Das Zeitalter des Durchschnitts – Das Verschwinden von Originalität und seine Auswirkungen
Einführung
- In den 1990er Jahren schufen die russischen Künstler Vitaly Komar und Alexander Melamid anhand von Umfragen Kunst, die den Wünschen der Menschen entsprach
- Das Ergebnis waren selbst in unterschiedlichen Kulturkreisen nahezu identische Landschaftsgemälde in Blautönen
- Diese Arbeit symbolisiert eine gesellschaftliche Tendenz, bei der gemeinsame Vorlieben stärker betont werden als individuelle Originalität
- In modernen kreativen Bereichen dominiert Ähnlichkeit, während Individualität und Originalität zunehmend verschwinden
Ähnlichkeit im Innendesign
- Airbnbs „internationaler Stil“:
- weiße Wände, Möbel aus Naturholz, Nespresso-Maschine, Edison-Glühbirnen, offene Regale usw.
- Der Airbnb-Stil wird gleichermaßen auf Wohnungen, Cafés, Restaurants und andere Räume angewendet
- Durch eine globalisierte Designsprache werden regionale und kulturelle Unterschiede verwässert
Ähnlichkeit in der Architektur
- Moderne Architektur legt Wert auf Anonymität und Funktionalität wie bei Nicht-Orten (non-place)
- Der amerikanische „Five-Over-One“-Stil:
- kostengünstiger Holzrahmenbau, kastenförmige Struktur, Fassaden aus Faserzement und Ziegel
- dieselben Baupläne werden wiederverwendet und verbreiten sich landesweit
- Das führt letztlich zum Verlust städtischer Identität und zur Missachtung des architektonischen Kontexts
Ähnlichkeit im Autodesign
- „Windkanal-Effekt“:
- Durch Aerodynamik und Anforderungen des globalen Marktes gleichen sich Autodesigns an
- Zunahme monochromer Farben:
- 1996 waren 40 % der Autos schwarz-weiß bzw. in Grautönen → 2016 stieg der Anteil auf 80 %
- Aufgrund globaler Geschmäcker und Kosteneffizienz ist die Farbauswahl eingeschränkt
Ähnlichkeit bei Aussehen und Mode
- Instagram Face:
- eine standardisierte Schönheit, erzeugt durch Photoshop, Filler und Make-up-Techniken
- Der Stil von Kim Kardashian ist die wichtigste Inspirationsquelle
- Kleidung:
- Durch globale Fast Fashion und Konsumismus fehlt es an Individualität
Ähnlichkeit in Medien und Inhalten
- Filme:
- Wiederholung von Postern und Genre-Klischees
- Seit 2000 machen Franchise-orientierte Filme den Großteil aus
- Bücher:
- Verbreitung von Schimpfwörtern in den Titeln von Selbsthilfebüchern
- Romantitel im Format „The Girl with ...“
- Spiele:
- Fokus auf große Franchises, Mangel an neuen IPs
Ähnlichkeit bei Marken und Werbung
- Blanding:
- moderne Markenidentitäten werden durch monotone Schriftarten, Pastelltöne und schlichte Logos ersetzt
- Auch Werbung wird durch einen minimalistischen Stil homogenisiert
- Taglines:
- ähnliche Formulierungen wie „Find Your X“ und „X, Your Way“ werden wiederholt verwendet
Fazit: Die Notwendigkeit von Originalität
- Durchschnittliches Design und durchschnittliche Inhalte streben nach Effizienz, opfern dabei jedoch Originalität
- Gleichzeitig bietet dieses Umfeld die Chance, kreative und mutige Ansätze zu versuchen
- „Das Zeitalter des Durchschnitts ist eine Chance für das Zeitalter der Originalität“
- Es braucht neue Wege sowie Marken und Designs, die sich unterscheiden können
- Slogan der Werbeagentur BBH: „Wenn die Welt geradeaus geht, ziehen wir die Kurve (Zig When the World Zags).“
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ein Teil der Architekturkritik stammt aus der Perspektive einer bestimmten wohlhabenden Schicht. Austin hat erfolgreich viele mittelgroße Apartmenthäuser gebaut und so die Mieten gesenkt.
Ein größeres Problem als die Ähnlichkeit von Cafés und Restaurants ist das Verschwinden regionaler Küche.
Etwa alle zehn Jahre entsteht ein eigener Stil und verbreitet sich.
Bei Innenraum- und Architekturdesign sind Nutzbarkeit und Barrierefreiheit wegen Kosten und Regulierung schwierig.
"f*ck"-Bücher sind ein Mittel, um Geld zu verdienen.
Wenn man nur auf dieselben Dinge schaut, sieht alles gleich aus.
Je kleiner die Welt wird, desto schneller verbreiten sich Ideen.
Die Besessenheit von quantitativer Optimierung könnte das Problem sein.
Das Durchschnittliche wird unendlich weiter verkleinert.
Nach Vorlieben in der Kunst zu fragen, ist unrealistisch.