Der Marshmallow-Test und Erziehung
- Ein berühmtes psychologisches Experiment, bei dem Kinder testen, ob sie einen Marshmallow sofort essen oder 15 Minuten warten, um zwei zu bekommen
- Die Schlussfolgerung, dass Kinder, die warten können, bessere schulische Leistungen erzielen und im Leben bessere Ergebnisse haben, hat sich weit verbreitet
- Spätere Studien zeigten jedoch, dass es Faktoren gibt, die sich nicht allein durch einfache Selbstkontrolle erklären lassen
Warten ist kein Charakterzug, sondern eine Strategie
- Warum Vertrauen wichtig ist
- Studien zufolge können Kinder, die in einem stabilen familiären Umfeld aufwachsen, tendenziell besser warten.
- Wenn Eltern ihre Versprechen häufig brechen, lernt das Kind die Strategie: „Warten bringt ohnehin nichts.“
- Warten ist kein bloßes Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine Strategie, die je nach Umfeld erlernt wird.
- Der Einfluss des wirtschaftlichen Hintergrunds
- Kinder aus wohlhabenden Familien neigen dazu, länger zu warten.
- In einer Umgebung, in der selbst beim Warten ausreichend Nahrung gesichert ist, fällt Warten leichter.
- Dagegen kann für Kinder, die in einem Umfeld mit unsicheren Ressourcen aufwachsen, die sofortige Entscheidung eine Überlebensstrategie sein.
Kinder lernen, indem sie ihre Eltern beobachten
- Vorhersehbarkeit schafft Vertrauen
- Kinder bauen Vertrauen durch wiederkehrende Routinen und Konsistenz auf.
- Wenn man „Warte nur 5 Minuten“ sagt, muss man sich auch tatsächlich daran halten. Andernfalls glaubt das Kind den Worten der Eltern nicht mehr.
- Halten Eltern ihre Versprechen, lernt das Kind, dass Warten einen Wert hat.
- Der Einfluss des Verhaltens der Eltern auf das Kind
- Wenn Eltern ihrem Kind sagen zu warten, selbst aber Ungeduld zeigen, kann das Kind Warten ebenfalls nicht lernen.
- Die beste Schule des Wartens ist, wenn Eltern selbst vorleben, geduldig zu sein.
Es gibt auch kulturelle Unterschiede
- In Japan gibt es eine Kultur, in der Kinder beim Essen oder bei Geschenken ruhig warten.
- In den USA hingegen gibt es eine Kultur, die unmittelbare Belohnungen stärker betont.
- Diese kulturellen Unterschiede beeinflussen auch die Ergebnisse des Marshmallow-Tests.
Vertrauen ist der Schlüssel
- In einer Studie von 2012 wurden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt.
- Gruppe, bei der Versprechen eingehalten wurden (wenn Buntstifte versprochen wurden, bekamen sie diese tatsächlich)
- Gruppe, bei der Versprechen gebrochen wurden (Buntstifte wurden versprochen, aber nicht gegeben)
- Ergebnis: Die Kinder aus der Gruppe, bei der Versprechen eingehalten wurden, warteten länger auf den Marshmallow.
- Der Kern des Wartens war nicht Selbstkontrolle, sondern Vertrauen.
Fazit: Eltern schaffen das Umfeld
- Kinder lernen das Warten in dem Umfeld, das ihre Eltern schaffen.
- Kleine Handlungen (Versprechen einhalten, feste Routinen pflegen, eine konsistente Haltung) formen das Vertrauen der Kinder.
- Wichtig ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder warten können — und das prägt letztlich auch ihre Haltung zum Leben.
- Damit Kinder eines Tages ihren eigenen Marshmallow-Test bestehen können, müssen Eltern zuerst Vertrauen aufbauen.
3 Kommentare
Ich kenne Kinder: Sie entwickeln sofort eine Strategie, um eines direkt zu bekommen und 15 Minuten später noch zwei weitere zu erhalten.
Mir fällt auch der Gedanke ein, dass es nicht nur wichtig ist, dass Eltern bei Versprechen verlässlich sind, sondern auch, Kinder dazu zu befähigen, ihre eigenen Versprechen einzuhalten.
Ich habe gehört, dass ein Kind, wenn es auf dem Spielplatz spielt und man plötzlich sagt: „Jetzt gehen wir nach Hause“, quengelt und nicht will. Wenn man aber vereinbart: „Wir rutschen jetzt noch fünfmal und dann gehen wir“, lernt das Kind, sich selbst zu kontrollieren.
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