Warum verzeichnen die USA immer ein Handelsdefizit?
(libertystreeteconomics.newyorkfed.org)- Die Ursache des Handelsdefizits der USA liegt nicht nur darin, dass die Exporte mit den Importen nicht Schritt halten, sondern auch in einem makroökonomischen Phänomen: unzureichende inländische Ersparnisse
- Da die inländischen Ersparnisse unter den Investitionsausgaben liegen, werden Investitionen durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland finanziert
- Handelspolitik beeinflusst zwar Exporte und Importe, doch die Größe des Handelsdefizits kann nur sinken, wenn sich die Lücke zwischen Sparen und Investitionen verändert
- Ein Rückgang der Importe bestimmter Güter (z. B. Öl) verringert das Handelsdefizit nicht automatisch; das gesamte Defizit steht tatsächlich in engem Zusammenhang mit der Sparlücke
- Eine Verringerung des Handelsdefizits erfordert geringere Investitionen und höhere Ersparnisse und geht daher mit einem Anpassungsprozess in der Binnenwirtschaft einher
Die Grundstruktur des US-Handelsdefizits
Der offensichtlichste Grund dafür, dass die USA fortlaufend ein Handelsdefizit verzeichnen, ist, dass die Exporte nicht so stark wachsen wie die Importe. Weniger offensichtlich ist jedoch eine makroökonomische Unwucht, nämlich der chronische Mangel an inländischer Sparquote. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung entsteht ein Handelsdefizit dann, wenn die inländischen Ersparnisse nicht ausreichen, um die inländischen Investitionsausgaben zu decken; die Lücke wird durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland geschlossen. Um ein Handelsungleichgewicht zu beheben, müssen daher entweder die Exporte steigen oder die inländischen Ersparnisse zunehmen, sodass sich die Lücke zwischen Investitionen und Ersparnissen verringert
Buchhalterisches Verständnis und Ablauf
Sparen und Investitionen in einer geschlossenen Volkswirtschaft
- Wäre die US-Wirtschaft von der Außenwelt abgeschottet, würde sich das gesamte Einkommen auf Konsum und Ersparnisse verteilen, während die gesamten Ausgaben aus Konsum und Investitionen bestünden
- Lässt man den Konsum außer Betracht, gilt Investitionsausgaben = inländische Ersparnisse
- Produktive Investitionen müssen zwingend aus inländischen Ersparnissen stammen
Kapitalflüsse in einer offenen Volkswirtschaft
- Wenn internationale Finanztransaktionen möglich sind, können inländische Ersparnisse und Investitionsausgaben voneinander abweichen
- Den USA fehlen Ersparnisse, daher fließt Kapital aus dem Ausland zu, um Investitionen zu finanzieren
- Formal gilt Investitionsausgaben = inländische Ersparnisse + ausländische Ersparnisse (Nettofinanzzuflüsse)
Die Verbindung zum internationalen Handel
- Sind Exporte und Importe gleich hoch, ist die Handelsbilanz ausgeglichen
- Wenn Importe > Exporte, wird die Lücke dadurch finanziert, dass ausländisches Kapital US-Vermögenswerte kauft
- Importe = Exporte + Nettoverkauf von US-Vermögenswerten (Finanzzuflüsse)
- Diese Finanzzuflüsse lassen sich leicht in andere Investitionen umwandeln, und das gesamte Kreditvolumen der USA ergibt sich in beiden Darstellungen identisch
Wichtige Zahlen und Trends
Entwicklung von Ersparnissen und Investitionsausgaben
- Seit 2000 liegen die Investitionsausgaben (gemessen am BIP) dauerhaft über der Sparquote
- Durch die Finanzkrise 2008 gingen sowohl Investitionen als auch Ersparnisse zurück, der Rückgang bei den Investitionen war jedoch stärker
- Danach erholten sich die Ersparnisse und die Lücke verringerte sich teilweise, zuletzt sind die Ersparnisse nach der Pandemie aber wieder gesunken, während der Investitionsanteil stabil geblieben ist
- Insgesamt liegen die Ersparnisse immer unter den Investitionen
Veränderungen bei Ersparnissen von Haushalten, Unternehmen und Staat
- Unternehmensersparnisse zeigen einen stabilen Verlauf
- Die Haushaltsersparnisse erholten sich nach der Finanzkrise, stiegen während der Pandemie vorübergehend stark an und liegen inzwischen wieder auf niedrigem Niveau
