1 Punkte von GN⁺ 2025-06-07 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Amazing Binz ist ein Discount-Laden mit radikal niedrigen Preisen, der vor allem mit Überbeständen und retournierten Waren großer Einzelhändler bestückt ist
  • Verbraucher, Reseller und Nachbarn reagieren zwiespältig darauf, weil der Laden zugleich günstige Preise und einen symbolischen Raum des Überkonsums bietet
  • Das Wachstum der Retouren- und Reverse-Logistics-Branche sowie die Volatilität der Lieferketten nach der COVID-19-Pandemie haben die Verbreitung solcher Läden beschleunigt
  • Zuletzt hat sich der Boom der Bin-Stores in den USA wegen härterem Wettbewerb, steigenden Logistikkosten und erreichter Grenzen landesweit abgeschwächt
  • Die Erfahrung mit Amazing Binz ist ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie heutige Konsumkultur, Gründermarkt und Veränderungen in lokalen Gemeinschaften zusammenwirken

# Amazing Binz — ein neuer Bin-Store kommt ins Viertel

Amazing Binz, das in diesem Frühjahr mitten in West Philadelphia eröffnet wurde, war ein neuartiger Laden, der sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrief. In einem früheren Vintage-Store wirbt das Geschäft mit Logos großer Händler wie Walmart, Amazon, Costco und Best Buy sowie dem Slogan „CRAZY DEALS, AMAZING BINZ“. Im Ladeninneren stapeln sich Alltagswaren — Halloween-Kostüme, Eisformen mit seltsamem Design, Schwangerschaftstests und verschiedenste Haushaltsartikel —, und das zentrale Merkmal ist das Preismodell. Direkt nach dem Auffüllen am Freitag kostet jeder Artikel 10 Dollar, danach sinkt der Preis pro Tag auf 8, 6, 4, 2 und 1 Dollar. Donnerstags ist geschlossen, um neue Ware einzuräumen.

# Reverse Logistics und der Kreislauf der Waren

Der Bestand von Amazing Binz besteht aus Überbeständen und Retouren großer Unternehmen. Laut Forschern aus dem Bereich Logistik greift „Reverse Logistics“, wenn ein Produkt den Kunden erreicht hat, dann aber nicht gefällt oder Probleme macht. Derzeit werden rund 17 % aller Waren retourniert, bei Onlinekäufen sind es fast 30 %. Mit der steigenden Nachfrage nach der Abwicklung von Überbeständen und Rücksendungen wächst neben klassischen Liquidatoren wie TJ Maxx und Nordstrom Rack auch das Bin-Store-Modell. Unternehmen stoßen Waren entweder direkt oder über Vermittlungsplattformen wie B-Stock in ganzen Lkw-Ladungen ab, und Influencer nutzen sie für Unboxing-Content.

Betreiber Ahmed erklärt: „Wenn man die Sachen von hier auf eBay, Amazon oder Facebook Market weiterverkauft, kann man das eingesetzte Geld an einem einzigen Tag wieder hereinholen.“ Reseller und normale Verbraucher werden so zu aktiven Akteuren eines neuen Logistik-Ökosystems.

# Freitag: 10 Dollar — der Tag für teurere Funde

Schon am Freitagmorgen, wenn die Preise am höchsten sind, bilden sich vor Amazing Binz Schlangen; einige Besucher haben sich Artikel bereits über Instagram vorgemerkt. Auch Kunden aus anderen Regionen kommen vorbei, was zeigt, wie lebendig der Markt für Liquidatoren und Bin-Stores in der Region Philadelphia ist. Branchenkenner wie Colton Carlson schätzen, dass es 2018 nur etwas mehr als zehn Bin-Stores gab, heute aber rund 10.000. Der Schlüssel zum Wachstum liegt in zufälligen Überbeständen und einem Modell schrittweiser Preissenkungen, das schnellen Abverkauf fördert.

