Aber was, wenn ich wirklich ein schnelleres Pferd will?
(rakhim.exotext.com)- Plattformveränderungen werden eher von Trends als von Nutzerpräferenzen vorangetrieben
- Netflix und Spotify waren anfangs schnelle und einfache Werkzeuge, bieten heute jedoch eine verwirrende und unkontrollierbare Erfahrung
- Weniger Nutzerkontrolle und fehlende Konsistenz werden als gemeinsame Probleme genannt
- Content-Plattformen werden zunehmend tikTokisiert und konzentrieren sich auf den Konsum kurzer, repetitiver Inhalte
- Nutzer wollen oft nicht etwas völlig Neues, sondern einfach eine bessere bestehende Erfahrung
Ich will doch wirklich nur ein schnelleres Pferd
„Hätte ich die Menschen gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ — Henry Ford
- Dieses Zitat wird oft verwendet, um das Wesen von Innovation zu betonen
- Es wird so interpretiert, dass man statt ein Produkt zu einem bestehenden Markt hinzuzufügen lieber einen neuen Markt schaffen soll
- Aber manchmal wollen Nutzer aufrichtig einfach nur ein schnelleres Pferd
- Innovation muss bestehende Wege nicht zwingend umstürzen
Netflix war ein schnelleres Pferd
- Netflix war 2012 eine herausragende Medienplattform in Bezug auf Content-Auswahl, Empfehlungsalgorithmus und Möglichkeiten zur Nutzeranpassung
- Das 5-Sterne-Bewertungssystem und personalisierte Einstellungen ermöglichten es Nutzern, ihren Geschmack direkt zu steuern
- Es war deutlich schneller und flexibler als eine lokale Mediathek
Das heutige Netflix ist kein schnelleres Pferd
- Inzwischen hat es sich von einer Bibliothek zu einer erlebnisorientierten Plattform gewandelt
- Cover und Empfehlungen für Inhalte, die nichts mit dem Gesehenen zu tun haben, ändern sich fortlaufend und sind algorithmusgetrieben
- Auch „Meine Liste“ und „Weiterschauen“ sind instabil, und Inhalte, die man früher versehentlich angeklickt hat, tauchen wieder auf
- Die Inhaltssuche hat eine Zufälligkeit ähnlich der YouTube-Suche
- Statt in einem klaren und konsistenten Katalog verlieren sich Nutzer in temporären Empfehlungslisten
Spotify geht denselben Weg
- Spotify im Jahr 2015 war wie eine erweiterte Version von iTunes, in der sich Millionen von Songs mühelos durchsuchen ließen
- Die Beziehung zur Musik blieb erhalten, während die Zugänglichkeit stark verbessert wurde
- Heute hat es sich jedoch zu einer Netflix-ähnlichen Struktur gewandelt, bei der mangelnde Konsistenz und abgeschwächte Funktionen als Probleme genannt werden
- Statt einer nutzerzentrierten Bibliothek ist es zu einem zufälligen Content-Strom und einer Podcast-Flut verkommen
Die TikTokisierung der Plattformen
- Statt UX-Innovation hat das Hinterherjagen von Trends Vorrang
- Alle Plattformen übernehmen zunehmend TikToks Modell kurzer, schneller Inhalte
- Nutzer können den Content-Strom nicht steuern; das Modell ist zu einer Struktur regressiert, in der man nur noch den Kanal wechseln kann
- Das ähnelt dem biologischen Phänomen der „Karzinisierung“, bei dem Plattformen durch konvergente Evolution alle gleich aussehen
Beispielplattformen:
- YouTube: von Katalog + Social zu einem TikTok-artigen Video-Feed
- LinkedIn: von einem lebenslaufbasierten Netzwerk zu einer Plattform für kurze Videoinhalte
- Substack: war ein Newsletter-Dienst, führt nun aber einen TikTok-artigen Video-Feed ein
Fazit
- Nicht jeder will ein innovatives Auto
- In vielen Fällen wollen Menschen, dass bestehende Dinge schneller werden und besser funktionieren
- Technologische Innovation sollte in einem Gleichgewicht mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer erfolgen
2 Kommentare
(Ich habe es anfangs fälschlicherweise als netlify und shopify gelesen.)
Hacker-News-Kommentare