- Prostataerkrankungen sind sehr häufig und ein ernstes Problem; in den USA führt Prostatakrebs bei 1 von 40 Männern zum Tod
- Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) betrifft die meisten Männer über 60, verursacht Probleme beim Wasserlassen und birgt ein Risiko für eine maligne Entwicklung
- Es gibt die Theorie, dass die Prostata eine „Gatekeeper“-Rolle bei sexuell übertragbaren Krankheiten spielt, doch das erklärt die Sache nicht ausreichend. Die Lage der Prostata ähnelt eher der einer Speicheldrüse, und der Zusammenhang mit sexuell übertragbaren Krankheiten ist nicht stark
- Die israelischen Ärzte Dr. Gat und Dr. Goren stellen eine mechanische Ursache der Varikozele für Prostataerkrankungen vor
- Mit zunehmendem Alter verlieren die Einwegventile der Venen ihre Funktion, Blut fließt in die falsche Richtung, und dadurch gelangt eine hohe Konzentration von Testosteron zur Prostata, was das Prostatawachstum fördert. Dies sei die Ursache von BPH und Prostatakrebs.
- Demnach entstehe BPH durch eine Venenschwäche, und durch einen einfachen Eingriff könne man die Vene verschließen, sodass das Blut einen anderen Weg nimmt und die übermäßige Testosteronversorgung der Prostata gestoppt wird, was therapeutisch wirken soll
- Die Theorie ist einfach und wurde teilweise überprüft, benötigt aber noch weitere Forschung
Wie ernst Prostataprobleme sind
- In den USA stirbt 1 von 40 Männern an Prostatakrebs
- BPH (benigne Prostatahyperplasie) tritt bei den meisten Männern über 60 auf
- Sie verursacht Probleme beim Wasserlassen, und es besteht auch ein Risiko für maligne Veränderungen
- Im Vergleich zum Brustkrebs bei Frauen ist die Prostata metabolisch weniger aktiv, weshalb Auffälligkeiten schwerer zu erklären sind
Die bisherige Infektionsthese und ihre Probleme
- Es gibt die Hypothese, dass die Prostata als Gatekeeper für sexuell übertragbare Infektionen fungiert
- Die Prostata sondert jedoch nur Sekrete ab und filtert nichts heraus
- Der Zusammenhang zwischen sexuell übertragbaren Krankheiten und Prostatakrebs ist nicht stark (Odds Ratio nur etwa 1- bis 2-fach)
- Als Hauptursache reicht das nicht aus
Vorstellung der neuen Theorie von Gat & Goren
- Die Behauptung lautet, dass eine Funktionsstörung der Samenvenen die Ursache von BPH, Prostatakrebs und Varikozele sei
- Bei gesunden Männern besitzen die Samenvenen Einwegventile, die einen Rückfluss verhindern
- Wenn diese Ventile versagen, schädigt sauerstoffarmes Blut die Hoden, und der Rückfluss setzt sich bis zur Prostata fort
- Hodenblut weist eine hohe Konzentration von freiem, nicht an SHBG gebundenem Testosteron auf, was eine übermäßige Vermehrung von Prostatazellen auslöst
Mechanismus des Rückflusses und Operationsmethode
- Hodenblut fließt zur Prostata zurück und liefert mehrere hundertfach erhöhte Konzentrationen freien Testosterons
- Der Eingriff besteht in einer Embolisation der Samenvene, um den Rückfluss zu stoppen
- Ein Katheter wird eingeführt und Embolisationsmaterial eingespritzt, um die Samenvene zu verschließen
- Für eine wirksame Behandlung müssen beide Samenvenen und die verbundenen Gefäße mitbehandelt werden
- Dabei wird ein wesentlich gründlicheres Verfahren als bei herkömmlichen Varikozele-Operationen angewendet
Nachweis des Rückflusses und weitere Forschung
- Ein Rückfluss in den Samenvenen ist auch in der etablierten Medizin ein anerkanntes Phänomen
- Gat & Goren haben den Rückfluss per Fluoroskopie direkt beobachtet, doch ein vollständiger Beweis fehlt noch
- Ein deutsches Forschungsteam hat kürzlich eine kleine Reproduktionsstudie durchgeführt, die einige Ergebnisse stützt
- In der Studie von Alyamani wurde eine erhöhte Testosteronkonzentration in den Blutgefäßen der Prostata festgestellt
- Aufgrund der Zyklizität der Hormonsekretion kann die Beobachtung schwierig sein
Grenzen der Theorie und weitere Überlegungen
- Der Eingriff kann das Problem verringern, eine vollständige Wiederherstellung ist jedoch unmöglich
- Ideal wäre nicht die Embolisation der Samenvene, sondern die Wiederherstellung der Ventile, was mit heutiger Technik jedoch nicht möglich ist
- Die Wirkung des Eingriffs ist nicht dauerhaft; mit der Zeit sind Rückfälle durch neu entstandene Umgehungsvenen möglich
- Vermutlich lässt sich das Problem durch einen erneuten Eingriff wieder beheben, doch die praktische Schwierigkeit ist unklar
Gesellschaftliche Hürden
- Wegen mangelnden Interesses in der Medizin sowie Versicherungs- und Regulierungsproblemen ist eine Verbreitung schwierig
- Auch das Risiko medizinischer Klagen und der fehlende Versicherungsschutz für experimentelle Behandlungen sind Hindernisse
- Der Eingriff könnte im Verhältnis zu den Kosten wirksam sein, doch dem gesamten System fehlt das Interesse
- Außer der Klinik von Gat & Goren oder einem deutschen Forschungsinstitut gibt es nur wenige Orte, an denen der Eingriff möglich ist
Fazit und Ausblick
- Es handelt sich um eine einfache und nachvollziehbare Theorie, die sich derzeit jedoch noch nicht breit durchgesetzt hat
- Es braucht aktives Interesse der Medizin und Wissenschaft sowie weitere Forschung
- Eine breite öffentliche Bewegung ist kaum zu erwarten, doch für manche Patienten könnte dies große Hoffnung bedeuten
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ich habe im Februar an einem Lunch-Seminar bei TMCi teilgenommen. TMCi ist ein Startup-Accelerator im Texas Medical Center in Houston.
Die Theorie ist überwiegend mechanischer Natur.
Das Screening auf diese Störung ist einfach.
Diese Probleme spiegeln evolutionäre blinde Flecken wider.
Die Forschung von Gat und Gornish liefert eine hervorragende Erklärung für Prostatavergrößerung.
Bei Frauen ist die Sterblichkeit durch Brustkrebs ähnlich hoch, aber die Brust ist größer und metabolisch aktiver.
Auf Grundlage der vereinfachten Skizze und Begründung erscheint es mir sinnvoller, die beiden kleinen Venenabschnitte zwischen Hoden und Prostata zu veröden.
Ich frage mich, wo Sportkleidung ist, die mit einer Smartphone-App verbunden ist und Temperatur-, Puls-/Pulsoximetrie- und Lageüberwachung ermöglicht.
Gesundes Muskeltraining ist wichtig für den venösen Blutfluss gegen die Schwerkraft.
Guter Artikel, aber es ist seltsam, ganz unten „© Norman Yarvin“ zu sehen.