikane ein. Auch die Wirtschaftlichkeit von iPhone-App-Entwicklung ist stark gesunken, sodass es inzwischen eher ein Mittel geworden ist, Mühsal zu ertragen. Frustrierend ist, dass es sich realistisch gesehen um eine unbewegliche Infrastruktur handelt, an die man sich Apple zuliebe anpassen muss

    • Ich verstehe wirklich nicht, warum man ein so entwicklerfeindliches Ökosystem weiter unterstützt. Schon aus Selbstachtung, für die eigene Zukunft und für die Branche insgesamt, sollte man die Einkommensquelle wechseln

    • Alle iOS- und Android-Entwickler, die ich kenne, verkaufen ihre Apps nicht direkt. Sie entwickeln hauptsächlich im Auftrag Apps für Dienste von Unternehmen oder Institutionen. Banken, Versicherungen, Rundfunk, öffentlicher Nahverkehr, Autos usw. verdienen am eigentlichen Dienst, und die App selbst wird kostenlos verteilt

  • „...leider ist es unmöglich, all die komplexe technische Umsetzung zu leisten, die erforderlich wäre, um der Auslegung der Kommission zu entsprechen...“ Tatsächlich wäre daran überhaupt nichts komplex oder unmöglich, wenn man einfach ein paar if-Anweisungen in der Signaturprüfungslogik entfernt

    • Ist das nicht viel zu schwer! Apple ist doch nur ein Unternehmen mit Gewinnen in Höhe des BIP eines kleinen Landes. Da ist natürlich kein Geld da, um ein paar Programmierer für einige if-Abfragen zu bezahlen! Solch komplexe Arbeiten sind wohl erst möglich, wenn Drittanbieter-Apps auf iMessage-Server zugreifen dürfen oder man den Bildschirm ohne Apples Erlaubnis austauschen kann

    • Ich stimme zu, dass Apples Antwort weder besonders wertvoll noch besonders realitätsnah ist. In Wirklichkeit kann es aber deutlich mehr Arbeit sein, als es von außen aussieht. Es geht vielleicht nicht nur um einen einzelnen Zweig, sondern darum, im ganzen System verteilte Annahmen zu prüfen und so neu zu gestalten, dass alles sicher und konsistent bleibt. Und das ist eigentlich auch nicht der Kern des Problems. Egal wie schwierig es ist: Eine Ausrede nach dem Muster "Unser Auto könnte mit 50% Wahrscheinlichkeit explodieren, wenn man es startet, deshalb können wir keine Maßnahmen ergreifen" wird regulatorisch schlicht nicht akzeptiert. Nicht der Schwierigkeitsgrad ist entscheidend, sondern dass eine solche Antwort selbst nur eine geschickte PR-Ausflucht ist

    • Wenn dieses Argument wirklich gilt, müsste Apple sein Geschäft in Europa einstellen. Wenn man das Gesetz nicht einhalten kann, kann man nicht weiter operieren. Und falls man bald doch einen Weg findet, die Vorschriften einzuhalten, frage ich mich, welche Konsequenzen es dann für die vorherige Behauptung der Unmöglichkeit geben wird

    • Es könnte tatsächlich ein tief verwurzeltes Problem sein und nicht nur ein einzelnes if. Auf grundlegenden Annahmen über Signaturen, Paketformate usw. bauen Hunderttausende Zeilen Code und Interfaces auf. Früher hat selbst eine kleine Änderung wie das Verschieben einer Feldposition 12 Wochen gedauert, weil mehrere Ebenen neu entworfen werden mussten. Von außen wirkt es leicht, in Wirklichkeit muss man vielleicht Teile des ganzen Systems neu schreiben

    • Die Signaturprüfung lässt sich im Code vielleicht technisch mit ein paar Zeilen deaktivieren, aber das eigentliche Problem ist, nach außen neue Schnittstellen zu öffnen und dabei die bisherigen Sicherheitsgrenzen zu erhalten. Berechtigungsverwaltung, API-Stabilität, Sandboxing und vieles mehr wurden unter der Annahme eines geschlossenen Systems entworfen; schon eine Ausweitung des Erlaubten kann einen Neuaufbau des gesamten Sicherheitsmodells erforderlich machen

  • Ich habe online an dem Workshop teilgenommen (meine Frage ist auch in der Aufzeichnung). Insgesamt fand ich es Zeitverschwendung. Nach der App-Store-Session bin ich nicht einmal mehr geblieben. Das lag auch an der Zeitverschiebung zur mitteleuropäischen Zeit, aber vor allem war das Format furchtbar. Apple behauptete ständig sinngemäß, "die EU lässt unser OS kaputtmachen", und die Europäische Kommission (EC) bündelte die Fragerunde, sodass Apple Fragen einfach ignorieren und fünf Minuten lang irgendetwas sagen konnte, ohne wirklich zu antworten. Ich hatte erwartet, dass die EC nachhaken würde, warum niemand die von Apple bereitgestellten Regeln für Drittentwickler nutzt, die in der Praxis absichtlich unbenutzbar gestaltet wurden. Am Ende kamen aber kaum Nachfragen, und Apples Anwälte redeten einfach weiter