Lieferkettenprobleme und COVID-19 führten dazu, dass Händler enorme Lagerbestände aufbauten; als die Nachfrage dann stark zurückging, strömten diese Waren auf den Markt. Daraus ergab sich für Endkunden und Reseller zugleich die Chance, Produkte billig einzukaufen.

# Samstag: 8 Dollar — Reaktionen im Viertel und die Symbolik des Ortes

An Samstagen, wenn der Bauernmarkt stattfindet, ist es etwas ruhiger, doch es kommen weiterhin viele unterschiedliche Kunden, und verschiedenste Waren sind zu sehen. Die Reaktionen in der lokalen Community auf Amazing Binz, etwa in der Facebook-Gruppe West Willy, gehen weit auseinander. Positive Stimmen loben die niedrigen Preise und die Vielfalt, negative empfinden eine deutliche psychologische Distanz und sehen darin den Endrand einer Konsumzivilisation, ein Symbol des Spätkapitalismus.

Der Laden befindet sich nicht in einer großen Logistikhalle, sondern an einer alten Straße im Viertel. Ahmed wollte ursprünglich ein Café oder ein Dessertgeschäft eröffnen, entschied sich wegen Miete und Genehmigungen aber für einen kleinen Bin-Store. So mischen sich dort Kunden aus unterschiedlichen Schichten und mit verschiedenen Vorlieben, jeder aus seinen eigenen Gründen.

# Sonntag: 6 Dollar — Preisstruktur und Reselling als Geschäft

Omran, der Instagram-Verantwortliche von Amazing Binz, filmt Kundeninterviews mit dem Catchphrase „I know daht’s right“. Die Ware wird direkt über Kontakte zu Lagern bezogen; ein Lkw liefert mehrere tausend Artikel zu durchschnittlich 16.000 Dollar an, mit dem Ziel, einen Stückpreis von etwa 2 Dollar zu halten. Die meisten Bin-Stores verkaufen höherwertige Artikel in einem separaten VIP-Bereich, doch Amazing Binz bietet auch wichtige Stücke zum regulären Preis an, um mehr Kunden anzuziehen.

Je weiter die Preise sinken, desto deutlicher wird, dass die übrig gebliebenen Waren immer weniger gefragt sind. Zugleich hat das Beobachten von Menge und Art der Restbestände fast etwas von einem „Kunstwerk“, weil man dabei das Problem des kollektiven Überkonsums unmittelbar erlebt.

# Montag: 4 Dollar — Anzeichen des Wandels und erreichte Grenzen

In einer verregneten Woche herrscht bei Amazing Binz eine ruhige Stimmung. Wenn im Bestand politisch stark aufgeladene Produkte auftauchen, etwa Trump-Flaggen oder MAGA-Artikel, nehmen Mitarbeiter sie sofort heraus und entsorgen sie. Kleine Läden reagieren im Vergleich zu großen Geschäften empfindlicher auf Warenumschlag, Kostenstruktur und Unsicherheit.

Sogar einige Pioniere wie Colton Carlson ziehen sich wegen sinkender Rentabilität, schlechterer Warenqualität und steigender Bestandskosten aus dem Bin-Store-Geschäft zurück und wechseln zu anderen Formen des Reselling. Landesweit mehren sich Schließungen und Insolvenzen einzelner Bin-Stores; es entsteht der Eindruck eines überhitzten Markts, der nun in eine Phase der Stagnation übergeht. Branchenexperten meinen allerdings, dass künftige wirtschaftliche Veränderungen — etwa Zölle oder neue Überbestände — wieder Anlass für ein Comeback sein könnten.

# Dienstag: 2 Dollar — Erschöpfung und die Frage des Überlebens

Betreiber Ahmed macht sich wegen jüngstem Preisdruck und sinkender Gewinne Sorgen um die Nachhaltigkeit des Geschäfts. Auch die Einkaufspreise für die Ware steigen, und möglicherweise müsse das gesamte Geschäftsmodell innerhalb weniger Monate erneuert werden. Vernachlässigte Produkte werden oft durch Social-Media-Algorithmen erzeugt und verbreitet; wenn sie am Markt schließlich nicht mehr gebraucht werden, landen sie in Bin-Stores wie Amazing Binz. Gründer, Logistikfirmen, Reporter und Nutzer übernehmen damit jeweils eine Rolle am Ende der digitalen und physischen Distributionskette.