- Staatliche Ersparnisse und Haushaltsersparnisse wirken einander teilweise entgegen und dämpfen so die Schwankungen der gesamten Ersparnisse
- Zudem ist zu beobachten, dass die während der Pandemie aufgebauten hohen Ersparnisse der Haushalte inzwischen durch Konsum aufgebraucht werden
Unterschied zwischen Makro- und Mikroperspektive
- Handelspolitische Maßnahmen wie Freihandelsabkommen oder Reshoring beeinflussen zwar Zu- oder Abnahmen von Exporten und Importen, doch die Höhe des Handelsdefizits wird letztlich von der Lücke zwischen Sparen und Investitionen bestimmt
- Tatsächlich ist das Defizit bei den Ölimporten verschwunden, dennoch ist das gesamte Handelsdefizit nicht zurückgegangen, als sich die Sparlücke ausweitete
- Eine sinkende Importabhängigkeit bei einzelnen Gütern führt daher nicht unmittelbar zu einem geringeren Handelsdefizit
Debatten rund um das Handelsdefizit
- Ein Handelsdefizit bedeutet, dass inländische Vermögenswerte an das Ausland verkauft werden und Kapitaleinkommen ins Ausland abfließt
- Aus Sicht der Sparlücke hängt die Auslandsverschuldung jedoch mit höheren Investitionen in den USA und einem Wachstum der wirtschaftlichen Produktionskapazität zusammen
- Um das Handelsdefizit zu verringern, müssen die Ersparnisse steigen oder die Investitionen sinken; dafür ist eine Anpassung der Binnenwirtschaft nötig
- In früheren Phasen, in denen das US-Handelsdefizit stark zurückging (z. B. während der Rezession 2008), sanken zunächst die Investitionen und erst danach stiegen die Ersparnisse
Fazit
Das Handelsdefizit der USA ergibt sich nicht nur aus dem Verhältnis von Exporten und Importen, sondern aus einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen inländischen Ersparnissen und Investitionen. Es lässt sich daher kaum allein durch Handelspolitik lösen; entscheidend sind eine Verbesserung der Sparquote und ein Management der Investitionsausgaben als makroökonomische Maßnahmen. Da solche Veränderungen mit strukturellen Anpassungen der Binnenwirtschaft einhergehen, ist ein schrittweiser und vorsichtiger Ansatz erforderlich.
3 Kommentare
Einfaches unnötig ausschweifend geschrieben … Die USA wollen, dass der Dollar die Weltleitwährung bleibt, und dafür muss die Struktur so sein, dass nicht durch viele US-Exporte Dollar in den USA angehäuft werden, sondern durch viele Importe Dollar auf den Weltmarkt hinausfließen und sich weltweit verbreiten.
Ich denke, das größte Aushängeschild der USA ist der Dollar.
Hacker-News-Kommentare
Wenn die Währung eines Landes de facto als globale Reservewährung genutzt wird, ist ein Handelsdefizit für dieses Land strukturell kaum vermeidbar. Andere Länder können keine Dollar schaffen, also müssen sie Güter und Dienstleistungen liefern, die in den USA nachgefragt werden, um Dollar zu verdienen. Mit diesen Dollar können sie dann wiederum mit anderen Ländern handeln. Aus Sicht der USA bringt das enorme politische Einflussmöglichkeiten und Marktinformationen, schwächt aber zugleich die heimische Industrie und führt zu einem Defizit im Warenhandel. Als Lösung wird eine internationale Reservewährung auf Basis eines multinationalen Währungskorbs statt einer einzelnen nationalen Währung gefordert. Keynes hatte so etwas bereits in Bretton Woods vorgeschlagen, die USA lehnten es jedoch ab.
Die USA gewinnen nicht nur politischen Einfluss, sondern kommen auch sehr leicht an gewaltige Mengen an Waren und Dienstleistungen. Zum Beispiel schicken Arbeiter in China lebensnotwendige Güter wie Elektronik, die sie 12 Stunden am Tag an sechs Tagen pro Woche unter Schweiß produzieren, in die USA und erhalten dafür letztlich Dollar, die im Kern nur Zahlen sind. In dieser Sichtweise sind also nicht die USA die Leidtragenden. Zugleich wird aber eingeräumt, dass die USA großen Schmerz erleiden könnten, falls dieses System zusammenbricht und das Land dann nicht mehr in der Lage ist, selbst zu produzieren. Das sei letztlich ähnlich wie das Leben eines Gründers, der jung sein Startup verkauft, reich lebt und mit 50 verarmt dasteht.
