1 Punkte von baeba 2025-04-30 | 8 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Einleitung

  1. Das US-Justizministerium erwägt, den Verkauf des Chrome-Browsers zwangsweise anzuordnen, um Googles Suchmonopolproblem zu lösen.
  2. Allerdings werden geschäftliche und technische Zweifel daran geäußert, ob Chrome tatsächlich ein als „eigenständiger Vermögenswert“ verkäufliches Gut ist.

Hauptteil

  1. Es wird zwar behauptet, Chrome sei auf Basis seiner Nutzerzahl 15 bis 20 Milliarden US-Dollar wert, doch das ist nur eine einfache Kennzahl.
  2. Chrome erzielt seinen Wert nicht durch eigene Umsätze, sondern indirekt durch die Zuführung zu anderen Google-Diensten wie Suche und Gmail.
  3. Bei anderen Browsern wie Safari oder Firefox muss Google TAC-Kosten zahlen, bei Chrome fallen diese Kosten nicht an, weil es Google gehört.
  4. Selbst wenn Google Chrome verkauft, könnten Apple oder Mozilla aufgrund der Struktur der TAC-Verträge weiterhin Google als Standardsuchmaschine wählen.
  5. Ohne wesentliche Veränderungen würden die Nutzer weiterhin Google wählen, sodass die regulatorische Wirkung wahrscheinlich gering bliebe.
  6. Technisch basiert Chrome größtenteils auf der Open-Source-Basis Chromium, und grundsätzlich kann jeder einen ähnlichen Browser entwickeln.
  7. Tatsächlich basieren Brave, Edge und Vivaldi bereits auf Chromium, haben aber keinen mit Chrome vergleichbaren Marktanteil erreicht.
  8. Der eigentliche Wert von Chrome liegt in der Integration mit Google-Diensten und in seiner Nutzerbasis; als eigenständiges Produkt hat es kaum kommerziellen Wert.

Fazit

  1. Chrome ist nur innerhalb des Google-Ökosystems ein bedeutender Vermögenswert und als eigenständiges Verkaufsobjekt kaum sinnvoll.
  2. Daher wirkt die Forderung des DOJ nach einem erzwungenen Verkauf von Chrome wenig realistisch und eher wie eine „politische Symbolmaßnahme“.

8 Kommentare

 
techiemann 2025-05-06

Wenn es verkauft wird, wäre es dann nicht besser, gleich eine Stiftung zu gründen und es davon unabhängig laufen zu lassen? So ließe sich zumindest verhindern, dass Google weiter Einfluss auf das Web ausübt. Schon jetzt steuert Google mit Chrome die Webstandards praktisch nach Belieben. Die Leute sind zwar pfadabhängig, daher würden sie den Browser wohl nicht einfach weiter benutzen, nur weil Chrome an ein anderes Unternehmen verkauft wird. Aber wenn man darüber nachdenkt, wie die Gruppe, die nur den Browser kauft, ihn monetarisieren soll, würden sie am Ende wohl doch TAC-Zahlungen von Google kassieren — also wären sie so oder so von Google abhängig, oder?!

 
techiemann 2025-05-06

Google handelt zwar nach eigenem Gusto, aber dass damit auch der Antrieb wegfällt, die Reform des Webs voranzutreiben, könnte sich für manche ebenfalls negativ auswirken.

 
sonnet 2025-05-01

Wenn das Monopol aus den TACs hervorgeht, aber als Lösung der Verkauf von Chrome ins Spiel gebracht wird, hat das wohl kaum eine Bedeutung, die über eine bloße politische Show hinausgeht.

 
ceruns 2025-05-01

Auch der Internet Explorer hat selbst keine direkten Einnahmen generiert (war aber anders als Navigator sogar kostenlos), hatte jedoch einen indirekten Effekt, indem er Nutzer zum MS-Betriebssystem brachte. Ist die mangelnde Beliebtheit von Browsern auf Chromium-Basis nicht vielmehr ein Gegenbeweis?

 
ceruns 2025-05-01

Ah, deshalb ist die Berechnung zwar tatsächlich provokant, aber persönlich scheint mir das als Analyse eines Teils der monopolartigen Stellung als Internetplattform durchaus plausibel. Allein ich muss wegen Google Translate Firefox und Chrome parallel nutzen.

 
techiemann 2025-05-06

Die neueste Firefox-Version unterstützt inzwischen auch für Koreanisch eine anonyme, datenschutzfreundliche Übersetzungsfunktion.

Früher musste man dafür noch eine Erweiterung verwenden.

 
geekbini 2025-04-30

Was ist die Struktur eines TAC-Vertrags?

 
gjen6s 2025-04-30

TAC (Traffic Acquisition Cost) sind Kosten, die an Gerätehersteller oder Browser-Unternehmen gezahlt werden, damit Google als Standardsuchmaschine voreingestellt wird. Man kann es sich als einen bestimmten Anteil der Einnahmen pro Suchanfrage vorstellen.
Wegen dieser TAC hat das Justizministerium eine Kartellklage eingereicht, weil es davon ausging, dass Google den Suchmarkt monopolisiert. Vor Kurzem wurde entschieden, dass es sich tatsächlich um ein Monopol handelt, weshalb nun über einen Verkauf von Chrome gesprochen wird.