- "Go-To-Market-Leitfaden für B2B-Gründer: von der Idee bis zum Product-Market Fit"
- Viele Gründer betrachten die Markteintrittsstrategie (GTM) als perfekte Outbound-Kampagne oder als Übererfüllung der Vertriebsziele durch das Sales-Team.
- Tatsächlich entscheidend ist jedoch der Weg von 0 auf 1, bis man den Product-Market Fit findet.
- In diesem Prozess wird die frühe Strategie festgelegt; ist die Richtung einmal falsch gesetzt, lässt sie sich später nur schwer korrigieren.
Die 5 Phasen auf dem Weg von 0 auf 1
- Vorverkauf (Pre-Sell)
- Design-Partner gewinnen (Design Partners)
- Die ersten Kunden gewinnen (Your First Customers)
- Eine Wachstumsmaschine aufbauen (Building a Growth Engine)
- Über founder-led Sales hinaus skalieren (Scaling Beyond Founder-Led Sales)
1. Vorverkauf (Pre-Sell)
- Typische Fehler früher Gründer
- Zuerst ein Produkt entwickeln, von dem man annimmt, dass Kunden es brauchen → nach dem Launch passt es nicht zu den tatsächlichen Anforderungen.
- Lösung: Schon vor der Produktentwicklung potenzielle Kunden gewinnen → so entsteht ein Produkt, das Kunden wirklich wollen.
- Was bereits in der Ideenphase getan werden sollte
- Dutzende bis Hunderte Kundengespräche führen, bevor das Produkt geschrieben wird
- Nicht das Produkt pitchen, sondern sich auf Kundenprobleme und Anforderungen konzentrieren
- Offene Fragen nutzen → statt „Würden Sie dieses Produkt nutzen?“ besser „Was müsste komfortabler werden?“
- Wichtige Fragen zur Definition der hypothetischen Lösung
- Welchen konkreten Wert schafft das Produkt für den Kunden?
- Welche Teile des aktuellen Prozesses können ersetzt werden und wie funktioniert das?
- Wer ist wirtschaftlicher Käufer und wer der tatsächliche Nutzer?
- Welches Budget gibt es für den Produktkauf und welche Kosten fallen für ähnliche Tools an?
- Wie sieht der Kaufprozess aus und welche Faktoren sind entscheidend?
- Wie stark trägt das Produkt zu den Zielen (OKR) von Käufern und Nutzern bei?
- Welche Mindestanforderungen braucht die tatsächliche Einführung des Produkts (Integration, Sicherheit usw.)?
- Design-Partner gewinnen
- Die engagiertesten potenziellen Kunden als Design-Partner gewinnen
- Über ein LOI (Letter of Intent) Zusagen für Feedback und Produkttests einholen
- Wenn jemand die Teilnahme an einem Pilot für ein maßgeschneidertes Produkt ablehnt → dann wird das Problem vermutlich nicht groß genug gelöst.
- Strategie zur frühen Vermittlung des Produktwerts
- Den Wert allein mit Figma-Mockups und Präsentationen visualisieren
- Den konzeptionellen Rahmen demonstrieren und dabei den Entwicklungsaufwand minimieren
- Meilensteine und Preis im LOI festhalten
- Meilensteine → klare Erwartungen an das Minimum Viable Product (MVP) setzen
- Preis → prüfen, ob tatsächlich Zahlungsbereitschaft besteht
- Interesse an einem kostenlosen Produkt lässt sich leicht erzeugen, aber erst bei bezahlter Umstellung zeigt sich der echte wahrgenommene Wert.
- Rabattstrategie nach der Pilotphase
- Kunden erhalten einen Rabatt als Gegenleistung für die frühe Zusammenarbeit
- So lässt sich ein Referenzpunkt für den Preis gewinnen, den Kunden als angemessen empfinden.
- Bewertung des durchschnittlichen Vertragswerts (ACV) → wichtige Informationen für Produktstrategie und Markteintrittsstrategie
- Die Bedeutung klarer Erwartungssteuerung
- Reife Produkte verlangen hohe Ausführungsstandards
- In der Design-Partner-Phase muss klar kommuniziert werden, dass das Produkt im Rahmen der Zusammenarbeit noch unfertig ist.
- Kernziele der Vorverkaufsphase
- Validieren, ob tatsächlich ein ausreichend großes Problem gelöst wird
- Ein Produkt definieren, das zu den Kundenanforderungen passt
- Durch Kundengespräche und Marktvalidierung eine klare frühe Strategie festlegen
2. Design-Partner gewinnen (Design Partners)
- Nach einer klaren Strategie beginnt die Produktentwicklung
- Wenn die frühe Strategie validiert ist und engagierte Design-Partner gewonnen wurden, beginnt der Bau des echten Produkts.