Es heißt zwar, die USA „bestünden darauf, dass die verdienten Dollar für Handel mit anderen Ländern verwendet werden“, aber dabei werde offenbar übersehen, welche Rolle das Konzept des Eurodollars sowie früher London und die EU für die Dollar-Dominanz gespielt haben. Selbst ohne Zwang oder Forderungen aus den USA entsteht wegen der Größe der US-Wirtschaft ganz natürlich Nachfrage nach Dollar. Eher noch schwächt der Eurodollar die geldpolitische Kontrolle der USA: Das kann mitunter Rezessionen abfedern, führt aber umgekehrt auch zu inflationsbezogenen Problemen, die die US-Notenbank (Fed) nicht kontrollieren kann. Daher bevorzugen die USA eher die Kontrolle über ihre eigene Währung als einen umstrittenen, schwer greifbaren globalen Einfluss.
Wie schon Adam Smith feststellte, ist das Handelsdefizit kein besonders bedeutungsvoller Begriff, und die übermäßige Fixierung auf das US-Handelsdefizit ist schwer nachvollziehbar. Selbst das Handelsdefizit zwischen den USA und der EU ist unter Einbeziehung von Dienstleistungen gar nicht so groß. Im 21. Jahrhundert sind hochmargige digitale Dienstleistungen ein zentraler Export, und die USA „exportieren“ solche Leistungen in die ganze Welt.
Es wird infrage gestellt, ob wirklich alle Dollar-Transaktionen zwingend über US-Institutionen laufen. Der Eurodollar-Markt, der in London entstand, ist ein Beispiel dafür, dass Dollar-Geschäfte ohne Aufsicht des US-Finanzministeriums stattfinden. Ähnliches werde sich wohl bald auch in Hongkong zeigen.
Der Behauptung, die heimische Industrie der USA breche zusammen, kann man kaum zustimmen. Handel entsteht auf Grundlage gegenseitigen Vorteils. Würde man den Handel einschränken, wäre es illusorisch zu glauben, die USA würden dieselben Güter dann einfach selbst herstellen und genauso wohlhabend bleiben wie heute. Wahrscheinlicher ist, dass einige Güter gar nicht mehr verfügbar wären und alle mit weniger materiellen Gütern leben müssten als heute. Vollständige Autarkie ist unrealistisch.
Der Autor übersieht, dass wirtschaftliche Aktivität nicht notwendigerweise ein Nullsummenspiel ist. Die USA sind ein Land mit reger Startup-Gründung, und solche neuen Unternehmen ziehen ausländisches Kapital an, was oberflächlich wie ein größeres Handelsdefizit aussieht. Mit anderen Worten: Die USA „exportieren“ Unternehmensanteile in die ganze Welt, nur wird diese Form des Handels mit Maßstäben des 19. Jahrhunderts nicht erfasst. Aus Margensicht ist das aber weit attraktiver als der Export einfacher Güter. Wäre das Handelsdefizit wirklich ein ernstes Problem, hätten die USA längst unter Devisenmangel gelitten und massiv Dollar drucken müssen; in der Realität ist das nie passiert.
Regierungspolitik scheint wirtschaftliche Aktivität so zu behandeln, als sei alles ein Nullsummenspiel. Die aktuelle Regierung im Weißen Haus habe offenbar zwei Grundüberzeugungen: „Jedes Spiel ist ein Nullsummenspiel“ und „Man kann Institutionen und Regeln nach Belieben erschüttern“. In so einer Atmosphäre glauben Menschen dann wohl auch, die Wirtschaft sei ein Nullsummenspiel.
Ausländische Kapitalinvestitionen bedeuten die Möglichkeit künftiger negativer Abflüsse. Wenn Investoren in Zukunft Gewinne und ihr Kapital zurückhaben wollen, sind Kapitalzuflüsse zwar positiv, solange sie im Gleichgewicht bleiben, aber die internationale Nettoauslandsvermögensposition der USA (NIIP) liegt bei etwa -27 Billionen Dollar. Das Ergebnis der Handelsdefizite spiegelt sich genau in dieser Zahl wider.