# Mittwoch: 1 Dollar — Endstufe und die Frage nach dem Sinn der Existenz

Am Mittwochabend, wenn der Preis auf 1 Dollar gefallen ist, kehrt der Andrang in Amazing Binz zurück. Die verbliebenen Artikel sind meist Dinge, die niemand wirklich braucht, und doch kaufen die Kunden sie gewohnheitsmäßig. Amazing Binz wirkt dadurch nicht nur wie ein billiger oder unterhaltsamer Laden, sondern fast wie der letzte Raum, den die heutigen Industrie-, Distributions- und Konsumstrukturen hervorgebracht haben.

Mit den täglich neu eintreffenden und wieder verschwindenden Waren — unter den aufgeschichteten Lagen von Produkten — deutet sich eine Zukunft an, in der all das letztlich auf Deponien oder als Mikroplastik endet. Die Erfahrung von Amazing Binz verdichtet Konsumkultur, Gründungsumfeld, Wandel lokaler Gemeinschaften und Reverse Logistics zu einer greifbaren Realität.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-06-07
Hacker-News-Kommentare
  • Wie Ahmed sagte, geht es hier darum, dass man Waren hier kaufen und über eBay, Amazon oder Facebook Marketplace weiterverkaufen kann, sodass sich das Geld innerhalb eines Tages wieder hereinholen lässt; es ist aber auch die Vermutung, dass solche Läden oft die wertvolleren Dinge aus den von ihnen gekauften Paletten zuerst selbst herauspicken und separat über eBay oder Amazon verkaufen

    • Bei einer Kette von karitativen Secondhand-Läden, zu der ich oft ging, lief etwas Ähnliches: Mitarbeiter sortierten wertvollere Dinge wie Schmuck, Elektronik und Spiele gezielt aus und stellten sie in den eigenen eBay-Store, und im Verteil-/Sortierzentrum durften professionelle Reseller Dinge wie Designer-Kleidung schon vorher herausnehmen, sodass in den Filialen vor Ort immer nur der Rest verkauft wurde

    • Wenn Bin Stores ebenfalls eine ähnliche Strategie fahren, würden sie wahrscheinlich nicht zu viel herausziehen, sondern absichtlich ein paar wertvolle Stücke in die Bins mischen, um den Andrang mit Hunderten Wartenden pro Woche aufrechtzuerhalten

    • Ich möchte von einer Überschuss- und Salvage-Kette namens Mardens in Maine erzählen. Dieser 60 Jahre alte Laden kauft paletten- oder containerweise Ware auf, die im Einzelhandel nicht abgesetzt werden konnte, und verkauft sie mit 20–40 % Rabatt gegenüber dem höchsten Online-Preis

      • Wenn man in den Laden geht, gibt es an manchen Tagen hochwertige Produkte wie Moccamaster-Kaffeemaschinen oder Arc'teryx-Jacken, die man auch zum regulären Preis verkaufen könnte, einfach günstig zu kaufen, aber meistens überwiegt eher uninteressante Ware
      • Insgesamt kauft der Laden wohl für 20–30 % des Einkaufspreises ein und verkauft für etwa 60 % des regulären Preises. Es wirkt wie eine Strategie, die nicht den maximalen Gewinn pro Einzelstück, sondern verlässlich Gewinn über Menge erzielt
      • Ein unterhaltsamer Laden, in den man alle zwei Wochen mal schauen kann
    • Goodwill arbeitet ähnlich, nur dass viele Artikel nicht über eBay, sondern über die eigene Auktionsseite (shopgoodwill.com) verkauft werden