- Ziel ist ein Produkt, das das Kernproblem der Kunden löst und für die meisten potenziellen Kunden attraktiv ist.
- Kriterien für die Auswahl von Design-Partnern
- Kunden gewinnen, die einen breiteren Markt repräsentieren können
- Ziel ist es, generische Funktionen statt individueller Sonderlösungen zu bauen.
- Warum die Zahl früher Kunden begrenzt werden sollte
- Bis zur Produktvalidierung sollte die Zahl früher Kunden begrenzt bleiben, damit Ressourcen nicht zerstreut werden.
- Für ein B2B-Unternehmen sind 3 bis 5 frühe Design-Partner angemessen.
- Zusammenarbeitsstruktur mit Design-Partnern festlegen
- Vorab eine Struktur für die Zusammenarbeit definieren → die Erwartungen mit dem Kunden müssen übereinstimmen.
- Regelmäßige Feedback-Sessions einplanen (z. B. wöchentliche oder zweiwöchentliche Meetings)
- Vorab eine klare Agenda teilen → konkretisieren, welches Feedback erwartet wird
- interne Interviews
- Monitoring des Onboarding-Prozesses
- Beobachtung von Nutzungsmustern des Produkts
- Produktverbesserung auf Basis von Kundenanforderungen
- Breite Kundenanforderungen verstehen und einarbeiten
- Kunden das Gefühl geben, zum Produkterfolg beizutragen → das hilft später bei Empfehlungen und Referenzen.
- Schnelle Produktiteration und Verbesserung
- Schnelle Iterationszyklen auf Basis von Kundenfeedback einrichten
- Keine Zeit damit verschwenden, Funktionen bis zur Perfektion auszuarbeiten → schneller Launch und anschließende Feedback-Integration sind wichtiger.
- Die Nutzungserfahrung realer Kunden ist die verlässlichste Informationsquelle.
- Wichtige Fehlerquellen vermeiden
- Sich darauf zu konzentrieren, angeforderte Funktionen perfekt umzusetzen → in realer Nutzung ist ein Scheitern dann wahrscheinlicher.
- Den Fokus auf Produktverbesserungen anhand echter Rückmeldungen und Nutzungsdaten legen
3. Die ersten Kunden gewinnen (Your First Customers)
- Von frühen Design-Partnern zur ersten echten Kundengruppe skalieren
- Sobald Vertrauen in das Produkt entsteht und die Design-Partner eigenständig werden, ist der Zeitpunkt für die Ausweitung erreicht.
- Es braucht eine schrittweise Expansion in einem Zustand, in dem Kundenanforderungen verstanden und beantwortet werden können.
- Warum eine gestufte Launch-Strategie nötig ist
- Beim Verständnis der Kundenanforderungen zugleich die Skalierbarkeit testen
- Kunden gewinnen, die den Design-Partnern ähneln → Test unter Bedingungen, in denen der Markt bereit ist
- Wege zur Gewinnung früher Kunden
- Branchennetzwerke, Investoren und persönliche Kontakte → zentrale Wege zur Gewinnung früher Kunden
- Idealerweise sollten neue Kundensegmente gewonnen werden → zu starke Abhängigkeit von bestehenden Kontakten kann die echte Marktreaktion verzerren.
- Pilotprogramme strukturieren
- Piloten ähnlich wie bei Design-Partnern aufsetzen → mit automatischer Konvertierungsstruktur
- Nach Ende des Piloten ohne Neuverhandlung in einen regulären Vertrag überführen
- Kundeneinblicke zur Verbesserung der Sales-Strategie gewinnen
- Die aus den frühen Design-Partnern gewonnenen Erkenntnisse zur Verbesserung der Sales-Strategie nutzen
- Beim Onboarding neuer Kunden besonders auf Folgendes achten:
- Welche Botschaften kommen bei Kunden gut an?
- Wer ist entscheidungsbefugt?
- Welche Faktoren beschleunigen oder verzögern den Vertragsabschluss?
- Wie läuft die Budgetzuweisung ab?
- Wann und wo fällt die Kaufentscheidung?
- Wie wird der Produkterfolg gemessen?
- Datenbasierte Strategieanpassung
- Reaktions- und Verhaltensdaten der Kunden sorgfältig dokumentieren → Messaging und Produktstrategie fortlaufend verbessern
- Es braucht klar definierte Customer Personas und Zielsegmente.
- Wichtige Risiken bei der Kundenauswahl und wie man sie vermeidet
- Risiken großer Enterprise-Verträge
- Zu Beginn sind mehrere kleine Verträge stabiler als ein übergroßer Abschluss.