Der Export von Unternehmenseigentum auf nationaler Ebene ist faktisch eine andere Form von Verschuldung. Es ähnelt dem Vorziehen künftiger Produktion in die Gegenwart. Derzeit haben die USA einen Nettozufluss an Gütern, aber sobald Schuldendienst und Gewinnüberweisungen ernsthaft einsetzen, müssten die USA irgendwann Güter im Umfang von 5 bis 10 % des BIP nach außen liefern, was politisch in der Realität unmöglich erscheint.
Es wird angemerkt, dass Auslandsinvestitionen in den US-Immobilienmarkt oft nicht mit klassischen Berechnungen des Handelsdefizits verknüpft werden. Wenn es wie bei Immobilien eher darum geht, dass beide Seiten gleichermaßen Vermögen teilen, schlägt sich das womöglich nicht stark im eigentlichen Handelsdefizit nieder. Es wird gefragt, ob Unternehmensinvestitionen ähnlich einzuordnen sind.
Zentralbanken diversifizieren ihre Währungskörbe, um Inflationsrisiken zu begrenzen. Der Dollar gilt als stabil, deshalb bevorzugen viele US-Staatsanleihen, aber letztlich kauft die US-Regierung mit den angesammelten Fremdwährungen wieder reale Vermögenswerte oder Güter wie Öl und Stahl, um Wechselkursschwankungen möglichst klein zu halten.
Es wirkt, als habe die New Yorker Fed diesen Artikel geschrieben, um die Amerikaner zu mehr Patriotismus, mehr Sparen und weniger Käufen billiger Importwaren zu bewegen. Dabei werden aber einige zentrale Punkte übersprungen. (1) Das US-Handelsdefizit entsteht, weil US-Konsum nicht in die US-Binnennachfrage fließt, sondern vor allem in chinesische Waren. (2) Auch die Inflation von Vermögenspreisen lässt die Geldmenge stark anschwellen. (3) Inländische Ersparnisse in den USA führen nicht automatisch zu realen Investitionen. Unternehmen horten Bargeld und nutzen es nicht für reale Investitionen wie Anlagen oder Fabriken; Ersparnisse bleiben einfach ungenutzt auf Konten liegen. (4) Die eigentliche Rolle der Fed liege in der Stabilisierung und Steigerung von Vermögenspreisen. (5) Auch ausländische Kapitalzuflüsse landen faktisch in realen Vermögenswerten wie Unternehmen oder Immobilien, daher sei das Wort „Investition“ eher beschönigend; je mehr US-Vermögenswerte in ausländischen Besitz übergehen, desto stärker neige ihr Wert sogar zum Sinken.
Die Aussage „Ein Abbau des Handelsdefizits wird zwangsläufig schmerzhaft“ ist aus ökonomischer Sicht zwar richtig, aber die Realität ist nicht so einfach. In extremen Situationen wie Krieg sind zum Beispiel heimische Fabriken und eine unterbewertete Währung wichtiger. In einem friedlichen Vakuum, in dem alle nur Widgets kaufen und verkaufen, wäre es natürlich die bessere Strategie, als Land mit globaler Reservewährung und Handelsdefizit zu leben, aber tatsächlich müssen auch politische und sicherheitspolitische Realitäten berücksichtigt werden.
Es heißt, das Handelsdefizit sei das Ergebnis von Investitionen, die wegen mangelnder inländischer Ersparnisse von ausländischem Kapital finanziert werden. Man kann es aber auch umgekehrt sehen: Vielleicht scheint das Handelsdefizit nur deshalb zu entstehen, weil die US-Wirtschaft hohe Renditen bietet und aktiv ausländisches Kapital anzieht, das dann in die USA strömt.
Die ganze Idee eines Handelsgleichgewichts ist an sich nicht besonders sinnvoll. Im Handel zwischen Neuseeland und den USA exportiert Neuseeland zum Beispiel Wein und die USA Rüstungsgüter. Es gibt keinen Grund, warum die Dollarwerte davon exakt übereinstimmen müssten. Es gibt keinen Anlass, auf ein Gleichgewicht im bilateralen Handel zu fixiert zu sein. Auch in der Summe über alle Länder hinweg muss es nicht zwingend perfekt aufgehen.