      • Aus Sicht von Goodwill ist das rational, weil sie so den Ertrag maximieren. Wenn man sich auf schwere, teure Artikel konzentriert, die man lokal selbst abholen kann und bei denen man Versand spart, kann man ziemlich gute Funde machen
    • Der Artikel selbst gab keine Hinweise darauf, dass die Läden hochpreisige Artikel auf diese Weise separat aussortieren

      • Die Ladenbesitzer wirken schon mit dem normalen Betrieb beschäftigt genug und scheinen tatsächlich darauf zu hoffen, dass Schatzsucher hereinkommen, um echte Fundstücke zu finden
      • Denn nicht nur ein sicherer Umsatz von 10 $ zählt, sondern auch die Mundpropaganda und die Erwartung, dort vielleicht ein Juwel zu entdecken, was die Stimmung im Laden stark anheizt
    • Bei manchen echten Bin Stores werden besonders gute Sachen tatsächlich separat herausgenommen und an Freunde teurer verkauft oder, wie im Artikel beschrieben, in Bereichen wie einer VIP-Zone zu höheren Preisen angeboten

      • Das größere Problem sind Bin Stores, die nur Mystery Boxes verkaufen, denn darin steckt nur echter Müll, der selbst für 1 Dollar am Tag nicht verkauft wurde
    • Ich glaube nicht, dass die Besitzer außer bei wirklich außergewöhnlich wertvollen Dingen viel aussortieren. Mein lokaler Bin Store hat Fotos der besten Produkte auf Facebook gepostet, um Leute zum Besuch zu bewegen

  • In letzter Zeit entstehen überall wirklich viele Bin Stores

    • Innerhalb von 5 Meilen von meinem Zuhause gibt es zwei, und beide laufen seit über einem Jahr. Es ist eine kleinere Stadt im Mittleren Westen mit überwiegend Blue-Collar- und Industriearbeitsplätzen

    • Es gibt auch auf Target-Überbestände spezialisierte Läden wie Red Tag, direkt gegenüber von einem Target

    • Ein größerer Bin Store startet samstags um 12 Uhr bei 7 $ und fällt bis zum folgenden Freitag auf 1 $. Die Schlange ist riesig

    • Sie scheinen etwas Ähnliches wie Mitgliedschaften zu verkaufen, damit man früher hineinkommt oder sich einen Platz weiter vorn in der Schlange sichern kann

    • Sie verkaufen auch zufällige versiegelte Boxen für 35 $, mit Mengenrabatt, wenn man mehrere kauft, zum Beispiel 4 für 100 $

    • Die meisten kaufen offenbar Amazon- oder andere Online-Retouren in Lots und verkaufen sie weiter

    • Als ich auf Google Maps nach "Surplus" suchte, fand ich etliche Läden mit ähnlichem Modell, und ich habe anderswo einmal einen Ultra-Wide-Monitor für 400 $ gekauft, also mehr als 350 $ gegenüber dem Neupreis gespart

    • Das wirklich Gute an diesen Läden ist, dass so viele Dinge retourniert werden, dass man mit etwas Aufwand fast zwangsläufig das findet, was man sucht

    • In Portland gibt es seit über 25 Jahren einen Goodwill Outlet Store ("The Bins")

      • Dort landen normalerweise Dinge, die sich in regulären Goodwill-Filialen nicht verkauft haben, gesammelt in Bins und werden nach Gewicht verkauft
      • In einer Flaute der Tech-Branche habe ich dort einmal meinen Lebensunterhalt bestritten, indem ich die Bücher-Bins durchsuchte und Bücher herauspickte, die sich gebraucht bei Amazon weiterverkaufen ließen. Nach etwa sechs Monaten fing Goodwill aber an, brauchbare Bücher selbst auszuwählen und online zu verkaufen
      • The Bins hat eine eigene Kultur. Beim "Bin-Wechsel" werden alte Bins weggeräumt und neue hereingebracht, und dann entsteht rund um die neuen Standorte der Bins immer chaotisches Gedränge
  • Nach Fotos und Beschreibung zu urteilen, scheinen 95 % der Waren in diesem Bin Store einfach nur neuer Müll zu sein. Ich fragte mich, wer so etwas überhaupt kaufen würde, aber tatsächlich laufen Hunderte solcher Läden offenbar sehr gut