- Fokus auf einen großen Kunden → kann Ressourcen übermäßig binden und Risiken erzeugen
- Risiko übermäßiger kundenspezifischer Anforderungen
- Zu viele Custom-Anforderungen → Ressourcenverschwendung, wenn sie sich nicht auf andere Kunden übertragen lassen
- Beispiel: spezielle Datenstrukturen oder bestimmte Integrationsanforderungen
- Risiko eines nicht skalierbaren Kundenprofils
- Wenn frühe Erfolge nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt sind, werden Ressourcen verschwendet.
- Beispiel: ein Produkt für kleine Läden, obwohl das eigentliche Zielsegment mittelständische Unternehmen sind
- Fragen zur Kundenauswahl
- Lassen sich diese Anforderungen parallel zur Entwicklung des Kernprodukts erfüllen?
- Kann der laufende Supportbedarf dieses Kunden bewältigt werden?
- Lässt sich dieser Kundentyp wiederholt gewinnen?
- Treten die Anforderungen dieses Kunden auch bei anderen Kundengruppen auf?
- Kann das aktuelle Produkt diesem Kunden echten Mehrwert bieten?
- Unpassende Kunden konsequent aussortieren
- Kunden, die klar außerhalb des Zielsegments liegen, sollten konsequent aufgegeben werden.
- Der Opportunitätsverlust durch ineffizienten Kundensupport ist größer als entgangener Umsatz.
4. Eine Wachstumsmaschine aufbauen (Building the Growth Engine)
- Nach den ersten Kunden beginnt die Skalierungsphase
- Sobald frühe Kunden das Produkt stabil nutzen, beginnt die Phase des Aufbaus einer Wachstumsmaschine.
- Der Gründer führt den Vertrieb zunächst selbst und skaliert nach Erreichen des Product-Market Fit (PMF).
- Eine ernsthafte Erweiterung des Sales-Teams erfolgt nach Erreichen von etwa 1 Mio. US-Dollar Annual Recurring Revenue (ARR).
- Diese Phase ist eine Experimentierphase
- Testen und lernen, welche GTM-Strategie funktioniert
- Das frühe Sales-Team folgt der vom Gründer gesetzten Strategie, daher ist die frühe strategische Festlegung entscheidend.
- Mit begrenzten Ressourcen verschiedene Strategien erproben, um die Basis für langfristigen Erfolg zu schaffen
- Vier Kernelemente der Wachstumsmaschine
- 1. GTM-Strategie (Go-To-Market Motion)
- Es braucht eine Kombination aus Strategien wie Inbound, Outbound, PLG und ABM.
- Erforderlich ist ein Verständnis des Kaufentscheidungsprozesses der Kunden.
- Neue Produktkategorie → Kunden müssen erst aufgeklärt werden
- Bestehende Produktkategorie → entscheidend ist der Zugang zum Kunden im Moment der Kaufentscheidung
- Je höher der ACV (durchschnittlicher Vertragswert), desto stärker muss die Strategie auf hohe Einbindung setzen.
- Einfaches Produkt → wenige Touchpoints
- Hochpreisiger Vertrag (6- bis 7-stellige Beträge) → viele Touchpoints erforderlich
- 2. Buyer’s Journey
- Den Produktwert vermitteln → den Kaufprozess des Kunden verstehen
- Wichtige Entscheider und Nutzer gleichzeitig überzeugen
- Einfaches Produkt → eine öffentliche Demo kann genügen
- Komplexes Produkt → individuelle Demo und 1:1-Onboarding notwendig
- Buyer’s Journeys nach Customer Persona testen → wirksam beim Aufbau einer GTM-Strategie
- 3. Vertriebskanäle (Channels)
- Verstehen und testen, wo es Kundentouchpoints gibt
- soziale Kanäle wie LinkedIn, Twitter und TikTok
- Offline-Kanäle wie Branchenevents und Konferenzen
- Partnerkanäle → erlauben einen vertrauensbasierten Zugangsansatz
- Kunden parallel über mehrere Kanäle ansprechen, um die Chancen auf Kundengewinnung zu maximieren
- Kundenempfehlungen und branchenspezifische Ökosysteme nutzen → kann den Eintritt in einen Hyper-Scale-Modus ermöglichen
- 4. Pitch und Positionierung (Pitch and Positioning)
- Die Marktposition des Produkts und seine Differenzierung gegenüber Wettbewerbern klar festlegen
- Je nach Kundentyp sind unterschiedliche Botschaften und Ansätze nötig.