    • Wenn ich wirklich an Apples Stelle gewesen wäre und zu so einem „Workshop“ ohne Sanktionen oder verbindliche Wirkung vorgeladen worden wäre, hätte ich mich wahrscheinlich genauso unhöflich verhalten wie Apples Anwälte. Wenn man wirklich etwas durchsetzen will, hätte man doch längst klagen oder erst einmal Bußgelder verhängen müssen, oder?
  • Ich stelle mir ein Paralleluniversum vor, in dem Steve Jobs Politik, den App Store, Siri, AI und die niedrige Qualität der jüngsten Software gnadenlos kritisiert. Damals hatte ich das Gefühl, er hielt das Ganze zusammen, sprach seine Gedanken offen aus, und die Welt war dadurch insgesamt besser. Das Beste an der Tim-Cook-Ära sind für mich die M-Serie-Hardware und die Rückkehr zu vernünftigem Design. Tim Cook wirkt kleinmütig und zu sehr auf Kostensenkung fixiert, wodurch Apple viel von seinem Ruf verloren habe. Vielleicht liegt es an den Aktionären, aber ich vermisse vor allem den Geist von Apple aus den 2000ern

    • Auch ich schätze Steve Jobs als Visionär sehr hoch ein. Aber ich finde es unfair, Tim Cook einfach als bloße „Nummer zwei“ abzutun. Tim Cook hat das Unternehmen zu einem Konzern im Billionenbereich gemacht und perfekt die Lieferkette und den operativen Betrieb übernommen, vor denen sich geniale Entwickler und Visionäre eher drücken. Schon dass er diese wichtigen Aufgaben erledigt hat, die sonst niemand machen wollte, ist bemerkenswert

    • Ich frage mich, was mit „vernünftigem Computerdesign“ genau gemeint ist. Meiner Ansicht nach lassen sich die Geräte immer noch nicht öffnen, die Batterien sind festgeklebt, und die Hardware wird immer geschlossener. Selbst die UI wirkt eher wie ein Rückfall in frühere Zeiten

    • Dafür, dass er angeblich kleinmütig sein soll, wird Tim Cook von vielen als ungewöhnlich kalt und hartnäckig beschrieben. Nur wegen seiner ruhigen Art und seines Südstaatenakzents wirkt er auf manche schwach oder dumm, und er nutzt dieses Bild offenbar sogar geschickt aus

    • Steve Jobs war schroff, und die heutigen Softwarebeschränkungen hätte er vermutlich genauso gemacht. Ursprünglich wollte er auf dem iPhone überhaupt keine Drittanbieter-Apps zulassen; erst das Team hat ihn dazu gebracht, es zu öffnen. Was Apple heute tut, ist fast dasselbe wie in der Jobs-Ära. Damals gab es zwar das coole Underdog-Image, aber im Kern ging es immer um noch mehr Gewinn

    • Dieses Paralleluniversum, in dem Steve Jobs Apples Apps/AI/Qualität offen zusammenstaucht, würde ich wirklich gern einmal sehen

  • Das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass Apple durch den fehlenden Wettbewerb selbst Schaden nimmt. Die Apple Watch hat zum Beispiel einen riesigen Vorteil dadurch, dass sie als einziges Wearable wirklich mit iOS zusammenarbeitet. Aber sie hat viele Qualitätsprobleme und ist meiner Meinung nach eines der schlechtesten Apple-Produkte. Müsste sie unter gleichen Bedingungen mit anderen Smartwatches konkurrieren, gäbe es wohl viel stärkere Anreize, die Qualität zu verbessern

    • Ich bin vor Kurzem von der Apple Watch auf eine Garmin Watch umgestiegen, und unter Android kann man Benachrichtigungen pro App auswählen. Unter iOS kann man nur alles aktivieren oder alles komplett abschalten. Die tiefere Integration bleibt auf Apples eigene Produkte beschränkt

    • Dass fehlender Wettbewerb schadet, trifft auf die Apple Watch zu, aber nicht auf Apple insgesamt

    • Es wurde nach konkreten Erfahrungen mit Qualitätsproblemen der Apple Watch gefragt. Jemand habe alle wichtigen Modelle benutzt und kaum Probleme gehabt

  • Ich denke, man sollte Gatekeeper-Unternehmen inzwischen nicht nur dazu verpflichten, "Wettbewerb zuzulassen", sondern auch, ihn tatsächlich "zu unterstützen". Ich weiß nicht, wie man das rechtlich erzwingen könnte, aber man könnte zum Beispiel konkrete Zielwerte festlegen, etwa dass mehr als 5% aller Apps aus Drittanbieter-App-Stores stammen müssen oder mehr als 5% der Nutzer Web-Apps verwenden, und bei Unterschreitung Strafen verhängen

    • Ich bin nicht sicher, ob es richtig ist, Gatekeeper so noch strenger zu behandeln als Monopolisten. Je stärker die Regulierung ausgeweitet wird, desto höher werden nur die Markteintrittskosten. Bestehende Großunternehmen werden schon irgendwie innerhalb des Rechtsrahmens weiter operieren, aber potenzielle Newcomer könnten einen Eintritt in Europa ganz aufgeben. Apple hat vor Gericht ja selbst erwähnt, dass nur 7% seines Umsatzes aus Europa stammen

    • Vorerst ist schon „Wettbewerb zulassen“ die eigentliche Aufgabe. Wenn man von „unterstützen“ zu „erzwingen“ übergeht, könnte man am Ende bei einer Logik landen, nach der Apple einfach einen Teil seiner Einnahmen an Wettbewerber abgeben müsste. Wenn Konkurrenten Marktanteile wollen, sollten sie letztlich bessere Dienste bauen; Nutzerauswahl künstlich zu erzwingen, wäre am Ende eher zum Nachteil der Verbraucher

  • Apples DMA-„Compliance“ fühlt sich nicht so an, als würde man eine Wand einreißen, sondern eher, als würde man neben der neuen Tür gleich wieder einen Zaun pflanzen. Ein Unternehmen, das sonst eine reibungslose User Experience wie sein Leben verteidigt, macht Interoperabilität absichtlich komplizierter für alle, die nicht Safari nutzen