- Laut der Studie zeigten fast alle Erwachsenen über 40 im MRT „Auffälligkeiten“ der Schulterstruktur, und zwar in hoher Häufigkeit unabhängig davon, ob Schmerzen vorlagen
- Bei 96 % der asymptomatischen Schultern und 98 % der schmerzhaften Schultern wurden Auffälligkeiten der Rotatorenmanschette (RC) gefunden, und die Häufigkeit von Tendinopathie und Teilrupturen unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht
- Vollständige Rupturen schienen in der Schmerzgruppe zwar häufiger zu sein, doch nach Bereinigung um andere Faktoren verschwand der Unterschied
- Die Forschenden betonen, dass diese Ergebnisse eine Veränderung der Sprache und Interpretation bei der MRT-Befundung erforderlich machen
- Expertinnen und Experten empfehlen, Therapieentscheidungen eher an funktionellen Einschränkungen und der klinischen Beurteilung als am MRT-Ergebnis auszurichten
Überblick über die Studienergebnisse
- Die Studie analysierte insgesamt 1.204 Schultern; davon waren 1.076 (90 %) asymptomatisch und 128 (10 %) schmerzhaft
- Bei 96 % (1.039) der asymptomatischen Schultern wurden Auffälligkeiten der Rotatorenmanschette festgestellt
- Bei 98 % (126) der schmerzhaften Schultern wurden Auffälligkeiten festgestellt
- Die Häufigkeit von Tendinopathie und Teilrupturen (partial-thickness tear) war in beiden Gruppen ähnlich
- Zunächst schienen Vollschichtrupturen (full-thickness tear) in der Schmerzgruppe häufiger zu sein, doch nach Bereinigung um andere im MRT gefundene Auffälligkeiten verschwand der statistische Unterschied
MRT-Interpretation und Sprache müssen neu gedacht werden
- Die Forschenden weisen darauf hin, dass häufig im MRT sichtbare „Auffälligkeiten (abnormality)“ in Wirklichkeit wahrscheinlich normale altersbedingte Veränderungen sind
- Daher schlagen sie vor, statt Begriffen wie „Ruptur (tear)“, die einen Reparaturbedarf nahelegen, wertneutrale Ausdrücke wie „Läsion (lesion)“ oder „Degeneration (degeneration)“ zu verwenden
- Diese sprachliche Veränderung kann dazu beitragen, die Angst von Patientinnen und Patienten sowie unnötige Behandlungswünsche zu verringern
Expertenkommentar
- Die Orthopäden Edgar Garcia-Lopez und Brian Feeley von der University of California, San Francisco unterstützen den Vorschlag der Studie zu einer veränderten Sprache
- Die beiden Fachärzte betonen, dass MRT-Ergebnisse im klinischen Kontext interpretiert werden müssen
- Bei nicht traumaassoziierten Schulterschmerzen empfehlen sie, ein MRT erst dann in Betracht zu ziehen, wenn sich nach einigen Monaten Ruhe oder Physiotherapie keine Besserung zeigt
- Auch danach sollten Therapieentscheidungen nicht primär anhand der Bildgebung, sondern anhand der Krankengeschichte, körperlichen Untersuchung und funktionellen Einschränkungen getroffen werden
Klinische Bedeutung
- Die Studie zeigt, dass häufig im MRT sichtbare strukturelle Veränderungen der Schulter nicht zwangsläufig einen krankhaften Zustand bedeuten
- Eine radiologische „Auffälligkeit“ bedeutet nicht automatisch, dass eine Behandlung nötig ist; die klinische Beurteilung sollte Vorrang haben
- Sie deutet außerdem darauf hin, dass die Art der ärztlichen Erklärung und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten verbessert werden müssen
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