- Einen erfolgreichen Pitch strukturieren → Grundlage für eine wiederholbare Sales-Strategie
- Grundlegenden Sales-Funnel aufsetzen und Conversion Rates verfolgen
- Wenn Kunden nach dem ersten Meeting abspringen, die Ursache analysieren
- falsches Targeting vs. Problem in der Botschaft
- Die Strategie anhand der Kundenreaktionen kontinuierlich anpassen
- Ideal Customer Profile (ICP) schärfen
- Beispiel: „Ein Robotikunternehmen mit Series-B-Finanzierung, das noch kein Data-Science-Team aufgebaut hat“
- Wiederholbaren Sales-Prozess etablieren
- Sales-Prozess und Performance verfolgen → eine konsistente Strategie aufbauen
- Für verschiedene Segmente können unterschiedliche GTM-Strategien entwickelt werden.
- Was man nach dem Aufbau der Wachstumsmaschine wissen sollte
- Wer ist der Zielkunde (ICP)?
- Wie sollte dieser Kunde angesprochen werden?
- Wer sind die wichtigsten Entscheider und wie läuft der Kaufprozess ab?
- An welcher Stelle im Sales-Zyklus werden Abschlüsse am schnellsten erzielt?
- Was sind die Hauptgründe für Kundenabsprünge?
- Wie lange dauert der Sales-Zyklus im Durchschnitt?
- Was ist die Kernbotschaft des Produkts?
- Wie wird der ROI des Produkts gemessen?
- Profitabilität und Skalierbarkeit validieren
- Vergleichen, was Kunden zu zahlen bereit sind (ACV, ARPU, LTV), mit den Kosten für Kundengewinnung und Service (CAC)
- Die aktuellen Kunden sind die stärkste frühe Kundengruppe → wenn die heutige wirtschaftliche Struktur nicht tragfähig ist, wird sie es langfristig ebenfalls nicht sein.
5. Über founder-led Sales hinaus skalieren (Scaling Beyond Founder-Led Sales)
- Der Zeitpunkt zur Skalierung ist erreicht, wenn GTM-Playbook und Sales-Prozess klar definiert sind.
- Sobald der Gründer selbst zum Engpass des Wachstums wird → muss das Sales-Team erweitert werden.
- Strategie für den anfänglichen Aufbau des Sales-Teams
- Recruiting-Prioritäten festlegen
- Die Prioritäten bei der Einstellung hängen von folgenden Faktoren ab:
- Wo im Sales-Funnel entsteht der größte Engpass?
- Welche Art von GTM Motion und welche Eigenschaften hat der Zielkunde?
- Welche Fähigkeiten des Gründers müssen ergänzt werden?
- Bei der Einstellung eines Head of Sales vorsichtig vorgehen
- Viele Gründer wollen zuerst einen Head of Sales einstellen → das kann ineffizient sein.
- In der frühen Phase sind Junior-Talente oft besser geeignet.
- Sie können Outbound-Sales auf Basis der vom Gründer definierten Strategie umsetzen.
- Senior-Personal → neigt eher dazu, auf einer festen Strategie zu beharren
- In bestimmten Branchen kann es Ausnahmen geben
- In beziehungsgetriebenen Branchen kann eine erfahrene Führungskraft wirkungsvoller sein.
- Aber auch dann ist es effektiver, Senior-Personal als Consultant oder Advisor einzubinden.
- Pair-Hiring-Strategie für Junior-Talente
- Frühe Sales-Mitarbeiter paarweise einstellen
- Wettbewerb steigert die Leistung
- Leistungsvergleich und Leistungsbewertung werden einfacher
- Selbst wenn eine Person geht, sinkt das Risiko eines Stillstands im Sales-Prozess.
- Leistungsziele festlegen
- Anfangsziele auf etwa 50 % der Gründerleistung setzen
- Gründer erzielen im Vertrieb in der Regel höhere Leistungen → Ziele sollten das berücksichtigen.
- Strategie zur Verstärkung und Erweiterung des Sales-Teams
- Bei Bedarf externe Ressourcen einsetzen
- Beispiel: Auftragnehmer für Whitepaper oder Social-Media-Interns
- Die Belastung des Kern-Sales-Teams minimieren
- Erst nach stabiler Teamleistung weiter skalieren
- Wenn frühe Sales-Mitarbeiter ihre Ziele stabil erreichen → weitere Expansion
- Entweder intern Führungskräfte entwickeln oder erfahrene Leader extern einstellen
- Wann ein Sales-Leader eingestellt werden sollte
- Wenn frühe Mitarbeiter ihre Leistung stabil erreichen und berechenbares Wachstum möglich wird
- Dann kann das Team auf Basis neuer GTM-Strategien erweitert und neu organisiert werden.
- An diesem Punkt ist offiziell Phase „1.“ erreicht!
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