    • Die Dinge in den Bins sind meist Amazon-Retouren. Die Ladenbesitzer kaufen die Ware günstig in Amazon-Palettenauktionen und spekulieren auf Gewinn, obwohl sie den genauen Inhalt gar nicht kennen

    • Wenn man es nicht braucht, sollte man es besser nicht kaufen. Das Problem ist, dass es so billig ist, dass man es einfach kauft, ohne sich zu fragen: "Brauche ich das wirklich?"

      • Außerdem sehen die Dinge auf Fotos anders aus als in echt, und wenn man sie real vor sich hätte, würde man die meisten vermutlich nicht kaufen
      • Am Ende ist das fast so, als würde man Müll direkt ins Meer kippen, und tatsächlich landet ein erheblicher Teil irgendwann dort. Da ist eine Deponie fast noch besser
    • Man kann das als eine Form des Scavenging sehen. Meine Eltern sind Sammlertypen und kaufen an 0,25-$-Tagen gern Dinge mit Potenzial. Trotzdem ist es besser, etwas günstig zu kaufen, das sonst ohnehin Müll geworden wäre, als zum regulären Preis noch mehr Nutzloses zu erwerben

    • Ich kann mich damit identifizieren, dass ich und viele andere genauso dachten. Über das Zitat aus Dr. Seuss' Lorax, dass man nie wissen könne, was Leute kaufen, musste ich laut lachen

    • Ehrlich gesagt finde ich diesen Laden wirklich schlecht

  • Mir ist es nach wie vor unangenehm, Dinge zurückzugeben. Oft bevorzuge ich es sogar, etwas gar nicht erst zu kaufen, weil mir die Rückgabe zu lästig wäre

    • Ich bin jemand, der sehr aktiv retourniert. Wenn die Beschreibung nicht stimmte, die Qualität schlecht war oder es für mich nicht passt, dann trägt eine Rückgabe meiner Meinung nach dazu bei, Verkäufer und Markt ehrlicher zu machen

      • Gerade bei Unternehmen, die Maße oder Qualität nicht ordentlich angeben, ist eine Rückgabe fast die einzige starke Form von Feedback, die Konsumenten hinterlassen können
      • Natürlich schicke ich nicht wahllos alles wegen bloßem Meinungswechsel oder nach Benutzung zurück, aber ich mache von meinen Verbraucherrechten aktiv Gebrauch
      • Bei teuren Kopfhörern zum Beispiel wird oft groß mit Qualität, Haltbarkeit und Klang geworben, obwohl es in Wirklichkeit viele Defekte oder verschleierte Informationen gibt. Wenn im Entwicklungsprozess sogar Messungen gemacht, die Messwerte dann aber verschwiegen werden, ist das für mich eine feindselige Haltung gegenüber Kunden; in solchen Fällen schicke ich erst recht selbstbewusst zurück
    • Der größte Vorteil von Amazon ist genau, dass man Dinge kaufen, direkt an Haus, Fahrrad oder Projekt anpassen und sie zurückgeben kann, wenn sie nicht passen

      • Viele Teile bekommt man im lokalen Handel gar nicht, und durch Amazon werden verschiedenste Versuche und Kombinationen erst möglich
      • Trotzdem macht das vermutlich nicht den Großteil aller Amazon-Retouren aus
    • Früher habe ich viel recherchiert und dann fast nie etwas retourniert, aber seit 2020 und den stark gestiegenen Preisen hat sich mein Maßstab geändert