Mit Handelsgleichgewicht ist hier gemeint, dass ein Land in der Summe seiner Handelsbeziehungen mit allen anderen Ländern ausgeglichen ist. Selbst wenn also zwischen den USA und Neuseeland ein Ungleichgewicht besteht, wäre es ein Gleichgewicht, wenn Neuseeland weltweit genug Wein verkauft, um Rüstungsgüter kaufen zu können. Ein Ungleichgewicht zwischen zwei bestimmten Ländern ist also kein Problem.
Man müsse dabei auch den Bevölkerungsunterschied berücksichtigen: 340 Millionen in den USA gegenüber 5 Millionen in Neuseeland.
Warum die USA immer Handelsdefizite haben, sei letztlich ähnlich wie bei mir gegenüber dem Friseur oder dem Lebensmittelgeschäft: Auch dort habe ich ständig ein Handelsdefizit.
Im Fed-Artikel wird der „Savings-Gap“-Ansatz betont, aber es stellt sich die Frage, welchen Einfluss billige ausländische Güter tatsächlich auf inländisches Sparen und Investieren haben und ob günstige chinesische Waren heimische Investitionen verdrängen könnten. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Apple Milliarden in chinesische Lieferketten investiert. In diesem Zusammenhang wird auch gefragt, warum die EU dann nicht ebenfalls dauerhaft Handelsdefizite hat.
Dass die EU nicht in gleichem Maß wie die USA Handelsdefizite hat, liegt daran, dass sie relativ geringere Haushaltsdefizite aufweist und der Euro keine globale Reservewährung wie der Dollar ist. Die sogenannte „Savings Gap“ ist in Wirklichkeit eher ein durch US-Staatsanleihen finanzierter Haushaltssaldo.
Auch innerhalb der EU haben einige Länder Handelsdefizite, aber insgesamt werden diese durch Überschussländer wie Deutschland leicht ausgeglichen. Die EU ist wirtschaftlich vielfältig, und die Löhne sowie die Konsumneigung liegen relativ niedriger, was zu diesem Ergebnis beitragen könnte.
Würden beim iPhone sämtliche US-Lohnkosten eingerechnet, würde es niemand kaufen.
Wenn die USA Konsumgüter importieren, erhält das andere Land Dollar, und diese Dollar fließen dann als Investitionen in die USA zurück. US-Konsum erzeugt also ausländische Investitionen. Würden die Amerikaner umgekehrt weniger konsumieren und mehr investieren, nähme ihr Anteil am eigenen Land zu, aber sie würden eben auch weniger konsumieren. Möglich ist auch, dass ausländisches Investitionskapital dann gar nicht mehr in die USA fließt.
Bernankes Hypothese vom „Global Saving Glut“ ist in diesem Zusammenhang ebenfalls relevant: Es gab zu viel Nachfrage nach US-Finanzanlagen, und das war einer der Hauptgründe für die Finanzkrise von 2008.
„Handelsdefizit“ ist ein Konzept des 19. Jahrhunderts und reicht nicht aus, um das heutige internationale Finanzsystem zu erklären.
Der Text ist sehr gut geschrieben, und besonders das Beispiel mit Rohöl wirkt wie eine wirksame Form von Importsubstitution. Auch dass die Konsumquote in der Corona-Zeit mit den Staatsausgaben anstieg, ist interessant. Es stellt sich die Frage, warum es langfristig wichtig ist, dass die USA ihre inländische Sparquote erhöhen, welche Politik dafür am besten wäre und ob Zölle die Sparquote tatsächlich erhöhen könnten.
Eine Politik, die die Sparquote wirklich erhöht, wäre eine anhaltend stabile oder schrittweise aufwertende Währung. Bei einer inflationären Währung geben Menschen ihr Geld schneller aus.
(a) Mehr individuelles Sparen für den Ruhestand ist zwar sinnvoll, aber es gibt keinen besonders starken Grund, eine höhere gesamtstaatliche Sparquote zum zentralen Ziel zu machen. Rechtsstaatlichkeit, Investitionschancen und Zuwanderung sprechen eher dafür, dass ein Handelsdefizit an sich kein großes Problem ist. (b) Direkter wirksam wäre eine Verringerung des Haushaltsdefizits; auch ein singapurähnliches verpflichtendes Sparsystem (CPF) wäre eine Möglichkeit, würde von normalen Bürgern aber wohl einfach als Steuer wahrgenommen.