      • Dinge, die ich schon benutzt habe, schicke ich zwar nicht zurück, aber wenn die Qualität schlecht ist oder ich von Anfang an unzufrieden bin, schicke ich sie mittlerweile ohne große Hemmung zurück, vor allem bei großen Einzelhändlern
      • Das betrifft vor allem Käufe im Bereich Outdoor, Freizeit sowie bei Läden wie Home Depot oder Best Buy
      • Ich merke, dass sich meine Haltung zur persönlichen Verantwortung in fünf Jahren verändert hat. Aber extreme Nutzung wie "fünf Paar Schuhe kaufen und vier zurückschicken" mache ich schon aus Bequemlichkeit nicht
    • Rückgaben fühlen sich zwar unangenehm an, aber grundsätzlich kaufe ich Dinge in der Absicht, sie dann auch dauerhaft zu behalten

      • Ein Beispiel: Bei Sandalen um die 100 $ zögere ich oft, weil ich nicht weiß, welches Paar passt. Wenn Gebrauchsspuren die Rückgabe ausschließen, verschiebe ich den Kauf am Ende ganz
      • Auch bei Amazon- oder Walmart-Bestellungen plane ich strategisch, damit keine Kombination zusammen verschickt wird, bei der Beschädigungen wahrscheinlich sind
      • Weil die Quote fehlerhafter oder beschädigter Waren bei Post- und Online-Bestellungen aber hoch ist, ist meine Hemmschwelle für Rückgaben aus solchen Gründen zuletzt gesunken
      • Kürzlich habe ich Tischgeschirr einer bekannten Marke gekauft, und der Kundenservice sagte mir dann, es sei gefälscht. Schon die Verpackung war nicht wie im echten Laden, und es fühlte sich an, als seien bedenkliche Stoffe enthalten, deshalb habe ich es völlig ohne Schuldgefühl zurückgeschickt
      • Ich war schockiert, als ich las, dass die durchschnittliche Rückgabequote im Online-Handel bei 30 % liegen soll. Bei mir gehen nur klar defekte oder beschädigte Dinge zurück, und ich hielt das für normal; wenn aber ein Kunde in einem stationären Laden 30 % zurückbringen würde, würde man ihn am liebsten hinauswerfen
      • Abgesehen von Anprobe-Programmen für Kleidung braucht es Innovationen, um solche hohen Rückgabequoten zu senken
    • Ich habe in meinem Leben noch nie etwas zurückgegeben. Ich konsumiere ohnehin nicht viel, und ich finde, dass ein System, in dem man Dinge kauft, benutzt und bei Nichtgefallen einfach zurückschickt, nur unnötig mehr Ballast schafft

  • Für alle, die sich fragten: Jemand erklärt Wokaars nose beard waxing. Das ist, wie der Name sagt, ein Werkzeug zum Entfernen von Nasenhaaren mit Wachs, mit dem Kommentar, dass es ziemlich schmerzhaft klingt. Dazu wurde auch der Link zum Wokaar nose wax kit geteilt

    • Mit einem Dank wurde noch scherzhaft ergänzt, dass der einprägsamste Teil des Artikels der Ausdruck "Nose Beard" gewesen sei
  • Als lose verwandte Information wird erwähnt, dass Climate Town einmal ein langes Video über den Umgang mit palettenweisen Retouren gemacht hat: Climate Town: Pallet-sized returns video

  • Früher gab es zuerst Retouren-Auktionsseiten, und ich hatte das Glück, in der Nähe eines regionalen Verteilzentrums zu wohnen, sodass ich ziemlich gute Produkte günstig bekommen konnte

    • Einen FDM-3D-Drucker für 45 $, einen Resin-3D-Drucker (12k) für 65 $, ein Jahr später ein Aushärtegerät für 20 $ und auch ein DJI-Gimbal für 70 $
    • Mit der Zeit sprach sich das herum, die Preise stiegen, und auf den Zuschlag kamen noch Käufergebühren, staatliche Steuern und eine Abholgebühr pro Artikel, sodass sich effektiv nur noch Gebote unter 25 % des maximalen Einzelhandelspreises lohnten
    • Vor ungefähr einem Jahr kamen dann Bin Stores auf, und seitdem gibt es in den Auktionen deutlich weniger gute Ware; ich habe auch ein paar Bin Stores ausprobiert, aber dort war fast alles nur aufgehäufter nutzloser Müll
    • Inzwischen ist mein Homeoffice für meinen Maker Space zwar komplett ausgestattet, aber ich beobachte weiterhin bestimmte Keywords
    • Insgesamt scheint die Qualität der Ware sowohl bei Auktionen als auch bei Bin Stores stark gesunken zu sein, wohl durch eine Mischung aus allgemeiner wirtschaftlicher Abkühlung, Zöllen, Entlassungen und anderen Faktoren
    • Mehrere Bin Stores in meiner Umgebung haben in den letzten sechs Monaten ebenfalls geschlossen
  • In meiner Gegend gab es auch so einen Laden. Nach zwei Besuchen war klar, dass dort nur billige Frauen- und Kinderkleidung, irgendwelche Kleinteile und TV-Werbeartikel herumlagen, also lauter nutzloses Zeug

    • Letztlich war das meiste wohl so schwer verkäuflich, dass es nicht einmal für 1 Dollar wegging und der Laden deshalb Richtung Schließung steuerte

    • Selbst das Deponieren solcher Waren kostet Geld. In Sendungen wie Storage Wars konnte man sehen, dass es anfangs in Lagerboxen noch gute Dinge gab und mit DVDs, Möbeln usw. Geld zu verdienen war, doch mit den Staffeln wurde der Markt von billigem neuem Räumungsmüll überschwemmt, wodurch auch die Nachfrage nach gut erhaltenen Gebrauchtwaren sank

  • Zum Zitat "Das Ziel der Reverse Logistics ist es, zu verhindern, dass Dinge auf der Deponie landen" kommt die Sichtweise auf, dass sich das System inzwischen dahin verschoben hat, Verbraucher dazu zu bringen, weniger benutzte Dinge zu kaufen und wegzuwerfen

    • Auch die Entsorgung unbenutzter Waren kostet Geld, und diese Last wird über irgendeine Schleife letztlich auf Konsumenten oder Entwicklungsländer abgewälzt, etwa wie beim Beispiel der entsorgten Kleidung in der Atacama-Wüste

    • Im Idealfall wäre es natürlich besser, etwas zu kaufen, eine Zeit lang zu nutzen und dann wegzuwerfen, aber letztlich ist fast alles, was wir kaufen, dazu bestimmt, irgendwann Müll zu werden

    • Auch die Lagerung unverkaufter Produkte ist teuer. Läden sind extrem empfindlich gegenüber Opportunitätskosten von Verkaufsfläche, Miete, Unterhalt, Strom und allem anderen

      • Wenn man 30 Kubikmeter Müll drei Jahre lang im Lager stehen hat, kommen am Ende Transport- und Sortierkosten plus Miete dazu, sodass man irgendwann zu dem Schluss kommen muss: Es gibt keinen Grund, meinen Schrott so lange festzuhalten
  • Dinge kommen aus den verschiedensten Gründen auf den Zweitmarkt: Saisonende, leicht eingedrückte Kartons, nicht abgeholte Bestellungen oder Waren, die anfielen, als das Lager zu eng wurde. Die interessante Frage ist, welchen Einfluss Zölle auf diesen Strom haben werden

    • Wenn Importeure von massiven Zöllen getroffen werden, holen sie ihre Ware womöglich gar nicht erst am Terminal ab

    • Gegen Ende des Artikels wurde erwähnt, dass "wirtschaftliche Schocks dem Secondhand-Markt eher zugutekommen und Zölle letztlich sogar einen neuen Boom für Bin Stores auslösen könnten"

    • Aus kanadischer Erfahrung lässt sich sagen, dass wegen der Zölle sowohl bei Retourenauktionen als auch bei Bin Stores die Warenmengen tatsächlich immer weiter zurückgehen